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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ganz schön hart (1.2562)



Guenter
21.10.02, 14:55
Gerade haben wir die ersten Klingen aus 1.2562 gehärtet, wie man sieht. Die Klingen sind auf 805°C im Ofen erhitzt und partiell im warmen Öl abgeschreckt; mit 150°C angelassen. Man sieht die Härtelinie recht deutlich, obwohl der Rücken auch noch auf ca. 54 HRc kommt; aber die Schneide ist so hart, daß eine Feile nicht mehr faßt. Sollte für diese beiden Chiselgrind Küchenmesser gerade richtig sein.
Wer also gerade an solchem Material arbeitet, weiß, worauf er sich einstellen kann.

HeroHamster
21.10.02, 15:57
Original geschrieben von Guenter
aber die Schneide ist so hart, daß eine Feile nicht mehr faßt.
Die Schneide ist so hart, dass Du sie nicht mehr schärfen kannst?? :staun:


Thorsten

Paulus
21.10.02, 17:11
Hallo Guenter,

na das sind ja sehr schöne Aussichten! Mein Stück 2562 liegt noch warm und trocken. Nachdem meine Liebste sich sehr über den "teuren Schrott" erregt hat, soll etwas besonders schönes daraus werden. Das schiebe ich jetzt ein bischen vor mir her. Aber solche Berichte machen mir Lust auf eigene Werke.

Paulus

P.S. Hero: Eine Feile hat etwas über 60 HRC und der hier verwendete Stahl kommt fast auf 65 HRC. Schon wirds nichts mehr mit feilen. Geschärft wir eh mit dem Stein und nicht mit der Feile!!

Tim2
21.10.02, 17:23
Buoah, das sieht ja echt nicht schlecht aus, Günter. Sag mal, was würde eine geschmiedete Klinge aus dem Stahl eigentlich bei dir kosten, sagen wir mal die obere? Oder fragt man so etwas nicht öffentlich?

Also wenn es zu indiskret sein sollte: 21.12.1982@web.de

Oder verkaufst du nur komplette Messer?

Viele Grüsse, Tim.

WalterH
21.10.02, 18:07
Original geschrieben von Paulus
Eine Feile hat etwas über 60 HRC und der hier verwendete Stahl kommt fast auf 65 HRC.
65 HRC angelassen? :staun: WOW!

-Walter

Guenter
21.10.02, 18:43
Dieser Stahl kommt auf Ansprungshärten von über 67 HRc, die er anscheinend in der dünnen Schneide trotz Ölhärtung und relativ niedriger Härtetemperatur auch erreicht hat. Bei einer Anlaßtemperatur von 150°C sollte die Härte um ca. 2HRc zurückgehen, was augenscheinlich auch zutrifft. Ein Messen der Härte mit einem normalen Werkstattgerät ist hier nicht zuverlässig möglich, weil keine Stelle im gehärteten Bereich parallele Flanken hat. Ein Versuch bei dem hohlgeschliffenen breiten Teil nahe der Schneide (fast parallel) ergab so hohe Werte, daß sie unglaubwürdig erschienen; der Prüfeindruck ist allerdings fast nicht zu sehen.

Schärfen kann ich die Klingen natürlich trotzdem; es sollte ja auch jeder das Messer nachschärfen können.

hundehirn
21.10.02, 19:35
Hallo Guenter
die Messer sehen jetzt schon ziemlich klasse aus:cool:
Ich hab da auch mal ne frage zum Finish.Wenn die Schneide vor dem Härten nicht komplett fertig geschliffen wird,sondern 0,7 bis 1mm stehen läßt damit die Schneide beim Härten nicht verbrennt,womit wird der restliche eine mm bei solch hartem Stahl weggeschliffen ??.
Hh

kababear
21.10.02, 20:47
mit 5 bändern körnung 50 und 3stunden :D:D:D

zorro_43
21.10.02, 22:03
@Hundehirn:

Mit normalem Korund-Schleifgewebe oder Silicium-Carbid oder allen üblichen Schleifsteinen lassen sich alle Stähle schleifen.

Bei Manchen dauert es halt etwas länger als bei Anderen.;)
Aber da ist die Rockwell-Härte nicht das entscheidende! Die Verschleissfestigkeit ist viel bedeutender.

Zorro

C. Raiber
21.10.02, 23:38
Hallo Günther
Schreib doch mal was über die Legierungsbestandteile von 1.2562.
Ich konnt in der Forum Stahltabelle nichts finden.

Gruß Christoph

Fenrir
22.10.02, 00:21
Guckst Du hier (http://www.messerforum.net/forum/showthread.php?s=&threadid=8305&highlight=2562).

LasterSepp
22.10.02, 08:07
Hallo,

wieso habt ihr euch für einen einseitigen Anschliff entschieden und mit welchem Schneidenwinkel rechnet ihr bei welchem Messer?

Mit freundlichen Grüssen:lach2:

herbert
22.10.02, 11:32
Ich bin zwar nicht Günter, aber bitte:
1.2562 entsprechend 142 W V 1-3
C: 1,35 bis 1,5
Si: 0,25 bis 0,4
Mn: 0,20 bis 0,40
P, S: kleiner 0,035
Cr: 0,2 bis 0,5
V: 0,2 bis 0,3
W: 2,8 bis 3,3!!!!!!!!!

Ansprunghärte: 67 HRC
Angelassen

100°: 67 HRC
200°: 63 HRC
300°: 60 HRC
400°: 54 HRC

Es lebe der kleine Stahlschlüssel.
Ich hab auch etwas von dem Stahl. Ich freue mich schon unbändig. Noch liegt er auch warm und trocken.

@Günter: Ihr habt bei 805° gehärtet, im Stahlschlüssel steht was von 840 bis 860. Scheint aber prima geklappt zu haben.
Habt Ihr den Stahl beim HÄrten vor Entkohlung geschützt (ich meine, es wäre nicht nötig).
Ich würde auch möglichst wenig stehen lassen an der Schneide, so ca. 0,5 mm, oder rätst Du davon ab.

Übrigens, geile Klingen!

herbert
22.10.02, 11:40
Ach so, das Härtepotential ist natürlich riesig, dafür sorgt schon der ungeheur agressive Karbidbildner W (und die Karbide werden fein). Dazu noch genug Rest-C, da wird was draus. Ich hab mir fest vorgenommen, bei meinem ersten Versuch ein Stück von dem Material zu opfern zwecks Analyse und Gefügeaufnahme nach dem Härten (Karbide gucken, klar doch). Wird was dauern, aber ich werd das dann auch posten.

Noch ne Frage, Günter, wie lange habt Ihr gehalten?
Ich denke mal, dass auch höhere Härten als 67 vorkommen, sofern alles schön gelöst ist. Es lohnt sich fast, mal ein planparalleles Stück genauso zu härten und dann mal zu messen, um das Potential des Stahls zu ergründen. Wenn der nämlich in seinen Bestandteilen an der oberen Grenze liegt, da kann man echt was erleben, denke ich mal.

Übrigens, mir gefallen die Klingen immer besser. Das Konzept für das, was ich aus meinem Stück mache, steht also schon so gut wie fest....

Nidan
22.10.02, 11:45
Uih, die Zusammensetzung ist ja echt scharf ! Könnt man daraus nicht auch was für "draussen" machen, oder schaut es bei ner Härte über 60 HRC mit der Elastizität zappenduster aus ?

Claymore
22.10.02, 11:53
@Nidan,

wenn du selektiv härtest, dann kannst du auch mit der Härte etwas häher gehen.
60HRC sollten da kein Problem sein.
die Schneidengeometrie sollte halt auf den Einsatzzweck abgestimmt sein.



gruß
Peter

Haudegen
22.10.02, 12:00
hab auch den stahl für küchenmesser gedacht.
mein entwurf sieht so aus wie der obere u. auch mit chiselgrind. soll ein duo werden. ( eines will ich an einen kochfreak verschenken der asiatische küche liebt.)[griff jeweils olive, danke nochmal an christoph]
ich denke bei einem "gemüsemesser" für drückenden schnitt, macht er mehr sinn.

allerdings bin ich etwas unsicher mit dem schneidenwinkel. ich hoffe ich seh klarer, wenn der klingenschliff soweit ist.

dummerweise ist mir vor einigen tagen mein kl. bandschleifer abgeraucht. :boes: wo hab ich nur die feilen?

Guenter
22.10.02, 13:31
@ Laster Sepp: bei der schmalen Klinge ist es ja nur ein theoretischer Chisel; da der Schliff bis oben hin geht, hat man ja keinen Bezugspunkt, was gerade und was schräg ist. Bei dem breiteren soll nur wie bei japanischen Messern auf einer Seite geschärft werden. Für lange gerade Schneiden ist es sehr praktisch, wenn man eine Seite planschleifen kann.

@ Herbert: Wegen der Haltezeit muß ich Markus noch mal fragen. Mit der Härtetemperatur sind wir recht weit unten geblieben, um keinesfalls eine Kornvergröberung zu erhalten. Im großen Stahlschlüssel von Markus scheinen auch etwas niedrigere Werte drin zu stehen, wie er sagte.
Der Schneidenwinkel wird auf jeden Fall sehr spitz. Die breitere Klinge bekommt als Chopper ca. 20° bei einer Kantendicke von ca. 0,5mm, die schmale wird auf ca. 15° geschärft, bei ca. 0,3mm Kante vorm Schärfen. Das ist jeweils der gesamte Schneidenwinkel, nicht pro Seite!
Beim Härten war trotz der dünnen Kanten und des einseitigen Schliffs kein Verzug festzustellen. Die Klingen sind ohne Härtefolie gehärtet, wäre bei der benötigten Abkühlgeschwindigkeit zu langsam und ist auch offenbar nicht notwendig.

Schmiede Markus Balbach
22.10.02, 16:31
@Günter: Ihr habt bei 805° gehärtet, im Stahlschlüssel steht was von 840 bis 860. Scheint aber prima geklappt zu haben.
[/B]

Im großen Stahlschlüssel wird die Härtetemperatur mit 800 bis 830 Grad und die Anlaßtemperatur mit 100 bis 180 Grad angeben.
Die Haltezeit bei 805 Grad betrug etwa 2/3 Minuten bei der ersten Klinge.
Gruß Markus

herbert
22.10.02, 21:46
Danke, Markus, ich werd das dann genauso handhaben. Das mit der Kornvergröberung leuchtet mir ein, und bei der dünnen Geometrie reichen die 2 bis drei Minuten zum Lösen auch völlig aus.

Was die Angaben im Stahlschlüssel angeht, so hab ich gerade mal nachgesehen. Ich hab den kleinen und den großen, den blauen, die letzte Ausgabe. In beiden steht da die höhere Temperatur. Das haben die wohl mal geändert, obwohl ich meine, dass bei der Zusammensetzung die 805° völlig ausreichend sind.

Die Anlasstemperaturen haben die beibehalten, nämlich 100 bis 180 Grad.

@Markus, ein bisschen OT: hast Du schon was von Simba gehört? Und was macht Hephaistos?
Hab mir inzwischen einen Amboss a la Achim gebaut, so ca. 50 kg. Denn bring ich demnächst immer mit.

Schmiede Markus Balbach
23.10.02, 06:31
Herbert,
nein, von Simba habe ich noch keinerlei Nachricht bekommen.
Ebenso nicht von der Hephaistos. Denke aber in der nächsten Ausgabe Deinen Bericht lesen zu können.

Ja Herbert, wenn Du nun schon einen Amboß hast, dann fehlt noch der Hammer, die Zange und natürlich ein Gasöfchen.
Und ein Platz im Garten.

Gruß Markus

herbert
23.10.02, 08:34
Ein Original-Markus Balbach Schmiedehammer steht schon auf der Wunschliste zu meinem Geburtstag.....

Guenter
23.10.02, 15:57
Und natürlich Zeit, um mit den schönen Sachen auch zu arbeiten.
Zeit habe ich eigentlich auch nicht, aber das mußte unbedingt fertig werden, mit 130mm Klingenlänge und 230mm Gesamt, Kupfer-Zwinge, Makassar-Ebenholz und Bambus:

LasterSepp
23.10.02, 18:00
sehr schön!

:lach2:

herbert
23.10.02, 22:09
Das darf doch nicht wahr sein!!!!!! Kaum läßt man die mal allein, da machen die die schönsten Sachen. Kompliment, Günter, das ist ein wundervolles Messer. Und wer immer es bekommt, mein Neid ist ihm gewiss.
Das mit dem Bambus find ich toll, ich habe noch Dein Feilen-Bambus-Messer von Lindenstruth und vom ersten Treffen bei Markus in Erinnerung. Hat mir sehr gut gefallen. Hast Du das Bambuszeugs mit Kleber ausgefüllt, oder wie?

Übrigens, gibts das Feilen-Bambus-Messer eigentlich noch, oder ist das weg?

Ich planse sowas ähnliches aus der alten Feile...
Aber ich lenke ab.

Das Messer von Dir da oben ist wirklich mal wieder allererste Sahne. Kann verstehen, dass das einfach fertig werden mußte.
Und das schneidet dann Gemüse und Fisch, oder besser kein Fisch, wegen anlaufen und so.

Aber ich denke mal, alles was dem zu nahe kommt, zerfällt in zwei Teile. Mindestens.

Guenter
24.10.02, 04:50
Das Feilenmesser ist weg.
Bei diesem Messer ist das Stück Ebenholz ca. 1 cm tief in den Bambus eingesetzt und verklebt. Der Erl geht bis ca. 1cm vor das hintere Ende und ist dort im Bambus an so einem Wachstumsknoten verschraubt. Hinten ist dann wieder Ebenholz eingesetzt.

Norbert
24.10.02, 07:38
Wirklich sehr hübsch, mein Kompliment Günther!
Das Messer ist von bestechender (- eher schneidender) Schlichtheit.

Gut durchdacht, die Konstruktion mit dem Bambusgriff- Naturrohr mit integriertem Boden.
Wieder mal eine Idee, die ich mir merken werde.

Daraus könnte man ja eine Art Ethno-Survivalmesser
mit Hohlgriff entwickeln.;)

Grüße
Norbert

Guenter
25.10.02, 11:43
Und das zweite Messer mußte natü
rlich auch noch fertig werden, damit ist die Kür vorbei und die Pflicht fängt wieder an :mad:
Gleicher Griffaufbau, nur Partridge statt Makassar. Und beide geschärft.

hundehirn
25.10.02, 11:59
unter Küchenmesser sollten die im Lexikon stehen:hehe: :super:
Hh

herbert
26.10.02, 15:24
Das kann man wohl sagen, das mit dem Lexikon. Ein sehr schönes Duo, da flitz ich doch gleich in die Werkstatt mit Silberstift, wo ist denn das Stück 2562 ah ja. Müßte passen.
Also wirklich, Günter, das ist Dir mal wieder gut gelungen. Und die Sache mit der Kupferzwinge und dem Griffaufbau find ich einfach Klasse.
Fehlen nur noch die Praxistests.

Silkcut
09.02.03, 13:04
Dank nochmal für den Stahl Guenter.
Doch nun mein Problem. Nach dem Schmieden, Schleifen etc. gehts zur Wärmebhandlung. Habe die Klinge drei mal bei 750°C Normalisiert und dann ca. 2,5 h um 723°C Eingeformt, dann bei 810°C gehärtet und zwei mal 2h angelassen bei 170°C. Schön hart aber die Schneide taugt nicht da sie keinen Flextest besteht. Anlassen bei 200°C half auch nicht. Also wieder in den Ofen und nochmals für ca. 5h eingeformt, gehärtet....
Die Schneide steht immer noch nicht. Wie lange muss das Teil den in den Ofen? Ist es überhaupt möglich diesen Stahl seitlich einer feinen Schneiden zu belasten. Oder liegt das Problem vielleicht daran das ich beim Schmieden auf beide Seiten eine Schicht Damastmaterial aufgeschweißt habe?

Guenter
09.02.03, 14:06
So wie ich es sehe, ist dies ein Material, um feinste Schneiden zu erzeugen. Für die flachen Winkel und feinst ausgeschliffenen Schneiden ist ein sehr hartes Material notwendig. Ich denke, daß du den Flextest a la Wayne Goddard bei solchem Material mit über 63 HRc nicht mehr anwenden kannst. Um das zu erreichen, müßte der Stahl sicher im Perlitebereich gehalten werden, was aber eine Verschwendung von diesem Material wäre.
Roman kann sicher speziell zu diesem Stahl noch genaueres sagen.

herbert
09.02.03, 18:21
Ich seh das auch so, Günter. Feine Schneideklingen für reines Schneiden. Ist halt sehr hart und sehr feinkörnig. Ich hab mich auch nicht an ein großes Messer rangetraut. Ich mach was sehr kleines draus. Vielleich Kogatane. Oder was mit max. 70 mm Klinge und 30 mm Breite maximal. und dünn. Für Lederarbeiten und feinstes Schneiden eben.