Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Induktionsschmelzofen
Hallo allerseits,
gestern habe ich mir einen kleinen Traum erfüllt.
Ich habe schon lange nach einer etwas zuverlässigeren Hitzequelle für meinen Stahlguss gesucht und bin nun endlich fündig geworden.
Die Schmelzanlage ist teil einer großen Goldschmiedeauflösung gewesen, ist recht alt aber anscheinend bis auf Kleinigkeiten gut in Schuss.
Ein Problem gibt es nur, es ist weder ein Typenschild noch ein Handbuch dabei.
Die Herstellerfirma aus Italien hat aufgrund des Alters auch keinerlei Unterlagen mehr darüber.
Falls sich also jemand mit solchen Geräten auskennt sind mir Tipps zur Bedienung sehr willkommen.
Ansonsten muss ich eben vorsichtig probieren.
Eines meine ich schon herausgefunden zu haben, die Einstellmöglichkeit "ceram" und "graph" dürfte die Art des verwendeten Tiegels sein. Und für Keramik sowie Graphit stehen.
Weiters scheint die Angabe GR/8000 für eine Schmelzkapazität von 8000 Gramm Gold stehen. Was einem Volumen von ca. 410cm³ und somit einem Gewicht von 3,2Kg in Stahl entspricht. das wäre für meine Zwecke perfekt :D
Bis das Ding läuft wird sicher noch ein Weilchen vergehen, zuerst muss ich Platz schaffen und die Wasserkühlung organisieren.
Tipps zum Umgang mit dem Gerät sind mir bis dahin, wie gesagt, sehr willkommen!
Ach ja, eine nette kleine Bohrmaschine ist mir auch noch ins Auto gehüpft :steirer:
So tolle alte Geräte bekommt man übrigens öfters mal in Wien bei "baiers Enkel".
Das ist ein netter kleiner Laden der sich auf Polier und Schleifmittel spezialisiert hat, aber auch immer wieder alte Goldschmieden ausräumt.
Und nein, ich bekomme keine Provision und bin trotz der Namensähnlichkeit nicht verwandt ;)
mfg
Ulrik
Du weist schon dass du damit auch sowas machen kannst :haemisch: :hehe:
http://www.youtube.com/watch?v=mVv0AfaGdNo
Ja so was würde mir auch fehlen.
Viel Spaß und Erfolg bei deiner Suche und Arbeit damit.
Christoph Reischer
07.07.10, 17:31
Hallo,
da Gartuliere ich zum Kauf!
Ich habe hier auch ein Induktives Erwärmungsgerät (ist bei mir noch nicht gelaufen - hatte noch keine Zeit) und eine Betriebsanleitung in Englisch.
Müßte ich suchen, und könnte Dir einen Scan schicken - Vielleicht hilft es weiter. Sind aber viele Seiten zum scanen, kann dauern bis ich das habe.
Ansonsten könnte Dir vielleicht die Fa. IEW (http://www.iew.eu/) in Gumpoldskirchen weiterhelfen. Die erzeugen Induktive Erwärmungsgeräte und warten auch Fremdprodukte. Ich war da schon mal, sind echt nett.
Christoph
http://www.youtube.com/watch?v=mVv0AfaGdNo
Ist das eigentlich nicht möglich? Eine Induktionsesse für daheim.
Könnte man in jedem Keller betreiben, da kein Gas und kaum Rauch.
Hallo ihr Drei,
ja, so ein Gerät ist schon sehr praktisch :D
Nicht nur zum Schmelzen, das stimmt!
@Christoph: Danke dir für den Link!
Sollte der Ofen bei Inbetriebnahme nicht funktionieren wären das sicher die perfekten Ansprechpartner.
Dein Angebot mit der Betriebsanleitung ist sehr nett, aber tu es dir nur an wenn du das Gefühl hast es besteht eine gewisse Ähnlichkeit zwischen deinem und meinem Gerät. Umsonst sollst du dir die Arbeit nicht machen.
mfg
Ulrik
Nettes Gerät.
Weißt du schon welche Anschlussleistung es braucht?
Denk bitte daran alle Uhren, Ringe und andere Kurzschlußringe abzulegen bevor du es einschaltest:teuflisch
Ciao Sven
Hallo Sven,
nein, gerade das ist ja das Problem, nichtmal die Anschlussleistung steht drauf.....
Aber ich werde es wohl einfach anstecken uns sehen was passiert :steirer:
Ansich hängt ein normal dickes Starkstromkabel dran.....
Beim Arbeiten bin ich immer bar jeglichen Zierrats, aber danke nochmal für den Tipp. Sowas kann blöd enden...
mfg
Ulrik
Wenn an dem Kabel noch die Kraftstromsteckdose dran ist, dann weißt du wenigstens schon mal ob du eine 16A oder eine 32A CCE-Steckdose brauchst.
Sven
Hallo Koraat,
Glückwunsch zu diesem schönen Gerät, ich hoffe Du bekommst es zum laufen.
Hersteller war wohl diese Firma aber da hast Du ja schon nachgefragt.
http://www.manfredi-saed.com/eng/index.asp
Bei diesem Gerät handelt es sich um ein Röhrengerät, statt Transistoren ist dort wohl eine große Senderöhre drin. Mit dem Rad an der Frontplatte kann man den Gitterstrom der Röhre einstellen (Grid Reg). Den Gitterstrom kann man am linken Amperemeter ablesen, das rechte Amperemeter ist für den Anodenstrom der Röhre.
Die Bezeichnung GR/8000 könnte auch auf eine Leistung von 8 kW hinweisen, bei einem maximalen Anodenstrom von 3 A wäre das eine Betriebsspannung von 2667 V. So eine Spannung ist für große Röhren nicht ungewöhnlich.
Man müßte mal ausrechnen vieviel Energie zum Schmelzen von 3 kg Eisen nötig ist, dann kann man über eine angenommene Schmelzzeit die benötigte Leistung bestimmen und sehen ob das realistisch ist.
Die Wasserkühlung ist nicht nur für die Induktionsspule da, z.T werden auch die Kondensatoren mit Wasser gekühlt, oder auch die Röhre.
Elektrotechnik ist zwar mein Hobby aber von Induktionstechnik habe ich nicht so viel Ahnung, daher alle Angaben ohne Gewähr.
Diese Firma hat Tiegel speziell für Induktionsöfen (bin ich zufällig drauf gestoßen).
http://www.fossati.com/gb/crogioli_forni_induzione2.htm
Zum Thema Induktion habe ich noch ein paar Links.
http://www.ema-tec.de/cms/deutsch/referenzen/schmelzanlagen/referenzen-schmelzanlagen.html
http://www.itg-induktion.de/index.php?option=com_content&view=article&id=34&Itemid=34&lang=de
http://www.cpii.com/division.cfm/9
http://www.eastcoastinduction.com/
http://www.inductoheat.com/products.php
Mach doch mal ein paar Fotos vom Innenleben, vielleicht kann man die Seitenplatte abnehmen.
Gruß
Jürgen
Hab mal ausgerechnet/abgeschätzt wie viel Energie nötig ist um 1kg Stahl zu schmelzen.
Sind ca. 933 kJ (wenn der Schmelzpunkt bei 1500°C und die Ausgangstemperatur bei 20°C liegen). Die kalorimetrischen Daten sind auch angenähert, da sie abhängig sind von der Legierung.
Hab ich mich arg verrechnet?
Lassen wir den Wirkungsgrad, die Wärmekapazität des Tiegels usw. mal weg und gehen von einer Schmelzzeit von 10min. (Ulrik, du arbeitest doch auf Stundenbasis, oder? :teuflisch ) aus bräuchte man ca. 4,6kW um 3kg Stahl zu schmelzen.
Durch die vielen Annahmen, Annäherungen, und Abschätzungen gibt der Wert wohl nur eine Größenordnung an und kein absolutes Ergebnis.
@nemo,
du hast dich nicht verrechnet. Obwohl die Rechnung ziemlich grob vereinfacht wurde, wird sie zur vordimensionierung von Induktionsöfen genutzt. Zum Thema wirkunggrad hier noch ein schaubild, das vielleicht weiterhilft. Damit wäre dann die Leistung ungefähr abzuschätzen, je nach spulenkonfiguration.
http://www.plustherm.ch/eta_gross.htm
Hallo miteinander,
recht herzlichen Dank für die Tipps. Links und Überlegungen.
Das hilft mir schon mal sehr weiter.
Besonders die Seite mit den Tiegeln ist super.
Da dort die Tiegelgrößen mit Gr/XXXX angegeben sind und der Tiegel GR/8000 100mm durchmesser hat, was in etwa meiner Spule entspricht, würde ich mal tippen, dass diese Nummer tatsächlich für 8Kg Gold steht. Es sind auch je ein Keramischer sowie Graphittiegel dieser Firma in eben der Größe dabei gewesen.
Ich bin heute und morgen leider komplett mit Arbeit zugeschüttet, aber wenn ich irgendwie die Zeit finde mach ich das Ding mal auf und mache Fotos vom Innenleben.
Die Berechnungfür die nötige Energie für ein Kg habe ich auch schon mal angestellt und bin ebenfalls auf knapp 1000kJ gekommen, das sollte passen.
Nochmals vielen Dank, und ich mache so bald es geht Bilder.
mfg
Ulrik
Hallo,
endlich habe ich die Zeit gefunden Bilder vom Innenleben zu machen.
Für mein laienhaftes Auge sieht alles sehr gut aus. Zwar verstaubt, aber ansonsten völlig intakt.
Aber ich kann mich da natürlich irren...
mfg
Ulrik
nett...
erst mal alles schön mit Druckluft ausblasen, die Isolierungen auf Brüche kontrollieren und dann "gib ihm" :D
Hallo Koraat
Schöne Bilder, das sieht ja ganz gut aus. Zumindest haben die Glasröhren den Transport überstanden.
In einem amerikanische Forum hat mal jemand so eine Anlage mit einer Leistung von 1 kW selbst gebaut. Das ganze ist gut bebildert und man kann schön Parallelen ziehen zu Deinem Gerät. Grobe Schaltpläne gibt es auch.
http://4hv.org/e107_plugins/forum/forum_viewtopic.php?37242
Eine zumindest optisch ähnliche Röhre ist die 3-1000H (siehe Datenblatt).
http://www.rell.com/resources/RellDocuments/SYS_1/3-1000H.pdf
Vielleicht kannst Du auf Deiner Röhre eine Typbezeichnung finden, dann hätte man die Betriebsparameter und vor allem auch die Leistung. Daten von Röhren gibt es z.B. hier.
http://www.rell.com/Pages/Product-End-Category.aspx?productCategory=10272
Zu Deinen Bildern
Bild 3
Links unten sind die Schwingkreiskondensatoren (1200 pF, 10 kV), eine typische Bauform für HF Leistungskondensatoren.
Darüber befindet sich die Schwingkreisspule(n). Typisch für HF Leistungsschaltungen ist die Verwendung von Kupferbändern anstatt von normalen Kabeln.
Bild 4
Das ist der 3 Phasentrafo für die Röhrenspannung. Die Platine davor ist der Hochspannungsgleichrichter. 6 Stränge von Dioden sind typisch für Drehstromanwendungen. Wegen der hohen Spannung sind jeweils mehrere Dioden in Reihe geschaltet. Zu der Spannungsversorgung der Röhren müßte noch ein Glättungskondensator gehören, den kann ich aber nicht sehen. Gleichgerichteter Drehstrom hat aber schon von Haus aus eine geringere Brummspannung.
Bild 5
In der Mitte zwei Lastwiderstände.
Bild 6
Die 9 Schwingkreiskondensatoren. Die beiden parallel geschalteten Hochspannungskondensatoren (orange Scheiben) dienen wahrscheinlich zur Blockung.
Bild 8
Die beiden Röhren mit den Heiztrafos. Diese Röhren brauchen einen relativ hohen Heizstrom.
Bild 9
Die Heiztrafos, sie werden mit 380 V betrieben.
Bild 10
Die Schwingkreiskondensatoren: 1,2 nF bei 10 kV
Bild 11
Die beiden „Door Knob“ Kondensatoren x000 pF bei 20 kV.
Sonst gibt es sicher noch einiges an Steuerelektrik. Um die Röhren zu schonen wird die Anodenspannung erst angelegt wenn die Heizung ihre Betriebtemperatur erreicht hat. Eventuell wird auch die Heizspannung stufenweise angelegt.
Solche Anlagen mögen kein hecktisches Ein- und Ausschalten, aber das sollte eigentlich klar sein.
Noch zur Warnung!
Spannungen und Ströme in dieser Schaltung sind absolut tödlich. Hochspannungsführende Bauteile sind zum Teil nicht isoliert und auch nicht berührungssicher, zumindest nicht bei geöffnetem Gehäuse. Es ist auch nicht sicher ob alle Kondensatoren Entladewiderstände haben. Früher hat man das mit der Sicherheit auch nicht so verbissen gesehen wie heute. Die Kondensatoren können ihre Ladung theoretisch lange Zeit halten und einen Stromschlag verursachen.
Falls die Anlage nicht funktioniert sollte man mit Messungen an der laufenden Schaltung extrem vorsichtig sein. Jeder Fehler kann da der letzte sein.
Ein Röhrendefekt dürfte einem wirtschaftlichen Totalschaden gleichkommen es sei denn man bekommt bei **** oder so günstig Ersatz. Es gibt Firmen wie z.B. Kennetron die Ersatz anbieten aber das wird sicher teuer.
http://www.kennetron.com/industrial.htm
Ich drücke Dir die Daumen das die Anlage funktioniert.
Gruß
Jürgen
Hallo allerseits,
nach langer Zeit, melde ich mich hier mal wieder zurück.
Vielen Dank nochmal für die vielen Tipps! Da das Gerät aber doch arg alt und das ganze mit der Reparatur ein bisschen kritisch war hab ich mir ein etwas neueres Modell gegönnt :steirer:
Anbei ein kleines Video.
http://www.youtube.com/watch?v=GKSDyOlj-Yg
Da schmelzen wir gerade 800g Eisen in etwa 10 Minuten.
Allerdings war es nach dem schmelzen kein Eisen mehr sondern fast Gusseisen... Die Graphittiegel die hier zur Verwendung kommen geben einfach zu viel C ab. Daher müssen in Zukunft andere auf Silziumkarbidbasis her.
Aber ansonsten ist es einfach nur ein traum mit dem gerät zu arbeiten.
In Zukunft kann ich also nicht nur leicht schmelzende hoch c-haltige legierungen selbst herstellen, sondern auch zähe und rostfreie Stähle oder auch Auslagerungshärter erzeugen.
mfg
Ulrik
hallo ulrik
haha hast deinen pc umgebaut was.:steirer:
ne ja 10 min uten ist schon toll. wieviel bekommst du damit max. geschmolzen??.
grüsse
hano
Hallo hano,
ich gebs ja zu...... PC Tuning :teuflisch
Voll übertaktet :glgl:
Ausgelegt ist das Gerät für max 4-5Kg. Das muss ich aber erst austesten.
mfg
Ulrik
Witzig, so 'ne kleine Gurke. Ich hab schon öfter mit einem Ofen ähnlicher Größe (10 KW) gearbeitet um kleine Probeschmelzen zu machen. Sehr praktisch und flott. Daneben gibt es an der gleichen Stelle
einem 380 kw Induktionsofen, der so bis 50 kg schmelzen kann und den wir ebenfalls öfter benutzt haben.
Leider musste ich aber feststellen, dass man zumindest mit den kleinen Öfen weder Wootz (wegen der Konvektion) noch Qualitäten herstellen kann, die mit denen aus Stahlwerken zu vergleichen sind. Dazu hat man einfach zu wenig Masse.
Für Buntmetalle und kleine Versuche sind die aber toll.
Allerdings sollte man Leute mit Herzschrittmachern in jedem Falle fernhalten. Die können in der Nähe solcher Geräte kurzfristig Besuch vom Sensenmann bekommen.
Und zum Schluss die Frage,was kosten der Spaß(Gerät)
MythBuster
28.02.11, 19:04
Hallo Ulrik,
klasse Teil!
Du wirst wahrscheinlich mit SiC-Tiegeln auch nicht glücklich werden, denn da wirst Du Gußeisen mit Silizium bekommen.
Gruß
MythBuster
Hallo Ulrik,
klasse Teil!
Du wirst wahrscheinlich mit SiC-Tiegeln auch nicht glücklich werden, denn da wirst Du Gußeisen mit Silizium bekommen.
Gruß
MythBuster
Und nicht nur deswegen. Zumindest die, mit denen ich Versuche gemcht habe, wurden vom Stahl so schnell zerfressen, dass sie durch waren ehe man "heiß" sagen konnte. Und dann war die Suppe im Ofen, prima.
Hallo Koraat,
Gratulation zum neuen Ofen, das sieht ja richtig gut aus. Was ist denn aus dem alten Röhrengerät geworden? Ich hoffe es ist nicht auf dem Schrott gelandet.
Gruß
Jürgen
Den Preis von dem Gerät teile ich gerne per Mail oder Pn mit. Also schreibt mich einfach kurz an wenn ihr Lust auf einen kleinen Herzinfarkt habt :steirer:
@urgestein: Kriegst heute noch ne mail.
@Mythbuster: Danke dir für deinen Einwurf zu den SiC Tiegeln. Nach etwas recherche bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass Keramik wohl die beste Wahl sein wird, hab auch schon einen Hersteller gefunden. Bleibt nur, wie so oft, die Frage ob die auch kleinste Stückzahlen abgeben....
@Jürgen: Natürlich ist der andere Ofen nicht am Schrott gelandet. Der steht trocken und gut verpackt bei mir rum und wartet darauf in Stand gesetzt zu werden. Werde ich sicher auch irgendwann machen.
Um schnell und effizient arbeiten zu können war mir der neue dann aber einfach lieber.
mfg
Ulrik
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