PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : lage der härtelinie?



redcloud
07.08.05, 20:48
hallo zusammen,

heute habe ich eine klinge differentiell gehärtet- aber die linie erschien nicht da, wo sie geplant war.

kurz die fakten:

stahl: 1545 (C100)
härtetemp.: entmagnetisierungspunkt plus
öl (ca 70* C)- ich weiß, daß wasser angegeben ist, aber nach k. schroen:`the handforged knife`soll öl konstantere ergebnisse bringen- und für mich war`s das erste mal mit 1545- also vorsicht...
zeit zwischen feuer und eintauchen max 2 sek.
exakte eintauchtiefe durch `zwischenboden` gewährleistet
die gesamte schneidekante war nach ca 3 sek. im öl, nach 10 sek. dann klinge insg. im öl.
härtung ok, angelassen, bis 600 geschliffen und in zitronensäure probegeätzt- ergebnis: siehe anhang.

geplant war die härtelinie an oberkante der eintauchtiefe- wo jetzt der helle bereich anfängt. die deutliche dunkle linie liegt wesentlich weiter unten und läuft auch nicht sauber bis zum ricasso. :mad:

kann es sein, daß die klinge zu schnell an hitze verloren hat und dadurch nur kurz exakt die härtegrenze zeichnet- und dann nur eine diffuse grenzzone (heller bereich) erscheint?
oder schreckt öl doch zu langsam ab? ( für eine klare linie)
hart ist die gesamte schneide- im bereich der dunklen linie etwas mehr.
ich kann`s mir nicht recht erklären, denn die angegebenen zeiten waren wirklich exakt so wie beschrieben-

bin auf eure antworten gespannt, vielleicht kann mir ja jemand sagen, wo der fehler liegt- wär`ich sehr dankbar dafür!!!

gerhard

Uli Hennicke
07.08.05, 20:59
Möglichkeit
1: Du hast nicht die Härtetemperatur erreicht, da der Integralteil zu viel Wärme geschluckt hat bzw. länger Wärmezuführung gebraucht hätte.

2: Der Warme Integralteil hat Wärme in den hinteren Bereich nachgeschoben und die Schneide nachgewärmt.

Grüsse Uli

hpkb
07.08.05, 21:22
Einfach nochmals härten. Bei Öl kannst du fast beliebig oft die Prozedur widerholen. Der mittlere Teil ist unterer Bainit. Er wird bei dem 1545 fast so hart wie Martensit, verhält sich aber wie Federstahl. Er gibt dem ganzen Messer noch ein Plus an Festigkeit und durch seine plastischen Eigenschaften auch zusätzliche Sicherheit im Grenzbereich. Ich würde beim zweiten Mal Härten weiter eintauchen, da die Masse relativ viel Wärme nachschiebt, wie Uli schon sagte. Ein super Stahl, du musst nur darauf achten ob sich Korngrenzzementit gebildet hat. Der Nageltest zeigt dies ziemlich zuverlässig. In ein Stück eingespantes Baustahl mit leicheten Schlägen 1-2 mm weit die Schneide eintreiben. Zeigen sich Ausbrüche bei einem Schneidenwinkel von 25 Grad, ist Korngrenzzementit vorhanden. Nun ist Einformen nach Romans Angaben drann. Du kannst aber prophylaktisch vor dem zweiten Härten Einformen. Wenn alles perfekt war hast du ein Messer mit voller Härte im Schneidebereich und es ist dennoch um 45 Grad biegbar. Viel Erfolg beim zweiten Härten.

Gruß aus der Gütersloher Schmiede
Hans-Peter

Claymore
07.08.05, 21:23
Ich stimme Uli da völlig zu.

Punkt 1 trifft evtl. zu, das lässt sich per Ferndiagnose schwer sagen.

Punkt 2 trifft für mich mit ziemlicher Sicherheit zu.
Die Masse im Integralteil plus die Rückwärme aus dem Klingenkörper in dem Bereich an dem die Klinge ohnehin dicker ist ( zu spitze hin wird sie dünner und speichert weniger wärme, dadurch die bessere Härtelinie)
drücken den Umwandlungspunkt zum Martensit ( schnelle Abkühlung ) förmlich aus der Klinge raus.
durch die langsamere Abkühlung rutscht dir die Abkühlkurve in den Bainitbereich rein.
Dadurch ist die Klinge wohl ingesamt recht hart, zur Spitze hin aber deutlich härter.
Die Wärme des Klingenkörpers drückt den Umwandlungsbereich beim milden Abschrecken in Öl ohnehin nach unten zur Schneide hin.
In Wasser wird das nicht ganz so signifikant ausfallen.
Zum Abschrecken müstest du die Klinge deutlich tiefer tauchen.

Das Messer auf dem Bild wurde in Öl abgeschreckt (eingepackt im Schamottemantel)

http://www.lindenschmiede.de/galerie/messer/gross/Jagdmesser_M11.jpg

gruß

Peter

herbert
07.08.05, 22:06
also, die Härtelinie taucht nicht notwendigerweise da auf, wo die "Wasserlinie" beim Eintauchen ist, sondern dort, wo die Gefügeeffekte sich einstellen. Insofern stimme ich den Ausführungen meiner Vorredner zu, denen eigentlich (ich meine den Ausführungen) nichts wesentliches mehr hinzuzufügen ist.

Andererseits: ist doch toll geworden. Respekt. Ich finde, das kann sich sehen lassen.

redcloud
07.08.05, 22:16
so schnelle und so kompetente antworten- super!!!
vielen dank euch allen!

uli,
du hast recht- integralteil und erl ( durch die zange) waren nach farbe etwas unter temp, daß sich das so heftig auswirkt...also genauer arbeiten!

hpkp,
das war schon der zweite versuch- mit dem gleichen ergebnis...
beim ersten mal dachte ich, jetzt WEIß ich, daß was falsch war!
den nageltest werd`ich mal machen.

peter,
deine erklärung leuchtet mir voll ein.
abhilfe wäre :
entweder : einpacken und schroffer abschrecken ( wasser)

oder: tiefer eintauchen und hoffen, daß die linie dort gebildet wird, wo man sie wünscht...ist wohl nach der X-ten klinge keine frage mehr...

wie kann ich dem hitzestau im integralteil entgegenwirken?
dort schneller abschrecken würde bedeuten, daß die angel hart wird- die soll aber weich bleiben...

bei einem teilintegral aus C 60 hat sich die selbe problematik zum glück nicht so schlimm ausgewirkt. siehe anhang

herbert,
du hast ja recht- aber wenn man sich was anderes erwartet hat,dann sieht man den teilerfolg eben als teilmißerfolg...

nochmal vielen dank für die hilfe- ich werd`sie berücksichtigen und am ball bleiben!

gerhard

Claymore
07.08.05, 22:52
wie kann ich dem hitzestau im integralteil entgegenwirken?
dort schneller abschrecken würde bedeuten, daß die angel hart wird- die soll aber weich bleiben...

bei einem teilintegral aus C 60 hat sich die selbe problematik zum glück nicht so schlimm ausgewirkt. siehe anhang

zum einem:
den unteren Teil (1/3 - 1/2) des Integrals mit tauchen dadurch veringerst du die Wärmeabfuhr in die Klinge, da zuerst der teilweise abgeschreckte Integralbereich aufgewärmt wird.
Damit ziehst du den Martensitbereich mehr zum Griff hin.
Beim CK 60 Messer ist das schön zu erkennen, auch der zur Schneide hin schmäler werdende M-Bereich.

Und keine Angst, das die Angel hart wird. Durch das nur teilweise tauchen geschieht das nicht. Martensit wird sich im getauchten Integralbereich nicht bilden, höchstens Bainit, eher noch feinstreifiger Perlit.
Zudem ist der C100 wie der C105 ein Schalenhärter => einhärtetiefe bis 3 mm. Im Kern bleibt er meistens zäh ( Perlitisch )


Peter

Günther
08.08.05, 15:41
Hallo Gerhard,

ich versteh Dich sehr Gut, das Du das optimale raus holen willst.

Ich experimentiere schon sehr lange mit Hertelinien, bisher nur mit mäßigem Erfolg.
Leider ist mein Stahl auch nur begrenzt dazu tauglich (1.3505 und 1.2210).

Inzwischen klappt es so weit, das man eine Linie einigermaßen erkennen kann, aber weit nicht so, wie bei Deinem Messer hier. :hmpf:

Also, auch wenn´s nicht optimal geworden ist, toll aussehen tut´s trotzdem. :super:

redcloud
09.08.05, 20:09
neues von der härtelinienfront...(leider wieder nur ein zwischenbericht)

ich habe die klinge wieder dreimal normalisiert und dann gehärtet.
in öl ( 70*) und bis mitte des integralteils eingetaucht.
die linie liegt jetzt da, wo gewünscht- bloß ist der gehärtete teil ziemlich fleckig :(
kann das davon kommen, daß ich gleich nach dem normalisieren ohne wieder die zunderschicht wegzuschleifen gehärtet habe?
außerdem erscheint mir die härte nicht sehr hoch: neue feile greift gerade noch.
wie hoch ist denn die ansprunghärte von 1545 bei ölhärtung?
für wasser wird ja 64-65 HRC angegeben...

als nächstes versuche ich`s mit lehmmantel.
irgendwann werd`auch ich den richtigen weg finden :ahaa: -oder die klinge den weg in den sondermüll... :mad:

das leben kann so spannend sein!

gerhard

Uli Hennicke
09.08.05, 20:24
Na das sieht doch ganz gut aus. Probier mal ob sie Glas ritzt, dann hat sie ca 63-64 Hrc und wenn dann noch das Gefüge gut eingestellt ist, was willst Du mehr. Anlassen bis die Schneide nagelt dann ist gut, dünner Anschliff ist da Voraussetzung.

Grüsse Uli

Beelzebub
09.08.05, 20:33
...bis die Schneide nagelt...

Grüsse Uli

Was bedeutet das? Bitte macht mich schlau!

hpkb
09.08.05, 20:37
Der 1545 ritzt Glas selbst nach dem Anlassen. Könnte es sein dass du gerade so am unteren Härtepunkt warst? Ist beim Feuerhärten die sichere Methode eher mal unter dem Härtepunkt zu bleiben als zu hoch mit der Temperatur zu gehen. C Stähle reagieren sehr empfindlich mit Kornvergröberung auf zu hohe Temperaturen. Die Festigkeit ist dann nur noch ein Bruchteil des Möglichen. Immer den Glastest sofort nach dem Härten.
Je nach dem du beim Härten eine reduzierende oder oxydierende Atmossphäre hattest, kann sich die Oberfläche leicht verändern. Die Fleckigkeit sollte nach Überschleifen weg sein.
Lies mal meinen Beitrag im Schmiedecafe über differentielles Härten und Festigkeit.
http://www.schmiedecafe.com/forum/showthread.php?t=386
Durch solche Experimente habe ich immer am meisten gelernt. Also ruhig weiterexperimentieren.
Das Ätzmittel Zitronensäure muss ich auch probieren. Habe bisher nur Schwefelsäure und Eisen3Chlorid getestet. Entweder war die Hamon nur schwach zu sehen, dafür unterschieden sich Perlit und Bainit gut (Schwefelsäure) oder die Hamon war sehr klar aber ich konnte Bainit und Perlit nicht mehr eindeutig identifizieren (Eisen3Chlorid).

Gruß aus der Gütersloher Schmiede
Hans-Peter

Uli Hennicke
09.08.05, 20:49
Was bedeutet das? Bitte macht mich schlau!

Dünn geschliffene und geschärfte Klinge über einen Rundbolzen mit Druck rollen.

Der Bolzen liegt dabei im rechten Winkel zur Schneide.

1: bei Druck gibt es hässliche Geräusche und kleine Ausbrüche;
Klinge noch zu hart oder im ganzen schlechte Wärmebehanlung

2: beim drüberrollen entstehen kleine Hügel, gut sichtbar und springen
dann zurück; alles bestens

3: die Hügel bleiben; zu weich.

Grüsse Uli

Beelzebub
10.08.05, 11:06
Danke Uli. Also so ähnlich der Probe mit der man die Flexibilität von Rasiermessern prüft.

Ich hatte den Ausdruck bisher noch nie gehört

redcloud
10.08.05, 19:08
letzte meldung von der härtelinie: doch kein sondermüll!!!

die sache hat mir keine ruhe gelassen...

also wieder normalisiert (3 mal), geschliffen, mit ofenkitt eingemantelt und nochmal gehärtet ( öl 60*C)
klinge ist hart- ritzt aber kein glas. ich war wohl gerade am unteren rand der härtetemp....wenn einem das gas alle wird, dann garantiert in einem solchen moment! :mad: aber hat grade noch gereicht...

die klinge bestand den flextest (keine ausbrüche und keine bleibenden biegungen: uli`s nageltest bestanden!)

das ergebnis kann sich endlich sehen lassen!

nur etwas interessiert mich: auf der einen seite zeichnet der hamon sauber bis zum ricasso- der selbe bereich ist auf der anderen seite unscharf und fleckig.
ich habe gleichmäßig vom rücken her gewärmt, exakt senkrecht eingetaucht, der mantel dürfte auch ziemlich gleichmäßig geformt gewesen sein- wie kommt der unterschied zustande??- materialdicke hier max.2mm
an der klingenspitze ein ähnliches bild.
sind diese bereiche kurzfristig zu heiß geworden?- spitze sehr dünn und hinten dünn direkt neben dickem (viel hitze brauchendem) integralteil.

was meinen die profis?

jedenfalls bedank`ich mich bei euch allen für die hilfestellung- allein wär ich absolut `aufgeschmissen`gewesen... :confused:

mfg

gerhard

Beelzebub
10.08.05, 19:11
Sieht doch klasse aus! :super:

Uli Hennicke
10.08.05, 19:23
Das schaut doch ganz gut aus.
ich würde noch ein bischen fein schleifen, ätzen und das ganze wiederholen bis das Ergebniss Dich zufrieden stellt.
Kann sein das auf der einen Seite etwas an der Oberfläche entkohlt ist.

Grüsse Uli

Günther
10.08.05, 19:32
Das nenn ich eine Härtelinie! :super: :hehe: Da packt einen doch glatt der Neid. :D

Die Fleckige Oberfläche kenne ich nur zu gut vom 1.3505. :mad:

Klaus H.
11.08.05, 00:20
Das ist jetzt ein Schuß ins Blaue meinerseits, da ich mich mit japanischen Schwertern aber besser auskenne als mit dem Schmieden und der Politurzustand logischerweise nicht optimal ist - meine Vermutung ist, dass sich da am Klingenende (fleckiger Bereich) sogenannte "Nie" geformt haben, also mit dem Auge sichtbare Martensitkörner die auf japanischen Klingen durch eine leichte Überhitzung erzeugt werden - also große Körner, IMHO.

Günther
11.08.05, 20:43
Das mit der Überhitzung kann ich nicht recht glauben.Nach dem Schmieden werden meine Klingen ohne Ausnahme im Ofen Spannungsarm und Weichgeglüht, gehärtet wird ebenfalls im Ofen und ich hab die Probleme ebenfalls.

Menuki
07.03.06, 18:34
Hallo zusammen,

ich habe mir von Claymore C105 besorgt, aus dem ich per stock-removal einen Tanto herstellen möchte.
Dabei will ich einen schönen Hamon erzeugen (Suguha oder Choji-Versuch), aber natürlich keine Härterisse bekommen.


Jetzt meine Frage: In welchem Medium sollte ich C105 abschrecken?

Bei Härten in Öl (wäre für mich etwas komplizierter) soll ja kaum Rissgefahr bestehen aber das Hamon schwächer ausfallen; bei Wasser (für mich einfach -> Badewanne ;-) zwar das Hamon deutlicher werden, aber eine hohe Rissgefahr bestehen.


Um mich entscheiden zu können, brauche ich Eurer Feedback:

Wie kann ich mir ein Hamon bei Ölabschreckung beim C105 vorstellen oder wird ein "Wasser-Hamon" VIEL besser?
Die hier gezeigten Bilder sind interessant, aber der Stahl wirkt sehr grau und die Härteline scheint weniger eine eigene Line als vielmehr der Unterschied zwischen Hart und weich zu sein. Beim CK75 hat sich bei mir eine 2-3 mm breite weißliche Linie gebildet.

Wie hoch schätzt Ihr eigentlich die Rissgefahr bei Wasser beim C105 ein, wenn ich folgende Ausgangssituation habe:

- Tantoklinge wird in Form geflext (ohne Hamachi) evt. Kamuri Otoshi Zukuri (Nagasa 300 x 6 mm)
- Schneide bleibt 1-2 mm dick
- Oberfläche glatt ohne gröbere Rillen etc.
- Lehmmantel nicht am Rücken der Klinge um Härtekrümmung zu vermeiden (erfolgreich bei CK75 s.u.)
- Glühen bis nicht mehr magnetisch / keine Haltezeit (einfache YTong Gasbrennkammer)
- Abschrecken in warmen/heißem Wasser
- Anlassen


Ich habe nur Erfahrung mit CK75:
1 Klinge mit Lehm am Rücken hat sich gekrümmt aber 7 Risse bekommen (durch die Krümmung)
1 Klinge ohne Lehm am Rücken gehärtet: keine Krümmung und keine Risse; dieselbe Klinge nochmal gehärtet und wieder keine Krümmung und keine Risse...

...Claymore empfahl mir beim C105 die Ölhärtung (und auch redcloud hat ja nur gute Erfahrungen gemacht) - soll ich auf ihn hören ;) ???

redcloud
07.03.06, 22:07
hallo andi,

wenn du auf peter hörst, machst du nichts verkehrt!

daß ein fachmann in wasser deutlichere linien bekommen kann, mag ja sein- aber zu welchem preis (= ausschußrate) ???

ich habe immer ( nur) in öl gehärtet - bislang fast ohne bruch...
ist mir im moment auch wichtiger als die `perfekte welle`.
klar, mit meinen hamons bin ich immer unzufrieden- ganz zufrieden werd` ich wohl nie...- aber sie werden kontrollierter und besser.

mfg

gerhard

www.wieland-der-schmied.de

Haudegen
07.03.06, 22:56
zum thema härtelinie in öl od. wasser, ....

war die tage ein erhellender beitrag im schmiedekaffee zum thema von u. gerfin zu lesen.

grüsse ,..

Menuki
08.03.06, 17:55
Hallo Gerhard,

Deine Bilder haben mich überzeugt - wenn die Line annähernd in diese Richtung geht, dann bin ich mehr als zufrieden :)

Und: Deine Website ist sehr ansprechend - tolles Design!


Muss ich übrigens beim Abschrecken in Öl die Klinge viel bewegen ( => großen Gefäß / viel Öl) oder reicht es, wenn man die Klinge vernünftig eintauchen kann?

redcloud
09.03.06, 13:44
hallo andi,

bewegug ist wichtig- und zwar nicht quer, sondern in längsrichtung. bei querbewegungen riskierst du verzug, da die seiten unterschiedlich schnell abkühlen!

meine abkühlwanne ist ca 9cm tief und faßt rund 6ltr öl- ist für größere klingen `n bißchen klein..aber bis jetzt hat`s gereicht.

mfg

gerhard

www.wieland-der-schmied.de

Egbert
09.03.06, 17:45
Hallo Gerhard,
sieht echt gut aus was Du machst. Aber eine Frage zur Oberfläche der Klingen hätte ich noch. Lässt Du die Klingen so grau und wenn ja wie stabiel ist diese geäzte Dünnschicht b.z.w.wie stabilisierst Du sie? Das würde mich auch mal in Bezug auf Damast interessieren. Wie kratzfest ist das. Und was mache ich oder schlimmer noch einer der nicht nachbeizen kann mit der zerkratzten Klinge? Denn wenn wir schon mit so viel Aufwand Messer bauen dann sollten sie doch auch ein Stück besser, sprich gebrauchsähiger sein, als billigere Serienmesser.
Egbert

redcloud
10.03.06, 04:39
hallo egbert,

-bingo! da hast du exakt den (einzigen) wunden punkt an der härteliniengeschichte angesprochen.

völlig klar, die weniger harten teile der klinge verkratzen schneller als die schneidekante- da helfen nur vorsicht und überlegter einsatz...

auch die ätzschicht wird nicht das ewige leben haben- genau wie an einer `acid-washed`klinge- die wird irgendwann auch abgearbeitet.

was die optik betrifft, finde ich solche messer nicht `gebrauchsfähiger` als serie:
ich sehe das ganze mehr als sichtbarmachen der inneren qualität der klinge UND als gezielt eingesetztes gestaltungsmerkmal.

vitrinenqueens sind solche messer trotzdem nicht ( schwerter in japan...)- sie fordern den benutzer eben ein wenig mehr. ;)

wohl deshalb gibt es dort ja den beruf des schwertpolierers! :haemisch:

mfg
gerhard

www.wieland-der-schmied.de

Egbert
10.03.06, 07:39
Hallo Gerhard,
ich hoffe Du hast wegen meiner Frage nicht die ganze Nacht mit grübeln zugebracht.(ich sehe gerade daß Du 4.39 Uhr geantwortet hast) :D
Als ich mein 1. Damastmesser fertig hatte war ich von der sehr dunklen Oberfläche nicht gerade begeistert. Mene Frau meint dann daß Ihr die polierten Klingen auch besser gefielen. Also habe ich einfach etwas tiefer geäzt und dann poliert. Jetzt war sie begeistert. Vielleicht geht das mit der Härtelienie auch. Ich habe festgestellt daß eine polierte Obeberfläche viel schlechter korrodiert als eine raue.
mfg. Egbert

redcloud
10.03.06, 15:50
hallo egbert,

keine sorge, ich bin um diese zeit meistens schon halb auf der arbeit...

das sichtbarmachen der linie durch feinschleifen und zusätzliches handpolieren, also nicht nur durch ätzen hab` ich auch angefangen:
braucht viel zeit, lohnt sich, weil viel mehr einzelheiten `rauskommen.

in don fogg`s homepage und forum findest du einige interessante diskussionen darüber:

www.dfoggknives.com ---> bladesmithforum --> heat treating

viel spaß beim schmökern...

ich stell`nachher noch ein messer in die galerie, bei dem ich das polieren das erste mal gemacht habe.

mfg

gerhard

www.wieland-der-schmied.de

Menuki
15.09.07, 00:36
Das Ätzmittel Zitronensäure muss ich auch probieren. Habe bisher nur Schwefelsäure und Eisen3Chlorid getestet. Entweder war die Hamon nur schwach zu sehen, dafür unterschieden sich Perlit und Bainit gut (Schwefelsäure) oder die Hamon war sehr klar aber ich konnte Bainit und Perlit nicht mehr eindeutig identifizieren (Eisen3Chlorid).

...habe das gleiche Problem:
Beim Ätzen mit Fe3CL sieht man zwar gut die Grenze zwischen Perlit und Bainit? als helle (wellige) Linie (entsprechend dem Lehmmantel), der eigentliche gehärtete Bereich (Martensit?) ist noch eine Spur dunkler und eine (gerade) Grenlinie ist auch hier schwach zu sehen.
Nach dem anschließenden Drüberschleifen, um das dunkle Oxid zu entfernen, bleibt aber nur die Grenzlinie zwischen Martensit und Bainit als helle Linie sichtbar - die attraktivere Wellenlinie verschwindet.

Unmittelbar noch dem Ätzen:
http://brackebusch.de/online-pics/Etch00.jpg


...und nach leichtem Schleifen:
http://brackebusch.de/online-pics/Etch01.jpg



Gibt's hier einen Trick, beide Linien gleichzeitig hervorzuheben?

Arno Eckhardt
16.09.07, 13:50
Hallo Menuki


Gibt's hier einen Trick, beide Linien gleichzeitig hervorzuheben?


Ja, der Trick heißt japanische Handpolitur :p

Rondragor
19.09.07, 08:30
...dann schmeiss ich jetzt auch mal eine Frage dazu in den Raum:

Ich habe gelesen, dass die Japaner für die differenzierte Härte und die Harmonlinie Lehm auf den Klingenrücken streichen. Also an der stumpfen Seite dick und dann zur Schneide hin dünnerwerdend. Der Lehmanstrich endet dann wohl, wo die Harmonlinie auftauchen soll.

Frage 1:

Bringt das wirklich was?

Frage 2:

Zu dem, was ich oben gelesen hab:

Könnte man nicht die Schneide mit einem Brenner erhitztn und die Klinge dann waagerecht mit dem Rücken zuerst ins Härtebad eintauchen? Dann würde sich die Wärme nicht ausbreiten und die Harmonlinie verschieben. Oder nicht?

Frage 3:

Härteöl? Das hab ich immer wieder gelesen. Was ist das für ein öl? Könnte man nicht normales Maschinenöl nehmen?

SEK-Klingen werden Eis-Gehärtet. Wann macht man das und welche Vor-Nachteile hat das zu Wasser oder Öl?
Das Öl sollte 70°C haben, lese ich immerwieder. Dient die Temperatur nur zur Steuerung der Härte, oder hat das noch einen anderen Sinn (Wasser, oder Öl)? Wasser kann ich ja auch auf 70°C erhitzen.

Armin II
19.09.07, 10:01
Frage 1: Sonst würden es die Japaner nicht seit Jahrunderten machen

Frage 2: Wirst du wohl nicht schaffen dass du die Schneide einer längeren klinge mit einem Brenner gleichmässig warmbekommst, schon gar nicht wenn der Klingenrücken dabei kalt (oder sagen wir weniger heiss) bleiben soll. Ausserdem hast du so kaum eine Temperaturkontrolle.

Frage 3: Im Prinzip kannst du zum Abschrecken jedes Medium verwenden mit dem du die erfordrliche kritische Abkühlgeschwindigkeit des Stahls erreichst. Maschinenöl würde ich dir hier nicht empfehlen da es eien hohen Anteil an Additiven enthält und bei der Verbrennung auch unangenehme Verbrennungsprodukte entstehen. Planzenöle sind da wesentlich angenehmer. Härteöl wirst du wohl nicht in den geringen Mengen erhalten die du benötigst.

In Eis gehärtet wird gar nichts, bzw. exixtiert hiervon eine falsche Vorstellung. Bei manchen Stählen ist nach dem eigentlichen Abschrecken eine Tiefkühlbehandlung sinnvoll um Restaustenit umzuwandeln.

Rondragor
19.09.07, 10:15
Ist einleuchtend.

Warum bezeichnet man das dann als "Eisgehärtet", wenn das gar nicht stimmt?

Kam mir auch schon komisch vor, denn ich denke, dass eine 800°C heisse Klinge, die man dann in -10°C kaltes Eis taucht, zerspringen würde.

Bleibt noch eine Frage offen:

Warum 70°C warmes Öl und nicht 70°C warmes Wasser?
Wegen der Wärmeableitung? Sanfteres abkühlen in Öl? Was wäre der Unterschied in den Eigenschaften der Klinge?

Moppekopp
19.09.07, 10:30
@Rondragor: nutz mal die Forensuche. Über die Verwendung von Öl bzw. Wasser und deren Temperatur wurde schon viel geschrieben.

Gruß Tobi

Menuki
19.09.07, 17:36
...nur soviel (auch aus eigener Erfahrung):

1. 70°C heißes Wasser hat eine schroffere Abschreckwirkung als 70°C heißes Öl.
2. 70°C heißes Öl hat eine etwas stärker Wirkung als 20°C heißes Öl (klingt widersprüchlich, scheint aber so zu sein...)

=> Abschrecken in Wasser ist oft zuviel des Guten (Klinge bekommt Risse).
=> Abschrecken in kühlerem Öl wirkt nicht so gut wie in wärmeren Öl (Härteline entsteht zu nah an der Schneide).