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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mehrbahnige Dolchklinge schmieden ?



knives_Markus
21.03.08, 20:59
N'abend Messerfangemeinde,

mich beschäftigt seit ein paar Tagen die Frage, wie man eine mehrbahnige Dolchklinge (5 Bahnen) schmiedet. Dabei gehts ganz speziell um die Klingenspitze.

Wie schmiedet man die Klingenspitze, damit die Bahnen die gleiche Stärke behalten ?

Fängt man mit der mittelsten Lage an und macht dann so eine "Art" Aufsohlung um die Mittellage und dann die Aussenlage wieder um neue Mittellage ?

Oder schneidet man aus dem rechteckigen Querschnitt ein "V" und schmiedet die zwei Spitzen zur Klingenspitze zusammen ?

Oder, oder ...?

Wäre für ein paar Tipps sehr dankbar... :)


Gruß


Markus

Bernhard1984
21.03.08, 21:17
Wie meinst du das:

Wie schmiedet man die Klingenspitze, damit die Bahnen die gleiche Stärke behalten?

Möchtest du, dass man die 5 Bahnen noch bis zur Spitze sieht?

- Hier müsstest du zuerst die 5 Langen verschweißen und dann wie bei einer eckigen Monostahlklinge die Spitze schmieden. Die Lagen werden zur Spitze hin immer schmaler.


Oder sollen die Bahnen auf der kompletten Länge der Klinge gleich breit bleiben?

- Hier müsstest du aus deiner eckigen Ausgangsform die Spitzen durch schleifen oder mechanische Bearbeitung herstellen.

AchimW
21.03.08, 21:42
:glgl:
:glgl:

PeterJS
22.03.08, 09:43
Hallo Markus.
Hier sind zwei Beispiele für umlaufende Schneidleisten.

Gruß,
Peter

knives_Markus
22.03.08, 17:45
@Bernhard1984
Das Bild von AchimW beschreibt ganz genau das, was ich will :)

@AchimW:

Das die "inneren" Bahnen schon vor der Spitze zusammen laufen, war mir bewusst. Nur habe ich das mal wieder bescheiden ausgedrückt. Ich werde die "V -Lösung" mal an Baustahl ausprobieren... Schöne Klinge hast Du da geschmiedet :super:

@PeterJS
Scheint mir eine gute Alternative zu der V Lösung zu sein.



Dank euch für die schnelle und kompetente Antwort :)


Gruß


Markus

Nandger Franck
02.10.08, 13:58
Ich bin gerade an einem ähnlichen Problem, allerdings interssiert mich mehr, wie ich es schaffe auf so einer länge alles sauber zu verschweissen ohne dass sich Zunder zweischen den noch unverschweissten Bereichn bildet!

Wenn ich die ersten 10cm erhitze und verschweisse.... bekomme ich dann nicht auf den nebenliegenden offenen paar cm Zunder der weiteres verschweissen erschwert und/oder schweissfehler reinbringt?

Oder muss ich alles einfach mit Borax so vollkleistern, dass da nix verzundern kann ? :confused:

Über einen Tip wäre ich sehr dankbar, da ich mich morgen mal an meine erste mehrbahnige Klinge heranwagen wollte....

Liebe Grüße

Xzenon

steelhead
02.10.08, 14:36
Hallo,
@ xenonbenz: du verschweißt immer nur Stückchenweise. Nach dem ersten, verschweißten Stück öffnest du das nächste Teilstück ein wenig mit einem spitzen Meißel oä., legst Borax auf beide Flanken, erwärmst dann ein wenig und verdichtest das zu schweißende Teilstück. Dann dort auf Schweißhitze bringen und in Richtung Spitze o. offener Seite die Schlacke rausschmieden und dabei verschweißen. Ich hoffe das ist verständlich genug:glgl:
Gruß Maik

PeterJS
02.10.08, 14:55
".....öffnest du das nächste Teilstück ein wenig mit einem spitzen Meißel oä."

Das Borax läuft in die kleinsten Ritzen, diesen Part kann man sich sparen.


Mach sicherheitshalber 1-3 Schweissdurchgänge über die Länge hinweg.
Die Torsionsbahnen kannst Du zur Fixierung bei großen Längen mit etwas Draht umwickeln, dann bleiben die Bahnen bis zur Verschweissung übereinander fixiert.
Nach dem verschweissen den Draht entfernen, damit er sich nicht mit einschmiedet.

Viel Erfolg und Gruß aus der Schmiede,
Peter

Nandger Franck
02.10.08, 16:08
Danke für die guten Tips, aber das war nicht genau was mich beschäftigt. (oder ich bin zu blöd das zu verstehen oder mache mir wieder mal Probleme zu Dingen die eigentlich gar kein Problem sind:irre:)

Beispiel:

Peter als ich bei Dir war zum Damast schmieden haben wir die Pakete immer blank geflext vorm verschweissen um Schlackeeinschlüsse zu verhindern.
Meine Sorge ist es nun, dass ich z.B. eine 20cm lange Klinge verschweissen will, die ich aufgrund meiner kleinen Esse nicht in einem Durchgang komplett verschweisst bekomme.
Ich erhitze also die ersten 10cm auf Schweisshitze und verschweisse wie gewohnt. Sagen wir die 10cm sind perfekt verschweisst, dann habe ich aber auf cm 11-20 einen Bereich der doch trotzdem sehr heiss geworden ist, aber noch "offen" ist. In diesem Ritz ist der Stahl jetzt ja nicht mehr blank, sondern es bildet sich da doch Zunder!

Meine Frage ist nun: Bekomme ich durch einfaches "Borax drauf und weiterverschweissen" die Schlacke raus die sich in diesem Bereich durch die eine Schweisshitze gebildet hat?
(ich verwende anhydrides Borax von Angele)

Ich hoffe ich konnte ungefähr klarmachen was ich genau meine (ist ja nicht immer so leicht meine Gedanken für andere Verständlich zu formulieren ;))

Liebe Grüße

Xzenon

AchimW
02.10.08, 16:40
Genauso ist das. Das Borax schützt auch ziemlich gut die nicht ganz schweißwarmen Bereiche.

PeterJS
02.10.08, 16:45
"Meine Frage ist nun: Bekomme ich durch einfaches "Borax drauf und weiterverschweissen" die Schlacke raus die sich in diesem Bereich durch die eine Schweisshitze gebildet hat?"

Antwort: Ja.
Gibt Unterschiede zwischen den verschiedenen Legierungen, aber grundsätzlich ja.
Ansonsten würde Feuerschweissen nicht funktionieren.:)
Je höher die Legierung, desto anspruchsvoller.

Geh morgen ans Schmiedefeuer und probier es aus, danach ist es keine bloße Theorie mehr.
Hör auf den Stahl;)

Nandger Franck
02.10.08, 18:01
Wunderbar ! Danke euch !!!

Bisher hab ich immer versucht so sauber und ordentlich zu arbeiten, dass ich mich möglichst wenig auf das Borax verlassen musste. Alles immer schön plangeschliffen und bündig aufeinandergebaut fürs verschweissen.
Das ganze in der Sauerstoffarmen Atmosphäre der Gasesse hätte evtl. ja sogar ohne Borax halten können :-P

Andererseits... das Borax frisst sich ja sogar mit der Zeit durch meinen Feuerfestbeton von Peter Abel.... da klingt es eigentlich logisch, dass es auch das bischen Zunder packt :super:

Ich freu mich jedenfalls morgen Abend zu berichten wie es gelaufen ist! Wenn es geklappt hat vielleicht sogar mit Foto....

Ich bedank mich nochmal bei Euch und wünsche noch einen wunderschönen Abend!

Liebe Grüße

Xzenon

U. Gerfin
02.10.08, 19:29
Noch ein Vorschlag, der für die Maschinisten und Perfektionisten ketzerisch klingen wird: Überschleife Deine tordierten Ausgangsstäbe nicht und schmiede sie auch nicht rechteckig. Das Flussmittel hat dann keine Probleme, überall hin- und wieder abzufließen. Die Stäbe berühren sich bei dieser Technik zuerst innen an der dicksten Stelle, und Schlacke, Flußmittel und alles was die Schweißung stören könnte, kann ungehindert abfließen. Ich empfinde die entstehende verzahnte Schweißnaht auch schöner, als die geraden Schichtungen.
Das ist letztlich eine Geschmacksfrage, anders geht es natürlich auch.
MfG U. Gerfin

askari01
03.10.08, 14:13
Ich empfinde die entstehende verzahnte Schweißnaht auch schöner, als die geraden Schichtungen.
Das ist letztlich eine Geschmacksfrage, anders geht es natürlich auch.
MfG U. Gerfin
Hallo, gibt es ein Foto von der verzahnten Schweißnaht?

Gruß Uwe

U. Gerfin
04.10.08, 18:25
Hallo Uwe !
Ich müßte mal einen meiner Söhne einspannen, mir ein paar Bilder in´s Netz zu stellen. Bis dahin kann man ein Beispiel der von mir geschilderten Technik in den Seiten von Georg v. Tardy- www v. Tardy de-Schmieden finden. Dort ist ein als Mantel vorgesehenes Stück unter der Rubrik-Deckschichten- zu sehen. Leider ist die daraus gefertigte Klinge, die im nächsten Bild zu sehen ist, von der Seite aufgenommen, sodaß sie wesentlich schlanker herauskommt, als sie wirklich ist. Auch der Farbkontrast der dunklen Schneide zu der Deckschicht aus silberglänzendem Reinnickel, grauem Eisen und schwarzen Stahladern ist nur zu erahnen.
Die Probleme mit den Bildern sind wohl ein Grund, weshalb es mit meinem Buch nicht voran geht. Der Text steht, die möglichen Verleger stehen auf dem Schlauch, weil sie sich ohne Bilder nichts rechtes vorstellen können-so jedenfalls meine Vermutung.
MfG U. Gerfin