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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Härteversuch misslungen



Kandelaber
05.06.05, 20:28
Ich habe neulich mein erstes Messer aus Stahlseildamast (selbstverschweisst) versucht zu härten. Hab die Härtetemp. mit einem Magneten bestimmt. Die Klinge war sehr gleichmäßig hellorange gefärbt.
Das abschrecken passierte in Pflanzenöl. Der Glaskratztest schlug allerdings fehl. Danach hab ich es nochmal auf Nichtmagnettemp. gebracht und wieder abgeschreckt....und hatte wieder keinen Erfolg. nur mit der Spitze konnte ich leicht das Glas ritzen.
Ich weiss das in Drahtseilen oft wenig C drin ist. Allerdings schien mir nach einer Schleiffunkenprobe der C-Gehalt gut genug.
Was könnte es sonst noch für Gründe haben?
Würde mir echt leid tun um mein erstes Messer (auch wenn es noch in viellerlei anderer Hinsicht nur ein Prototyp ist).
Vielleicht noch ein paar Hinweise:
das Seil war vernickelt;
habe es in einer Koksesse geschmiedet und verschweisst;
und etwa 50000 arbeitstunden reingesteckt:-(

Bringt das Abschrecken in Wasser vielleicht noch Erfolg?

Gruß

Kandelaber

lazedress
05.06.05, 20:38
Warmes Wasser wäre schon ein Versuch wert. Wenn das nichts hilft --> kaltes Wasser.

Ich habe aber auc hschon gelesen, dass man Stähle mit zuniedrigem C auch mit Salzsäure härten kann.

newtoolsmith
05.06.05, 23:51
Hallo Kandelaber,

ich schließe mich meinem Vorredner an, denn:

Wenn die Spitze hart geworden ist, dann lässt sich das Material also härten und deine Härtetemperatur kann auch gut gewesen sein (obwohl Orange schon recht warm ist, versuche besser rot/hellrot). Wie auch immer du abschreckst, die Spitze erfährt immer den raschesten Temperaturabfall, da wenig Wärme aus dem Werkstück nachfließt.

Ist der Rest der Klinge nicht hart - wahrscheinlich mit Ausnahme der Schneide, die ebenfalls dünn und damit schroff abgeschreckt sein wird - dann war das Abschreckmedium zu sanft.

Versuche im nächsten Anlauf warmes, wenn auch das niicht klappt kaltes Wasser.

Wasser mit einem Spritzer Salzsäure ist noch schroffer. Salzwasser tut es aber auch und verringers nicht so die Fingerlänge, wenn man mal reinfast...

Viel Glück!! :super: Wäre doch schade...

MfG
newtoolsmith


(mann, mann, mann, wenn Rechtschreibung Glückssache ist, habe ich heute wohl Pech gehabt...)

Kandelaber
06.06.05, 11:24
Hab die Klinge trotz des misslungenen Härteversuch anschliessend angelassen.
Kann ich sie einfach erneut härten oder muss ich noch irgend etwas vorher beachten/tun?

Wenn es nur mit Wasser klappt, deutet das dann auf einen niedrigen C Gehalt hin?
Krieg ich dann überhaupt akzeptable Härte-Wert über ??54??oder so? Oder sollte ich es dann einfach lassen?

Gruß

Kandelaber

herbert
06.06.05, 11:58
Die Härte kann man nach der SAE-Formel wie folgt abschätzen:

HRC [C-Gehalt] = 20 + 60 * Wurzel(C-Gehalt)

also: C= 0,15 heißt 43 HRC
C = 0,3 heißt 53 HRC

Die Formel funktioniert für wenig legierte Stähle in dem Bereich ganz gut.

Was die generelle Härtbarkeit angeht, so hängts halt vom Stahl ab. Ich weiss nicht, was das für Stähle sind, die man für Seile verwendet.

Vor einem neuen Härteversuch würde ich normalisieren, und dann vom unteren Bereich der Härtetemperatur aus loslegen.

Wenn es ein Stahl mit wenig C ist, dann liegen die Austenitisierungstemperatur und der Magnetpunkt ziemlich auseinander (Eisenkohlenstoffdiagramm).

U. Gerfin
11.06.05, 23:02
Die Stahl-Eisenliste des Vereins Deutscher Eisenhüttenleute behandelt Stähle für Förderseile unter den Stahlnummern 1.1231, Kurzname Ck 68
bis 1.1291 Mk 97. Der Kohlenstoffgehalt beginnt bei Ck 68 mit ca 0,65 und endet beim Mk 97- der speziell für Klaviersaiten eingesetzt wird, bei 0,95 %.
Bei diesen Stählen ist die volle martensitische Härte von 65 HRC und mehr erreichbar. Die üblichen Drahtseile werden natürlich nicht aus so hochwertigem Material gemacht. An der Funkenprobe müßte man den ungefähren C- Gehalt aber erkennen können; liegt er danach unter dem der üblichen Federstähle, ist eine Härte über 62 HRC nicht zu erwarten und auch mit dem schärfsten Abschreckmittel nicht zu erzielen.
Zur Leistungssteigerung käme Aufkohlen, gegebenenfalls auch nur im Schneidenbereich in Betracht. Ob es die Mühe lohnt, bleibt fraglich.
MfG U. Gerfin

Kandelaber
12.06.05, 10:46
Es scheint mir so das der Kohlenstoffgehalt bei meinem "Messer" eher im niedrigen C-% Bereich liegt (also +- = 0,6). Ich werd es noch mit Wasser probieren schon allein um das härten nochmal zu üben...
Aber Aufkohlen lohnt den Aufwand bestimmt nicht.
Ich hab schon zuviel Arbeit reingesteckt und auch so ne Menge gelernt.
Werd es auf jeden Fall fertig machen egal wie der erneute Härteversuch ausfällt und dann kommts als Premierendenkmal auf den Schreibtisch (oder so).

Derweil warten schon die nächsten 3 Pakete in der Garage die verschweisst werden wollen. Diesmal Feile + Kugellager....das wird sicher hart (falls das Schweissen klappt). Von meinem verzinkten Stahlseil hab ich erstmal die Nase voll und werd die restlichen 25 Meter am Schrottplatz gegen was besseres eintauschen.

Danke für die Antworten

Kandelaber

Kandelaber
02.07.05, 22:16
Es hat geklappt. Zwar ein paar Wochen später als ich gedacht hatte aber es ist gehärtet.
Hab es in Wasser abgeschreckt und es schnitt erstaunlich gut das Glas eine Grünglas Weinflasche....war echt lecker der Wein, guter französischer ;-)
Wenn jetzt noch der damast gut zeichnet bin ich überglücklich.
Mit was würdet Ihr ein Stahlseil ätzen (wenn man das so generell sagen kann) hab es mit Schwefelsäure an einen Teststück probiert und es tut nur unbefriedigend?

Danke für die Tipps bis hierin.

Ich hoffe mal, das ich bald endlich nach 2 Jahren Ankündigung doch mein erstes " Messer" hier vorstellen kann. Hat eine etwas seltsame Form bekommen...

bis dann

Gruß

Kandelaber

newtoolsmith
03.07.05, 00:31
Hallo Kandelaber,

ich selbst habe das Zeug noch nie versucht, nehme immer Schwefelsäure, aber teste doch mal Eisen3Chlorid (Fe3Cl).

Du bekommst es als Pulver, das in Wasser gelöst das gewünschte Ätzmittel ergibt.

MfG
newtoolsmith

Kandelaber
03.07.05, 19:16
Na super...was mir gestern nach dem härten nicht aufgefallen ist musste ich dafür heute bedauerlicherweise festellen:

Die Klinge hat sich unschön verzogen.

Also neu Richten nochmal das Ganze....aller guter Dinge solln ja drei sein!

Gruß

Kandelaber

U. Gerfin
03.07.05, 22:31
Kurz zwei Tipps:
Nach dem Härten-vor dem Anlassen!- kann man Verzug, wenn er nicht gar so stark ist, noch ganz gut richten. Am einfachsten geht es, indem man die verzogene Klinge in eine Biegegabel steckt- Zange im Schraubstock genügt- und die konkave Seite mit der Lötflamme leicht erwärmt,leichte Zischwärme- also etwas über 100 Grad -genügt und dann federnd in die richtige Richtung biegt. Oft gelingt so ein Ausgleich des Verzugs ohne Härteverlust. Man kann das auch mit einer Gripzange, und einem kräftigen, leicht gebogenen Flacheisen im Anlaßofen machen. Auch hier sollte man mit einer Temperatur um 100 Grad arbeiten.
Die theoretische Erklärung für diese Richtmöglichkeit ist, daß bei etwa 100 Grad Anlasstemperatur sich der nach dem Härten entstandene tetragonale Martensit in den kubischen Martensit umwandelt und dabei noch einmal Gleitebenen freiwerden, die das Richten ohne Bruch ermöglichen. Ich habe selten davon Gebrauch machen müssen- es hat auch nicht immer, aber doch meistens funktioniert.
Zum Ätzen würde ich Eisen 3-chlorid empfehlen. Es ätzt schön gleichmäßig, ist von der Umweltbelastung her unbedenklich und billg zu kriegen. Die gelben Körner, die man kaufen kann, können im Verhältnis 1 : 10 mit Wasser gemischt werden. Noch besser ist es, mal im nächsten Wasserwerk zu fragen, weil es dort schon fertig angemacht in großen Fässern vorhanden ist. Es wird nämlich im Klärwerk zur Bindung der Fette in das Wasser geschüttet.
MfG U. Gerfin

Kandelaber
04.07.05, 12:31
gut! Danke für den Tipp.
Ich hoffe nicht das sowas nochmal passiert (dabei habe ich ausführlich! normalisiert und nach dem Schmieden entspannt etc.) aber falls doch werd ich das mal probieren.
Aber irgendwie ist das doch beschi***en. So gerade wie nach dem Schleifen wird die Klinge doch bestimmt nicht mehr....sehr ärgerlich.

Grüße

Kandelaber