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Thema: Federhammer Meitinger Rationell Instandsetzen Überholen Restaurieren Restauration

  1. #1
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    Federhammer Meitinger Rationell Instandsetzen Überholen Restaurieren Restauration

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    Guude!

    Falls es jemanden interessiert und auch mal gebrauchen kann.
    Anfang Mai konnte ich einen Meitinger Rationell Baujahr 1965 erwerben.
    Transportbilder sind in diesem Fred mit drin: https://www.messerforum.net/showthre...nell-Transport.

    Im Prinzip hätte man nur ein bißchen Fett überall reindrücken müssen, Bärspiel etwas einstellen und losschmieden können.
    Da der Hammer aber die letzten 25Jahre stand, wollte ich ihn wenigstens vom alten Fett reinigen und mal Bestandsaufnahme machen. Riemen gingen grade noch so, konnten aber auch erneuert werden.
    Also habe ich die Kiste mal auseinandergenommen und gereinigt, war eine ziemliche Sauerei. Und weil er dann so schön sauber war, dachte ich, ein bißchen Farbe könnte nicht schaden.
    Also habe ich jedes Teil, ja wirklich jedes, entlackt und entrostet und wieder neu lackiert, also nicht nur einfach alles überstrichen. War auch nochmal eine scheißarbeit, hat sich aber gelohnt.

    Die Lager waren eigentlich garnicht so schlecht, liefen nur ein kleines bißchen rau. Da eh schon auseinandergebaut, dachte ich, neue Lager können nicht schaden.
    Die Achsen waren in vertretbaren Maß eingelaufen, deswegen entschloß ich mich, sie wieder einzubauen.

    Der ganze Hammer ist einfachster aber solider Maschinenbau, da macht es Freude dran zu schrauben. Kein hochkomplizierter Mist.
    Selbst Gußteile könnte man, wenn es sein muß, aus Stahl nachfertigen.

    So stand er beim Verkäufer.








    Die Demontage ist jetzt nicht bis ins kleinste dokumentiert, die meisten Sachen sind selbsterklärend. Ein zweiter Mann ist manchmal nicht schlecht.
    Die Pfeile in den Fotos sind als Gedächtnisstütze für mich. Der grüne im ersten Foto ist mir entfallen.
    Auf jeden Fall erstmal Riemenabdeckung, Riemen und Riemenscheibe + Kupplung unten entfernt.



    Mutter + Kontermutter abschrauben und nacheinander Druckscheibe, Kupplungsscheibe mit Reibscheibe und Keilriemenscheibe abnehmen.
    Aupassen auf den Keil.



    Darunter kommen dann Nadelkranz und Axiallager zum Vorschein. Auch abnehmen.



    Zugstange vom Nockenhebel aushängen und diesen auch entfernen.



    Gelber Pfeil: noch ein Nadelkranz, grüner Pfeil: da sitzt der Keil






    Kleiner Tip: Die Distanzschrauben für die Einstellung vom Bärspiel nach der Demontage freidrehen.
    Ca. 55mm nach dem Gewinde, so das die Mutter leicht auf der Freidrehung gleiten kann.
    Erleichtert die Montage der beiden Schrauben ungemein.
    Zur Demontage muß man nämlich das Gehäuse vorne aufbiegen, geht nur mit zwei Mann und ist nicht so ohne.




    Stellvertretend für die anderen Teile. Reinigung von Fettschmiere vorher/nachher.






    Stellvertretend ein Foto für alle Teile. War innen noch nicht ganz fertig entlackt und entrostet.
    So habe ich das mit allen Teilen gemacht.




    So, erstmal Ende, die Tage geht es weiter.

    Gruß aus Middlhesssn,

    Holgi

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  3. #2
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    AW: Federhammer Meitinger Rationell Instandsetzen Überholen Restaurieren Restauration

    So, es geht ein bißchen weiter.

    Vor dieser Demontage muß man natürlich erstmal die verstellbare Pleuelstange entfernen.
    Das bedarf aber keiner Dokumentation da selbsterklärend.


    Zugstange und Nockenhebel werden ja verbunden (grüner Pfeil).
    Weiß zufällig jemand, wofür die zweite Bohrung (gelber Pfeil) und die zwei Blechwinkel (rote Pfeile) sind?
    Wenn man die Zugstange in die zweite Bohrung hängt, wird der Pedalweg logischerweise kürzer. Ist das so gedacht?





    Auf der rechten Seite kann man jetzt das Schwungrad abziehen. Erst Sicherungsschraube vom Keil ausschrauben.
    Eigentlich könnte man den Keil mit einem Hebel heraushebeln. Bei mir saß der aber so fest, daß ich ihn zusammen mit dem Schwungrad abgezogen habe.
    Ging halt nicht anders. Das Schwungrad kontinuierlich gedreht und mit einem großen Kunststoffhammer schnell dagegen geschlagen.
    Fotos davon habe ich keine.






    Wichtig! Bevor man die Flanschlager rechts und links der Kurbelwelle demontiert, erst die Fettnippel entfernen!
    Man kann auch schon die zwei gekonterten Klemmschrauben M12 lösen und entfernen.
    Linke Schraube ist für das Distanzstück, rechte Schraube für die Exzenterscheibe.
    Die Exzenterscheibe ist auch nochmal mit einem Keil mit der Kurbelwelle verbunden!!!







    Jetzt kann man die Flanschlagerschrauben links und rechts entfernen.






    Flanschlager links (Riemenscheibe) läßt sich jetzt abziehen. Es kommen nochmal ein Nadelkranz und ein Axiallager zum Vorschein.
    Auch mit abziehen.
    Zum Schutz des Gewindes kann man die zwei Muttern wieder aufschrauben.







    Rechten Lagerflansch mit Nadelkranz ebenfalls entfernen.







    Hier sitzt der Keil für die Exzenterscheibe!
    Achtung! Auf der rechten Seite erstmal den Grat der Nut der Schwungscheibe entfernen!
    Die Kurbelwelle habe ich dann von rechts nach links mit dem Kunststoffhammer herausgeschlagen.
    Ging ein bißchen schwer wegen Grat der Keilnut und dem Keil.





    Hier sieht man die Bäreinstellschraube, die ich, wie oben beschrieben, freigedreht habe.
    Auch wenn man die inneren Kontermuttern ganz einschraubt, kann man ohne aufbiegen des Gehäuses diese nicht herausziehen.






    Die zwei Bäreinstellschrauben kann man von innen etwas größer stellen, dann hat man auch mehr Spiel zum Bär entfernen.
    Zum entfernen des Bärs habe ich die jeweils 2 oberen Schrauben der Bärführung entfernt (rote Pfeile).
    Damit war genug Spiel vorhanden, daß man den Bär etwas nach vorne kippen und so nach oben schiebend die Feder "aushängen" kann.
    Die zwei unteren Schrauben bleiben erstmal gelöst zur Sicherung noch drin.
    Ist mit zwei Mann wesentlich einfacher.
    Danach dann die Bärführung komplett abschrauben.

    Danach das Federpaket demontieren. Dafür erst die Klemmschraube M12 entfernen (an der Nabe des Federpaketes).
    Jetzt kann man die Lagerwelle herausklopfen (Federpaket gegen herabfallen sichern) und das Federpaket entnehmen.
    Lagerflansche entfernen.







    Weiß zufällig jemand, für was der Kasten neben dem Motor ist?
    Kann das ein "Sanftanlauf" sein? Habe ich sonst noch auf keinem Meitinger Bild im Internet gesehen.




    Vor der Demontage der Vorgelegewelle erst die Riemenscheibe abziehen.
    Dafür den Seegerring entfernen.



    Es sind zwei Seegerringe vorhanden!



    Vorgelegewelle abschrauben.







    So, das war alles an Fotos zur Demontage. Man denkt ja nicht gleich daran, das für das Internet zu machen.
    Alle anderen Demontagearbeiten sind aber selbsterklärend und auch nicht schwierig, es sein denn, Schrauben gehen nicht auf.
    Für die Montage mache ich etwas mehr Fotos.

  4. #3
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    AW: Federhammer Meitinger Rationell Instandsetzen Überholen Restaurieren Restauration

    Gehäuse komplett entrostet, entlackt und lackiert, natürlich auch innen.
    Haubengummis sind neu. Gibt es im Landmaschinenhandel oder Internet.
    Standart Haubengummi 125mm lang.
    Alles entrostet und entlackt mit Scheibenzopfbürste 125mm für die Flex.
    Farbe Resedagrün Matt (Maschinengrün) RAL 6011 Industrielack.
    Alles gerollt.











    Es sind nicht alle Teile auf der Palette, aber natürlich alle Teile entrostet, entlackt und lackiert.







    Für die Riemenscheibe habe ich mir eine Hülse angefertigt als "Füllmaterial" für den Zwischenraum zwischen den Lagern.
    Spiel zwischen der Welle und der Riemenscheibe jeweils 0.5mm, damit nicht der ganze Raum mit Fett ausgefüllt wird.
    Die Lager sind neu und beidseitig abgedichtet. Die alten Lager sind ja innen offen.
    Das Fett dient also nur noch zur Gleitschmierung der seitlichen Bewegung der Riemenscheibe auf der Achse.


  5. #4
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    Re: Federhammer Meitinger Rationell Instandsetzen Überholen Restaurieren Restauration

    Schöne bilderanleitung!
    Ich hab keinen Hammer aber der Kasten neben dem Motor würde als Gehäuse für einen Kondensator Sinn machen. Was ist denn drinn?
    Kondensatoren gibt es ja in vielen Größen der Form mach erinnern sie an "Haushaltsübliche" Batterien.

    Das Mit dem Füllmaterial im Lager ist eine Interessante Idee.
    Das Füllmaterial sitzt locker auf der Welle und kann sich bewegen?

  6. #5
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    AW: Re: Federhammer Meitinger Rationell Instandsetzen Überholen Restaurieren Restaura

    Zitat Zitat von Geonohl Beitrag anzeigen
    Das Mit dem Füllmaterial im Lager ist eine Interessante Idee. Das Füllmaterial sitzt locker auf der Welle und kann sich bewegen?
    Ja, schrieb ich ja, rundum 0.5mm Spiel, also Innendurchmesser, Aussendurchmesser und Länge. Frei beweglich, "schwimmt" nach Montage und fetten sozusagen im Fett.
    Behindert in keinster Weise die Beweglichkeit der Riemenscheibe und reibt auch nirgendwo.
    Ganz grob ausgedrückt: Ein Stückchen Rohr aus Alu .



    So sieht es im Kasten aus. Man kann nur den Deckel oben abnehmen, von unten ist der Kasten verschweißt.
    Der Hammer stand früher in einer Landmaschinenwerkstatt mitten im Vogelsberg. Ob da in den 60er Jahren die Stromversorgung schon so gut und stabil war?
    Beim Testlauf beim Verkäufer lief der Motor gleich "normal" an. Wie ein Drehstrommotor halt so anläuft.
    Ich habe aber auch noch nie einen Drehstrommotor der auf 380V läuft mit Anlaufkondensator gesehen (falls das einer ist).
    Oder ist das vielleicht zum Entstören?
    Eventuell kann man das sogar abklemmen, weil es nicht mehr gebraucht wird?








    Dick Blau (links unten), dick Schwarz (mitte unten), dick Grau (rechts unten) kommen vom Schalter.

    Hell Blau (links unten), dünn Schwarz (mitte unten), Braun (rechts unten) gehen in den Kasten.







    Bei meiner Hand geht das Kabel von der Steckdose in den Schalter. Rot geht durch bis zum Motor als Masse.
    Grau, Blau, Schwarz gehen auch in den Motorschaltkasten.






    So ist der Stecker verkabelt.
    R1 = schwarz
    S2 = hell blau
    T3 = weiß
    N = nicht belegt
    Erde= rot (mitte unter den anderen Kabeln)





    Motor:
    220/380V
    6.2/3.6A
    50Hertz
    1.5kw
    1410U/min
    cosY 0.78
    ED% (keine Angabe).


  7. #6
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    AW: Federhammer Meitinger Rationell Instandsetzen Überholen Restaurieren Restauration

    Mal kurz was zwischendurch.


    Die alten Nadelkränze werden ersetzt.
    65 lang durch 3x 20 lang + Zwischenring aus Ampco18 D=35.10xD=44.90x5dick (2x 30 lang war nicht mehr verfügbar).
    50 lang durch 1x 20 lang + 1x 30lang.
    40 lang durch 2x 20 lang.

    Bezeichnungen der Nadelkränze:
    INA Nadelkranz K35X45X30-A/0-7
    INA Nadelkranz K35X45X20-A-1-3

    So wie die Originalen waren sie im Fachhandel nicht verfügbar, deshalb sind die Längen gestückelt. Macht aber in der Funktion nichts aus.





    Die zwei offenen Kugellager mit einseitiger Deckscheibe der Riemenscheibe werden ersetzt durch
    SKF Rillenkugellager 6005-2RSH (beidseitige Dichtscheiben).

    Die zwei Axiallager der Kurbelwelle werden ersetzt durch
    SKF Axial-Rillenkugellager 51207.





    Die 2 Keile für das Untergesenk aus 1.2842 (90MnCrV8), D=16mmx90mm, abgeschrägt einseitig 2Grad, also eine Seite 16mm, die andere 12.86mm.
    Den Keil für den Bär aus 1.2842 (90MnCrV8), D=16mmx115mm, abgeschrägt einseitig 2Grad, also eine Seite 16mm, die andere 11.98mm.
    Bleiben bei mir ungehärtet.










    Bezeichnungen der Keilriemen:
    2 Stück Concar E.C. AVX-13x775La/XPA757Lw (Motor auf Vorgelege)
    2 Stück Concar E.C. AV-13x1950La/SPA1932Lw (Vorgelege auf Kurbelwelle)




    So, das war es erstmal wieder.

  8. #7
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    AW: Federhammer Meitinger Rationell Instandsetzen Überholen Restaurieren Restauration

    Servus Holgi,
    ich bin Deiner Restaurierung bisher gefolgt, da an meinem Zweitwohnsitz oft die Meinung
    vorherrscht, 'le blanc' kann alles reparieren, oder weiß wie's geht.
    Ich bin aber nicht vom Maschinenbau, sondern von der Abteilung Kurzschluß.

    Dein Antriebsmotor ist fast sicher ein sogenannter Drehsrom - Asynchronmotor. Um's ganz genau zu sagen müßte man ein bisschen messen.
    Die Funktionsweise ist sehr schön hier beschrieben, auch die Vor- und Nachteile: https://de.wikipedia.org/wiki/Asynchronmotor
    Was Dich am meisten interessieren dürfte - diese Motorenart ist quasi unzerstörbar (hast Du ja schon gesehen, 25 Jahre alt, läuft einfach),
    und es gibt bei den allermeisten Modellen auch keine 'Kohlen', Schleifringe und ähnlichen Kram, den man wechseln muß.

    Dein 'Kasten' hat auch (fast) sicher was mit sanftem Anlauf zu tun, da Asynchronmotoren, wie Du auch beschrieben hast, nicht von 0 auf 100 hochdrehen können, und zum Anlauf ein Vielfaches ihres Nennstroms benötigen. Abklemmen würde ich das Teil auf keinen Fall. Wenn Du es nämlich machst, und der Motor dann nur kurz mit 50Hz brummt, kann das in Sekunden zur Zerstörung des Motors führen.
    Die Fa. Baumüller ist bei uns im Frankenland nicht unbekannt, heutzutage sind sie Zulieferer u.a. von Siemens und anderen Großunternehmen.
    Wenn Du denen eine freundliche email schreibst, finden sie im Archiv vielleicht noch was über den Motor, auf der
    Webseite habe ich ihn nicht gefunden. https://www.baumueller.de/de/

    Hoffe, das hilft Dir ein bißchen,
    schönes Wochenende,
    Rudi

  9. #8
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    AW: Federhammer Meitinger Rationell Instandsetzen Überholen Restaurieren Restauration

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    Zitat Zitat von Rudi_57 Beitrag anzeigen
    (hast Du ja schon gesehen, 25 Jahre alt, läuft einfach)
    Das hast Du falsch verstanden. Ich schrieb, der stand wahrscheinlich die letzten 25Jahre.



    Ein bißchen habe ich noch geschafft und das Holzfundament zusammengetüddelt.
    8x Leimbinder 100x200x1200.



    Als kleiner Gimmik: Rechteckmuttern 25x30x30 mit M16x28tief, Alu Hochfest 7075. War grad passend da.




    Die Muttern kommen in die Taschen.




    Sieht man etwas schlecht.




    Die Muttern sind für die Gewindestangen. Braucht man halt nur einschrauben. Ist bequemer, da man keinen Schlüssel zum Gegenhalten braucht.
    Geht natürlich auch einfacher mit normalen Muttern.




    Antirutschmatten 400x200x16dick.




    Darauf dann die Hölzer.




    Darauf dann das Gehäuse.











    Auch wenn der Hammer sonst sehr präzise gefertigt ist, da wurde ein bißchen geschludert.
    Hätte ich vorher ausmessen sollen, ich ging aber davon aus, daß die Aussparungen für die Befestigung auch symetrisch sind.
    Muß ich noch ein bißchen nacharbeiten.


    Hier passt es.




    Hier leider nicht.





    So, weiter geht es dann irgendwann im Oktober.

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