Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Finish, bin ich zu doof?
Hallo zusammen,
auf die Gefahr hin, mich völlig lächerlich zu machen:
Nachdem ich eineige Messer mit Fertigklinge gebaut habe, versuche ich mich grade an Stock Removal.
Ich habe mir bei Dick ein Stück Flachstahl (Dreilagenstahl, Mittellage Blaupapierstahl) geholt und die Klingenform herausgearbeitet. So weit so gut. Die Probleme gingen los als ich den Schliff anbringen wollte. Die Feile hat ziemlich tiefe Riefen gemacht. Wachskreide auf der Feile brachte ein wenig Abhilfe, die Nutzung eines Billigbandschleifers auch. Mit Müh und Not habe ich den richtigen Winkel hinbekommen. Dann habe ich mit dem Finnish angefangen. Ich habe Schleifpapier/-leinen in verschiedenen Körnungen, Wassersteine und Polierbock benutzt aber nur um immer wieder zu selben schlechten Ergebnis zu kommen, dass beim Polieren wieder Schleifkratzer sichtbar werden und das Ganze einfach bescheiden aussieht.
Eigentlich habe ich alles genau so gemacht wie es in den verschiedenen Threads beschrieben wird. Was mach ich falsch?
Hab ich zu wenig Geduld? Die falschen Werkzeuge? Macht man evtl. sogar die ganze Prozedur erst nach dem Härten?
Ich will ja gar keine Oberfläche in der ich mich betrachten kann, sie soll nur gleichmässig sein.
In meiner Verzweiflung bin ich sogar schon mit einem Stahlbürstenaufsatz für die Bohrmaschine über die Klinge. Hier hatte ich ein gleichmässiges Bild, aber die Klinge war mir dann doch zu rauh.
Gruss
Radon
Anstatt Stahl- vieleicht Kupferbürste. Wäre zumindest etwas weniger verkratz da Kupfer weicher ist.
Edit: Kupfer war keine gute Idee - wiederrum zu weich.
robbytobby
18.08.07, 21:21
Hallo Radon,
mit Deiner Vermutung, dass man das echte finish erst nach dem Härten macht, hast Du einen Volltreffer gelandet. Vorher macht es kaum Sinn, weil durch das Härten auf der Klinge eine Zunder- bzw. Oxydhaut entsteht, die man eh nochmal entfernen muss. Diese Haut ist sehr widerstandsfähig, weshalb man versucht ist, mit relativ groben Körnungen wieder anzufangen und die vorher hineingesteckte Arbeit ist für die Katz. Man kann sie auch wegätzen, aber da habe ich noch keine eigenen Erfahrungen.
Ganz wichtig beim finishen ist Geduld. Hier kann man nichts erzwingen, sich aber sehr wohl sehr schnell müde arbeiten. Und das richtige Werkzeug sollte man auch benutzen. Feilen, selbst mit feinem Hieb, halte ich bei finish-Arbeiten für ungeeignet. Sie sind immer noch viel zu grob.
Beim finishen arbeite ich nie trocken, weil die feinen Körnungen sich sehr schnell zusetzen. Ich gebe immer ein paar Tropfen Öl auf das Schleifpapier, das bindet den Schleifstaub und ergibt ein schöneres Schleifbild.
Welches Ergebnis genügt, hängt vom eigenen Geschmack ab. Viele machen bei einer 600-er Körnung Schluss. Bei Monostahl finde ich es auch in den meisten Fällen OK. Bis zu dieser Körnung gibt es auch Schleifleinen zu kaufen. Meiner Erfahrung nach ist der in der Regel standfester, als Schleifpapier.
Aber nochmal, Geduld ist wichtig, sehr wichtig. Und wenn es noch so weh tut und stinklangweilig ist, je mehr hier investiert wird, desto schöner wird das Ergebnis. Und das entschädigt einen für die vorausgegangenen Mühen. Ganz bestimmt!
Naja, da kann ich dem robbytobby nicht so ganz folgen. Ich mache mein Finish, natürlich bis auf das Schärfen, VOR dem Härten quasi ganz fertig. Dann wird gehärtet. Nach dem Anlassen muss man dann nur noch mal mit dem gleichen feinen Korn wie zuletzt vor dem Härten drüber gehen um die dünne Oxidschicht abzutragen und schon ist man fertig. Bis auf das Schärfen, wie schon gesagt.
Feilen gibt es mindestens bis Hieb 6 nach DIN. Das ist sehr, sehr fein und damit kann man schon sehr schöne Oberflächen hinbekommen. Wer nicht glaubt, dass man damit ein tolles Finish machen kann, sollte sich mal die Messer von Tai Goo ansehen.
Die Schleifbänder für Maschinenschliff gibt es ebenfalls bis in sehr feine Bereiche, mindestens bis 9 micron (Filmbelts von 3M). Und danach hat man ja auch noch den Polierbock, wenns denn sein muss.
Wenn man mit normalem Schleifpapier arbeitet, sollte man wasserfestes Papier für Metalle verwenden. Man braucht eine Menge Zeit für einen Handschliff, vor Allem wenn man nur von Hand arbeitet und noch mehr, wenn man keine Erfahrung hat (richtigen Winkel einhalten etc.). Also sei geduldig.
Versuche mal, mit jeder Körnung eine andere Schleifrichtung einzuhalten, denn dann sieht man die Kratzer von der vorherigen Körnung, die noch nicht weggeschliffen sind. Was auch hilft, ist nach Beendigung einer Körnung mit Eisenchlorid anätzen, denn dann tauchen die nicht geschliffenen Kratzer sogar grauschwarz an der Oberfläche auf.
Wahlweise kann man also resümieren, dass Du entweder zu unerfahren, zu ungeduldig oder zu faul warst. :D Nix für ungut. Gut Ding will eben Weile haben.
Den Tipp mit der Kupferbürste kannst Du übrigens getrost vergessen, es sei denn, Du willst die Stahloberfläche verkupfern. :steirer:
Achim
Hallo Radon,
Auch ich hatte lange Zeit damit Probleme ein ordentliches Finish zu erzeugen. Ich habe sehr gute Anregungen dazu aus einem Buch über Japanische Schwertschmiede erhalten. Dort wird das polieren der Klingen kurz aber sehr veranschaulichend beschrieben. Du darfst auch nicht vergessen das das Polieren der Klingen, zumindest in Japan, ein eigenständiger Berufszweig der Klingen- und Schwertherstellung war und bis heute ist. Auch möchte ich mich den Anmerkungen von Achim W anschließen das das Polieren der klingen von Hand sehr zeitaufwändig ist und man bei falschem Vorgehen kaum ein zufriedenstellendes Resultat erzeugen wird.
Und es gilt wie immer: lernen, lernen und Erfahrungen sammeln!
Viele Grüße Maik
Was mir noch einfällt:
Die Außenschichten deines "Stahles" sind aus Eisen und werden NICHT hart. Die vor dem/nach dem härten-Diskussion ist hinfällig.
Für die Feilen verwendet man Tafelkreide. Keine Wachskreide, die bindet die Späne und führt zu Kratzern. Die Diskussion hatten wir erst.
Evtl. hilft eine Sisal-Scheibe mit einer rel. groben Schleifpaste.
Reinhold Vögele
19.08.07, 18:28
Hallo Radon, Deine Frage ".. bin ich zu doof!" ist bei dieser Arbeit nicht angebracht.
´S fehlt nur noch ein wenig Übung und selbst bei Geübten gibt es manchmal noch Riefen in der Klinge.
Grundsätzlich ist ein Finish vor dem Härten eher anzuraten, doch in Deinem Falle ohnehin gegenstandslos, denn die Außenlage bleibt ja weich. Deshalb mit geölten holzunterlegten Schleifstreifen von grob bis sehr fein und möglichst immer nur in Längsrichtung bearbeiten. Vermeide kreuz und quer zu schleifen.
Eine andere Möglichkeit ist noch, mit groben bis feinen Schleifsteinen und viel Wasser zu arbeiten.
Außerdem solltest Du Geduld und mindestens eine Stunde intensiven Muskeleinsatz mitbringen.
Kommt jetzt natürlich darauf an, ob Du Seidenmatt oder Hochglanz haben möchtest.
Und wenn Du dann nach dem allerletzten Schliff noch eine Riefe findest, ärgere Dich nicht über sie sondern liebe sie.
Ist nur meine eigene Erfahrung und laienhafte Darstellung.
Servus - Reinhold.
linker-blinker
19.08.07, 20:09
Warum nur in eine Richtung schleifen?
Ich kenne es hier aus dem Forum nur über kreuz, und habe es bis jetzt auch immer so angewendet.
Ciao, Basti
robbytobby
19.08.07, 21:23
Hallo Basti,
jou, die Lehrmeinung schreibt das kreuzweise Schleifen vor.
Aus eigener Erfahrung kann ich mich Reinhold aber nur anschließen.
Querriefen, die durch eine gröbere Körnung entstanden sind, mit einer feineren Körnung über Kreuz vollkommen wegzubekommen ist schon eine Herausforderung, an der die meisten scheitern. Reinhold hat es natürlich erkannt, ....... weiche Seiten! Da macht sich jeder "Fehler" bemerkbar.
Einmal zuviel Druck, und schon hat man Marken im Stahl, die gutmütig fast nicht wegzubringen sind. Deshalb ist hier ein lockeres Händchen gefragt , gleichmäßiger Druck, und locker, .... immer locker.
Deshalb finde ich das finishen im gehärteten Stahl angenehmer, weil es nicht so "kritisch" ist.
Mit feiner werdenden Körnungen, immer längs, hat bei mir die besten Schliffbilder ergeben. Und ich schleife hoch bis 1200-er Körnung, danach mit Vlies, Körnung 1500, und immer mit Öl.
Nachklapp, und nix für ungut:
OK, es mag Menschen geben, die mit Feilen ein Traumfinish hinkriegen, aber die Regel ist es nicht. Und die Messermacher, die ich kenne, benutzen die Feile eher nicht dafür. Für die groben Vorarbeiten schon, aber sobald es an's finish geht, wird die Feile bestenfalls als Trägermatrial für's Schleifleinen benutzt. Der japanische Stahlhobel geht auch, toll! Aber die "Messermacherrealität" sieht doch wohl etwas anders aus.
ich mache da im prinzip auch so wie von achimw beschrieben. ich arbeite mit der feile, naßschleifpapier aus der autolackierei (3m), wasserstein und polierbock (ich habe keinen bandschleifer). die klinge wird vor dem härten fertig gemacht (geschliffen>feile>schleifpapier ev. wasserstein). warum soll ich mich nach dem härten quälen, wenn es vor dem härten leichter geht. und ich weiß da schon was schleifen nach dem härten bedeutet. ich hab mal eine 12 cm klinge nach dem härten mit 2 wassersteinen komplett geschliffen. ein unding. nicht nur nur dass ich danach fertig war, sondern auch die schleifsteine waren komplett hinüber. wert der klinge etwa 40 euro-wert der wassersteine etwa 40 euro. unwirtschaftlich und völlig daneben.
nach dem härten kommt die klinge über nacht in zitronensäure damit der zunder veschwindet und die klinge blank wird. 25 % salzsäure habe ich auch schon probiert, da es angeblich schneller gehen soll. aber zitronensäure ist ungefährlicher und umweltfreundlicher. danach kommt nur noch das feine endfinish, im endeffekt noch ein leichte abzug mit papier/leinen und eventuelles bearbeiten auf dem polierbock mit der harten sisalscheibe (schwarze paste) oder auch nur leinenscheibe (rosa paste).
zu den feilen meinem hauptwerkzeug. ich nehme normale kreide das hab ich so in der lehre gelernt. schlichten d.h. das feine abziehen von stahl, wurde da bis zum erbrechen geübt. damals hätte ich niemals gedacht, dass dieser mist irgendwann mal tatsächlich von mir gebraucht wird.
einen tip noch. ich mache bis heute noch nur klingen bis etwa 1o cm oder kürzer und nur monostahl selbst. alles darüber braucht meiner meinung nach unbedingt einen guten bandschleifer.
größere klingen kaufe ich als vorgeschliffenen rohling oder auch fertig geschliffen bei forumsmitgliedern, welche die besseren möglichkeiten in der maschinenausstattung, oder auch das bessere können haben.
was nützt es mir wenn ich an großen klingen selbst herumwerkle und das ergebnis nur 2-3 ist.
Also noch mal für mich zusammengefasst:
Das Grobe mit der Feile (mit Tafelkreide) am Ende mit einer sehr feinen Feile.
Vor dem Härten ein möglichst feiner Schliff entweder mir Nassschleifpapier/-leinen oder mit Steinen.
Jetzt scheiden sich die Geister:
Fraktion Kreuzweise Schleifen:
Dabei beim jeweiligen Wechsel auf die nächstniedrigere Körnung die Schleifrichtung (kreuzweise) wechseln. Geht schneller aber Fehler wirken sich gravierender aus.
Fraktion nur Längs schleifen
die Schleifrichtung wird nicht gewechselt. Fehlerverzeihender anber der Abtrag ist geringer.
Nach dem Härten den Zunder evtl. wegätzen und dann wieder mit feinster Körnung schleifen, dann polieren.
Viel Geduld mitbringen.
Richtig so?
Was vergessen?
Gruss
Radon
SimonSambuca
20.08.07, 14:00
Hi,
also das mit der Schleifrichtung gefällt mir irgendwie nicht. Ich schließ mich da eher der Meinung von AchimW und akiem an.
Wie wäre es wenn Du beide Varianten ausprobierst (die Klinge hat ja zwei Seiten) und danach berichtest welche nun (für Dich) besser funktioniert hat?
Gruß
Simon
...
Fraktion Kreuzweise Schleifen:
Dabei beim jeweiligen Wechsel auf die nächstniedrigere Körnung die Schleifrichtung (kreuzweise) wechseln. Geht schneller aber Fehler wirken sich gravierender aus.
Fraktion nur Längs schleifen
die Schleifrichtung wird nicht gewechselt. Fehlerverzeihender anber der Abtrag ist geringer.
...
:irre:
Eigentlich beides nur mit Einschränkung richtig...
Welches Endfinish willst Du ?
Mit welchen Geräten/Maschinen arbeitest Du ?
Und jetzt kommt Deine spezielle Materialkombi ins Spiel...
Nicht die nächstniedrigere, sondern die nächsthöhere (= feinere) Körnung verwenden !!
Je nach dem, was Dein konkretes Ziel ist, kommst Du mit verschiedenen einzelnen Methoden unterschiedlich weit, oder wendest gemischte Methoden an, soweit machbar. das wirst du für Dich selbst herausfinden müssen, dem einen liegt diese und dem anderen eine andere Methode besser.
Gruß Andreas
Im Allgemeinen wird das kreuzweise Schleifen gelehrt. Und manchmal wird vom Meister auch noch erklärt, warum. Das ist nämlich ganz einfach. Wenn man immer in die gleiche Richtung schleift, kommts leichter zu ZWEI Fehlern, die beim Kreuzschleifverfahren stark minimiert bis eliminiert sind:
Erstens, dass man glaubt, eine Körnung ausgeschliffen zu haben und zu früh zur nächstfeineren übergeht, weil man ausschleifenswürdige Riefen schlicht nicht sieht. Das rächt sich dann spätestens bei der Politur oder dem Endschliff, meist aber schon bei der übernächsten Körnung - und bedeutet angestiegenen Nacharbeits-Aufwand.
Zweitens (und meines Erachtens noch wichtiger) bemerkt man speziell bei Planflächen nicht so leicht, wenn man sich längslaufende flächige Vertiefungen reingeschliffen hat. Die sieht man dann oft erst bei der Politur und bedeutet dann auch RICHTIG Arbeit, weil man in der Körnung ganz weit zurück muss.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass manche Messermacher dann halt bis 400 oder 600 zurückgehen, satinieren und es gut sein lassen, weils beim Politurversuch zur Aufdeckung solcher Fehler gekommen ist.
Ist die Frage damit endgültig beantwortet oder führt meine letzte Aussage jetzt zu einem lauten Ausbruch der Entrüstung?
-ZiLi-
flintenkoffer
20.08.07, 17:58
Bravo, Zili, Volltreffer. Der Kratzer ist das eine, die Delle das andere. Die Bandschleiferfraktion hat das Problem vielleicht nicht so, aber als "Feiler" weiss ich genau, wovon Du sprichst.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass manche Messermacher dann halt bis 400 oder 600 zurückgehen, satinieren und es gut sein lassen, weils beim Politurversuch zur Aufdeckung solcher Fehler gekommen ist.
Oder es wird auch die Delle schön poliert. Wenn man sich drin spiegelt, sieht man halt aus wie "Dick" oder "Doof". Aber wer -außer den Foristi- bemerkt denn das? Hauptsache, es glänzt schön. Ob das plan ist und die Kanten noch wie geschnitten dastehen, ist den meisten Leuten ziemlich wurscht.
Was lernen wir daraus?
Wenn man ohnehin ein satiniertes Finish will, kann man auch in einer Richtung schleifen.
Wenn man polieren will (und es auch eine richtig schöne Politur werden soll), ist kreuzweise besser.
Bravo, Zili, Volltreffer. Der Kratzer ist das eine, die Delle das andere. ..., aber als "Feiler" weiss ich genau, wovon Du sprichst.
Ich weiß leider überhaupt nicht, wovon er spricht.
Mir ist es schlichtweg ein Rätsel, wie ich mit einer Feile " längslaufende flächige Vertiefungen " zustande bekommen kann.
Würde mich interessieren, wie du das machst.
Ich benutze die Feile wie ein Zieheisen.
grüsse ,..
Mir ist es schlichtweg ein Rätsel, wie ich mit einer Feile " längslaufende flächige Vertiefungen " zustande bekommen kann.
...
Durch falsches Aufspannen beispielsweise, wenn der Rohling durchfedert, weil er nicht flächig aufliegt.
robbytobby
20.08.07, 21:26
Hallo Zusammen,
schon bemerkenswert, wie viele hier der Feilmethode anhängen und sie propagieren. Hätte ich nicht gedacht.
Vielleicht gibt es ja wirklich 2 Fraktionen. Die Einen, die den Vorzug hatten in ihrer Berufsausbildung den ordnungsgemäßen Umgang mit ihr zu lernen, und sich zu Virtuosen zu entwickeln.
Und die "Seiteneinsteiger", die diesen Vorzug nicht genießen durften und deshalb an diesem "Instrument" eine lausige Figur abgeben.
Zu der zweiten Fraktion gehöre ich. Meine Feilversuche sind im Prinzip wie bei Radon verlaufen, weshalb ich schnell Abstand davon genommen habe. Genauso ging es mir mit der Kreuz-und-Quermethode, egal, ob Feile oder Schmirgel.
Ein entsprechender Hinweis, dass die Methode aber richtig wäre, hätte mich keinen Schritt weitergebracht.
Meine Ergebnisse wären dadurch nicht besser geworden, zumindest nicht im Hieb.
Deshalb habe ich probiert und bin auf die "stur-dropp-un-jraduss-Methode" verfallen.
Das Ergebnis war sofort um Längen besser. Auch poliert.
Längsdellen sind mir nie passiert. Längsriefen schon.
Und solange sie da sind, wird eben weitergeschrubbt.
Ich gehöre auch zur "Bandschleiferbande". Aber glaubt bitte nicht, dass damit keine Dellen entstehen können. Im Gegenteil, einen Moment auf dem Band ohne Bewegung, vielleicht auch noch ein wenig verkantet, und schon ist sie da. Meistens schärfer und tiefer, als es mit einer Feile passieren könnte, und zwar quer und ratzfatz.
Ich denke, jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile. Je nach Trainingsstand kommt man besser oder schlechter mit ihr zurecht.
Leider hat nicht jeder die Zeit oder die Möglichkeit einen "Grundkurs Metall" zu belegen. Mancher hat vielleicht auch nicht die Geduld dazu.
Am Ende all der Plackerei steht aber ein Ergebnis. Und das spricht für sich selbst, vollkommen egal, ob die Methode die richtige war, solange die Wärmebehandlung nicht in Frage gestellt wird.
Wenn die Qualität stimmt, dann ist es doch OK, oder?
Und jetzt ein paar Fragen an die "Feilenfraktion":
Welche Hiebe kommen tatsächlich zum Einsatz (deutsch, schweizerisch, Nr. bitte vergleichbar)?
Welche Marke (nicht jeder Hieb ist von jedem Hersteller zu bekommen)?
Feilt ihr längs oder kreuzweise?
Benutzt ihr die Feile als "Ziehklinge"/"Schabhobel"?
Macht ihr das finish auch mit der Feile?
Was wird gefeilt, Monostahl oder Damast?
Wie ist die Standzeit einer Markenfeile, wieviele Rohlinge schafft ihr?
Welche Zusätze benutzt ihr beim Feilen (Kreide, Öl, etc.)?
Ich weiß nicht, ob diese Fragen noch in diesem thread behandelt werden können, oder ob eine Abtrennung notwendig ist.
SimonSambuca
20.08.07, 22:20
Hi,
irgendwie kommt es mir vor als würdet ihr leicht aneinander vorbei reden :confused: Ich glaube die meisten hier haben bei den Methoden nicht an Feilen sondern eben an das Finish per Schleifpapier/Leinen usw. gedacht.
Fragen zum Feilen kann ich dir leider nicht beantworten - ich bin quasi ebenfalls ein "Quereinsteiger" der sich im programmieren auskennt und in der Ausbildungs-/Schulzeit noch nie was mit Metall gemacht hat. Meine Feilkünste müssen also auch erst noch kräftig wachsen ;)
Von meiner Seite aus kann ich aber bestätigen das die "Nur- längs-Schleifmethode" zumindest bei mir schon arge Probleme bereitet hat. So wie Zili es beschrieben hat - Riefen übersehen und erst später bemerkt, also wieder von Vorne...
Naja wie man es sieht - ich denke luftauge hats auf den Punkt gebracht.
Gruß
Simon
Als Anhänger und Mitglied der kreuzweisen Feiler- und Schleiffraktion antworte ich mal:
ich hab hier ein Sammelsurium von Feilen, die billigen verschwinden so langsam, und mittlerweile besteht mein "Zoo" überwiegend aus Pferd, Hase und Dick - die Standzeit machts halt. Und ich hab hier die verschiedensten Hiebe da, eine auflistende Angabe wäre unmöglich. Und ja, ich benutze meine Feilen zwar überwiegend als normale Feile, aber manchmal auch in einer "Schabhobel"-Funktion, ganz situationsabhängig - ich hatte halt das Glück, als Lehrling auch ne 2monatige Metall-Grundausbildung genossen zu haben (welche mit meinem Lehrberuf eigentlich nix zu tun hat, mir aber nicht geschadet hat), und bei meinem Vater (war Betriebsschlosser) einiges abgucken zu können. Zum Finish: ich mach so viel mit Feile wie irgend möglich, bevor ich auf Schleifpapier umstelle. Es ist mir egal, obs jetzt Monostahl oder Damast ist (de facto ist es überwiegend Monostahl), es wird halt gefeilt. Standzeit kann ich nicht so genau sagen - die groben Feilen halten bei mir länger durch als die feinen, auch weil das halt die grossen Stücke sind - meine 40cm-Schruppfeile hab ich schon ewig (hat mein Vater schon "geerbt") und die ist trotz häufiger Nutzung eben beim grob vorfeilen noch heute so scharf wie neu - ein erfahrener Feiler geht halt immer erst mal mit ner kleineren billigen Feile an ein Werkstück, um zu sehen, ob der Stahl vielleicht erst mal des Weichglühens bedarf, bevor er sich seine guten Feilen kaputt macht. Beim Feilen nehm ich nur ab und an Tafelkreide, aber Öl verwende ich gerne beim Schleifpapier oder auch wenn ich direkt aufgeschlämmtes feines SiC4-Pulver der feineren Körnungen zwischen 400 und 1200 benutze (=extrafeiner Finish-Planschliff auf Glasplatte, der dann wirkt wie gestrahlt und doch irgendwie anders, da da die Körnchen nicht gebunden sind, sondern quasi übers Material rollen).
-ZiLi-
flintenkoffer
20.08.07, 23:31
zu 1. und 2.) Nur Pferd und Hase, Hieb 2-3-4, flach, halbrund, rund, dreikant, sowie ein Satz Nadelfeilen.
zu 3.) beim Feilen geht's bei mir um Materialabtrag, da wird erst quer zum Schneidenverlauf ordentlich Material runtergeschruppt
zu 4.) Nachdem genug Material runter ist und die Gefahr besteht, dass ich mit einem Ausrutscher den Übergang von Klingenspiegel zu Klingenflanke versaue, benutze ich die Feile wie eine Ziehklinge. Insbesondere um den Radius zwischen Ricasso und Klingenflanke zu verbessern, benutze ich eine Feile zum schaben (manchmal auch mit rumgelegtem, grobem Schmirgel)
zu 5.) Finish: Bis zum Härten arbeite ich mit Feile und runter bis 200er Körnung; nach dem Härten und Anlassen nur noch mit Schleifpapier (Feile dann nur als Handhabungshilfe) und Polierpaste
zu 6.) sowohl als auch. Wobei mir der Sinn der Frage nicht klar ist.
zu 7.) Eine neue Feile schneidet halt am besten. Mein meistgenutztes Hieb 3 Arbeits"pferd" habe ich jetzt nach 4 Klingen durch eine neue ersetzt. Man merkt dann schon einen Unterschied, obwohl die alte schon noch für 2-3 Rohlinge gegangen wäre.
zu 8.) Feile: Tafelkreide, aber erst beim schlichten / Schmirgelpapier: Öl z.B. WD40, Papier hält länger und gibt schöneres Finish.
Jetzt noch mal zu den Dellen oder nennen wir es mal Unebenheiten:
Das passiert mir meist, wenn ich den Radius herstelle oder wenn ich zu lange mit diesem Ziehklingenmodus arbeite; wenn man da irgenwo eine Unebenheit hat, wird das wie bei einem Schlagloch immer tiefer und breiter. Deshalbe ebne ich das ganze gelegentlich ein, indem ich 100er Schmirgel auf eine Granitfliese drauflege und dann die Klinge darauf hin- und herschiebe (nur den Radius dabei nicht versauen...). Längliche Vertiefungen sind mir aber auch schon passiert; aber fragt mich nicht wie, ich habe keine Ahnung.
Eines fernen Tages werde ich mir auch einen Bandschleifer kaufen. Aber im Moment gibt es mir noch was, dem Metallbrocken mit der Feile eine Form zu geben. Wobei mich mangels Metallausbildung auch manches Mal der Zorn packt, wenn es nicht so geht wie ich's gerne hätte. Aber es wird mit jedem Mal besser.
robbytobby
21.08.07, 20:40
Hallo Zusammen,
@ Simon, ZiLi und Flintenkoffer
Vielen Dank für die bereitwillige Auskunft!
Es sind doch viele konkrete Tips und Vorgehensweisen enthalten, die mir, und vielleicht auch Radon ein wenig weiterhelfen können.
Die Frage nach dem finish mit der Feile habe ich deshalb gestellt, weil vorher geäußert wurde, dass das auch relativ unproblematisch gehen soll und ich es absolut nicht könnte. Es hat mich interessiert, ob es hier jemand so macht/kann, so in Echt jetzt.
Die Frage nach Monostahl oder Damast habe ich aus 2 Gründen gestellt:
Für mich ist es immer harte Arbeit, die Oxydhaut mit Schmirgel zu entfernen. Ich verarbeite vorzugsweise Damaste aus 1.2842 und 1.2767, nur manchmal Monostahl. Ich glaube, Unterschiede bei der Bearbeitbarkeit festgestellt zu haben, wobei Damast sich als schwieriger erwiesen hat. Vielleicht erklärt das zum Teil die unterschiedliche Beurteilung zum Entfernen der Oxydschicht nach dem Härten. Für mich ist es Arbeit und nicht mit einem "drüberwischen" mit der letzten vor dem Härten benutzten Körnung getan. 1.2552 war bisher das Brutalste, obwohl kein Damast.
Ganz besonders ist das Arbeiten von Schlitzen in Parierelementen. Eine Dimension von 22 X 8 X 5 mm ist für mich eine Qual, bei der durchaus mehr als 2 Schlüsselfeilen aus dem Baumarkt vermaggelt werden können. Auch die kleinsten Markenwerkstattfeilen (Pferd) geben hier schnell den Geist auf.
Die besten Erfahrungen habe ich bisher mit Feilen von Grobet/Vallorbe und mit Kettensägenschärffeilen (Baumarkt) gemacht.
Aber Arbeit ist es trotzdem. Ich hatte mir hier evtl. weiterführende Hinweise gewünscht, obwohl Oxydhaut/Parierelement ja nicht das Thema war.
@robbytobby: Was durch eine chemische Reaktion entsteht, kriegt man auch durch eine solche wieder weg. Das heisst, die Zunderschicht vom Härten mechanisch zu entfernen, liegt mir nicht. Verdünnte Säuren tun da Wunder und sparen einem viel Arbeit beim Finish (und bei Damast wird ja sowieso geätzt, da macht mans halt in zwei Etappen, eine zum Entzundern vor dem Glattschliff, und die Andere wie gehabt zum hervorbringen der Struktur).
-ZiLi-
Die Unterschiede liegen zum einen
- am kombinierten Werkstoff Damaststahl, jeder der verschweisten Partner bringt ja auch im harten Zustand seine spezifischen Eigenschaften *anteilig* mit
- zum anderen am Härteverfahren selbst, (Öl, Warmbad oder Vakuum)
beim 1.2552 hatte ich gar keine Probleme, weil vakuumgehärtet, also nur Schmauch zu entfernen war,
beim 1.2379 im Salzbad hatte ich zwei völlig verschiedene Oberflächen nach dem Härten, weil zwei verschieden Salze verwendet wurden, anderes Mal im Vakuum ebenfalls kein Problem, und die Oberflächen waren vorher ziemlich gleichwertig.
Gruß Andreas
robbytobby
22.08.07, 21:33
@ ZiLi
Hast wohl recht, habe mir Zitronensäure besorgt und werde versuchen, die nächst Klinge damit von der Oxydhaut zu befreien.
@ Luftauge
Bei mir war der 1.2552 ölgehärtet. Offensichtlich gibt es sehr viele Parameter, die zu unterschiedlichen persönlichen Beurteilungen führen müssen.
Leider neigt man oft dazu, die eigenen Erfahrungen zu verallgemeinern (ich auch). Damit besteht die erhöhte Gefahr aneinander vorbei zu diskutieren.
Ich glaube, das kommt nicht immer so deutlich heraus, wie hier.
Und dann wird's schwierig.
Danke!
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