Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Projekt Stahlgießen
Hallo,
wie manche von euch vielleicht schon mitbekommen haben beschäfftige ich mich seit einer Weile mit dem Gießen von eigenen Stahllegierungen.
Nach anfänglichen Misserfolgen kann ich inzwischen reproduzierbar diverse Legierungen mit C-Gehalten höher 1% mit Barrengewichten von ca. 1,5Kg gießen.
Sobald es nicht mehr friert, wird mein Schmelzofen fertiggebaut in dem auch bis 3 Kg auf einmal zu schmelzen sein sollten.
Heute möchte ich euch zwei eher exotische Legierungen präsentieren, aber natürlich sind auch "normale" legierungen in Planung.
Demnächst werde ich auf Basis von Kugellager einen Stahl mit:
1,35%C 1,9%Cr 1,2%W 0,8%Mo 0,3%V vielleicht mit Spuren von Nb gießen.
Außerdem ist für die Taktische Fraktion unter euch auch ein D2 Verschnitt in Planung. Etwas höhere gehalte an agressiven Karbidbildnern wie W, Mo und Ti sollten die Verschleißbeständigkeit noch erhöhen und dabei mehr Cr für die Rostträgheit freihalten. Genaueres dazu aber erst wenn ich die Sache genügend durchdacht habe ;)
Ziel ist es, dass ich meinen Kunden eine Palette an Sonderstählen in Barren oder Blechform anbieten kann sowie ihnen die Möglichkeit gebe ihren persönlichen Wunschstahl zu bestellen.
Für diesen Zweck hat mir ein netter Freund ein Excel tool gebastelt mit dem man Mischungsverhältnisse errechnen kann.
Nebenbei wird das Tool aber auch eine Reihe der gängigen Messerstähle mit genauer chemischer Anlayse und Verarbeitungshinweisen enthalten. Ich denke das könnte für manche ganz nützlich sein.
Sobald es fertig ist stelle ich es zum Download.
Im folgenden Video seht ihr den Gießvorgang der folgenden Legierungen:
-1,35%C 0,5%Zr
-1,65%C 0,5%Ti 0,4%Cr 0,1%Ta
http://www.youtube.com/watch?v=uzj5ZsQWzT8
Der erste Barren ist bereits erfolgreich ausgeschmiedet und zu einem Testmesser verarbeitet worden.
Über die Verarbeitung des zweiten Barrens werde ich natürlich auch berichten.
Nun zum Testmesser:
Ich habe aus dem Zr Stahl ein kleines handliches Messer geschmiedet und es für testzwecke grob geschliffen und gehärtet.
Das Messer wurde bei 820 Grad 1 Minute gehalten und dann in heißem öl abgeschreckt.
Angelassen habe ich bei 160 Grad und 180 Grad je eine Stunde.
Eine neue Feile greift auch nach dem Anlassen nicht.
Getestet wurde an einem 2 Meter langen Daumenstarken Haselnussast, sowie an trockener Fichte und Bambus.
Die haselnuss ließ sich wie eine Karotte in dünne Scheibchen schneiden :teuflisch
Rasieren war nachher unverändert möglich.
Die Trockene Fichte ließ sich ebenfalls gut schneiden. Auch über Stirn und mit leichtem Hebeln.
Die Schärfe war nacher etwas geringer. Rasieren war jedoch weiterhin möglich.
Erst der Bambus erwies sich als zu hart für dieses doch recht harte und spröde Material. Kleine Ausbrüche waren die Folge.
Auch mit der Spitze in Holz hebeln mag dieser Stahl gar nicht, da bricht die Spitze wenn sie dünn ausgeschliffen ist recht schnell.
Hier ein paar Eindrücke vom Testen. Es folgen gleich noch Bilder von einem weiteren Test mit Karton.
mfg
Ulrik
weiter gehts.
Beim Schneiden von Karton ist mir nach 400 ca. 15-20cm langen Schnitten der Karton ausgegangen. Mit ein paar Zügen über den feinen Arkansas war die Rasierschärfe wieder voll da. das letzte Bild zeigt einen Schnitt durch normales Papier nach dem 400 Schnitt durch Karton.
Gebissen hat mich das Ding übrigens auch wie auf einem der Bilder unschwer zu erkennen ist. Mein Handy in der Hosentasche hat mich vor einer tiefen Wunde bewahrt. :staun:
Fazit zu diesem Stahl.
Der Stahl hat hohes Potenzial im Bereich feiner harter Schneiden. Die Verschleißbeständigkeit ist meines Erachtens sehr gut.
Zum Hacken und hebeln würde ich etwas anderes nehmen.
Für Küchenmesser oder mit umsicht genutzte Jagdmesser sehe ich großes Potential.
Ich werde demnächst ein Küchenmesser daraus anfertigen um ihn auf die Stabilität bei feinster Geometrie zu testen.
mfg
Ulrik
Moin Ulrik,
Was mich beeindruckt sind die vielen Karton Schnitte 400~17cm=6800cm oder 68m mein Enudura´s mit ZDP 189 Klinge auch VG10 und 440C (mit Böker Härtung)waren früher stumpf...
Karton ist so sehr abrassiv das geht auf keine Kuhhaut...
Ich bin gespannt wie Flitze bogen was aus deinem Versuch raus kommt...
Ich drücke dir die Daumen:super:
Ach ja wenn du mehr Karton zu schneiden suchst komm am besten auf einem Dienstag oder Donnerstag bei mir auf arbeit vorbei, ich stelle die Rollcontainer voll mit Pappe...Kaffee gebe ich auch aus...
MfG
Kay
Ich finde es bemerkenswert, an welche Projekte du dich begibst.
Dieses Stahlgiessen ist eine Interessante Geschichte, allerdings finde ich sollte man sich auf eine Einheitliche Serie von Schnitttesten einigen, um Vergleiche anstellen zu können, und sei es auch nur hier unter uns.
Bin auf weiteres gespannt,
Danke fürs zeigen:super:
Gruss unsel
hallo ulrik
ich sags ja.du bist im bereich ideen und ausprobieren einfach nicht zu topen.:super::steirer:
ich finde das super wie du gas gibst!toppe videos.
ja ich weiss ich sollte mir auch so ne esse bauen.:steirer:
die schneidleistung ist vielversprechend.was mich natürlich wunder nimmt,ist wie sich der stahl bei dünnen küchenmessern macht.
bewundernde grüsse
hano
Torsten Pohl
14.02.10, 10:00
Erst al Glückwunsch zum eigenem Bereich und ja das hat was was du da machst, am besten finde ich den Hund, der ist genau wie meiner immer dabei aber soweit es geht weg.
Denn genauso guckt meiner auch immer!!!:D:D:D
Tschau Torsten
erst mal :super: Geile Sache!
Jetzt ein paar Fragen:
Wie sieht es mit Lunker und Seikerungen bei solchen Mengen Stahlguss aus? Hast du da was beim aus schmieden bemerkt?
Würden sich die kleinen Ausbrüche durch höheres anlassen vermeiden lassen? Hast du da schon versuche gemacht?
Bin immer gespannt was du noch so raus bringst :haemisch:
Ich danke euch für eure Reaktionen!
Da waren einige sehr Interessante Fragen und kritikpunkte dabei.
@ kay: Wie Unsel schon erwähnt hat muss man mit solchen Vergleichen immer vorsichtig sein. Es gibt sicher bei Karton enorme Unterschiede. Ich möchte daher nicht behaupten, dass mein Stahl wirklich verschleißfester als die drei von dir genannten Stähle ist. Ausschließen aber natürlich auch nicht :hehe:
@ Unsel: Ich finde deinen kritikpunkt absolut berechtigt. Die bisherigen Tests geben natürlich nur ein subjektives Bild. Ich werde die Woche ein paar definierte Materialien aus dem Baumarkt besorgen und die Tests an denen wiederholen. Im grunde ist ja fast egal was es ist, solange es jedem der testet zugänglich ist. So kriegt man vielleicht eher ein ansatzweise objektives Bild.
@ Hano: Danke dir! Und natürlich musst du dir endlich so eine Esse bauen :steirer:
@ Torsten: Danke.
Naja, mein Hund ist oft ganz schön nah dran. Angst kennt die nicht :D
@ Hamurra-e: Danke :D
Die Frage nach Lunkern und Seigerungen ist absolut berechtigt.
In ca. einem Viertel des Barrens bildet sich ein Erstarrungslunker in Trichterform. Dieser Teil des Barrens wird natürlich weggeschnitten.
Die äußerste Randschicht des Barrens (1mm) ist verzundert und leicht blasig. Deshalb wird der Barren vor dem Schmieden mit der Flex abgeschruppt.
Ansonsten habe ich keinen einzigen Lunker entdecken können. das Material verhält sich wie ganz normaler Stahl.
Seigerungen gibt es schon an manchen Stellen. Aber Wenn du wüsstest was ich schon an Seigerungen bei industriellem Stahl gesehen habe....
Was auch sichtbar ist, ist eine feine Dendritenstruktur, ähnlich wie bei nicht Diffusionsgeglühtem Wootz.
Diese ist aber wirklich sehr fein. Ich kann gerne nachher ein paar Fotos davon machen.
Interessant wäre ob sichdie Struktur durch längeres Glühen ausmerzen ließe.
Die Seigerungen entstehen meist im Kern eines Barrens, da der Barren aber nicht zerschnitten, sondern als ganzes verarbeitet wird, bleiben sie auch im Kern wo sie eigentlich kaum negative Auswirkungen haben sollten.
Eines ist ganz klar. All diese kleinen Tests ersetzen keine umfassende Materialuntersuchung. Diese werde ich sicher, angefangen mit Gefügeaufnahmen bis hin zu Härtemessungen bei verschiedenen Anlassstufen machen lassen. Nur kostet so etwas natürlich auch. Von daher experimentiere ich jetzt mal mit einigen Kombinationen rum und wenn ich meine subjektiven Favoriten gefunden habe lasse ich an denen die Untersuchungen machen.
Soll ja schließlich alles Hand und Fuß haben.
mfg
Ulrik
hallo Ulrik,
klasse Testreihe ... :super:
aber wenn Du weiter so machst (Haare rasieren) werden Deine Arme bald so aussehen wie Deine Beine ... :ahaa:
... haarig ... :haemisch:
mir ist aber auch klar ... wenn die Haare am Arm weg sind müssen die Beine herhalten ... :lach:
Ich habe mit zwei Freunden zusammen vor ein paar Jahren schon mal einige Versuche in ähnliche Richtung gemacht. Allerdings hatten wir das Glück, einen Induktionsofen benutzen zu können, mit dem man bis zu 20 kg schmelzen kann. Damals haben wir einige wilde Mischungen ausprobiert, zuerst mal mit dem Ziel, interessante Stähle fürs Damastschmieden herzustellen, die hohe Nickel- und Kohlenstofgehalte z.B. mit einem ordentlichen Wolframanteil verbinden. Ein weiteres Ziel war die Herstellung hochreiner Kohlenstoffstähle.
Die Ergebnisse in Sachen Lunker sind wie von koraat beschrieben und lassen sich bei solchen Kleinmengen auch bei Verwendung professioneller Kokillen (Gusseisen, schnelle Erstarrung) nicht vollkommen vermeiden. Bei manchen Legierungen muss man auch sehr auf die Abgusstemperaturen und die Erstarrungsgeschwindigkeit achten, weil man sonst nicht nur den Kopflunker erhält sondern auch noch "Blasen" (Felle) im Material.
Andere Probleme sind die superkleinen Mengen Vorlegierungen, die man abmessen und auch gründlich und sicher auflösen muss. Nicht einfach, da die richtigen Zeiten abzuschätzen, wenn die Mengen so klein sind und man wenige Versuche hat. Auch die Seigerungen und, bei hochlegierten Stählen, manchmal auch recht große Karbide können Probleme machen wenn man feine homogene Stähle herstellen will. Und die geringe Verformungsrate zwischen Gussblock und fertigem Produkt kann bei so kleinen Mengen zum Problem werden. Industrielle Mengen und Verfahren bieten da schon andere, bessere Möglichkeiten, sind aber als Versuchslösung für Otto Normalschmied leider zu teuer. Andererseits kann man beim heutigen Stand der Wissenschaft bei den allermeisten potentiellen Stahl-Legierungen getrost auf solche Testläufe verzichten. Viele Dinge werden schlicht simuliert.
Schlussendlich waren diese Versuche aber auch für uns recht interessant und manchmal sogar aufschlußreich und einen Haufen Spaß hat es manchmal auch gemacht. Allerdings ist es auch eine Menge Arbeit solche Versuche durchzuführen und auszuwerten und da meine persönlichen Ziele anders gelagert waren, nämlich mehr im Bereich Damaszener Stahl und Wootz, haben wir das irgendwann drangegeben.
Hallo Ulrik
Echt cool deine Projekte. Du hast meine vollste Hochachtung. Stahl giessen. Wow. So ein Teststück zum Probeschmieden hätte ich auch gerne. Kann man schon was kaufen?
Gruss Bobby
Hallo Bobby,
selbstverständlich kannst du schon ein Stück kaufen.
Toll wäre es natürlich wenn du deine Erfahrungen mit dem Stahl in diesem Thread schildern könntest.
Und zwar die ungeschminkte Wahrheit, nur so kann ich Fehlerquellen entdecken und ausmerzen.
Wegen Abmessungen und Preis bekommst du gleich eine Mail. Da alles noch in der Testphase ist gibts natürlich einen Sonderpreis ;)
Für alle anderen Interessierten.
Insofern ich mit der Qualität der verschiedenen Legierungen zufrieden bin und diese in größeren Mengen herstellen werde wird sich der Preis per Kg in roher Barrenform bei ca. 90 Euro, ausgewalzt zu Blech (Stärke nach Wunsch) bei ca. 110-130 Euro liegen.
Damit ist das Material natürlich deutlich teurer als normaler Werkzeugstahl, aber der Arbeitsaufwand ist auch dementsprechend hoch.
Bei Wunschlegierungen wird der Preis ähnlich liegen, nur kann ich für diese dann natürlich nicht für die Eigenschaften und die Schmiedbarkeit garantieren.
mfg
Ulrik
Hallo!
Heute habe ich wieder ein kleines Video für euch.
Es zeigt das Ausschmieden und auswalzen des Titan legierten Barrens mit 1,65%C.
Das Zeug ist in der Verarbeitung anfangs sehr empfindlich und hat mich mit kleinen Rissen in den Wahnsinn getrieben. Ab einer gewissen Verformung lässt sich der Stahl aber völlig problemlos weiterverarbeiten.
Ein Stück habe ich auf etwa 3mm ausgewalzt. Daraus mache ich demnächst ein Testküchenmesser. Mal sehen was der Stahl für eine Leistung bringt :steirer:
Einen weiteren Barren haben wir natürlich auch wieder gegossen;)
1,45%C bisschen Cr und Mn 0,25%Ti und 0,1%Nb mit guten 1,5Kg.
hier das Video:
http://www.youtube.com/watch?v=oq5oT-xdSkE
mfg
Ulrik
Ich bin wie immer beeindruckt! Wirklich toll, dass Du uns an Deinen Arbeiten so teilhaben läßt! Ich bin wirklich gespannt was uns da noch alles so erwartet und vor allem, wie sich Deine Mischungen so schlagen werden. :super:
Schöne grüße auch an Deinen Hund!
Steffen
Meine Güte was für ein Hammer:staun:
Was für ein Bärgewicht hat denn das gute Stück?
Ciao Sven
Hallo ihr Zwei,
@ Noob: Solange ihr es euch gerne anseht werde ich es auch zeigen :steirer:
Wie dsich das Zeug so schlägt, darauf bin ich auch schon gespannt.
Zumindest das Gefüge scheint super fein zu werden. Ohne WB mitten während des Ausschmiedens habe ich ein Stück angeflxt und den letzten Rest abgebrochen.
Die Bruchstelle war zu dem Zeitpunkt schon wie feiner grauer Samt. :teuflisch
@ Sven: Ja, der Hammer ist ganz nett :hehe:
ich schätzte ihn auf 50-70Kg Bärgewicht. Er ist halt schwer zu dosieren. Auf dem Video ist die absolute Minimalkraft und Geschwindigkeit zu sehen ;)
Heute geht es übrigens wieder weiter in diesem Reigen.
Neben einigen Kundenaufträgen wird der Barren von Gestern Abend ausgeschmiedet und ein neuer Guss gemacht. Diesmal mit der Ziellegierung: 1,45%C 14%Cr 2%Mo 1,3%W 0,35%V Spuren von Titan und Niob.
da hat dann der Hammer wenigstens richtige Arbeit.
mfg
Ulrik
hallo ulrik
ja cool das scheint mir bei dir ja so ne richtige hexenküche zu sein im momment.:steirer::steirer:
ja schöner hammer und noch viel schönere walze.:steirer:
aber sicher noch ein viel viel schönerer stahl.:steirer::steirer::steirer:
grüsse
hano
Heute bin ich neben einigen Aufträgen dazu gekommen aus dem Titan legierten Stahl eine kleine Küchenmesserklinge zu basteln.
Sie hat die zarten Maße:
Dicke: 2,5-3mm
Breite: 40mm
Klingenlänge: 155mm
Interessanterweise hat sie ohne Lehmmantel oder dergleichen einen Hamon. Die Härte scheint recht gut zu sein :steirer:
Ich werde das Messer in nächster Zeit fertig stellen und es dann auf einen Passaround schicken.
Ich habe an ca. 15 Personen für je eine Woche gedacht. Anschließend werde ich es unter den Teilnehmern verlosen.
Ich mache zu gegebener Zeit einen Thread für die Anmeldung auf.
Anbei ein paar Bilder vom Momentanen Zustand.
mfg
Ulrik
Hallo Ulrik
Die Oberfläche sieht ja voll geil aus... will haben effekt ist schon da.
PA würde ich auch mitmachen...
Hab mich beim anschaauen der Bilder fast am Bildschirm geschnitten...
Gruss Bobby
Es gibt wieder ein kleines Update bezüglich des Titan Gussstahls.
Ich habe der Testklinge inzwischen einen Griff verpasst.
Es fehlt noch das Finish, aber demnächst kann dann der PA starten.
Ich habe außerdem ein paar Bruch und Härtetests mit dem Material gemacht.
Ein etwa 20mm breites und 4mm dickes Stück habe ich gehärtet und bei verschiedenen Temperaturen angelassen. Nach jedem Anlassen habe ich ein Stück abgebrochen und die Härte mit einer Feile geprüft.
Unangelassen bricht das Material muschelig, beinahe wie Keramik.
Angelassen bei 150 grad wird der Bruch langsam glatter, ist aber immer noch stark gefurcht. Diesmal hat die Probe eine Biegung von etwa 15 Grad ausgehalten.
Bei 200 Grad lässt ließ sich die Probe auf etwa 20-25 Grad biegen und ist dann sehr glatt gebrochen.
Da eine Feile zu diesem Zeitpunkt nicht einmal ansatzweise gegriffen hat habe ich auch noch bei 230 Grad angelassen.
Die Probe ist allerdings immer noch deutlich härter als die Feile.
Es lassen sich aus der Feile kleine Späne kratzen :teuflisch
Morgen werde ich das Testmesser schärfen, mal sehen wie es sich so schlägt :steirer:
mfg
Ulrik
stevenjulian
24.02.10, 23:47
Hallo Koraat,
Derartige Legierungen sind eigentlich vor Jahrzehnten von Universitätsinstituten und Stahlwerken untersucht worden und sind veröffentlich worden als Diplom- oder Doktorarbeiten. Herausgekommen sind dabei die genormten Stahlsorten, wie sie im Stahlschlüssel aufgeführt sind. Diese Legierungen sind aber optimiert auf großtechnische Verarbeitbarkeit mit Eigenschaften wie zum Beispiel Gießbarkeit, Vergütbarkeit, Zerspanbarkeit, Zunderbeständigkeit und auf möglichst kostengünstige und gute Beschaffbarkeit der Legierungselemente.
Diese Eigenschaften mögen erwünscht sein bei der Herstellung im Stahlwerk und industrieller Verarbeitung. Bei der Erschmelzung und Verarbeitung von Kleinmengen in der Manufaktur stehen mit Sicherheit andere Eigenschaften im Vordergrund. Deshalb ist es durchaus denkbar, dass Legierungen gefunden werden können, die nicht im Handel zu finden sind, aber für Messerherstellung besser geeignet sind.
Ich drück dir die Daumen, dass eine optimale Legierung gefunden werden kann. :super: Wenn ein Labor gesucht wird, wo kostengünstig metallographische Gefügebeurteilungen mit Carbidgrößenbestimmungen, Bruchuntersuchungen, Härtemessungen, Spektralanalysen gemacht werden können, könnte ich weiterhelfen, bitte per e-mail.
Hey Koraat,
das Messerchen sieht ja mal sehr g**l aus... :super:
Auch Deinen Tüftlergeist kann ich nur bewundern, Custom-Messer mit Custom-Stahllegierung, der Hammer!!!
Die Dinge, die Du über den Stahl erzählst, klingen in meinen Ohren wirklich äußerst vielversprechend...
Hoffentlich komme ich rechtzeitig zum PA, das würde mich echt mal interessieren... :)
Schöne Grüße,
Dom
Hallo Ulrik,
Du gibst echt mächtig Gas... :super:
Ist echt schön geworden Dein Testmesser!
...und nur für den Fall, dass das hier schon die inoffizielle Anmeldung ;) zum Passaround ist, da wär ich auf jeden Fall auch gerne dabei! Kochen ist ohnehin eine meiner Leidenschaften...
Schöne Grüße Steffen
hast ja mächtig schmutzige Fingernägel ... :glgl:
Also wirklich, das ist doch glatt gelogen! So saubere und perfekt manikürte Fingernägel wie meine sieht man unter Messermachern selten, und meine ebenmäßge Haut ist sowieso die schönste :steirer:
hopfenhaltiges Getränk im Mund (!!!) ... jetzt muss ich erst mal meine Tastatur trocken legen gehen ... :glgl: ... und dann ab ins Bett.
Bin schon mächtig gespannt auf die Messer die daraus gemacht werden ... und natürlich wie sie sich schlagen werden ... :steirer:
Hallo,
bevor die ganze sache hier untergeht gibts mal wieder ein kleines Update.
Ich habe in der zwischenzeit fleißig gegossen und experimentiert und bin dabei auf eine recht vielversprechende Legierung gestoßen:
1,5%C 1%Nb 1%W 1%Mn
Die Legierung ist zwar sehr schwer zu schmelzen und sauber zu gießen, auch beim Ausschnmieden macht sie nur probleme, aber ich denke der Aufwand lohnt sich.
Der Stahl lässt sich feuerschweißen, wenn auch sehr schwer. Selbst Profis kann ich hier nur zur Vorsicht raten :hmpf:
Anbei ein Video von einem Vergleichtest zweier Gyuto Klingen. Beide in Sanmai aufbau, einmal mit 1.2562 und einmal mit dem Gussstahl im Kern.
Die Geometrie ist annähernd identisch, die Wb ist absolut ident (beide Rohlinge wurden gemeinsam behandelt) und auch das Härten wurde bei quasi gleichen temperaturen ausgeführt.
In dem Video schneidet erst die gussstahlklinge, dann der 1.2562.
Der Gussstahl hat an dieser Stelle bereits 140 Meter karton geschnitten, der 1.2562 erst ca. 70 Meter.
Dennoch ist die Schärfe beim 1.2562 schon deutlich schlechter.
Ab 90 Meter karton hat der 1.2562 dann aufgegeben, Papierschneiden war nicht mehr sinnvoll möglich.
Bei genauerer Betrachtung hat der 1.2562 etwas kräftigere Ausbrüche (unter der Lupe)
Mir ist bei dem Stahl schon öfter aufgefallen, dass er beim schleifen quer zur Klinge eine Längsfaser zeigt, in der teils recht große "brocken" regelrecht aus der Grundmasse herausragen. Ich könnte mir vorstellen, dass bei der Legierung unter umständen schon ein paar unlösliche Primärkarbide dabei sind, die sich nicht verfeinern lassen und daher schneller aus der schneide brechen.
So oder so bin ich mit beiden klingen recht zufrieden :D
hier das Video: http://www.youtube.com/watch?v=qUfTB_PaHmw
mfg
Ulrik
... nicht schlecht ... :staun:
Hmmm, also für mich sieht die Schneidleistung des 1.2562 nicht wirklich so viel schlechter aus als die des Gussstahlmessers...
Vielleicht hättest Du doch mit beiden Messer gleich viel Karton schneiden sollen. :irre:
Trotzdem! dass die Schnitthaltigkeit deines neuen Stahls enorm ist glaub ich Dir auch so, bei 140 m Karton!!! :super:
Und nochmal den größten Respekt für Deine Experimentierfreudigkeit und wirklich schön, dass so ein Stahl dabei rausgekommen ist!!! :super:
YOU ROCK ! ! !
Steffen
Hallo ihr Zwei,
danke euch für eure Reaktionen.
@Steffen: Du hast recht, auf dem Video sind sie wirklich noch fast gleich auf. Aber da stand der 1.2562 erst bei 70 metern. Bei 90 Meter war dann definitiv schluss. Natürlich schneidet er mit gutem Willen auch jetzt noch Papier, aber es passiert sehr oft, dass er das Blatt einfach abknickt statt einzuschneiden.
Ich mache bei Zeiten noch ein Video. Dann schicke ich aber noch zusätzlich ein ganz ordinäres Stanzblechküchenmesser mit ins Rennen, nicht dass das dann 200 Meter schneidet:argw: :irre:
mfg
Ulrik
Hallo allerseits,
aus gegebenem Anlass möchte ich heute eine kleine Warnung ausprechen.
Falls jemand vor hat sich auch an das Stahlgießen zu wagen sollte er unbedingt ausreichend Schutzmaßnahmen ergreifen.
Heute hab ich wie gewohnt Stahl in meine Stahlform gegossen, nur scheine ich aus ungeklärten Gründen Feuchtigkeit in der Form gehabt zu haben.
Ich kann euch sagen, ein Feuerwerk ist nicht dagegen.
Der flüssige Stahl ist bis an das Dach meiner Schmiede gespritzt und überall um mich herum eingeschlagen...
Glücklicherweise haben mich nur wenige Spritzer erwischt, wenn man sich aber vorstellt, dass einen alle Spritzer (siehe Bilder) genausogut treffen könnten wird schnell klar wie unlustig das enden kann. Besonders wenn so eine Salve ins Gesicht geht....
Eine Form von Helm, Augenschutz sowie lange Lederhandschuhe und ein Lederschurz sollten die MINIMALE Ausrüstung sein.
Ich werde jedenfalls von heute an etwas vorsichtiger sein.
mfg
Ulrik
AUUAAHHHH ... :eek: ... zum Glück ist nicht mehr passiert
wufti da hattest du aber glück.!!!
aber ein paar schöne figuren fürs bleigiessen an sylvester sind dabei.:steirer:
gib auf dich acht
grüsse
hano
holy....!:staun:
da hast du aber grad nochmal schwein gehabt.
gute besserung und mehr erfolg beim nächsten guß!
halt die ohren steif und pass auf dich auf.
MfG Chris
PS: die offenen blasen keimfrei abdecken, das gibt sonst schöne entzündungen :ahaa:
PPS: das mit dem Lotto hat noch nicht geklappt..:p
Black_Anvil
23.05.10, 01:56
Ja das mit der Feuchtigkeit sollte beim Schmelzen beachtet werden. Hatte da mal schmerzhafte Erfahrung beim Bleigießen gemacht.:jammer:
Hallo,
ich habe mal wieder ein bisschen was gegossen.
Unter anderem einen Stahl mit etwas weniger Kohlenstoff.
Geplant war ein C60 mit erhöhtem Mangangehalt und Spuren von Niob und Titan um Kornwachstum zu verhindern.
Leider ist die Kohlenstoffaufnahme aus dem Tiegel recht hoch, der entstandene Stahl hat um die 0,9%C.
Nichtsdestotrotz hat es mich interessiert wie es um die Makroskopische Stabilität meines Stahl beschaffen ist. Von einem Stahl im Bereich des C60 hätte ich gute Eigenschaften bei Biegbelastung erwartet, bei 0,9C wird das ganze natürlich schon empfindlicher.
Ich habe ein Probestück mit ca. 2,5*20*150mm bei 830 Grad gehärtet und zweimal angelassen, einmal bei 160 und einmal bei 200 Grad.
DIe Härte dürfte bei um die 61 hrc liegen.
Dieses Stück habe ich dann im Schraubstock bis zum Bruch gebogen.
http://www.youtube.com/watch?v=oxhiPzv-S_w
Ich bin mit dem Ergebnis eigentlich recht zufrieden, oder hätte da mehr gehen müssen?
Anbei auch ein Foto der bruchstelle.
mfg
Ulrik
Ein 0,9er Stahl bei über 60 HRC?
Dafür finde ich das Biege-Ergebnis schon ordentlich.
Hast du die Bruchstelle am oberen Teil angefasst?
Ansonsten schön feines Gefüge.
Ciao Sven
hallo Sven,
wie gesagt, der Stahl kann auch 0,8 oder 1% haben. Eines ist ganz sicher, 0,6 hat er nicht mehr. :teuflisch
Eigentlich wollte ich ja einen niedrig Kohlenstoff legierten Stahl für zähharte Außenlagen bei Sanmais...
Aber anscheinend ist das im Graphittiegel quasi unmöglich.
Über 60hrc hat er sicher. Eine Feile greift nur mit der Kante und auch da nur 2-3 zehntel, dann ist die Kante rund.
Ich werde das Stück aber ohenhin zum Härtetest schicken. Mich würde die genaue Härte sehr interessieren.
Die dunkle Stelle im Bruchgefüge kommt daher, dass das Ding mit ziemlicher Wucht gegen den verrosteten Schraubstock geknallt ist, dabei hat sich der Teil verfärbt.
mfg
Ulrik
Hallo allerseits,
ich experimentiere ja immer weiter an Optimierungen meines Stahls.
Zuletzt habe ich ein Experiment durchgeführt welches zu einem sehr vielversprechenden Ergebnis geführt hat.
Ziel war es, die Homogenität sowie die Größe der einzelnen Bestandteile des Gusses zu optimieren. Sprich Seigerungen zu minimieren und das Korn und die Karbide möglichst klein zu halten.
Ich möchte euch das Ergebnis gerne einfach mal zeigen. Die beiden Fotos stammen vom gleichen Stahl aus dem selben Tiegel, beide aufgenommen durch ein Auflichtmikroskop bei exakt gleicher Vergrößerung.
Beide Fotos zeigen 4mm des Gussbarrens.
Foto 1 ist ein normaler Guss, Foto 2 zeigt die optimierte Variante.
Die Fotos sind wegen dem besseren kontrast in Falschfarben dargestellt.
Ein paar Versuche schwirren mir noch im Kopf herum, vielleicht lässt sich da noch was verbessern :D
mfg
Ulrik
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