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Thema: Brötchenmesser Review – Eine Dystopie

  1. #1

    Brötchenmesser Review – Eine Dystopie

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    Heute vor genau vier Jahren trat das hier im Forum oft, breit & lang diskutierte Führungsverbot für verschiedene Messer (u.a. Einhandmesser) in Kraft. Von der Politik geäußertes Ziel war es u.a., die Welt ein wenig sicherer und besser zu machen.
    Anlässlich des Jahrestages eines seitdem kontinuierlich weitergeführten gesellschaftlichen Optimierungs- und Erziehungsprozesses möchte ich nun ein besonderes Review vorstellen:

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  3. #2

    AW: Brötchenmesser Review – Eine Dystopie

    Hallo werte Forenmitglieder!

    Da mein „Trusted-User-Internet-Account“ von der Zertifizierungsstelle für ein weiteres Jahr verlängert wurde, komme ich nun endlich dazu, Euch die Neuzugänge in der Küche vorzustellen: Unsere neuen Vintage-Brötchenmesser!

    Hier erst einmal die Daten:
    Klingenlänge: 9,8 cm
    Klingenstärke:2 mm
    Gesamtlänge:21 cm
    Griffdicke:[/B]1,9 cm
    Stahl:rostfrei



    Vorneweg:
    Wie Ihr Euch bestimmt denken könnt, freue ich mich riesig, dass meinem Antrag nach langwieriger Prüfung endlich entsprochen wurde und ich für mich und meine Familie diese Stücke noch ergattern und vor dem Recycling retten konnte.
    Ein weiterer Vorteil ist, dass diese Messer noch vor 1984 hergestellt wurden und so nicht der üblichen 8,5 cm Grenze für feststehende Messer unterliegen! Die entsprechende Ausnahmegenehmigung habe ich extra für die Küche rahmen lassen und wenn wir das nächste Mal zum Brunch einladen, werden unsere Freunde bestimmt Augen machen…

    Erster Eindruck:
    Auch wenn in der heutigen aufgeklärten Zeit der Gebrauch von Brötchenmessern aus Edelstahl antiquiert und sonderbar anmuten mag, so strahlen diese Stücke für mich doch einen rustikalen und gemütlichen Charme aus, dem ich heutzutage etwas hinterher trauere.
    Die Messer selbst kommen in klassisch-geradlinigem Design daher: Schmal, schlank und wohltuend unaggressiv. Selbst Leute, die der Verwendung von Schneidwerkzeugen aus Metall ablehnend gegenüberstehen, dürften ob der schlichten Eleganz überrascht sein. Zudem sind die Brötchenmesser für ihr Alter in bemerkenswert gutem Zustand.



    Griff:
    Im Gegensatz zu manch anderen Buckels- oder Brötchenmessern kommen diese Messer ohne wie auch immer geartete Griffschalen aus, sondern beeindrucken durch ihren Ganzmetallgriff. Dieser liegt gut und sicher in der Hand und erlaubt ein bequemes Führen bei Tisch.

    Klinge:
    Klingeform & Klingenlänge:
    Die Klingenform gefällt mir wirklich gut, da sie die meisten im Alltag anfallenden Aufgaben erfüllt. Da es sich bei diesen Messern zudem – wie bereits erwähnt - um Vintage-Modelle handelt, unterliegen sie dank Ausnahmegenehmigung nicht der gesetzlichen Beschränkung von 8,5 cm Klingenlänge.
    Am Frühstückstisch können sie Ihren Vorteil dann auch voll und ganz ausspielen:
    Dank der schön bauchigen Klinge und der breiten Messer“spitze“ ist es eine wahre Freude, z.B. die von Oma selbstgemachte Marmelade aus dem Glas zu holen und das schmieren von Brot/Brötchen ist ebenfalls sehr praktisch! Darüber hinaus reiht es sich damit nahtlos in das intelligente Design unserer anderen Küchenmesser ein.



    Übrigens: Der immer noch deutlich sichtbare Wellenschliff im vorderen Drittel der Klinge hat bei der Sozialbegutachtung durch die Genehmigungsbehörde erstaunlicherweise keine Rolle gespielt – hab ich ein Glück! Eine Bestechung wäre seit der Einführung der Prohibition und der Abschaffung des Bargeldzahlungsverkehrs in Verbindung mit dem Goldbesitzverbot auch schlecht möglich gewesen…



    Klingenstahl:
    Die Verwendung von rostfreiem Stahl (420er?) ist meiner Meinung nach ein guter Kompromiss, mit dem ich mich nach kurzer Bedenkzeit schnell anfreunden konnte. Zwar wäre mir zu Anfang ein Messer aus Carbonstahl lieber gewesen, da dieser schneller und leichter zu schärfen ist. Aber nach einem entsprechendem Hinweis der Genehmigungsbehörde, dass es ja mittlerweile bereits Brot, Käse und Aufschnitt (aus nachhaltigem Anbau/Zucht, natürlich fair gehandelt und in Bioqualität) fertig geschnitten zu kaufen gibt, gab es für ein scharfes Messer keinen sozialadäquaten Grund mehr (Verhältnismäßigkeitsgrundsatz gemäß dem „Wofür-braucht-man-das“-Prinzip). Außerdem läuft das Messer bei Gebrauch nicht so unschön an und meine Frau ist auch beruhigt, da sich unsere Kinder beim Essen nicht selbst oder gegenseitig verletzen können.

    Fazit:
    Da ich die Diskussion im erweiterten Familien- und Bekanntenkreis schon bei der Anschaffung der großen Kochmesser (s.o.) zur Genüge geführt habe, kenne ich den Großteil der Gegenargumente schon.

    • Wozu braucht man das?
    • Ihr kocht noch selbst? Essen gibt es doch bereits fertig! Habt Ihr keine Mikrowelle/Dosenöffner?
    • *mitleidiger Blick* Ich muss mir aber keine Sorgen machen, oder?
    • Wie „zum Fleisch schneiden?“ Ihr esst Fleisch? Habt Ihr mal an die Umwelt / Eure Gesundheit / Euren CO2-Abdruck gedacht? Fleisch ist Mord!
    • Das ist nicht Dein Ernst, oder? Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter!
    • Das ist bestimmt nicht erlaubt!
    • „Kann denn nicht ein einziges Mal jemand an die Kinder denken?!“
    • Wen willst Du den damit umbringen?
    • Gemeinsames Frühstück/Abendessen? Mit solch rückständigen Erziehungsmethoden brauchst Du mir nicht kommen! Durch solch ein patriarchaisches Rollenbild schränkt man doch nur die Kreativität der Kinder ein.
    • Du immer mit Deinem Revoluzzertum! Was willst Du denn mit solchen Provokationen erreichen? Werd endlich erwachsen…
    • Brötchenmesser? Womöglich gar aus Solingen, was? Nee, nee, das ist mir viel zu Autobahn!


    Tja - wozu überhaupt Hochwertiges, wenn das Einfache auch funktioniert?
    Ganz einfach: Es ist eine Frage des Stils und des persönlichen Anspruchs an Ästhetik und Qualität. Wenn die alltäglichen Gegenstände gut und schön sind, macht es einfach mehr Spaß. Meiner Ansicht nach wird der Genuss eines gemütlichen Frühstück oder eines gemeinsamen Abendbrotes im Kreise der Familie durch diese gut erhaltenen Werkzeuge deutlich gesteigert.
    Und in unserer aufgeklärten und toleranten Gesellschaft sollte man als mündiger Bürger auch die Freiheit haben, darüber selbst zu entscheiden!
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  4. #3
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    AW: Brötchenmesser Review – Eine Dystopie

    Wunderschöner Artikel. Hab ich mit wachsender Begeisterung gelesen.
    Auch wohlwollend zur Kenntnis zu nehmen, dass rustikale Messer reviewed werden,
    wie sie noch in der Besteckschublade bei meiner Mutter zu finden sind.
    Mit der richtigen Garnitur werden auch Brötchenmesser beeindruckend.
    Vielen Dank!

  5. #4
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    AW: Brötchenmesser Review – Eine Dystopie

    ...vielen Dank für dieses kurzweilige Review, da werde ich die kommenden Flohmärkte mal nach derlei Schneidewerkzeugen absuchen.

    Kann ja sein, dass ich mit meiner Familie auch wieder gemeinsame und selbstzubereitete Mahlzeiten einnehme.

  6. #5
    gast

    AW: Brötchenmesser Review – Eine Dystopie

    Klasse Review,
    weil ich es einfach auf alle anderen Messer übertragen kann. Ich hoffe, dass ich alles "zwischen den Zeilen" (8,5 cm) richtig verstanden habe und dies so, die "prise Salz" in der Review für mich war.

    Wirklich interessant gemacht und gut zu Lesen,

    Danke, knifefaan

  7. #6
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    708

    AW: Brötchenmesser Review – Eine Dystopie

    Sehr geil! Supergut geschriebener Text!

  8. #7

    AW: Brötchenmesser Review – Eine Dystopie

    Sehr schön,

    schade aber, dass sich nicht jeder diese Art von Nostalgie leisten kann.


    Wieviele Sozialarbeitsstunden musstest du dafür denn ableisten?



    Viele Grüße,
    Murphys Law.

  9. #8
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    AW: Brötchenmesser Review – Eine Dystopie

    Ein sehr ausführlicher und und interessanter 1.April-Scherz Bericht

  10. #9

    AW: Brötchenmesser Review – Eine Dystopie

    Vielen Dank für die Resonanz - freut mich, dass Euch mein Beitrag gefällt.

    Zitat Zitat von Murphys Law Beitrag anzeigen
    Wieviele Sozialarbeitsstunden musstest du dafür denn ableisten?
    Wie ich oben schon erläuterte, mußte ich als rechtschaffender Bürger dem Staat nur meine Unschuld beweisen und bekam dann nach entsprechender Prüfung die Ausnahmegenehmigung. Ich hatte schließlich ja auch nichts zu verbergen! Schon bei einer Verurteilung zu Sozialstunden wärs mit der Genehmigung natürlich Essig gewesen. Aber ich gehe da vollkommen mit der Regierung konform, dass verurteilten Straftätern (egal ob Kapital- oder Gedankenverbrechern) kein Zugang mehr zu gefährlichen Gegenständen gewährt werden darf.

    Zitat Zitat von Rigeback Beitrag anzeigen
    Ein sehr ausführlicher und und interessanter 1.April-Scherz Bericht
    Hätte ich vielleicht dazu schreiben sollen - mein Beitrag bezog sich zuallererst auf die seit dem 1.4.2008 geltende Rechtslage und auf das, was da seitens der stets in guter Absicht handelnden Politik in Zukunft noch alles kommen kann/wird. Deswegen ja auch der Zusatz: eine Dystopie. Wenn man die seit dem 1.4.2008 geltende Rechtslage allerdings als (verunglückten) Aprilscherz auffasst, wars tatsächlich als Scherzbericht gemeint

    Viele Grüße

  11. #10

    AW: Brötchenmesser Review – Eine Dystopie

    Super, vielen Dank fürs schreiben. :-)

  12. #11

    AW: Brötchenmesser Review – Eine Dystopie

    Sehr cool, großes Lob!

    Nur: wie soll ich das im Hals stecken gebliebene Lachen wieder rausbekommen?
    Naja, vielleicht einfach weiterlachen, mit zynischem Beiklang...


    Grüße,
    Gunther
    Geändert von ScorpioDesign (02.04.12 um 22:32 Uhr)
    www.ScorpioDesign.de
    Außergewöhnliche Messer

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  13. #12

    AW: Brötchenmesser Review – Eine Dystopie

    Zitat Zitat von ScorpioDesign Beitrag anzeigen
    Sehr cool, großes Lob!
    Vielen Dank!

    Zitat Zitat von ScorpioDesign Beitrag anzeigen
    Nur: wie soll ich das im Hals stecken gebliebene Lachen wieder rausbekommen?
    Naja, vielleicht einfach weiterlachen, mit zynischem Beiklang...
    Gute Frage! Dein Ansatz klingt jedenfalls nicht verkehrt

    Viele Grüße

  14. #13
    Registrierter Teilnehmer MF-Mitglied Avatar von doublewasp
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    AW: Brötchenmesser Review – Eine Dystopie

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    Heute erst gelesen und genossen. Danke für die Mühe!

    Grüße

    Clemens

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