Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ist Wolfram schmiedbar??
Hallo,
ein Bekannter von mir arbeitet beim Kampfmittelräumdienst. In einem Gespräch über mein Hobby fragte er ob ich etwas mit Wolframkernen aus Panzerbrechenden Geschossen anfagen könnte:staun: Das ist mal was neues. Die Kerne sind im Normalzustand glashart. Wenn sie ungünstig auf den Betonboden fallen zerspringen sie in 1000 Stücke.
Kann mann das Zeugs schmieden oder sogar feuerschweißen???
Grüße
Johannes
Chris Deminie
22.03.08, 09:46
Hallo Johannes,
welche Maße haben die Wolframstücke? Schmieden könnte man ja mal probieren,aber feuerschweißen wird nicht gehen da Wolfram einen sehr hohen Schmelzpunkt hat.
Gruß Chris
ScorpioDesign
22.03.08, 09:52
Soweit ich weiß, bestehen solche Hartkerne nicht aus Wolfram, sondern aus Wolframcarbid, aka "Widia". Also ein keramischer Werkstoff.
Sofern ich da richtig liege, kann man das mit schmieden wohl vergessen :(
Grüße,
Gunther
briesenreiter
22.03.08, 10:02
... sondern aus Wolframcarbid, aka "Widia".
Widia (http://de.wikipedia.org/wiki/Widia) ist ein Markenname der Firma Krupp.
Also ein keramischer Werkstoff.
Das stimmt nicht!
Es gibt Sachen wie z.B. Cermet : Cermets sind Verbundwerkstoffe aus
keramischen Werkstoffen in einer metallischen Matrix.
"Hartmetall" oder "Hartwerkstoff auf Wolframcarbidbasis" (früher HM, heute HW) ist ein Sinterwerkstoff.
Soweit ich weiß, bestehen solche Hartkerne nicht aus Wolfram, sondern aus Wolframcarbid, aka "Widia". Also ein keramischer Werkstoff. Sofern ich da richtig liege, kann man das mit schmieden wohl vergessen......
Richtig, das Schmieden von Widia (eine metallische Legierung, kein keramischer Werkstoff) kann man getrost vergessen; Zusammensetzung ist nach meinen Infos 88% Wolfram, 6% Kohlenstoff, 6% Kobalt. Das Zeug ist, wie man weiß, sehr warmfest.
Gruß
sanjuro
Guude!
@Moby
Vielleicht kann man ja den Mantel der Geschosse verarbeiten, das ist bestimmt auch kein schlechtes Material.
Der Markenname Widia von Krupp ist im Volksmund der Begriff für Hartmetall allgemein, so wie Tempo für Taschentücher, Selters für Mineralwasser und V2A für Edelstahl.
Egal ob Widia oder Hartmetall allgemein, es ist nicht schmiedbar.
War schonmal in einem Beitrag über Motorkettensägen mit HM-Zähnen.
HM wird zerplatzen beim Schmieden, weil es auch sehr spröde ist.
Das wird bei den Wolframkernen genauso sein.
Aber probieren kann man es ja trotzdem mal.
Das Ergebnis würde mich auch interessieren, man weiß ja nie.
Gruß aus Mittelhessen,
Holgi
OK,
ich lasse mir mal so ein Ding schicken. Mal versuchen das Ding warm zu Formen. Wenn es funzt, werde ich ein Bild posten.
Danke
Grüße
Johannes
ScorpioDesign
22.03.08, 11:57
Das stimmt nicht!
Es gibt Sachen wie z.B. Cermet : Cermets sind Verbundwerkstoffe aus
keramischen Werkstoffen in einer metallischen Matrix.
"Hartmetall" oder "Hartwerkstoff auf Wolframcarbidbasis" (früher HM, heute HW) ist ein Sinterwerkstoff.
Ich will ja keine Korinthen ka..., aber Wolframcarbid IST ein Keramischer Werkstoff.
http://de.wikipedia.org/wiki/Wolframcarbid
Es wird aber fast ausschließlich im Verbund mit einer metallischen Matrix verwendet - als Hartmetall, was, wie Du richtig bemerktest, ein Sinterwerkstoff ist. Da hab ich mit der volkstümlich besser bekannten Bezeichnung Widia (ohne ausführliche Erklärung) wohl für Verwirrung gesorgt.
Cermet ist ein Oberbegriff für alle Keramisch-metallischen Werkstoffe, also auch für Hartmetall (z.B. WC (->Keramik) in einer Kobalt (->Metall)-Matrix).
Die Art der Herstellung (Sintern) ist dabei ja erstmal zweitrangig, obwohl mir kein anderes Verfahren zur Herstellung dieser Werkstoffe bekannt ist.
Zur Bearbeitung: außer Schleifen mit Diamantwerkzeugen kann man alles vergessen. Das Zeug widersteht kalt lächelnd einem Schneidbrenner und platzt beim Schmieden einfach.
Grüße,
Gunther
..... Wolframcarbid IST ein keramischer Werkstoff.....
Die Art der Herstellung (Sintern) ist dabei ja erstmal zweitrangig, obwohl mir kein anderes Verfahren zur Herstellung dieser Werkstoffe bekannt ist.....
Du hast wohl Recht; die (metallische) Wolfram-Matrix täuscht darüber hinweg, dass keine "richtige" Legierung entsteht. Die Art der Herstellung ist aber entscheidend, denn das Sintern wird heute fast als Synonym für ein keramisches Herstellungsverfahren verwendet (woher es ursprünglich stammt). Es ist energetisch nicht so aufwändig wie eine Schmelze, bringt dabei aber gute Ergebnisse, vor allem bei nicht legierbaren Materialien.
Gruß
sanjuro
briesenreiter
22.03.08, 16:59
Ich will ja keine Korinthen ka...
Schon o.K. , danke...
Wofür habe ich eigentlich viel Geld für die Meisterschule bezahlt, wenn die
einem sogar da nur Halbwahrheiten beibringen...:mad:
Vielleicht kann man ja den Mantel der Geschosse verarbeiten, das ist bestimmt auch kein schlechtes Material.
Mantel ist bei panzerbrechenden Hartmetallkerngeschossen wie APDS oder KE grundsätzlich aus weichem Material: Hat auch seinen Grund: Die Hartmetallkerne sollen die Panzerung durschlagen, der Mantel soll sich beim Auftreffen verformen und an der Panzerung anlegen um ein Abrutschen bei schrägem auftreffen zu verhindern.
RogerRabbit
22.03.08, 21:12
Also bevor ich daran herumbasteln würde, würde ich sichergehen daß es keine Urankern Geschosse sind. :steirer:
3,14159 26535 89793 23846 26433 83279 50288 41971
ScorpioDesign
23.03.08, 11:54
Das hat auch keiner behauptet.
Am besten den Post #8 mal genau lesen.
Gruß,
Gunther
Ich komm da nicht hinter:confused:. Wieso soll Wolfram nicht schmiedbar sein? Wenn es bis etwas unter dem Schmelzpunkt erwärmt wird, dürfte das doch fuktionieren.
Werden die Schweißelektroden den auch Gesintert? Ich nahm eher an das die wie Draht hergestellt werden (Walzen? fielleicht nicht ziehen sondern zum glätten ein wenig schleifen?)
:confused:
Bei nem Schmezpunkt von rund 3400°C dürfte ein Schmieden knapp unterm Schmelzpunkt schwer möglich sein. Meine Esse schafft nichtmal 2000°C.
feuervogel69
23.03.08, 12:46
ich war mal in der grube pöhla (? in der nähe vom fichtelberg)
dort wurde in früheren zeiten stark wolframhaltiges eisenerz gewonnen.
der grubenführer berichtete wie die schmiede über diesen stahl aus pöhla geflucht haben weil der so widerspenstig war....
wer unbedingt wolframschmieden probieren will: gegen einen obolus+versandkosten hätte ich ein paar kleine wolframstücke so ca. 1 cm³ zu vergeben.
ob es reines wolfram ist, weiß ich nicht-die stammen ursprünglich aus riesigen lampen (wolframschrot um die glühkolben zu säubern oder auch den abbrand der glühwendel zu verringern ??? weiß nicht mehr ganz genau...)
lg
ScorpioDesign
23.03.08, 13:25
Ich glaube, wir reden hier aneinander vorbei.
Die Hartkerne, auf die sich die anfängliche Frage bezog, bestehen nicht aus Wolfram, sondern aus Hartmetall, welches sich wiederum aus Wolframcarbid-Keramik und Kobalt zusammensetzt und durch Sintern erzeugt wird.
Da sich herausstellte, daß es sich nicht um reines Wolfram handelt, bezogen sich die folgenden Posts auch nicht darauf. Auch meine dargestellten Erfahrungen sind bezüglich der Bearbeitung von Hartmetall.
Die Warmbearbeitung von Wolfram als solches ist aufgrund des enormen Schmelzpunktes mutmaßlich auch nicht mit den Mitteln einer "normalen" Schmiede machbar, wie bereits von Nemo.26 dargestellt.
Nicht umsonst sind Glühfäden von Leuchtmitteln und Schweißelektroden (WIG), die beachtliche Temperaturen aushalten müssen, aus diesem Material gemacht.
Über die industrielle Bearbeitung von Wolfram (Urformung?) weiß ich leider nix - würde mich aber auch interessieren - irgendein Kundiger unter uns ?
Grüße,
Gunther
Werden die Schweißelektroden den auch Gesintert? Ich nahm eher an das die wie Draht hergestellt werden (Walzen? fielleicht nicht ziehen sondern zum glätten ein wenig schleifen?)
:confused:
Wenn du WIG- Elektroden meinst, die werden tatsächlich gesintert und in einem Art Kaltzieh- verfahren gezogen und dabei verdichtet.
Das Sintern ist in diesem Fall für die Verbindung mit den nichtmetallischen Bestandteilen (seltene Erden, wie Thoriumoxid, Ceroxid, Zirkoniumoxid und Lanthanoxid) nötig.
MythBuster
23.03.08, 13:42
W ist schmiedbar bei 2000 - 2700°C.
http://www.metalpass.com/metaldoc/paper.aspx?docID=310
Man muss nur seine Gasesse etwas modifizieren, wie wärs mit´n Knallgasgebläse.
Ok,
nächste Woche am Dienstag geht solch ein Kern per DPD an meine Adresse. Was ich vergessen habe zu schreiben, diese Kerne sind nachweislich aus WK2-Geschossen 7,5cm Kanone Wehrmacht!!! Gabs da schon Puvermetalurgische Kerne???? Bin mal gespannt wie solch ein Teil aussieht:hehe:
@mythbuster Laut meiner Umrechnug währen das aber "nur" um die 1200° C. bei 2200°F
Mal sehn.
Grüße
Johannes
bei nem selbstgabautem Knallgasgebläse möcht ich aber nich der erste sein, ders anzündet :irre:
Gruß Max
MythBuster
23.03.08, 14:58
@Moby ja sorry, bin hier (http://www.umrechnung.org/masseinheiten-temperatur-celsius-fahrenheit-kelvin/celsius-fahrenheit-umrechnung.htm)
in die falsche Spalte geraten also 1200-1650°C.
So entstehen Mythen!
@moby: Panzergranate 40. Widia gibt es seit 1926, wenn ich mich nicht irre.
Grüße Willy
Die Firma Plansee in Reutte/Tirol stellt in großem Massstab Refraktärmetalle her.
www.plansee.com
Ich kenne die Firma, man find nix besseres. Zum besseren Verständnis ein link auf eine Broschüre zum Thema Wolfram. Beantwortet vielleicht einige Fragen. Sind 4,99 MB.
Es gibt noch andere Hinweise, auch auf Hartmetall und W-Legierungen aller Art, sowie Tantal, Molybdän und so weiter.
Wolfram-Broschüre (http://www.plansee.com/lib/7000751_663_DE_W-Prospekt.pdf)
hallo ich hätte mal da eine Frage ...bezüglich eines in der DDR hergestellten Stahls der anscheinend sehr hart ist und im jetzigen zustand problemlos tief das Glas ritzt...:hehe:
Da ich im kleinen Stahlschlüssel sowie mit der Suchfunktion keine Ergebnise zutage fördern konnte ....auch nicht in abgewandelter Form ...
Es handelt sich nach dem Abziehbildchen auf manchen Stahlbarren um den
X100WMo6,5 :staun:
http://img524.imageshack.us/img524/4487/32423080.jpg
und mich würde die genaue Zusammensetzung dieses Stahls brennend interessieren ....und wofür ich ihn verwenden kann ( evtl. ob er schmiedbar ist)
Soweit ich weiss steht das X für einen hochlegierten Stahl der wohl auch nicht so einfach zu Wärme-zu-behandeln ist
.....Danke im Voraus
oliver
Die Zusammensetzung steht ja drauf: 1 % Kohlenstoff, 6 % Wolfram, 5 % Molybdän. Wahrscheinlich so was wie ein "Spar-HSS"-Stahl.
Es gibt zwei Möglichkeiten: Es handelt sich um eine Abwandlung des wohl am weitesten in der Welt verbreiteten Schnellarbeitsstahls mit 1 % C, & % W, 5 % Mol und o h n e Vanadium.
Das wäre dann, wie Achim richtig schreibt, eine Sparversion des Stahls 1.3343.
Dafür könnte sprechen, daß gegenüber der Originalversion der C-Gehalt etwas erhöht wäre: 1 % gegenüber 0,84-0,92 %.
Vielleicht hat man aber das Vanadium in der Bezeichnung einfach weggelassen und es handelt sich um den Stahl 1.3343. An den Eigenschaften und der erforderlichen Wärmebehandlung würde sich in beiden Fällen nichts wesentlich ändern. Der vanadiumfreie Stahl wäre etwas weniger warm- und verschleißfest. Solange keine Wärmebeanspruchung vorliegt, wird man den Unterschied wohl kaum merken.
Die Wärmebehandlung der Schnellarbeitsstähle ist nichts für Anfänger. Zur wirklich perfekten Behandlung sind Salzbäder erforderlich. Man kann sich mit Tricks behelfen, sicherer ist die Behandlung durch den Profi.
Freundliche Grüße
U. Gerfin
Vielen dank für die Infos... tatsächlich hab ich auch noch ein paar Stückchen mit der bezeichnung X86WMo 6,5 ..dieser hat dann anscheinend 0,86 % C und ist wohl dann noch Sparsamer :(
nungut ...villeicht schaffe ich es ja aus einem der grossen stücke ein brauchbares Schneide-Utensil herauszuschleifen ohne die Härtung wieder wegzuglühen..:argw:
ich werds dann mal hier im MF posten und vorher schauen wie die Schneidwirkung so ist.... sollte man diesen Stahl wenn er für Drehbänke gehärtet wurde nocheinmal etwas mehr anlassen oder würde eine solche Klinge schnell brechen wenn ich diese so lasse (bei ca. 3 -4 mm Dicke am Rücken ) ?
Danke im Voraus...
Gruss Oliver
Es ist ja nicht so, daß noch niemand aus Schnellarbeitsstählen Messerklingen gemacht hat.
Grundsätzlich kann man sagen, daß sie ähnlich verschleißfest wie die 12-prozentigen Chromstähle (D 2 und Gebrüder), aber deutlich zäher sind. Korrosionsbeständig sind sie überhaupt nicht- die 4 % Chrom, die sie alle haben, nutzen da gar nichts und für feine schneiden sind sie auch nicht erste Wahl.
Da sie für Schneidleistung bei hohen Temperaturen ausgelegt sind, vertragen sie unvorsichtiges Schleifen besser als andere Stähle.
Ein Anlassen auf 600 Grad verbessert die Zähigkeit, ohne die Härte allzu sehr zu beeinflussen.
Ein Freund von mir hat sich aus einem Schnellarbeitsstahl einen Signierstempel gemacht, den ich für ihn gehärtet habe. Er schlägt ihn seit vielen Jahren in seine Rohklingen, ohne daß eine Abnutzung zu erkennen ist.
Freundliche Grüße
U. Gerfin
Stimmt, ich habe schon aus HSS mehrere Klingen geschmiedet. Ich habe einfach Naturdrehstähle, davon habe ich reichlich, zu Messerklingenen ausgeschmiedet. Verdammt zähes Zeug! Ich habe dann die Härte prüfen lassen. Sie hatten schon 58HRC ohne dass ich sie gehärtet habe. Das habe ich mir dann auch gleich gespart.
Das Schleifen war dann aber eine Tortur. Richtig scharf, ich meine rasierscharf, sind sie auch nicht geworden, aber dafür unkaputtbar.
Für ein Bowie mit dem man sich nicht unbedingt rasieren muss ist der Stahl aber bestimm ne gute Wahl, denke ich.
Gruß Egbert
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