Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 1095er weichglühen, härten, und anlassen
Gurka Kukri
23.06.09, 18:15
Hallo an alle Fachkundigen,
erstmal vorweg:
Ich habe vor mir in den nächsten Wochen ein kleines Messer selber zu bauen.
Zu diesem Zweck hat mir ein Bekannten ein Bekannter ein gebrochenes Katana aus 1095er Kohlenstoffstahl gegeben. Das Schwert ist mit 40 Grad Rockwell am Klingenrücken und 60 Grad an der Schneide differenzialgehärtet. Ich will das Messer aus dem Teil der Klinge fertigen, der über der Härtelinie liegt.
Nun meine Frage(n):
Wie kann ich die Klinge am besten weichglühen, um sie mit "normalem" Werkzeug bearbeiten (das Messer herausarbeiten) kann?
Und wie muss die anschließende Wärmebehandlung aussehen?
Vielen Dank für eure Hilfe schon mal im Voraus.
Gurka Kukri
Es kommt darauf an.
Du kannst das Klingenbruchstück, das Du verwenden willst, in Härteschutzfolie packen und in einem Ofen mit Temperatursteuerung 1 Stunde um 715-725 Grad pendelnd glühen, dann bis ca 600 Grad langsam abkühlen lassen und dann beliebig weiter kühlen.
Statt Härteschutzfolie kannst Du auch eine im Handel erhältliche Paste verwenden.
Normalglühen brauchst Du die Klinge eher nicht, da sie von der kommerziellen Härtung her eigentlich einen ordentlichen Gefügezustand haben müßte.
Verwunderlich ist allerdings dann, wie Ihr die Klinge zerbrochen habt. Bei Stahl 1095-ähnlich unserem 1.1545- ist das bei den angegebenen Härtewerten eigentlich ein Kunststück.
Seid Ihr böse Buben, die Klein-Siegfried gespielt haben und einen Amboß spalten wollten ?.
Härten - für diesen Stahl bei 800 Grad in Öl, Haltezeit nicht erforderlich.
Das kann man wieder mit einer Schutzpaste machen, die Folie bewährt sich nicht so gut, weil sie die erforderliche schnelle Abkühlung behindert.
Anlassen: 2 mal 30 Min bei 200 Grad sollten genügen-selbstverständlich auch in einem auf ein Grad genauen Ofen.
Es geht aber auch einfacher:
Das Bruchstück wird in ein passendes Rohr gesteckt-Verzinkung bei alten Wasserrohren sollte herausgeglüht sein- das Rohr wird an einem Ende fest verschlossen, mit kleinen Holzkohlebröckchen gefüllt und mit einem Batzen Dreck verschlossen.
Das Rohr kommt dann ins Grillfeuer, so daß es allseits bedeckt ist und bleibt darin, bis die Glut erloschen ist. Viel falsch machen kann man dabei nicht, weil die Grillkohle ohne künstliche Luftzufuhr keine zu hohe Temperatur entwickelt.
Das Bruchstück aus diesem einfachen und dankbaren Stahl ist dann weich wie Butter- na ja, nicht ganz, aber ich habe schon Steaks gesehen, die härter waren.
Normalisieren kann wieder entfallen, wenn man von einem ursprünglich guten Gefügezustand ausgeht.
Das Härten kann mit gutem Erfolg auch aus dem Grill vorgenommen werden. Hierzu erzeugt man einen ordentlichen Haufen Glut und bringt die Glut diesmal mit Hilfe eines Föhns, eines Blasebalgs oder durch kräftiges Pusten einiger Freunde mit der nötigen Lungenkapazität auf helle Rotglut, besser noch auf Orange.
In diese Glut legt man die kalte Klinge-sie verträgt das, da sie ja weichgeglüht ist- und läßt sie möglichst gleichmäßig auf dunkle Rotglut kommen. Dann wird mit einem Magneten geprüft, ob sie noch magnetisch ist. Den Magnetismus verliert sie bei 768 Grad- und das ist für diesen Stahl eine bestens geeignete Härtetemperatur. Ist der Magnetismus verschwunden, so kommt die Klinge wieder ohne Haltezeit in das Öl.
Wenn Ihr ein bißchen spielen wollt und gute Nerven habt, könnt ihr die Klinge mit der Schneide nach unten in die Glut legen, sodaß nur die vorderen 5-8 mm auf Härtetemperatur kommen.
Abgeschreckt wird wieder in Öl- so gut wie jedes Öl ist geeignet- es muß nicht extra vergine kaltgepresst sein- auch die Öltemperatur ist zunächst mal egal- Profis tricksen hier noch mit heißem Öl,- das kannst Du Dir aber mal für später aufheben.
Anlassen wie oben, z.B. im Backofen als Beilage zum Sonntagsbraten- bitte aber nicht vergessen, die Klinge vor dem Einlegen in den Ofen vom Öl zu befreien.
Wird dieser wichtige Schritt ausgelassen, schadet das der Klinge nicht, wohl aber dem Geschmack des Bratens und dem häuslichen Frieden.
MfG U. Gerfin
Gurka Kukri
23.06.09, 19:54
Hallo U. Gerfin,
danke für die ausführlich Antwort.
Mein Bekannter hat einen Blankwaffenhandel und das Schwert kam so von einem Kunden zurück. Was er damit gemacht hat haben wir uns auch gefragt, vor allem weil der Bruch recht gerade ist und das Schwert zusammengesetzt auch keinerlei Biegung aufweist.:confused:
Meinst du, dass der Stahl über der Härtelinie noch hart genug für den Alltäglichen Einsatz ist (im Bezug auf die Schnitthaltigkeit)?
Gruss
Gurka Kukri
Meinst du ohne eine erneue Wärmebehandlung?
NEIN, Tus nicht! :staun:
Gurka Kukri
23.06.09, 20:21
Meinst du ohne eine erneue Wärmebehandlung?
NEIN, Tus nicht! :staun:
Ja, ich meinte ohne jegliche Wärmebehandlung.
Quasi die Härtelinie absägen und aus dem oberen Rest das Messer ausarbeiten.
Ich glaube aber, dass eine komplett neue Wärmebehandlung besser wäre, falls der Bruch durch einen Material- oder Härtungsfehler entstanden ist.
Gruss
Gurka Kukri
hallo Gurka Kukri
ja es ist auf jeden fall besser eine neue wärmebehandlung durchzuführen:glgl:.
denn oberhalb der härtelinie ist der stahl nicht sonderlich hart.
und dann daraus ein messer zu machen ohne es zu härten währe zeitverschwendung oder höchstens als übung anzusehen.zum üben kannst du dann aber auch bauchtsahl nehmen.
also mach es wie u.gerfin es dir empfohlen hat dann kanst du auch das ganze stück verwenden und du bekommst erst noch ein gutes messer.:super:
grüsse
hano
Gurka Kukri
24.06.09, 06:27
Danke an euch alle für die guten Ratschläge.:super:
Ich werde mich in den nächsten Wochen mal dran machen und dann Bilder posten.
Eine Frage zum Öl hab ich aber noch:
U. Gerfin sprach davon, dass es kein extra vergine kaltgepresstes Öl sein muss. Das hört sich für mich an, als könnte ich dafür auch Pflanzenöl vom Discounter um die Ecke benutzen.
Verstehe ich das so richtig?
Gruss
Gurka Kukri
Maik Schnitzer
24.06.09, 06:41
Ob Raps oder Sonnenblumenöl ist egal,nur kein Machienenöl.Nimm eine lange Zange,denn meistens entstehen Flammen solange die Klinge nicht ganz eingetaucht ist.
Aber das ist alles hier im Forum nachlesbar.
Gruß Maik
(Du kannst auch ausgedientes Fritieröl von der Pommesbude nehmen. :steirer: )
Natürlich auch Discounter-Öl. Idealerweise so um 60 Grad Celsius. Und das mit der Zange, was Maik schrieb, solltest Du unbedingt beachten.
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