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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Making Of: Damantmesser


Koraat
09.02.10, 20:49
Hallo,

wie versprochen beginne ich heute das Making Of meines neuesten Damantmessers.

Wer sich erwartet hat, dass ich näher verrate, wie die Diamanten in den Stahl kommen, den muss ich enttäuschen :teuflisch
Das making of startet mit der geschmiedeten Klinge.

Ein paar Informationen gebe ich euch natürlich trotzdem.

Diesmal ist ordentlich C in dem Damant Material, um genau zu sein zwischen 1,2-1,4 %.
Einigen von euch wird aufgefallen sein, dass der Stahl auf den Fotos des Verlosungsmesser, fein marmoriert war. Es ist also ein raffinierter Stahl. Im Fall des Verlosungsmessers sind es ca. 2000 Lagen.
Nun, beim aktuellen Messer sind es ca. 500 000 :steirer:
Und zwar habe ich 5000 Lagiges Material hergestellt und dieses anschließend in Kombination mit 1.2562 zu einem 200 Lagen Damast verarbeitet.
Dies ist nötig, da der Damant fertigungsbedingt etwa 5% Nickel enthält, ein Stahl mit über 5% Nickel und mehr als 1% C aber im Feuer zum zerbröseln neigt...
Als stabilisierenden Partner wollte ich natürlich nur den besten Stahl und habe mich daher für den 1.2562 entschieden.
Keine arbeitstechnisch einfache Wahl, aber zum Glück ist alles gut gegangen.



An dieser Stelle ein kleiner Tipp zum Verschweißen sehr empfindlicher Stahlsorten wie dem 1.2562.
Bei so einem Stahl ist man immer im Zwiespalt. Einerseits schweißt er erst bei recht hohen Temperaturen gut, andererseits kann er dann schon zerbröseln wie Mürbteig.
Ein machbarer Weg war es ein sehr hohes und schmales Paket vorzubereiten. Alle Lagen waren gut blankgeschliffen und sind satt aufeinander aufgelegen.
Die Esse muss nun auf sehr hohe Temperatur erhitzt werden. Ist diese erreicht wird die Luftzufuhr stark gedrosselt und das Paket wird in dieser reduzierenden Atmosphäre erhitzt und Borax aufgestreut. Erst jetzt wird die Luftzufuhr erhöht und das Paket bis auf Schweißhitze gebracht. Auf das Packen habe ich ganz bewusst verzichtet, da ich auf jeden Fall bis direkt vor dem Schweißvorgang überall Borax haben wollte.
Der Schweißvorgang selbst erfolgt bei etwa 1050-1100 Grad mit schnellen festen Schlägen.
Zu dem Zeitpunkt hat es entweder geklappt oder man kann das Paket gleich wegschweißen. Sind jetzt schichtablösungen zu sehen wird nichts mehr aus der Sache :teuflisch
Wenn man die äußeren Lagen aus dem anderen Stahl, in meinem fall eben der Damant, recht dick gewählt hat, kann man bis zu 4 Schweißungen machen bei denen nur Außenlage auf Außenlage kommt und der 1.2562 daher gar nicht geschweißt werden muss. Danach wird es kritisch und ich würde raten an dem Punkt aufzuhören.



So, nach diesem langen Text aber zu den Bildern:

Bild1: Der Entwurf. Ich wollte ein schlankes Küchenmesser in europäischem Stil.

Bild2: Das Raffinieren des Damant.

Bild3-5: Grob geschliffener Rohling.

Bild6: Die gehärtete Klinge. So dünne Klingen werden bei mir immer mindestens 1,5 Stunden bei 650 Grad spannungsarmgeglüht. Beim Härten (in dem Fall bei 820 Grad und 3 Minuten Haltezeit) schrecke ich in 160 Grad heißem Öl ab. Die Perlitnase vermeidet man bei legierten Stählen dann immer noch leicht, kann aber die kritischen Umwandlungspannungen im Martensitbereich stark reduzieren. Das tatsächliche Härten geschieht nach etwa 1 Minute im Öl an der Luft.

Bild7: Die Geometrie der Klinge. So dünn auschgeschliffen wirde die Klinge erst nach dem Härten. Mit frischen hochwertigen Bändern und recht grober Körnung und unter ständiger Kühlung lässt sich das wunderbar ohne Härtverlust bewerkstelligen.

Bild8+9: Der Momentane Stand. Die Klinge ist fertig geschliffen und geätzt. Der Griff wird aus Wüsteneisenholz mit Edelmetallmonturen angefertigt.
Noch sind die Zwinge und der Abschluss aber aus Pfaffenhütchen Holz, alternativ eignet sich auch Hollunderholz. Dieses wird in Form gebracht und anschließend geschnitzt/graviert.
Ist das Holz fertig wird ein Guss davon angefertigt, welchen man dann nur noch zu versäubern braucht.


So, das wars mal :D
Demnächst geht es weiter!

mfg
Ulrik

Enzio
09.02.10, 21:26
... wird sicher ein schönes Messer ... :steirer: ... mit etwas stehengelassener Schmiedehaut hätte es mir auch gefallen ... :super:

hano
09.02.10, 21:51
hallo
falt's noch mal dann giebts ne million....:steirer:
ähm jetzt ist's dazu wohl zu späht.
verspricht gut zu werden.und wenn man das foto mit deinen fingerchen darauf betrachtet sogar sehr gut.:super:
bin echt gespannt wie sich das zeugs verhält im gebrauch.
danke fürs zeigen
grüsse
hano

fenriswolf
10.02.10, 10:11
Sieht vorab schon toll aus.

Maße?

Koraat
11.02.10, 22:21
Hallo,

weiter gehts, wenn auch leider nicht so weit wie ich wollte... an manchen Tagen will es halt nicht so richtig :hmpf:

Heute gibts die grobe Anpassung von Zwinge und Griffholz zusehen.
Morgen folgt dann die Formgebung des Griffs und der Guss der Zwinge.

Bild1) Wichtig ist es einen schön runden Übergang zu schleifen um Sollbruchstellen zu vermeiden.

Bild2+3) Mit der Diamantfeile wird an der Oberkante der Klinge am Übergang zum Erl eine Schräge gefeilt.
Durch die Schräge kann man eine Konische Passung zwischen Klinge und Zwinge machen und da das holz ohnehin ein wenig nachgibt sitzt das ganze recht genau.

Bild4+5) Die Zwinge aus Mooreiche ist grob angepasst. Da von der Mooreiche ohenhin ein Guss angefertigt wird muss das ganze nicht soooo genau sein.
Damit die passung beim Guss perfekt wird reicht es ein bisschen flüssiges Bienenwachs in den Schlitz zu tropfen. Wenn das Bienenwachs nur noch zäh ist presst man die Klinge hinein bis sie splatfrei sitzt.
Das Bienenwachs wird dann hart genug um es mit der Mooreiche abzuformen.

Bild6) Der Wüsteneisenholz Griff wird gebohrt und die Bohrung leicht konisch gefeilt.

Bild7+8) Zwinge und Wüsteneisenholz werden provisorisch mit Sekundenkleber verklebt. Dies dient nur dazu die beiden Hölzer gemeinsam in Form schleifen zu können. Anschließend wird die Zwinge mit einem scharfen Ruck wieder entfernt.
Glaubt mir, das geht, besser hält Sekundenkleber nicht :steirer:
Wichtig ist zu überprüfen, dass die Zwinge genau mittig über dem Bohrloch sitzt. Ansonsten wird die ganze Sache asymetrisch.


@Enzio: Anfangs habe ich etwas Schmiedehaut stehen lassen, habe mich dann aber doch anders entschieden. Ich glaube beide Varianten sind ganz nett :)

@Hano: Jajajaja ich weiß! Ich hab DIE Gelegenheit verpasst. :steirer::steirer::steirer:
Naja beim nächsten mal mach ichs dann, dir zuliebe ;)

@Fenriswolf: Danke!
Maße: KL: 190mm gesamt 170 scharf
GL: voraussichtlich 320mm
KH: 38mm
KD: knapp 3mm

mfg
Ulrik

Koraat
12.02.10, 20:55
Und weiter gehts!

Bild1) Das Ende vom Wüsteneisenholz wird noch im Winkel plan überfräst...

Bild2) und dann der gebohrte und angesenkte Abschluss aus Mooreiche angeklebt.

Bild3) Alles verklebt und bündig geschliffen.

Bild4) Erste Anprobe mit dem grob geschliffenen Griff. Als Form habe ich die Kastanienform gewählt.

Bild5) Der Griff ist feinber geschliffen unbd geölt. Ich denke das Wüsteneisenholz kommt recht gut raus :D

Bild6) Ein teil des feinschliffs ist wieder für die Katz... obwohl das Wüsteneisenholz so hart ist, dass es kaum zerkratzt. dafür kommt die Struktur der Mooreiche richtig gut zum Vorschein. Eine feilenbürste hat sich zum ausbürsten als optimal erwiesen.

Bild7) Mittels einer Stanleyklinge als Keil lassen sich Zwinge und Abschluss leicht und unbeschadet wieder entfernen.

Bild8+9) Das Werkzeug fürs Abformen.
-Ein Hammer
-mehrere Nägel/Nadeln verschiedener Größen (1mm-5mm Durchmesser)
-ein Pinsel
-Talkpulver
-die Abformmasse plus Form. Diese Masse nennt sich Delft Clay und lässt sich leicht übers Internet beziehen.

Bild10) Der Formsand wird aufgelockert....

Koraat
12.02.10, 21:12
Bild1) ...und die Zwinge wird eingeformt. Etwas Talk verhindert, dass sich der Formsand mit dem Sand der anderen Formhälfte verklebt.

Bild2) Der Oberteil wird aufgesetzt (Strich auf Strich siehe Bild 5) und der Formsand mit einem Hammer verdichtet. Danach kann das Modell entnommen werden. Hierbei ist darauf zu achten den Sand, insbsondere an den Rändern nicht zu beschädigen.

Bild3+4) Ein Angussloch mit ca. 5mm Durchmesser wird gestochen. Zudem einige kleine Löcher aus denen später die Luft entweichen kann.
Auf der Oberseite ist es ratsam einen kleinen Trichter zu formen.

Bild5) Jetzt schließt man die Form vorsichtig. Die Striche müssen wieder deckungsgleich sein.

Bild6) Silberreste werden mit etwas Borsäure in den Tiegel gegeben...

Bild7) ...und mit Dem Gasbrenner geschmolzen.
Kurz vor dem Gießen sollte man eine Messerspitze "Argoflux", zu beziehen im Goldschmiedehandel, hinzufügen. Diese Mittel setzt die Oberflächenspannung des Metals herab und erlaubt es so feinere Details abzubilden.

Bild8) Beim Ausgießen solte die Flamme reduzierend sein und das Metall umfließen um Oxidation zu vermeiden und die Temperatur aufrecht zu erhalten.

Bild9) Aus den Luftlöchern steigt Dampf, ein gutes Zeichen. Ein schlechtes Zeichen ist allerdings, dass im Gusstrichter nur wenig Metall zu sehen ist. Für einen gelungenen Guss braucht man genug Druck von oben, in diesem Fall habe ich zu wenig Silber verwendet.

Bild10) Der Guss ist zwar geglückt, aber nicht sehr detailreich, demnächst wird er mit etwas mehr Silber wiederholt. Die Teile des Formsandes die schwarz geworden sind müssen entsorgt werden. Alles andere kann wiederverwendet werden.


mfg
Ulrik