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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Küchenmesser schmieden



Robi
11.01.07, 15:02
Hallo
Wer kann mir sagen wie man ein solches Küchenmesser schmiedet?
http://img147.imageshack.us/img147/7299/musterpj0.jpg
Welche Abmessungen hat das Ausgangsmaterial und wie setzte ich die Backe ab, bzw. wie fange ich an zu schmieden. Das Messer sollte etwa eine Klingenlänge von 20 cm und eine Klingenstärke von 3mm und die Klingenhöhe etwa 40mm Rücken haben.

lazedress
11.01.07, 15:38
Hallo Robi,
das ist ein Halbintegralmesser, das wahrscheinlich im Gesenk geschmiedet wurde. Selber kannst du das aus einem Rundestahl schmieden (da gibt's nämlich so schöne Materialien wie c105 :lechz: ). Dann schmiedest du an der dicken Stelle einfach weniger als an der Klinge. Absetzen kannst du den Übergang dann an der Kante deines Ambosses...

Du kannst natürlich auch ein Flachmaterial der Entsprechenden Dicke nehmen, da sind aber nicht so tolle Stähle zu bekommen.

Ich denke die erste Methode wird wohl die einfachste sein, aber als Anfänger benötigt es viel Geduld, einen 20 mm Rundstahl flach zu schmieden (bei so einer langen Klingenlänge).

Bei 20 mm Rundstahl könntest du du den dickeren Teil 10 mm dick lassen (also ein Rechteck, ca. 40 auf 8 mm).

uuups
11.01.07, 15:46
Im Gesenk! http://www.cheesebuerger.de/images/smilie/frech/p046.gif

hügel
13.01.07, 22:10
Der Dicke Teil wird aufgestaucht.

Daheim erwärmst du nur die betreffende Stelle, spannst das Teil in den Schmiedeschraubstock und gibst ihm volle Lotte senkrecht von oben.

In der Fabrik kommt das Ding in zwei Halterungen, wird induktiv an dieser Stelle erhitzt und mit gut Druck gestaucht.

gast31082009
13.01.07, 22:43
Hallo
Na sowas wie im letzten Beitrag habe ich noch nicht gehört.

Im Gesenk halt,:rolleyes:

Stefan

sanjuro
14.01.07, 01:15
......Na, sowas wie im letzten Beitrag habe ich noch nicht gehört......
Geht durchaus. Manuel, der Ex-Geselle von Markus Balbach, hat es mal im letzten Winter demonstriert. Er musste allerdings ganz schön draufkloppen, und zudem schön gerade!

Die Messerindustrie macht das natürlich im Gesenk - mit einem Schlag! Der zweite Schlag ist dann in der Stanze; dort wird das überschüssige Material abgetrennt.

Gruß

sanjuro

AchimW
14.01.07, 01:16
Sowohl uuups als auch Hügel haben Recht: solche Messer beginnen als relativ dünner Flachstahl ihr Leben. Der wird zwischen zwei Halterungen eingespannt. Dann wird erhitzt, allerdings nicht induktiv sondern konduktiv, und gestaucht durch Zusammendrücken der Halterungen. Das Ergebnis, ein Flachstahl mit fettem Mittelstück, kommt dann in's Gesenk.

Wenn ich so was von Hand schmieden möchte, dann muss ich schon mit einem fetten Prügel anfangen. Das Stauchen im Schraubstock haut fast nie hin und ist zumindest bei dünnem Material schwierig und riskant. Von dem dicken Stück setze ich Klinge und Griffstück ab und schmiede sie auf passendes Maß aus.

GeHaWe
14.01.07, 08:22
... Dann wird erhitzt, allerdings nicht induktiv sondern konduktiv, und gestaucht ...

Hallo Achim,

Was ist "konduktiv"?:confused: :confused:
Induktiv ist mit Hilfe von Hochfrequenzgenerator in einer Spule, soweit kenne ich das. Dachte auch, es geht immer mit HF.

Gruß

Gerhard

Ribbit
14.01.07, 08:54
Das Stauchen eines Kropfes hat man früher von Hand gemacht, besonders auch an Tafelmessern. Ich meine in der Gesenkschmiede Hendrichs kann man sich die dazu nötigen Hilfsmittel ansehen. Neben der Vorführung des Gesenkschmiedens haben die da auch eine nette kleine Ausstellung zum bereich des Messer schmiedens. Sollte man zufällig :glgl: mal in Solingen sein, ist die Gesenkschmiede Hendrichs echt sehenswert. :super:


Die Messerindustrie macht das natürlich im Gesenk - mit einem Schlag!

Wenn ich mich recht entsinne, sind es zwei Schläge. Ein Schwacher zum Vorformen und dann ein Zweiter um das Gesenk auch völlig auszufüllen. Der Grat wird dann in einem zweiten Arbeitsgang abgestanzt. Ist schon beeindruckend, wenn so ein 10x20 Vierkant (geschätzt nach Augenmaß) aus X50 CrMoV 15 in zwei Schlägen zum Kochmesser wird.

hügel
14.01.07, 10:15
Hallo Achim

Induktiv, konduktiv, k.A. hauptsache warm ;)

Im Schraubstock geht es schon mit etwas Übung und ggf schweisst man an den Schraubstock noch eine Führung etc an was dann schon wieder in den Bereich der Gesenkproduktion führen kann :lach:
Ich mach das öfter weil ich eben auch, oder eher hauptsächlich, andere Sachen schmiede.
So ein Gerät wie hier http://cgi.****.de/Stauchmaschine-aus-alter-Schmiede_W0QQitemZ290068566420QQihZ019QQ categoryZ59229QQrdZ1QQcmdZViewItem im Buhkaufhaus, kann die Arbeit sehr erleichtern.

Dieses Gerät staucht zwar Radreifen aber die Krümmung kann man mit der Hand wieder ausgleichen.

AchimW
14.01.07, 12:56
Jaja, machbar ist vieles wenn man's machen kann. Da ich schmiedetechnisch in einer Kunstschmiede "aufgewachsen" bin, weiß ich das nur zu gut. Allerdings kann man die dort verwendeten Materialien sehr einfach punktuell erhitzen und abkühlen, wodurch das Stauchen sehr viel einfacher wird. War ja auch keine Sprache von, dass es unmöglich ist. Nur ohne ordentliche Übung wird's halt nix.

GeHaWe, das konduktive Aufheizen funktioniert wie bei der Glühwendel einer Glühbirne. Reichlich Strom durch und schon fängt's an zu glühen. Das habe ich erstmals im Feilenstahl-Feinwalzwerk bei Acieries du Tarn in Albi gesehen. Die machen z.B. die Feilenstähle für Grobet-Vallorbe, also vom Feinsten. Da kam Rundstahl vom Coil, lief kalt in eine Walze 'rein und kam 5 mm weiter orange glühend wieder 'raus um dann durch die Formwalzen zu flitzen. Ich traute meinen Augen kaum, weil an der Walze keinerlei technische Einrichtung zu sehen war, nicht mal ein Antrieb. Der Mensch am Walzwerk zeigte mir dann das Kabel, das am Rahmen dieser und das Andere das am Rahmen der nächsten Walze befestigt war. Das war alles.

Achim

hobby
14.01.07, 17:52
GeHaWe, das konduktive Aufheizen funktioniert wie bei der Glühwendel einer Glühbirne. Reichlich Strom durch und schon fängt's an zu glühen.


Hallo Achim,

wie Du diese Erhitzung beschreibst würde ich es Widerstandserwärmung nennen:
Am Werkstück wird Spannung angelegt wobei sich ein (Kurzschluss)-Strom einstellt der durch den inneren WIderstand (ohmscher Verbraucher) bestimmt wird.

Aber mit Konduktion (oder gehört das nicht zu konduktiv?) bringe ich das nicht zusammen:

"Wärmeleitung
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Konduktion)

Unter Wärmeleitung, auch Wärmediffusion oder Konduktion genannt, wird in der Physik der Wärmefluss in einem Kontinuum (Feststoff oder ruhendes Fluid) in Folge eines Temperaturunterschiedes verstanden. Wärme fließt dabei aufgrund des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik von selbst immer nur in Richtung geringerer Temperatur. Aufgrund des Energieerhaltungssatzes geht dabei keine Wärme verloren.

Ein Maß für die Wärmeleitung in einem bestimmten Stoff ist die Wärmeleitfähigkeit."


Im vorliegenden Beispiel wird Wärme aber eben nicht eingeleitet, sondern im Inneren des Werkstücks erzeugt.

Hans

gast31082009
14.01.07, 18:04
Hallo
Das was Hans schreibt ist in D so.
Man taut auf diese Weise z.B Wasserleitungen auf.
Ich würde nicht ausschließen, daß unsere Nachbarn in F das als konduktiv bezeichnen,
Nurmalso

Stefan

ZiLi
14.01.07, 18:13
Hi,

Konduktion heisst einfach nur 'Leitung' - ob nun Waermeleitung oder elektrische Leitung ist erstmal nebensaechlich.

Da aber zum Erwaermen der Widerstand und nicht das Leitvermoegen genutzt wird, sollte man diese Erhitzungsmethode wohl eher (elektro-)resistives Aufheizverfahren nennen, weil das den Tatsachen doch eher gerecht wird.

MEINJANUR (TM)
-zili-

gast31082009
14.01.07, 18:32
Hallo

Und der Conducteur, oder der Conductor (Rechtschreibung aussen vor) ist im englischen, bzw. französischen Sprachraum der Führer eines Fahrzeugs.
Also der Leiter des Vorgangs, oder?
Kluggeschissen genug, Achim wird schon nichts falsches geschrieben haben.
Wenn wir uns in Zukunft mit solchen Debatten aufhalten, haben wir keine Zeit mehr uns um Parkplätze zu streiten (Insider) :D :steirer: :D

Stefan

AchimW
14.01.07, 21:43
Das erinnert mich an den schlechten französischen Busfahrer, der wegen des Todes anderer Verkehrsteilnehmer auf den elektrischen Stuhl kam, aber nicht zu exekutieren war. Nach dem dritten Versuch meinte er zum Scharfrichter: C'est normale, je suis un mauvais conducteur.

Tatsächlich nennt sich die Methode im Französischen "conduktif". Das erscheint mir auch in der deutschen Form logisch und weitere Gedanken, wie dass dann auf Deutsch möglichst kompliziert auszudrücken wäre habe ich mir bisher nicht gemacht. :D

Achim

gast
19.01.07, 18:02
Um eine interne Diskussion glücklich zu beenden:

http://www.gustav-wolff.de/ka.htm
http://www.megatherm.de/koerwrmg.htm

und Wiki
http://de.wikipedia.org/wiki/Gesenkschmieden#Erw.C3.A4rmung

Erwärmung [Bearbeiten]

In Öfen wird nun der Rohling auf die notwendige Umformtemperatur gebracht. Die Umformtemperatur liegt oberhalb der Austenitisierungstemperatur des Werkstoffes. Für das Erwärmen des Rohlings werden in der Regel folgende Anlagen verwendet

1. Erdgasbetriebene Kammeröfen
2. Konduktive Erwärmungsanlagen
3. Induktive Erwärmungsanlagen.

Also die technische Anwendung ganz klar: heiss machen durch elektrischen Stromfluss.
Da geht es nicht um Wärmeleitung.

In der Thermodynamik ist's halt die Wärmeleitung durch Übertragung derTeilchenschwingung, sozusagen der Wärmestrom.

Und weils dabei sowohl als auch ums Teilchenschubsen geht semantisch beides korrekt.

In der Messtechnik: Änderung des (elektrischen) Stromflusses in/zwischen konduktiven Sensoren.
http://www.hyfoma.com/de/content/technologie-produktion/messgeraete/fuellstand/konduktiv/

Gruß Michael