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Thema: CPM Cru Wear Stahl, balligen Schliff nach Gebrauch wieder scharf machen

  1. #91
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    AW: CPM Cru Wear Stahl, balligen Schliff nach Gebrauch wieder scharf machen

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    Danke für die kleine Stahlkunde

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  3. #92
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    AW: CPM Cru Wear Stahl, balligen Schliff nach Gebrauch wieder scharf machen

    Servus,

    eigentlich führen alle genannten Wege ans Ziel und eine Methode als absolut richtig oder absolut falsch zu beurteilen wird sich hier niemand ans Revers heften wollen. Bleibt man ganz eng am Wilderness Explorer CPM Cru-Wear und möchte man nicht wirklich tief in die Welt des geführten Schleifens mit exaktem Winkel, Druckkontrolle und exquisiten Schleifmedien eindringen, so ist das Erhalten eines balligen Schliffes ohne Sekundärfase bestimmt eine Möglichkeit die praktikabel und erlernbar ist, ohne den Goldtopf zu belasten. Es geht hier um ein Outdoomesser, dass wohl primär zur Holzbearbeitung uns Nahrungszubereitung benutzt wird und keinen Bogen Küchenrolle im Druckschnitt freihängend ohne rupfen teilen soll.

    Nach dem ersten Einsatz unter deinen Bedingungen kannst du dann in Ruhe die Schneide beurteilen. Bei gutem Licht und mit freiem Auge sehend und mit dem Fingernagel und mit Fingerkuppe als Indikator tasten nach Blessuren oder Schärfeverlust untersuchen. Dann verwende die Vorgeschlagene Methode mit Schleifleinen, Mousepad oder einem Bogen Schleifpapier und versuche die Schneide wieder herzustellen und scharf zu bekommen. Wenn das klappt, bist du das Thema ballig abziehen durch.

    Will sich kein Erfolg einstellen, musst du entweder dranbleiben und das dazu nötige Feeling entwickeln, weil diese Methode nur über erlerntes und angelerntes Gefühl funktioniert. Bist du nicht bereit Rückschläge wegzustecken und möchtest du schneller ans Ziel, dann schleif eine Sekundärfase an. Das hieße, die Geometrie der Klinge bleibt ballig, aber die letzten paar 1/10mm vor der Schneidenspitze sind jetzt kein runder Bogen mehr, sondern eine sichtbare V-Fase bestimmter Breite. Die Breite hängt vom Schleifwinkel und der Materialstärke unmittelbar über der Schneide ab.

    Ist das Messer ab Werk stabil ausgeschliffen, dann kann die Fase schon 1,0mm Breite erreichen und es entsteht beidseitig eine "Kante" von der R'n'R so vehement abrät, dass kannst du dir sehr vereinfacht so vorstellen:



    Diese Kante gibt es beim Balligen abziehen einer Klinge nicht!

    Allerdings gibt es diese Kante auch nicht, wenn eine Klinge direkt über der Schneide unter 0,10mm Dicke misst und man eine Schneidfacette mit einem geführten System mit Druckkontrolle anschleift die vielleicht 6 oder 7/100mm breit ist. Sie ist in diesen Dimensionen nicht mehr wahrnehmbar. Der entscheidende Vorteil gegenüber einem balligen Schliff liegt in diesem Extrembereich in der Kontrolle. Davon spricht Bastlwastl. Lässt das Gefüge des Stahls so eine feine Schneide zu, dann kann ein geführtes System eine absolut gleichmässige Facette in einem definierten Schleifwinkel anschleifen und mit geeigneten Schleifmittel eine Schneidenspitze von wenigen Micron erzeugen. Trotz der geringen Materialstärken bleibt der Schneidenwinkel bestimmbar und man kann an einer extrem dünnen Wate dennoch einen stumpfen Winkel anschleifen, sagen wir 40° Dieser Winkel bleibt bei passendem Stahl, korrekter WB und sauberem Schliff stabiler, als eine von Hand "geführte" ballig auf Null geschliffen Schneide.

    Diese Schneiden sind z.B. für Küchenmesser im Profibereich so aufbereitet, die extreme Belastungen aushalten müssen, aber geometrisch in einer völlig anderen Liga als ein Outdoormesser spielen und sehr leicht schneiden und natürlich viel empfindlicher auf fehlerhaften Umgang reagieren. Wer ein Outdoormesser mit PM-Stählen an die absolute machbare Leistungsgrenze bringen will, wird auch mit System schärfen, so wie die schon genannten Seilschnitttest's belegen. Hierfür darf die Schneide an keiner Stelle eine Schwäche zeigen und kollabieren, sondern muss homogen durchgeschliffen sein, was von Hand sehr, sehr schwierig ist. Ob man mit einem geführten System auf nachgebendem Untergrund eine durchgehend homogene-ballige Schneide schaffen kann, dass weiß ich nicht, weil ich es noch nie probiert habe und daher auch nicht kann. Ob es im Vergleich klare Vorteile in Standzeit und Schneidkantenstabilität bringt und zwar sowohl zu einer von Hand ballig geschliffenen Schneide, wie auch einer geführten mit klar definierter V-Fase müsste man in der Praxis testen.

    Das hat alles mit deinen Zwecken nichts zu tun, erklärt aber vielleicht die unterschiedlichen und allesamt nicht falschen Methoden. Man kann pragmatisch an die Sache rangehen, man kann sich's einfach machen, oder man freakt völlig aus und beginnt mit Lichtlupe bei 600facher Vergrößerung geführt und mit Druckkontrolle zu schleifen.

    Gruß, güNef

  4. #93
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    AW: CPM Cru Wear Stahl, balligen Schliff nach Gebrauch wieder scharf machen

    Wow. Danke für die Mühe Deiner kompetenten Erklärung!

    Da viele der Antworten in diesem thread auf meine Frage gut eingehen und sehr zum Verständnis für Laien beitragen, würde ich gerne ein paar Suchbegriffe für andere "Suchende" eingeben: gibt es in diesem Forum die Möglichkeit für mich, Schlagworte einzugeben?

  5. #94
    Registrierter Teilnehmer MF-Mitglied Avatar von Rock'n'Roll
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    AW: CPM Cru Wear Stahl, balligen Schliff nach Gebrauch wieder scharf machen

    Moin zusammen,

    wer das Thema noch vertiefen möchte, dem empfehle ich meinen Bericht zur Modifikation eines Benchmade 710. Es finden sich eine Menge interessante Verweise und es wird gut deutlich, was sich allein mit seiner Hände Arbeit ohne "maschinelle" Hilfsmittel erreichen läßt.

    Aus einem Flachschliff mit V-Fase wurde per Hand eine ballige Klinge auf Null. Mit für mich durchschlagendem Ergebnis. Hier zur Verdeutlichung nur kurz drei Beispielbilder.

    Bild 1: 701 im Originalzustand (das Messer rechts)
    Bild 2: 701 nach der „Kur“
    Bild 3: Die feine geschlossene Schneide des 710, die sich manuell mit Schleifleinen auf Mousepad erzielen läßt (Lichtmikroskop 600fache Vergrößerung). Wobei genau das ein sehr wesentlicher Faktor beim Schärfen ist. Ist die Schneide fein geschlossen, bietet sie weniger Angriffsfläche für Verschleiß bei der Arbeit und bleibt länger scharf.

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	01 Benchmade 710 original rechts.jpg 
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ID:	226173Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	02 Benchmade 710 convex.jpg 
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ID:	226174Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	03 Benchmade 710 Fase.jpg 
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    R’n‘R
    Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann,
    was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will.

    Jean-Jacques Rousseau

  6. #95
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    AW: CPM Cru Wear Stahl, balligen Schliff nach Gebrauch wieder scharf machen

    Servus,

    da habe ich noch ein passendes Gegenstück zum manuell-balligen Abzug von R'n'R:

    Eine am Bandschleifer ballig ausgedünnte Klinge auf Null, die zum Abschluss eine geführte Mikrofase mit 36° Schneidenwinkel bekommen hat. Wobei Mikrofase hier sehr treffend ist, wenn man sich Anhand des Massstabes die Facettebreite errechnet!



    Man sieht noch deutlich, wie tief die Riefen vom Bandschleifer in die Facette reichen. Es ist schlicht unmöglich Freihand am Bandschleifer den Druck gegen das Band immer konstant zu halten. Bei diesem Bild war die Progression noch nicht abgeschlossen. Die Dicke der Wate liegt bei unter 0,10mm, die Riefen vom Bandschleifer "durchschneiden" die Facette bis zur Schneidenspitze, wenn der Bandschliff belassen worden wäre. Die Folge sind unzählige "Sollbruchstellen" an der Schneide. Erst ein manuell-balliger Abzug in geeigneter Progression, oder eine geführte Schneidfacette entfernt die "Schnitte" vom Bandschleifer, schließt die Schneide ( Spitze ) und macht das Messer dann erst wirklich schneidkantenstabil und beugt Mikroschäden und in Folge eventuell grössere Schäden vor.


    Gruß, güNef

  7. #96
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    AW: CPM Cru Wear Stahl, balligen Schliff nach Gebrauch wieder scharf machen

    Danke güNef. Bist Du bitte so lieb und erklärst die Aufnahme Deines vorigen postings genauer? Sieht man auf der Aufnahme die Schneide einer Klinge Wenn ja: was ist der schwarze Streifen? Ist das der Hintergrund?

  8. #97
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    AW: CPM Cru Wear Stahl, balligen Schliff nach Gebrauch wieder scharf machen

    Servus,

    Zitat Zitat von Eva Beitrag anzeigen
    Danke güNef. Bist Du bitte so lieb und erklärst die Aufnahme Deines vorigen postings genauer? Sieht man auf der Aufnahme die Schneide einer Klinge Wenn ja: was ist der schwarze Streifen? Ist das der Hintergrund?
    der schwarze Streifen ist die mit geführtem System angeschliffenen Schneidfacette. Sie setzt sich deutlich vom Schleifbandfinish der Flanken ab, dass ist gewollt um zu zeigen, wie weit und wie tief die Schleifriefen vom Bandschleifer erhalten bleiben, wenn man die erste Facette setzt.

    So sieht ein System mit Druckkontrolle aus ( Leicht abweichende, benutzeroptimierte Varianten ):



    So im Einsatz:



    Das driftet jetzt aber langsam zu sehr in die Tiefe ab. Wenn dich "extremes" Schärfen interessiert, dann schreib mich an, mit deinen Fragen hat das nicht mehr wirklich was zu tun, da ist R'n'R dein Mann und näher am "balligen Schliff" als ich.

    Gruß, güNef

  9. #98
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    AW: CPM Cru Wear Stahl, balligen Schliff nach Gebrauch wieder scharf machen


    Danke. Ich hätte mir nie gedacht, daß Messerschärfen so eine "Wissenschaft" sein kann. Dies wird erst klar, wenn man sich damit konfrontiert und gedanklich auseinandersetzt.

  10. #99
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    AW: CPM Cru Wear Stahl, balligen Schliff nach Gebrauch wieder scharf machen

    Servus,

    Zitat Zitat von Eva Beitrag anzeigen

    Danke. Ich hätte mir nie gedacht, daß Messerschärfen so eine "Wissenschaft" sein kann. Dies wird erst klar, wenn man sich damit konfrontiert und gedanklich auseinandersetzt.
    genau so ist es! Jetzt liegt es an dir, zu entscheiden es einfach und dennoch ausreichend effizient zu betreiben, oder "fast" wissenschaftlich am Rande der Pedanterie!

    Gruß, güNef

  11. #100
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    AW: CPM Cru Wear Stahl, balligen Schliff nach Gebrauch wieder scharf machen

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    Zitat Zitat von güNef Beitrag anzeigen
    Jetzt liegt es an dir, zu entscheiden es einfach und dennoch ausreichend effizient zu betreiben, oder "fast" wissenschaftlich am Rande der Pedanterie!
    "am Rande der Pedanterie!" der ist gut

    Ich finde es toll, wenn man etwas für einen Selbst Wichtiges bis zur Spitze treibt. Genau dieses Einstellung bringt die Menschheit immer wieder zu weiteren Fortschritten und Verbesserungen. Es liegt in unserer Natur.

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