Temperaturverteilung nach unten beim selektiven Anlassen?

ClickTheShutter

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Hallo!
Bin noch Anfänger und habe leider keinen Meister zur Hand der mir weiterhelfen könnte:

Ich habe heute eine ca. 12 cm lange, 4mm starke, und gut 3 cm hohe Klinge aus 1.2510 gehärtet und bei 200 Grad angelassen. Die Klinge ist relativ fein ausgeschliffen.
Da meine Messer relativ viel Holz durch diverse Outdooraktivitäten zu beißen bekommen und zur Not auch mal einen Holzscheit in kleinere Stücke spalten sollen, dachte ich mir eine kleine Zähigkeitsreserve wäre nicht schlecht.

Ich habe die Klinge zwischen zwei Holzstücke geklemmt, die ich vorher naß gemacht hatte. Ca. 1/3 der vorderen bis mittleren Klinge und rund die Hälfte des Ricassos lagen nach oben hin frei. Dann habe ich bis Hellblau/Grau erhitzt.
Natürlich hat das Holz bei den kleinen Abmessungen dabei etwas abbekommen, trocknete an der Oberseite und schlug zwischenzeitlich mal ein paar kleine Flammen.
Nach dem ich das Messer aus dem Schraubstock entfernt hatte, sah ich mir zunächst die Holzbacken an: An den Stellen, an denen die untere Hälfte des Ricassos und Teile der Schneide eingeklemmt waren, hatte sich das Holz deutlich dunkel gefärbt. Es war nicht wirklich angekokelt, hatte aber augenscheinlich gut Wärme abbekomen. Die untere, verdeckte Hälfte der Schneide vor dem Ricasso hatte auf ein, zwei Zentimeter eine bronzeähnliche Farbe. Allerdings bin ich mir nicht sicher ob es sich dabei nicht einfach um eine leichte Rostschicht handelte und zusätzlich noch Holzgasablagerungen. (War Nadelholz, und das macht beim Kochen auch einen goldgelben bis bronzefarbenen Farbton auf Stahlgeschirr.) Die Klinge schließt am Ricasso ja nicht ganz bündig mit dem Holz ab. Da ist also ein wenig Platz für Gaszirkulation. Deswegen auch das mit der Rostschicht. War ja naß und warm.
Der Rest der verdeckten Klinge war ungefärbt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich weiß, Wärme steigt nach oben. Und Ulrich Gerfin erwähnt in einigen Threads, daß man sogar auf Holzbacken beim selektiven Anlassen verzichten könnte, weil die Schneide bei Erwärmung am Klingenrücken keine zusätliche Anlasswirkung abbekommen sollte.
Die Farberscheinung an der Schneide in Ricassonähe und die dunkler gefärbten Holzabdrücke werfen bei mir dann aber doch die Frage auf ob da nicht doch ordentlich Wärme in die untere Klingenhälfte gestreut wurde.
Ich hab etwas Bammel meine WB geschrottet zu haben, alles nochmal machen zu müssen und dabei zu verschlimmbessern.


Kann mir da jemand mit warmen Worten die Hand halten ?


P.S.: Den Härtetest, durch Spalten eines knorrigen Buchenholz-Astknoten, hat die Klinge allerdings bestanden....
 
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ch habe die Klinge zwischen zwei Holzstücke geklemmt, die ich vorher naß gemacht hatte. Ca. 1/3 der vorderen bis mittleren Klinge und rund die Hälfte des Ricassos lagen nach oben hin frei. Dann habe ich bis Hellblau/Grau erhitzt.

Und warum das?

Tauch die Klinge waagrecht mit der Schneide in ein flaches Wasserbad, oder packe sie in nen feuchten Klumpen Ton, in ein paar halbierte rohe Kartoffeln oder einen übriggebliebenen Halloween- Kürbiss.

Das gibt alles mehr Kühlwirkung als die Schneide zwischen 2 feuchte Holzstücke zu packen.
 
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Du kannst auch den Rücken,aber nicht von der Spitze,gegen ein glühendes Stück Eisen halten und die Anlassfarben beobachten und gegebenfalls die Schneide kühlen.
 
Zur Ausgangsfrage:
Du hast bestimmt nichts "geschrottet".
Um Dich selbst zu beruhigen, mach doch einfach die Ätzprobe.
Die Klinge wird dazu sauber überschliffen-das ist sie im Zweifel schon-
und sauber von denkbaren Fettspuren gereinigt. So kommt sie kurz in ein Ätzbad. Am einfachsten, ungefährlichsten und zugänglichsten ist Eisen-3-Chlorid.
Nach kurzem Anätzen zeigt sich, wieweit die Anlaßwirkung geht.

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 
Besten Dank an den guten Geist dieses Forums (U. Gerfin)!

Greenhorns wie ich wissen soviel Sachverstand echt zu schätzen!
Danke für die Beruhigung! Ich werde die Ätzprobe tatsächlich machen um zu lernen und besser Einschätzen zu können wie der Wärmefluß so läuft!

Beste Grüße
 
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