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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Auch ich! Mein Nicker!



herbert
12.11.01, 22:05
Es ist soweit, mein Nicker ist fast fertig. Muß noch zum Härten. Stahl: 1.2842 (also wieder mal son rostendes Zeug).
Außer fürs Löche bohren hab ich keine Maschine benutzt. Und ich habe zum erstenmal im Leben eine Feile länger als 3 minuten in der Hand gehabt.
Aber ich hab ja das Forum und geduldige Leute dort.
Demnächst mehr, Griff wird aus Olivenholz.

Floppi
12.11.01, 23:04
Man werden wir im Augenblick wieder verwöhnt! Für sowas bin ich (und ich denke auch die anderen) ganz besonders geduldig. :)
Schön gemacht. Ich bin zwar nicht der Nickerfan, aber die Ausführung sieht sehr sauber und "stimmig" aus.
Hast Du die Backen rausgefeilt???
Ach ja: wäre schön, wenn Du uns noch 'n paar "technische Daten" geben könntest.
Ich hoffe das ist nicht Dein letztes Werk!

Nidan
13.11.01, 06:59
Hallo Herbert,

ich mag zwar keine Nicker, aber der Rohling sieht sehr sauber aus.

Und daß du nur mit ner Feile ein Halbintegral hinbekommen hast ist echt:super:

Viele Grüße

Thomas

zorro_43
13.11.01, 07:31
Hi Herbert

Sieht ja schon klasse aus !:super:
Ich bin ja auch ein Feilen-Fan, aber das Intgral finde ich echt erstaunlich.
Du hast ja richtig "Biß"! :D

Zorro

herbert
13.11.01, 07:50
Danke für die Blumen, Leute!

Ja, das Ursprungsmaterial 1.2842 (90 MnCrV 8) ist das gleiche aus dem auch HankEr sein zweites Messer gemacht hat. Es war Flachmaterial 6 mm dick, jezt ist es am Klingenrücken noch 3,5 mm dick, und der Handschutz ist aus dem vollen herausgefeilt. Die Übergänge sind im Grund leicht gerundet (Härterissegefahr!), aber alle sauber (so sauber das mit Feilen geht) ausgefeilt.
Nähere Infos zum Werkstoff im jetzigen Zustand: Weichgeglüht auf ca. 190 HV, feines Gefüge. Nähere Infos auf meiner homepage (http://www.weisshaupt.gmxhome.de) auf Themenliste klicken, Messer, und dann auf den Stahl (ist gelinkt). Dort gibt es die aktuelle Analyse und das Gefügebild.
Das Aussägen aus dem Flachmaterial habe ich mit einer PUK-Säge bewerkstelligt, für die Feilarbeiten habe ich unterschiedliche Feilen (Hieb 2,3, halbrund und flach und dreikant) sowie Schlüsselfeilen benutzt, für die Löcher Co-Hartmetallbohrer und Schneidöl Jokisch. Bislang geschliffen bis 1000er Papier trocken. Ein wertvoller Tipp kam von Günter, nämlich die Feile quer ziehen, das nimmt toll Material ab bei sehr guter Oberflächengüte. Den Rohling habe ich dabei mittels Schrauben auf einem kleinen Holzbrett befestigt, das ist bequem umspannen konnte. Das Anreißen der Schneide habe ich mit dem Schlosserzirkel gemacht, wie das mal hier im Forum beschrieben worden war. Das klappt sehr gut.
Die Schneide habe ich noch mit Schleifpapier gerundet, wegen des noch ausstehenden Härtens.
Die Gefahr liegt weniger in dem so oft beschworenen "Verbrennen" als vielmehr darin, dass an der extrem dünnen Schneide sehr hohe Abkühlgeschwindigkeiten herrschen beim Abschrecken, und da ist die Rissgefahr sehr hoch.
Die genaue Wärmebehandlung werde ich noch festlegen, ich peile so um die 59 HRC an, wegen der Zähigkeit (siehe Schaubild in meinem Beitrag (http://www.messerforum.net/forum/showthread.php?s=&threadid=4004) "Härte und Zähigkeit")
Insgesamt habe ich etwa 30 Stunden investiert, wie gesagt, ich habe nie mit Handwerk was im Sinn gehabt, drum dauert das bei mir was, und ich habe auch immer nur mal ein Stündchen an einem Stück gearbeitet, und nicht jeden Tag. Aber vielleicht hat es mir deshalb in jeder Minute Spaß gemacht.

herbert
13.11.01, 10:01
Mal sehen, ob ich hier das Gefügebild hinkriege, muß nicht jeder immer rumklicken.
also hier, weichgeglüht auf 190 HV , Ferrit und vorwiegend koagulierter Zementit (also doch Karbide, klar, aber die werden ja gelöst, und nach dem Härten nur wenige ausgeschieden, sollten dann etwa noch 7% sein, die ausgeschieden werden.

Claymore
13.11.01, 11:30
Hallo Herbert,

ist wirklich gelungen dein Nicker, auch wenn Nicker nicht meine 1. Wahl sind, oder grade deshalb, sieht sauber gearbeitet aus.
Ich schliese mich da meinen vorpostern an.

Wenn du 59 HRC anpeilst wg. der Zähigkeit, eine andere Frage:
Wird der nicker komplett gehärtet oder selektiv ?



gruß

Peter

herbert
13.11.01, 12:36
@claymore: Danke auch Dir für die Blumen. Ich hab so meine Probleme mit der Härte. Zuerst wollte ich ihn richtig hart haben, aber ich muß das Teil ja auch noch schärfen, und mal nachschleifen. Dann hab ich dieses Diagramm gemacht in dem Beitrag über Zähigkeit und Härte. Ich denke mal, dass 58 oder 59 HRC ok sind. Über selektives Härten hab ich gar nicht nachgedacht. Das bringt mich auf Ideen. Ich wollte ursprünglich eine Salzbadhärtung machen lassen, hab aber ohnehin noch niemand gefunden, der mir das Härten besorgt. Ich wollte Kontakte zur Hochschule in Aachen nutzen, aber die haben den Salzbadhärteapparat stillgelegt. Dann muß ich jetzt wohl mal auf die Suche gehen. Wenn Du einen Vorschlag zum Selektivhärten hast, greife ich das gerne mal auf.Ich hab da keine Erfahrung, aber ich weiß, dass Du das ja sehr häufig machst.

Leonardo75
13.11.01, 12:43
Hallo Herbert!

Dein Nicker sieht klasse aus :super:, vor allen Dingen die Integralform des Griffes gefällt mir gut. Das war ja nochmal einiges an Arbeit bei 6mm Ausgangsmaterialdicke. Ich könnte ja doch noch zum Nickerfan werden, wenn ich mir Deinen Nicker anschaue. Mir gefallen die Nicker nicht so gut, die keinen Flacherl haben. Die kommen mir ümmer so zerbrechlich vor.

Du schreibst ja, dass Du trocken bis 1000'er Papier geschliffen hast. Hast Du das gemacht, weil das Material nicht rostfrei war?
Hat jemand schonmal Erfahrungen bei rostenden Stählen gemacht, was passiert, wenn man mit Öl "nassschleift" anstelle von Wasser? Gibt das auch eine feine Oberfläche, setzt sich das Schleifpapier schneller zu oder eher nicht?

Sicherlich wirst Du noch mehr Spaß beim Bohren haben, wenn Du Dir einen Bohrständer zulegen solltest. Oder gar eine Ständerbohrmaschine.

Das mit dem Anreißen der Schneide klingt interessant. Warum hast Du die Schneide nicht über ein Holzmodell angerissen?
Das mit dem Festschrauben und dennoch feilen können muss Du noch mal erklären. Hast Du das Messer mit den Nietlöchern verschraubt oder mit Hilfe von Schrauben und Klemmbrettchen das Messer auf einem anderem Brett fixiert?

So, dann mal viel Spaß bei Deinem nächsten Projekt,
es grüßt Dich der Leo.

herbert
13.11.01, 13:13
@leonardo75
ja, die sache mit dem Trockenschleifen. Zum ersten hab ich einfach mal angefangen herumzuprobieren. Wollte auch die Panscherei erstmal vermeiden. Und es funktionierte ganz gut. Und ich hatte tatsächlich ein bisschen Angst wegen der Rosterei, weißt Du. Frische Oberflächen sind im Nu angerostet. Hab das mal vor zig Jahren in der Metallographie gemerkt, mußte Proben aus C 60 naß schleifen, rostet beim Weggucken.

Naßschliff mach ich dann wenn es gehärtet ist. Das bringts voll! Hab ich mal beim Wegpolieren von Bearbeitungsspuren gemerkt, als ich einem vorhandenen Messer einen Micartagriff verpaßt habe. Habe dann Micarta, rote Fiberglaszwischenlage und Stahl unter dem Wasserhahn zugleich geschliffen (kalte Finger).

Und das mit dem Bearbeiten hab ich so geregelt:
Je nachdem,wo ich feilen wollte, hab ich die Nietlöcher benutzt, entweder zwei, wenn ich die Klinge bearbeitet habe, und da die dann freischwebend war, hab ich kleine Holzkeile (fürs Geradestellen von Möbeln!) untergelegt, oder nur ein Nietloch, und an der Klinge eine Kleine Schraube als Drehstopp, oder, wenn ich die Angel machte (ihr merkt, nicht sehr systematisch, mal hier ein bisschen gefeilt mal da) hab ich Keile und Schraubzwingen benutzt. Ich hab das Messer (es ist ja nicht sehr groß) immer auf die Schmalseite geklemmt/geschraubt, auch schon mal ein kleines Lederstück dazwischengeklemmt und eben so improvisiert. Ist aber nicht schlecht, man kann z.B. das Brettchen mit der Klinge auch in die Hand nehmen, das Messer ist dann ja starr gespannt, und mit schleifpapier daran herumwerkeln, auch mal nicht in der Werkstatt, mal im Garten oder so.

Das Anreißen mit Holzmodell: Bin ich echt nicht draufgekommen. Ich war so stolz, dass ich einen längst vergessenen Schlosserzirkel reaktivieren konnte, dass ich da wohl auch blockiert war. Der Zirkel gammelte in einer Werkzeugkiste herum, die mein Vater mir mal vor 20 Jahren bei meinem Auszug zusammengestellt hatte.

Claymore
13.11.01, 15:33
@leonardo75
icg schleife ab körnung 400 ganz gerne mit wd40.
eingespannte klinge kurz besprühen und los gehts.
Ich habe den eindruck das das papier längere standzeiten hat als beim nassschliff mit wasser oder beim trockenschliff.

@herbert
zum härten hätte ich da eine Idee.
mehrfachhärten der schneide und anlassen so auf 60 -62 hrc.
du hast ne mail.

gruß

Peter

Leonardo75
13.11.01, 19:35
Hallo Claymore!

Danke für den Tip! Wenn es ans nächste Finishen geht, dann werde ich den Trick mit dem WD40 mal ausprobieren. Eventuell probiere ich das auch mal mit Petroleum, das fand ich beim Schärfen schon recht gut.

Gruß Leo.

luftauge
13.11.01, 20:38
Moin Herbert !

Ich schliesse mich den anderen an, vor allem, wenn ich an den Schweiß nach "Zerwirkung" der überschüssigen Material-mm denke :super:

Aber warum hast Du als Materialexperte ausgerechnet 2842 für ein Jagdmesser ausgesucht :confused:
(als "Einstiegsmaterial" kann ich es nachvollziehen, bei Hochpolitur ist er ja auch 'ne ganze Zeit blank ...)

Zu Jokisch :
So weit ich mich erinnere, wird Jokisch mit Wasser gemischt, noch besser gerade für 2842 geht die
Mischung 1/4 Jokisch : ca. 3/4 Petroleum !
stinkt zwar mehr, aber die Bohrer gehen wie durch Butter (ist bei CO-Bohrern wohl weniger von Bedeutung)

Gruß Andreas/Luftauge

Claymore
14.11.01, 08:06
@luftauge
was herberts stahlwahl betrifft, so vermute ich das es wohl eine Frage der Verfügbarkeit in den passenden Abmessungen gewesen ist, zumindest teilweise.
viele interessante Stähle bekommst du oft nur als rundmaterial, ohne möglichkeit zum Umschmieden ist das bearbeiten dann schwierig.
Aber was hast du gegen den 1.2842 ??
bzw. was wäre deine wahl gewesen ?


gruß

Peter

Hammer
14.11.01, 08:21
hi all,
also für ein erstlingswerk und ohne "feilenerfahrung" ein halbintegral aus 6mm stahl
- RESPEKT
bin zwar auch kein nickerfan, aber *GRATZ*
sieht gut aus.
und nur 30 std. !
das ist ok denk ich, mir feil erfahrung geht das schneller :D
wüsst nicht, ob ich mom viel schneller wär :)
weiter so, halt uns auf dem laufenden, der nicker
wird bestimmt ne schönheit.
Hammer

herbert
14.11.01, 17:17
Danke nochmal, Leute!
@hammer: klar, wenn es weitergeht, dann informier ich Euch.
@luftauge: Tja, da wohnen, was das Material angeht, zwei Seelen in meiner Brust. Ich wollte zunächst einmal unbedingt ein NICHT rostfreies, der Nicker wird bei mir nicht zur Jagd gebraucht, sondern nur so, ist eine sehr schöne Klinge, mit der man viel machen kann in Haus und Hof und Küche, paßt mit 9 cm Klingenlänge noch in die Jackentasche mit einer Kombischeide, die man für Gürtel und Tasche verwenden kann, und
primär wollte ich halt ein Messer ohne grobe Karbide, möglichst nur Martensit mit vielleicht 7-10% feinen Karbiden. Am liebsten hätte ich 100Cr6 genommen, aber, wie claymore sagte, die Verfügbarkeit als Flachmaterial ist da nicht einfach.
Und von den Kaltarbeitsstählen, die in fast allen Flachabmessungen auch in kleinen Mengen erhältlich sind, blieb aus der Gruppe KAS2 (harte Kaltarbeitsstähle) als einziger rostender nur dieser übrig. Und HankErs Tutorial hat da auch Schuld. Und die ganzen Diskussionen mit roman und claymore.
Auf jeden Fall wird das superscharf werden. Und Claymore hat mir ein paar hochinteressante Anregungen zum Härten gegeben.
Dieser Stahl erfordert nicht so brutale Abkühlgeschhwindigkeiten wie C 80 oder solche Stähle, aber ist auch nicht so umwandlungsträge wie die Cr-legierten. Ich hatte im Thread "Härtefragen" versprochen, dazu etwas zusammenzustellen. mach ich morgen früh oder heute abend noch. Dann sieht man, was ich meine.

Ach ja, und ich würde mich geradezu freuen, wenn die Klinge Anlauffarben kriegt. Knoblauch macht übrigens blau, Zwiebeln braun.

Das fotografier ich dann auch mal.

Die Scheide hab ich in Solingen bei der Messerbörse bei Carsten Bothe gekauft, ich find diese Originalnickerscheiden genial. Hier mal ein Foto. Man sieht sehr deutlich, wie die funktioniert. Der Nicker kommt in die Scheide, die kann man in die Tasche stecken, oder in den Lederring an der Gürtelschlaufe. Rutscht nicht durch, und das Messer wird vom Sicherungsriemen noch fixiert.
ich find's genial.

HankEr
14.11.01, 18:25
Respekt, Respekt, da finden sich ja ein paar fleisige Feiler zusammen. Nicker sind normal auch nicht so mein Fall (ich trage auch nie grünen Loden bei der Jagd und auch keinen :steirer:-Hut), aber so aus dem Vollen gearbeitet, mit Flacherl und ohne Beschläge und Horngriff, hat das Ganze schon was. :super:

Da das Messer eine recht schlanke und kurze Klinge hat, würde ich mir vor dem Härten noch mal überlegen, ob da aus Balancegründen, nicht noch das eine oder das andere Loch --- zur Massenreduktion --- auf dem Flacherl Platz findet. Wie stark ist denn das Flacherl noch? Auch 3,5mm wie der Klingenrücken?

herbert
14.11.01, 19:50
Hi, HankEr,
da erkennst Du ja Deinen alten Stahl wieder. Der Erl ist etwas dünner (3,1 mm) und zur Schneide hin auch ein wenig abgeschrägt, ich habe die Olivenholzgriffe und die Messingnieten und das Messingröhrchen für das Fangriemenloch (es wird also kein Lodenmantelnicker) mal mit Gummibändern angebracht und mir das Messer angefühlt, Balance ist ok.
Tja, Nicker mit Hirschhorn sind auch nicht mein Ding, aber die Klingenform ist ok, und die Gesamtgröße ist prima, das Ding ist führig. Und gut für alle Arbeiten in der Küche und im täglichen Leben. Eben ein Taschenmesser in fixed.


Und hier (http://www.messerforum.net/forum/showthread.php?s=&postid=28816#post28816) noch ein paar Daten zum Abkühl- und Härteverhalten "unseres" stahls gegenüber anderen Messerstählen.

luftauge
14.11.01, 22:05
@ Claymore & Herbert :

Ich habe gar nichts gegen 2842, hab ihn ja selbst bislang häufig benutzt - hauptsächlich wegen der Verfügbarkeit und der einfachen, sicheren Bearbeitbarkeit beim Zerspanen und Härten, deswegen auch das Stichwort "Einstiegsmaterial".

Ich behaupte sogar, dass 2842 werkzeugbaumässig zwar "Wald und Wiese" ist, aber gerade deshalb auch "Universalstahl" für alle Zwecke :steirer:
Es wundert mich nur, dass Herbert keinen rostfreien oder -trägen Stahl gewählt hat (die Frage war rein informativ).
Die Schnitthaltigkeit ist zum Abnicken m.W. wohl nicht gerade das Kriterium (bin kein Jäger), aber ich weiß ungefähr was Abnicken bedeutet
(man müsste wohl eher von "Stichhaltigkeit" sprechen :D ).

Gruß Andreas/Luftauge

HankEr
15.11.01, 07:04
OT Nebenbemerkung zum Thema Nicker: Ich kenne einige Jäger, die zwar immer einen Nicker dabeihaben, diesen aber nie am Wild verwenden. Der Nicker ist eher Kleidungsvervollständigung und Universalmesser. Der Fangschuß hat das abnicken abgelöst, die Säge und ein billiges Metzgermesser dient als Aufbruchwerkzeug. :steirer:

freagle
15.11.01, 21:50
Hallo Herbert,

ich schließ mich den anderen an, wirklich gute Arbeit, da hast du dich wirklich ins Zeug gelegt mit dem Feilen und dann geleich ein IntegralMesser, alle Achtung.

Grüße freagle

AchimW
16.11.01, 08:47
Mann, Herbert, ich habe gerade erst dieses Thema gefunden (Compi-Problems). Jungejunge, da haste dir aber was angetan! Das Ergebnis finde ich allerdings sehr gelungen und ich bin mal gespannt, wie der Nicker aussieht, wenn er fertig ist. Olivenholz als Griffmaterial? Sehr elegante Wahl. Vor allem ist das für den Küchen- und Hausgebrauch ein prima Holz, da es der Feuchtigkeit bestens wiedersteht und mit Olivenöl gepflegt werden kann.
Was wird denn jetzt mit Härten? Da Du das Ding schon sehr fein geschliffen hast, mußt Du wohl jemanden finden, der Salzbad oder Schutzgasofen benutzt. Nicht einfach. Folie geht nicht, wegen der kurzen Zeit, die zum Abschrecken zur Verfügung steht. Ich persönlich würde ein Messer aus einem niedriglegierten Stahl allerdings immer selektiv härten. Dabei würde es wohl wieder eine dünne Zunderschicht bekommen, aber die mechanischen Qualitäten sind einfach besser.
Zu 100Cr6 (1.3505) hättest Du mich mal fragen können. Aber nur bei genügend Geduld beim Feilen. Ich hab das als 30er Rundmaterial! :D Wird aber demnächst 'runtergewalzt.

@Leonardo: Ich bin in Würselen, wo in Aachen bist denn Du??

Gruß,

Achim

Leonardo75
16.11.01, 11:02
Hallo Achim!

Ich wohne in meiner kleinen Studentenbude (leider viel zu klein für eine richtige Werkstatt) in Aachen Zentrum, nähe dem Ponttor. Ein alter Vermieter von mir, Herr Prasse, kam auch aus Würselen.

Die Welt ist doch erstaunlich klein.

Viele Grüße sendet Dir der Leo.

herbert
16.11.01, 11:43
Hallo, AchimW! Danke für die Blumen.
Ich habe was das Härten angeht in der Tat an Salzbad gedacht, habe auch vier Härtereien angemailt, zwei haben mir bestätigt, dass sie das machen und können auch selektiv. Und claymore hat mir ein paar Vorschläge gemacht. Werde das ganze mal in Ruhe überdenken.
Was 100 Cr 6 angeht, und zwar als 3505, da bin ich schon ganz wild drauf. Vielleicht wenn das heruntergewalzt ist? zur Not würde ich aber auch Rund nehmen. Ich kann Dir auch gerne was von dem 2842 abgeben, Stücke sind 1000 x 40 x6.

Und wir sind schon gespannt auf Bilder von Gembloux. Für mich ist November immer schwierig, viele Familienfeiern, Geburtstage und so.
Aber demnächst. Und ich denke, im Frühjahr wurde ich gern mal bei Dir vorbeisehen, vielleicht mit Leonardo? Rufen vorher an. Vielleicht gibts ja auch ein Hammer in in AC?
Bis dahin erst mal ein schönes Wochenende!

AchimW
17.11.01, 14:21
Danke für das Angebot, aber ich hab noch so etwa 75 Kilo 1.2842, den ich als Monostahl überhaupt nicht mag, der aber prima zum Schweißdamast herstellen taugt. Im Frühjahr werden wir in einer konzertierten Aktion wohl den gesamten Bestand zu Damast verarbeiten. Wir haben dann Zugang zu einer 160 t Presse und einem Walzwerk. Hähä.

Ich sag Bescheid, wenn die Walzaktion gelaufen ist. Kein Problem, davon ein Stück zu bekommen. Was zum Tauschen findet sich immer.

Treffen können wir uns gerne mal. Ab Januar habe ich auch wieder reichlich Zeit. Über ein zweites Hammer-In in Aachen denken wir schon nach. Das Erste war im Oktober 2000. Mal sehen.

Gruß,

Achim

herbert
04.01.02, 19:55
So, nach einer kleinen Zwangspause gehts weiter. Heute habe ich den Nicker bei der Härterei meines Vertrauens abgeholt. Anwärmen, Austenitisieren, Salzbadhärten, Warmbad, Anlassen, alles mit dem Härter durchdiskutiert. Zielvorgabe: 59 Hrc bis 60 HRC im Mittel.

Also: Messungen auf dem Messererl ergaben 60 61 61 61 61 HRC, und in meinem Beisein auf dem Zeugenstück nochmals 61.
Jetzt muß ich das Teil noch schleifen. Einzelheiten zu allem teile ich noch mit, ich wollte auch noch mal ein Gefügebild im gehärteten und angelassenen Zustand machen lassen.

Ich denke mal, dass die Härte für so ein kleines Nickerchen voll in Ordnung ist.

soll ein richtig scharfes Teufelchen werden.....

luftauge
05.01.02, 16:29
Moin Herbert !

Kann es evtl. sein, dass es die Härterei des eigenen Vertrauens soo gar nicht gibt, bzw. dass es sich nur um ein "geflügeltes Wort" handelt?
Wenn Du Deine Wunschhärte nicht bekommen hast, vermute ich, dass das Messer als eins von vielen Härtestücken in der Charge gelegen hat, und alle Teile auf diese Härte gebracht wurden ... :rolleyes:
Vor Kurzem hatte ein Forumianer etwas änhliches von seinem D2-Messer berichtet: 61 statt 59 HRC wie geordert (Floppi, Tobse oder FlamingMoe {ich weiß gerade nicht, wer es war}).

Da Du vorher alles ziemlich weit durchdacht hattest, bist Du nach der Härteprüfung jetzt hoffentlich nicht zu sehr geknickt.

Gruß Andreas/Luftauge

Floppi
05.01.02, 16:37
Ich war's nicht. Bis jetzt hatte ich nur Abweichungen von maximal +1.

Leonardo75
05.01.02, 23:35
Hallo Herbert!

Es freut mich, dass Deine Klinge das härten so gut überstanden hat (nicht nur für Dich :D). Läßt Du sie denn auch nochmal zu Hause im Backofen an, um auf Deine Wunschhärte zu kommen, oder bleibt es bei 61 HRc?
Also dann mal bis zum Schmiedetreffen bei Markus, vielleicht sehe ich dann ja Deinen Nicker schon in natura mit der Olivenholzbeschalung.

Viele Grüße sendet Dir der Leo.

freagle
06.01.02, 13:49
Hallo ,

ich weis manchmal garnicht was ihr wollt, ist doch eigentlich völlig schnuppe, ob die Klinge z.B. eines D2 Messers nun 59-60 oder 61 HRC hat, ich denke das es da nur unmerkliche Unterschiede gibt, davon merkt man nichts. Wichtiger sind doch vielmehr die Legierung, die das und das leisten kann wenn sie korrekt wärmebehandelt wurde, die Härte ob nun 1 Grad mehr oder weniger spielt doch eher eine untergeordnete Rolle oder?

Grüße freagle

herbert
06.01.02, 14:28
Exakt, floppi. Ich bin nämlich gar nicht so unglücklich über die 61 HRC. Ich hatte vor Weihnachten noch mit "Der Härterei meines Vertrauens" gesprochen, und der Meister sagte mir, er würde an meiner Stelle mal abwarten, wie hoch die Ansprunghärte ist, und mit einer Anlaßbehandlung von 220° 2 Stunden fortfahren. Dann hat man ein ordentlich angelassenes Gefüge, und die Härte könne dann bei 59 liegen oder auch darüber, und die Hauptsache sei nun mal, dass alles sorgfältig durchgeführt werde. Natürlich würden die mit anderen Teilen aus dem gleichen Stahl gehärtet, aber die Anlaßbehandlung richte sich nach der Ansprunghärte. Auf jeden Fall nicht zu niedrig anlassen, das führe zu einem schlechten Gefüge. Und wenn der Stahl gut anspringe, dann könne man ja 60 anpeilen, das müßte super für ein so kleines Messer sein, auch wenn man dann ein bisschen herumschleifen muss. Ich habe ihm das ok gegeben, und alles sieht sehr ordentlich aus. Läßt sich übrigens jetzt hervorragend polieren, auch von Hand mit Schleifpapier.
Also, insofern denke ich mal, das hat hingehauen. Ich lass demnächst mal das Zeugenstück auf Gefüge untersuchen, dann sehen wir ja, was es damit auf sich hat.
Jedenfalls liegt die Härte auf der Kurve für die Richtanalyse, und das beruhigt mich ja auch ungemein.

herbert
06.01.02, 14:31
Ach ja, aufgrund der Diskussion, die ich eben geschildert habe, aber noch nicht gepostet hatte, bleibt die Härterei in der Tat die "Härterei meines Vertrauens". Die machen nix einfach so, sondern reden drüber, vorher natürlich. Und das ist gut.
Ich habe also meine Zielvorgaben angepaßt, und ich denke, es hat sich gelohnt.

Was die Härteschwankungen überhaupt angeht, so muß man schon mit einer Spannbreite leben, die

a) aufgrund der Meßstreuungen sich ergibt (so um die plus minus 1,5 HRC)

b) aufgrund der erlaubten Schwankungen der Werkstoffzusammensetzung

c) der Prozeßführung.


Alles in allem bin ich zufrieden.

luftauge
06.01.02, 15:58
@ Herbert :

Um ehrlich zu sein, hatte ich erwartet, dass Du das Messer als "Einzelstück" einer Sonderbehandlung unterziehen lassen wolltest, darauf hatte ich den Begriff "Härterei des Vertrauens" bezogen.
Is natürlich nicht machbar, in einem gewerblichen Betrieb, weil auch andere, grössere Kunden bearbeitet werden.
Ein Hobbymessermacher ist wohl eher für die Portokasse, und man muss wohl zufrieden sein, wenn der Rohling mitbearbeitet wird.

@ freagle :

Mir persönlich käme es auf 1-2 Grade wohl auch nicht soo genau an, nur wenn ich alles genau plane, und dafür bezahle, wäre ich wohl etwas enttäuscht, wenn die Wunschwerte nicht erreicht werden.
Aber da hilft nur eins : selber machen, und da fangen die Probleme wieder an, somit ist wohl der sichere Weg über die Härterei mit + 1-2 HRC der bessere Kompromiss.
Und auch die Profis stecken nun mal nicht drin.

Gruß Andreas/Luftauge

Guenter
06.01.02, 17:42
Und in Herbert's Fall kommt hinzu, daß diese dünnen Querschnitte im Allgemeinen bei den Standard-Austenitisierungstemperaturen (was für ein Wort) eine höhere Ansprungshärte haben als die dickeren Standardteile. Das würde eine höhere Anlaßtemperatur bedeuten, um tiefer zu kommen. Da schon mit 220°C angelassen wurde, würde man mit einer höheren Temperatur in den Bereich der Blausprödigkeit kommen, was sicher nicht wünschenswert ist. Also niedriger austenitisieren? Und damit nicht vollständig umwandeln? Dann doch wohl lieber eine etwas höhere Härte.

herbert
06.01.02, 18:00
Günter hat es genau auf den Punkt gebracht.
Luftauge, das ist nämlich das Problem.
Am liebsten würde ich das an einer Hochschule gehärtet haben, nämlich erst an Proben das Optimum bestimmen, dann los. Aber da hat sich leider kein kompetenter und williger finden lassen. Selber Härten geht bei mir nicht, die Sache in der Flamme ist mir persönlich zu undefiniert, drum hab ich mir jemand gesucht, den ich persönlich aufsuchen kann. Ich weiß, dass Leute wie roman oder auch andere das im Griff haben, das Problem bei mir ist aber, dass ich da zu wenig praktische Erfahrung habe. Ich weiß wies geht, aber nicht, was man machen muss, sozusagen.
Und das was Günter sagt, ist das, was der Härter auch meinte. Ich hatte ja offen gesagt dem 2842 beim Salzbadhärten diese Härte nicht zugetraut, aber der Härter sagte mir, dass er oft für Firmen kleine Abmessungen härtet in diesem Stahl, und dass man auf prima Werte kommt.
Und die Gefahr, die Günter erwähnt hat, dass man mit geringerer Austenitisierungstemperatur nicht richtig umwandelt, habe ich aus den ZTA-Schaubildern auch ersehen, und davon Abstand genommen. Und beim Anlassen mich auf die Kompetenz des Härters abgestützt und meinen eigenen Unwillen, bei Temperaturen im Bereich der Versprödung ein Risiko einzugehen. Aus der Ansprungshärte war ja zu ersehen, dass man auf keinen Fall zu weich werden würde. 60 HRC hatte mir der Härter vorhergesagt. Insofern: nicht schlecht. Spricht für die Erfahrung dieses Mannes, denk ich mal. Ich werd da häufiger hingehen, demnächst. Und der ist sehr wißbegierig. Hab mich 2 Stunden über Stahl und so unterhalten, bis weit in den Abend hinein. Und der ruft auch zuverlässig zurück, wenn man ihn nicht selbst erwischt.

herbert
06.01.02, 18:12
@luftauge: ach so, ja, bei einer Zielvorgabe 59 bis 60 im Mittel ist 61 eigentlich voll in Ordnung, nicht dass wir uns da missverstehen. Ich hätte das ja wie gesagt dem Stahl im Salzbad nicht unbedingt zugetraut, und wollte da lieber nicht an die Grenze gehen. Andererseits eben wegen der hohen Anlasstemperatur auch nicht tiefer. Dass es so herauskam, halte ich für einen Erfolg, nicht für einen Misserfolg. Ich glaube, ich hatte Dich da falsch verstanden.
Roman brummt dem Stahl auch ca. 61 HRC auf, das macht für kleine Messer, die man nicht schlagend benutzt, durchaus Sinn. Ich werde mal berichten, wie sich das Schleifen anlässt.....
Schaun wir mal.
Und Du hast Recht, man muß Glück haben mit der Härterei. Wenn man die Klingen einfach hinschickt, muß man echt froh sein, das sie mit durchlaufen. Dann würde ich sie lieber jemand anvertrauen, der gute Kontakte hat, Günter, oder Wolf Borger, oder die Härterei Wallner in München, die bereits gute Punkte hier gemacht hat. Aber die großen, die ich angeschrieben habe, wollten das nullachtfuffzehn Programm abspulen und sich gar nicht mit mir unterhalten. Wenn Du in Deiner Nähe einen kleinen Lohnhärter finden kannst, und ihn mal besuchen kannst, dann hast Du echt mehr davon. Laß ihn ein paar Probestücke machen, und dann siehst Du was er kann und wie er die Sache angeht. Wenn Du Zweifel hast, maile mich an, oder stelle die Frage im Forum, wir alle finden da schon einen Weg.

luftauge
07.01.02, 12:23
Mahlzeit !

@ Guenter und Herbert :

Kein Thema !

So weit ist alles klar, und die Problematik ist bekannt. Das war u.A. der Grund für meine "Härtefragen", die Ihr ausführlich beantwortet hattet.
Ich würde meine Rohlinge auch nicht an meine ex-Kollegen aushändigen, obwohl es 1a Werkzeugmacher der alten Schule sind, auch wenn der neue Härteofen "idiotensicher", shatter+waterproofed sein sollte, denn ich weiß, wie die Kollegen härten - sie sind eben keine Härter sondern können auch härten.

Das fing schon bei der Härtetemperatur von 2842 an, das Spektrum reichte von 750 - 850°C, und der Stahl wurde vom Einschalten bis zum Abschrecken erwärmt, und Haltetemperatur bei grösseren Querschnitten musste man gar nicht erst hinterfragen, obwohl es im Tab.-Buch Metall eindeutig geschrieben steht, jeder Geselle hatte da seine eigene Methode, und Hinweise auf das TBM wurden mit Abzügen in der Haltungsnote "bestraft" :rolleyes:

Und als Misserfolg hätte ich Dein Ergebnis auch nicht angesehen, das wäre wenn die Klinge gerissen wäre, o.ä.
Wichtiger ist, dass die Wärmebehandlung korrekt durchgeführt wird, und da gibt es wohl keinen Besseren, als einen Härter in einer Härterei.

Aber wenn Du die Möglichkeit am Arbeitsplatz hast, dann würde ich an Deiner Stelle nicht lange fackeln, und dort Härteversuche machen, lohnt sich bestimmt !

Gruß Andreas/Luftauge

herbert
07.01.02, 18:45
Hallo, Luftauge, das sind ja wirklich traurige Erfahrungen, die Du da gemacht hast. Du hast Recht, bloß nicht abheben auf Leute, die AUCH Härten, sondern wirklich auf Profis, für die es ins Geld geht, wenn die Sache schiefläuft. Leider arbeite ich nicht an der Hochschule, sondern habe nur noch Kontakte dorthin. Und richtig Härten kann dort eigentlich auch keiner mehr, traurig traurig.

Ich hab deshalb in der Tat die Suche nach einem "HÄrter meines Vertrauens" betrieben, der gewissermaßen als "Überzeugungstäter" den Wert der Arbeit in einem selbstgefeilten Messer versteht und das ganze als Herausforderung sieht, es in seinen normalen Prozeß einzubetten und trotzdem etwas Gutes dabei herauszuholen. Ich hatte früher in meinen früheren Berufstätigkeiten viel mit Härtereien zu tun, und dabei herausgefunden, dass es da die "Alten" mit den kleinen Notizbüchern in der Kitteltasche gibt. Hier habe ich einen "einigermaßen Alten", dem der Betrieb selbst gehört und der von Nischenprodukten lebt. Und die Sache mit dem Messer hat ihm imponiert. Meine Klinge und eine für Leonardo75 (die handwerklich übrigens exzellent ist) sowie das Weichglühen eines Damastnickerrohlings von Markus Balbach (ich will nämlich auch so ein feines Teil haben wie Günter es neulich hier gezeigt hat).

Insofern lohnt es sich, die Mühe aufzuwenden, sich jemand zu suchen, der interessiert ist. Klar, die großen im Bergischen und in der Gegend hier um Köln hätten mir das auch gemacht, für viereckiges Geld mit Rechnung und anonym als Massenteil, ohne Gewähr und so weiter.

Wichtig ist auch, dass der Härter seine Grenzen kennt und nicht meint "das kriegen wir alles hin, wir haben schon ganz andere Sachen hart gekriegt". Klar, alles kriegt man hart, aber wie sagt roman immer so schön: es kommt drauf an, mit welchem Gefüge man die Härte bereitstellt.
Ich bin von Beruf Werkstoffkundler, aber beim Härten laß ich mich gerne von Praktikern beraten, da ich, wie schon gesagt, weiß was man tun muß, aber nicht wie.

Und im Laufe der Jahre hab ich herausgefunden, welche Betriebe einen gut beraten und bedienen. Die haben manchmal an sowas auch Spaß, wenn die ihren Senf dazutun können statt immer nur kg-weise Standardsachen zu fahren.

Der persönliche Kontakt ist da wichtig.

Und was die Sonderwärmebehandlung angeht, so habe ich mir alle möglichen Sachen zu 2842 besorgt, unter anderem auch die Zeit-Temperatur-Austenitisierungs-Schaubilder besorgt und weitere Daten, aus denen man Aufheizgeschwindigkeit, Haltedauer, Austenitisierungstemperatur, Abkühlparameter, resultierende Karbidgehalt und resultierende Korngrößen ermitteln kann. Und da sah man, daß in der Tat die sogenannten Standardwerte sehr gut liegen. Allerdings sind die Empfehlungen auch viel enger als die große Spannbreite, die Du genannt hast. Es wird hier von 820 bis 840 Grad gesprochen, also 830 im Mittel.

Ach so, und was die Messungen der HRC angeht, so entspricht 1 Punkt in diesem Niveau etwa einer Eindringtiefendifferenz des Eindringkörpers von 0,02 mm.

Die Standardwärmebehandlung hat in der Tat eine korrekte Umwandlung und ein niedriges Karbidniveau bei kleinem Korn zur Folge. Na, werden wir auch sehen, hoffe ich, wenn ich die Gefügebilder habe. Mal sehen, wann mir jemand die mal preiswert macht.

Demnächst kommt der Griff dran, dann sehen wir weiter, und dann muß ich das Teil noch schaft bekommen. Da brauche ich sowieso Eure Hilfe, Leute.

luftauge
08.01.02, 11:50
Mahlzeit !

Soo traurig fand ich das gar nicht :

Wenn man seinen Altgesellen lang genug Löcher in den Bauch fragt, zeigen sie einem irgendwann, was man wissen will. Es ist nur etwas ernüchternd, wenn man zum Facharbeiter ausgebildet wird, mit dem Wissen, dass im TBM eigentlich alles drinsteht, aber die alten Hasen frei nach Schnauze härten.

Denn :
Nach einiger Zeit gaben sie mir teilweise ihre Härteteile, nachdem sie bemerkten, dass mich das Härten interessiert, meine eigenen Teile (auch meine Klingen) habe ich grundsätzlich selbst gehärtet, und zwar nach TBM.
Dabei habe ich auch versucht, die Haltezeiten entsprechend der Werkstückdicken (Zugaben pro mm in min) genau einzuhalten.
Allerdings hatten sie auch keine Lust, sich am Härteofen die Beine in den Bauch zu stehen, weil es eben eine verantwortungsvolle Tätigkeit ist, die auch zeitintensiv sein kann.
Wobei man berücksichtigen muss, das wir nur einen alten Härteofen hatten, und ein 200l Ölfass mit Härteöl auf Raumtemperatur zum Abschrecken, das reichte nur zum Ällernötigsten.

Leider habe ich nur Erfahrungen mit Ölhärtungen sammeln können (meistens 2842), und bin durch falsch informierte Kollegen unwissentlich mit "guten Ratschlägen geholfen" worden, und habe verzogene Klingen erhalten.

Und was Guenter zum Thema Werkstückdicke sagte, hatte ich gar nicht mehr bedacht, denn nicht nur der Zweck sondern, auch die Werkstücke selbst geben die Fertigungsgrenzen vor.

Gruß Andreas/Luftauge

herbert
25.02.02, 20:34
So, Leute, mein Nicker ist am Wochenende fertig geworden. Endlich. Hat ja lange genug gedauert. Leider habe ich die Olivenholzgriffschalen vergeigt, da bin ich spontan umgestiegen auf Pink Ebony. Ist ja auch nicht schlecht, nicht ganz so charaktervoll wie Olivenholz, aber na ja. Und da die Maserung sehr dezent ist, wollte ich das Gesamtbild nicht stören und habe nur ein Nietloch benutzt. Das in der Mitte. Dezent und so.
Der STeckbrief:

Länge über alles 195 mm
Klinge 92 mm
Gewicht 100g (genau, ich bin baff)
Stahl: 1.2842 = 90 Mn Cr V 8 (O2)
Härte: 61 HRC (Wow!)
Maschinen: keine außer Bohrmaschine für 4 Löcher

Aus dem Stahl 6 mm dick 40 mm breit gefeilt. Finish mit 1000er Papier, in der Endphase mit WD 40. Sonst nix.
Ist ein Gebrauchsmesser, daher nur Längsfinish mit Papier, keine Politur. Niet und Fangriemenrohr aus messing. Zwischen Griffschalen und Erl 0,5 mm schwarze Vulkanfiber, und die Verklebung zwischen der Vulkanfiber und dem Erl selbst mit JB Weld (Danke, AchimW). Sieht super vornehm grau aus, erst das blanke Metall, dann vornehm grau, dann schwarze Vulkanfiber, dann das pink Holz, viel pinker als auf dem Bild unten, echt schön. Ich bin begeistert. Dann mit Lansky den Schliff angebracht (2 Stunden! Tja, 61 HRC eben). Und die Fase ist sehr gleichmäßig, hab also ganz schön eben gefeilt (Danke, Günter, der Tipp mit dem draw filing ist Klasse).
Das Teil schneidet wie Seuche. Schneidenwinkel? na, so 24°. Hab mich nicht auf Lansky verlassen, sondern auf meine Schieblehre und den Taschenrechner. Tangens und so. Und da es ein Gebrauchsmesser ist, kriegt das keine Spiegelpolitur, bleibt so.
Erste Tests:
Unterarmhaare: kein Problem
Papier: siehe oben
Knoblauch: sauber
Finger: Klasse (autsch)
Luftgetrocknete Salami und Ardenner Schinken: geil
Ihr merkt, ich bin hin und weg, mein erstes selbstgebautes Messer. Ein Mann muß kein Haus bauen und Baum pflanzen und so, neee, ein Messer muß er machen!!!!!!!!!!!!!

So, jetzt aber ein Bild, und leider kommt die herrliche Farbe nicht so raus wie in Natur.
Und noch was: Ohne Eure Anregungen und ohne Euren Zuspruch und vor allen Dingen ohne HankErs Tutorials hätte ich mich nie rangewagt, und ohne AchimW und Günters Tipps hätte ichs nie beendet, und Leonardo75 hat mir einiges übers Schärfen geflüstert. Ihr seid alle mein Untergang!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Aber ich habe jede Sekunde genossen, Leute!!!!!!!!!!!!!!!!!!

herbert
25.02.02, 20:37
Ach ja, und der kleine Fliegendreck auf dem Handschutz ist gar kein Fliegendreck, das ist ein Härteabdruck.
Und die geile Scheide kennt ihr schon, das Konzept ist einfach Klasse, leider ist die Ausführung, sagen wir mal, spartanisch. Aber ich kann halt noch nix in Leder, vielleicht kommt das noch.
Hier die Sache mit der Scheide

herbert
25.02.02, 20:39
Und hier komplett montiert, sozusagen;

herbert
25.02.02, 20:51
Und da meine Begeisterung über das erste selbstgemachte Messer keine Grenzen kennt, nerv ich Euch auch noch mit dem Detail von Vulkanfiber!

Nidan
25.02.02, 20:54
Hi Herbert,

herzlichen Glückwunsch, das Nickerchen ist wirklich hübsch geworden !!

2 Fragen hätt ich noch : Was bitte ist WD 40 und wie hast du die Griffschalen behandelt ?

dcjs
25.02.02, 20:57
Original geschrieben von herbert
Ihr merkt, ich bin hin und weg, mein erstes selbstgebautes Messer. Ein Mann muß kein Haus bauen und Baum pflanzen und so, neee, ein Messer muß er machen!!!!!!!!!!!!!

da freut sich aber einer, man merkt es echt :cool:
sieht aber auch tadellos aus, das messerchen, echt! ich bin mit meinem lob eignetlich eher geizig weil übelster perfektionist, aber das hier ist echt sauber! :super:
obwohl ich nickers eigentlich ned mag... :steirer:

herbert
25.02.02, 21:13
@dcjs: EIGENTLICH mag ja keiner Nicker, hähähähä, aber UNEIGENTLICH!!!
@ nidan: wd 40 ist son Raumfahrtprodukt aus Amiland, Terpentinersatz und Kriechöl, Rostschutz und Gängigmacher für alles. gibts in jedem Baumarkt für teures Geld, aber ist echt klasse.
Und die Griffschalen hab ich mit "Lumberjack" Hartwachs der Firma Clouth behandelt, find ich gut, hab Vorversuche an Reststücken gemacht, und bin eigentlich angetan. Das Pink Ebony ist im Anlieferungszustand glänzend, nach dem Schleifen matt und viel heller, hat einen sehr angenehmen Griff, ich mochte es eigentlich gar nicht polieren, aber ich dachte, ein Hartwachs gegen den Angriff vom Handschweiß wäre gar nicht so schlecht. Funktioniert gut. Die normale Schuhcremedose von dem Zeug (die berühmte ERDAL-Dose mit dem Drehknebel) kostet so um die 6 Euro bei OBI. Find ich gut, werde öfter damit Holz behandeln.

DeadlyEdge
25.02.02, 21:38
Applaus, Herbert!
Hart, scharf und rostend... wenn so, dann so . Ganz nett finde ich es, daß das Messer ein Halbintegral ist, jedoch nicht zu dick im "Backen"-Handschutz-Bereich ist.
Ich freue mich auf die Damst- und Vasco-Nicker, die noch folgen werden.
Grüße,
Martin
PS: Wie hast Du denn so viel Olivenholz "vergeigt" ;)

herbert
25.02.02, 22:06
Danke, Leute.
@Deadly Edge: war wirklich nicht einfach, die Sache mit der Dicke. Der Nicker lebt ja davon, dass er eher filigran ist. Hart und scharf, das trifft es voll, und rostend nur, wenn ich die Pflege vernachlässige. Tja, und die weiteren Sachen: Damastmesser aus der Schmiede von Markus, selbstgemacht, Du kennst es, das ist das nächste. Danach der VASCOWEAR-NIcker von Günter, aber mit Deinem exzellenten Griffmaterial, das ist echt super! wenn es soweit ist, gibts ein Bild, ist klar.
Das Vergeigen von Griffmaterial ist ganz einfach. Man muß nur meinen, jetzt müsse es schnell gehen, dann sägt man ein gaaaaaanz klein bisschen zuviel ab, und es passt nimmer. Und da man nur zwei kleine Brettchen abgeschnitten und "trockengelegt" hat, aber das Messer unbedingt fertigmachen möchte, dann, na, dann greift man eben zu Kompromissen. ABer das Olivenholz wird seinen Platz finden.Denk ich mal. An nem Messer, klar doch.

Claymore
25.02.02, 22:42
Hi Herbert,

ist schön geworden dein Nicker !
Der einzelne griffniet springt mir ziemlich ins Auge......
Da du ja jetzt Übung hast im feilen, :D ,
der 100Cr6 für deine Skinnerklinge ist flachgeschmiedet. (ich weis., bin a bisserl im verzug :rolleyes: ) wird aber demnächst fertig, dann kannst du schon mal die Feilen vorwärmen.:steirer:

Ich glüh ihn schön weich für dich und nehm die zunderschicht ab im schneidenbereich


gruß

Peter

Andreas
25.02.02, 22:47
Super :super: :super:
das mit dem leder wird auch noch! ;)
so ein klasse messer und dann so eine billige, gekaufte lederscheide. das geht doch nicht!!!!! :cool:

Leonardo75
25.02.02, 22:55
Hallo Herbert!

Dein Nicker gefällt mir wirklich gut. Das Pink Ebony sieht auf dem Foto harmloser aus als in natura, wenn ich mich recht erinnere, aber das hast Du ja auch schon beschrieben. Wenn ich mir Deinen Rohling anschaue, dann sieht man ja, dass die Nietlöcher nicht in Reihe sondern versetzt liegen, warum hast Du das eigetnlich gemacht?
In dem Bild, wo Du den Nicker von oben zeigst, um das Vulkanfieber zu verdeutlichen, sieht es so aus, als würde die Griffschale zum Handschutz hin dünner werden als der Handschutz ist. Täuscht das, oder ist es so gewollt? Auf den anderen Fotos fällt das nicht auf.

Wie schaut es eigentlich mit dem Schneiden von Zwiebeln bei Deinem Nicker aus? Bei meinem 1.2842 Messer gab das schon deutliche Spuren auf der Klinge und die Schärfe schien mir ein wenig verringert, hast Du sowas auch beobachtet?

Viele Grüße und weiter so Herbert, ich freue mich schon auf Deine weiteren Messer.

herbert
26.02.02, 06:42
Danke, allerseits!
@claymore: freue mich schon. Verzug terminlich ist nicht schlimm, ich kann warten. Verzug in der Klinge ist da schon schlimmer.
Das mit dem einzelnen Griffniet ist Absicht. Springt wirklich ins Auge. Und in natura,mitdem in Wirklichkeit viel helleren Pink sieht das schon gut aus.

@Andreas: Recht hast Du. Aber das Teil ist erst mal versorgt, und Sachen zum Ledernähen habe ich auch schon, muß erst mal ein bisschen was herumprobieren.

@Leonardo: danke danke. Der optische Eindruck täuscht, die Griffschalen sind am Handschutz leicht über demselben. Aber insgesamt sind die in der Draufsicht bogenförmig, und hinten am Fangriemenloch nochmal dünner, hat sich so ergeben, liegt an meiner Hand. Habe mit Erstaunen festgestellt, dass der Griff jetzt, wo er leicht asymmetrisch ist, am besten in der Hand liegt. Und Zwiebeln kommen noch, die dürften wohl färben. Und ich habe tatsächlich die Erfahrung gemacht, dass Zwiebelsaft scharfen Messern ziemlich zusetzt. Immer sofort reinigen.
Was die Position der Nietlöcher angeht,so war ich mir eigentlich schon zu Beginn sicher, dass ich nicht alle benutzen würde, das würde den kleinen schmalen Griff überfrachten. Und etwas außerhalb der Mitte fand ich gut,sieht nicht so nach Küchenmesser und Jägermeisternicker aus, sondern eigenwilliger. Fast hätte ich gar keinen Niet verwendet, aber irgendwie lockert das Messing (Matt, längsgerieft) das ansonsten sehr homogene Pink Ebony auf. Und der springt halt ins Auge, allein schon wegen der billigen gekauften Lederscheide......

AchimW
26.02.02, 07:21
Gratulation Herbert!

Das ist wirklich SEHR schön geworden. Ich hätte mir gewünscht, mein erstes hätte auch nur halbwegs so gut ausgesehen.

Trotzdem bleibt mir noch eine Frage und ein Hinweis. Erstens, bist Du sicher, daß das Pink Ebony und nicht Pink Ivory heißen muß?? Ersteres habe ich noch nie gehört (obwohl ich mich mit Holz schon heftig auseinandergesetzt habe) und letzteres ist ein sehr bekanntes, seltenes, teures Hartholz aus Südafrika. Der Hinweis betrifft Deine Bemerkung zur Eile und den versauten Olivenholzschalen. Der beste Tip, den ich mal vor Langem von einem Kumpel bekam, sah so aus: Wenn Du meinst, daß jetzt alles schnell gehen muß, dann hör sofort auf zu Arbeiten und geh ein Bier trinken. Alles andere wird daneben gehen. Wie recht er hat.

Ansonsten fröhliches Messermachen!

Achim

Haudegen
26.02.02, 08:04
hallo herbert,
was lange währt, wird endlich gut.
in deinem fall sehr gut. ist dir sehr gut gelungen.:super:
da geht es mir wie deadly edge, bin schon gespannt auf den damastnicker.

nochmal wd40, gibt es einen speziellen grund, dass du gerade das für`s finish genommen hast ?

JB Weld, ist wohl ein kleber ? wie ist denn der unterschied zu einem normalen epoxidkleber ?


Hab mich nicht auf Lansky verlassen, sondern auf meine Schieblehre und den Taschenrechner. Tangens und so.
na, wenn das mal nicht typisch herbert ist,... :D

glückwunsch,.........

HankEr
26.02.02, 08:27
JB Weld, ist wohl ein kleber ? wie ist denn der unterschied zu einem normalen epoxidkleber ?

Es ist metallfarben, es hält gut und Überstand läßt sich im halbfesten Zustand prima abnehmen und mit WD-40 glätten. Angeblich zumindest, ausprobieren konnte ich es leider noch nicht, da ich keinen vernünftigen Lieferanten finde und der Hersteller mir scheinbar auch keinen nennen will :(

Achso, schönes Erstlingswerk, herbert. Habe ich es nur überlesen, oder schweigst Du Dich über die Gesamtarbeitszeit die darin steckt vornehm aus?

kanji
26.02.02, 11:06
Hi Herbert,

schickes Messer, vor allem das Holz mit dem Fiber sieht gut aus.
So langsam könnt ich mich auch mit nem Nicker anfreunden.

luftauge
26.02.02, 12:10
Jo Herbert, auch meine Gratulation !
Schlicht und elegant, aber was hat das mit der Scheide auf sich, Multi-Funktionseigenbau ? :D Sieht ebenfalls hochprofessionell aus !

Zu WD 40:
Das Zeug ist im Baumarkt wirklich nicht gerade günstig, deshalb hat mir ein Bekannter (KFZ-Werkstatt) mal einen 5l Kanister bestellt, Preis ca. 30-35€ (60DM), ist wesentlich günstiger, weil man die Gasfüllung der Spraydose nicht mitbezahlt, allerdings muss man erst eine Pumpenflasche finden, die auf Dauer noch Druck aufbaut, wenn damit WD40 gesprüht wird :glgl: .
Die beweglichen Teile rutschen mit der Zeit alle durch :p

Gruß Andreas/L

Leonardo75
26.02.02, 12:13
Hallo Messermacher!

@herbert:
Das mit dem asymetrischen Griffschalen ist mir auch schonmal aufgefallen. Die Hand ist ja auch nicht symmetrisch, deshalb sollte gerade ein selbstgemachten Messer so auf die eigene Hand abgestimmt sein, dass der Griff sich in der eigenen Hand festsaugt und man das Messer gar nicht mehr loslassen möchte. Die industriellen feststehenden Messer sind vom Griff her oft nicht so dolle, weil sie für Rechts- wie auch für Linkshänder passen sollen.
Das Messer ist wirklich klasse, schade, dass das Olivenholz nicht gepasst hat, in dem Maserverlauf, in dem Du es einsetzen wolltest wäre das bestimmt auch gut zur Geltung gekommen.
Alle Achtung, das Du zwei Stunden mit dem Lanskyset geschliffen hast, das war sicherlich anstrengend. Aber der Stahl ist ja auch schön hart geworden und da lohtn sich das Schleifen ja auch. Hast Du eigentlich mit dem Schleiföl, Petroleum, mit Wasser oder trocken geschliffen?

@Haudegen und HankEr:
JB Weld ist ein mit Metallpartikeln als Füllstoff aufgebesserter 2 Komponenten Epoxidkleber. Die Beschreibung von HankEr ist schon richtig, nur dass ich das mit dem Glätten nicht so gut geschafft habe. Ich würde diesen Kleber nur zum Verkleben der Griffschalen und eines Handschutzes nehmen, nicht um die Pins zu verkleben (dort lieber farblosen Epoxikleber). Der Kleber hat eine dunkelgraue Farbe, die nicht so doll ausschaut, wenn sie zwischen Pins und Holz auftaucht.
Es gibt ihn in zwei Varianten, JB Quick oder so als schnell härtender Kleber mit geringerer Festigkeit und Temperaturbeständigkeit und als JB Weld mit höherer Festigkeit und einer Temperaturbeständigkeit um die 300°C. Ich würde für Messergeschichten immer den JB Weld vorziehen! Man hat dann viel mehr Zeit zum korrigieren der Griffschalen.
Zu bekommen ist er im Bauhaus (ob in anderen Baumärkten weiß ich nicht), allerdings nicht in jedem. In Leverkusen habe ich ihn nicht gefunden, in Aachen hängt er neben Schleifscheiben von Kaindl und anderen Sachen, die per Fernseher beworben werden.
Eine Packung mit zwei Tuben kostet ca. 8,5 Euro, der Inhalt ist, wenn ich mich recht erinnere zusammen ca. 50g, aber da kann ich mich auch täuschen, habe den Kleber im Augenblick nicht mehr hier.
Die Konsistenz

Von den beworbenen Fähigkeiten her muss der Kleber recht gut sein (stärkstes Bindemittel der USA oder so stand auf der Verpackung). Preislich halte ich ihn auch für attraktiv. Die Lagerfähigkeit ist sehr lange.

WD40 ist ebenfalls wie HankEr schon sagte ein Multifunktionskriechöl. Man kann damit die Klinge einsprühen, anstatt Wasser zum Nassschleifen vor dem Polieren zu verwenden. Es ist zwar teurer aber es scheint mir so, als könnte man damit das Schleifpapier länger offen halten. Des weiteren werden bei rostenden Klingen die frisch geschliffenen Flächen nicht vom Flugrost befallen, wie es beim Schleifen mit Wasser vorkommen kann, wenn man eine kleine Pause einlegt.

Viele Grüße an die vielen Messermacher sendet Euch der Leo.

dcjs
26.02.02, 17:07
ho,
ich hab das zeugs im praktiker gekriegt!

zur gesamtarbeitszeit eines selbstgemachten messers:
dazu werde ich persönlich (und ich glaube, dass es anderen ähnlich geht, wenn sie nicht gerade so diszipliniert arbeiten, wie hanker ;) )nie etwas genaues sagen können, weil ich keine stechuhr danebenstehen habe. da wird halt mal hier ein paar stündchen geschliffen, da zwischendurch ein paar bohrungen gesetzt und dann immer und immer wieder die klinge mit schleifpapier bearbeitet, immer dann, wenn man gerade in "messermacherlaune" ist.
wie viel arbeit es nun genau ist, weiss man man halt nicht. es ist aber so saumässig viel, dass ich um das paket mit den 6 rohlingen, die ich letztens zum härten geschickt habe, mehr gebangt habe als um jedes andere paket, was ich je verschickt habe. gott sei dank ist der eine weg überstanden :angst:

Leonardo75
26.02.02, 18:39
Hallo Messermacher!

Ein Bekannter meinte einmal, dass ein Hobby, wo man die Stunden zählt ihm nicht Spaß macht. Mir geht es beim Messermachen genauso. Oft sitzt man verträumt vor einem Projekt und schleift liebevoll hier und da ein wenig. Wenn ich das zeitkritisch machen müsste wäre es wohl mehr Arbeit als Hobby und das wäre verdammt schade.

Viel Spaß beim Messermachen wünscht Euch der Leo.

HankEr
26.02.02, 18:48
Ich will ja keinen Wettbewerb darum wer am längsten bzw. am kürzesten für etwas braucht entfachen. Ich habe meine ersten beiden Messer halt einfach einmal ausgestoppt um für die Zukunft in etwa ein Maß zu haben und da interessiert es mich halt auch wie das bei anderen, die mit wenig Erfahrung und suboptimalem Werkzeugpark arbeiten, so aussieht.

herbert
26.02.02, 19:25
@leonardo: ich habe das von Lansky mitgelieferte Öl benutzt. Aber ich bin mit der Schärfe noch nicht ganz zufrieden. Ich weiß ja, dass es besser geht. Und den Pin und das Röhrchen habe ich mit normalem 2K Kleber verklebt, das JB Weld mit seinem grauen Farbton harmoniert gut mit Holz und Stahl

@AchimW: Au ja, hast Recht. Pink Ivory. Ich dachte wohl zuviel an das LIed "Ebony and Ivory come together in perfect harmony...."

Und WD 40 zum Schleifen hat claymore mal geschrieben. Hab ich einfach mal probiert, mach ich immer wieder. Geht sehr gut.

@HankEr: Also, so genau kann ich Dir das nicht sagen, im Nachhinein hab ich - wie Leonardo schrieb - auch schon mal schön verträumt vor mich hingeschliffen, aber im Ernst, ich denke mal, reine Arbeitszeit, nicht optimiert, dürfte so bei 40 Stunden gelegen haben.
Irgendjemand im Forum hat das sig
"if nobody makes you do it it counts as fun"
Aber es war eigentlich Dein Tutorial, das mir zeigte, dass der Arbeitsaufwand überschaubar ist, und gut verteilt werden kann.

@luftauge: die Sache mit der Scheide ist das einzige, was mich echt stört. Einerseits ist dieses Scheidenkonzept genial, andererseits ist sie gekauft, und handwerklich wahrlich kein Prachtexemplar. Aber sehr zweckmäßig. Ich denke, ich muß mal ein bisschen mit Leder herumprobieren, aber man kann ja pro Messer ruhig mehrere Scheiden haben.
Vielleicht hat ja Andreas einen guten Vorschlag.......??????????????

@haudegen: aha, habt's Ihr mich erkannt? Aber es sollte nicht perfekt sein, sondern nur möglichst gut, und vor allem kontrolliert.
Mal sehen, wie das mit dem geschmiedeten Messer läuft.

Was den Damastnicker angeht, so hat Didi es geschafft, mir den abzuluchsen. Er hat mir eindrucksvoll geschildert, wie ihm das wehgetan hat, als pitter ihm das Teil von Günter vor der Nase weggeschnappt hat, und das hat er mir per email mehrfach geschildert. Und da ich schon einen Nicker habe, und jetzt auch eine Damastklinge, die selbstgemacht ist, so konnte ich halt nicht anders. Und da wartet ja noch Claymores Klinge auf mich, und der Vascowear Nicker. Er hat versprochen, was guts drauszumachen und ein Bild zu posten.

Camig
26.02.02, 19:32
.... wie wahr, wie wahr....

herbert
26.02.02, 19:55
Hi, Camig, Deine sig! Ach ja, stimmt ja.
Was macht Dein Damastmesserchen, lass doch mal sehen!

didi
27.02.02, 17:51
@Herbert Hallo Herbert, der Nicker ist jetzt in Form gefeilt und mit 600 Schleifpapier bearbeitet. Sieht soweit sehr gut aus. Jetzt brauch ich noch Holz für den Griff, wenn ich das dann grob angepasst habe geht der Rohling zum Härten. Sach ma, deine Härterei die Du so gelobt hast, könnte ich die auch beehren??.
Eine Frage noch an Dich und die Anderen die bei Markus gehämmert haben: Ich habe am Nachmittag, wie einige andere auch noch ein zweites Messer geschmiedet, das Ausgangsmaterial hatte mir Markus mit der Bemerkung "das ist ????????(erinnere nicht mehr) auch ein sehr interessanter Stahl". Weiß noch jemand was das ist (Hilfe Markus), weil das muß ich doch fürs Härtem wissen. Im Moment ist bei dem Teil aber gerade erst die Schmiedehaut abgeätzt.

bis denne
Dietmar

Haudegen
27.02.02, 18:00
hi didi,

bin nicht herbert,:eek: sach aber trotzdem was dazu:
schick das teil doch dem markus zum härten, denke er wird am besten wissen wie es zu härten ist.
wär evtl. gut, wenn du soweit schleifst, dass man die struktur erkennt.

grüsse,....

herbert
27.02.02, 21:54
@didi und wenn Markus das nicht macht dann kannst Du Dich gerne an mich wenden. Kein Thema.

HankEr
28.02.02, 13:25
Hier (Solderless Guards) (http://www.primosknives.com/articles/solderless_guards/guardtut1.htm) gibt es übrigens ein Tutorial zum lötfreien befestigen eines Handschutzes mit JB Weld.

Schmiede Markus Balbach
28.02.02, 16:59
@
"das ist ????????(erinnere nicht mehr) auch ein sehr interessanter Stahl". [/QUOTE]

Tja, um welchen Stahl es da ging, kann ich Dir auch nicht mehr sagen!
Zum Härten können die Klingen aus meinem Damast natürlich zu mir geschickt werden.

Markus

herbert
28.02.02, 20:23
Hallo Markus, das kleine Damastmesser vom 11. Januar ist als nächstes dran. Kupfer (7mm dick) als Handschutz, Zwetschgenholz von C. Raiber (danke nochmal) mit Zwischenstück aus Pink Ivory und weißem Vulkanfibermaterial, als Abschlußplatte das kleine Stück Damast, das Du mir noch gegeben hast (muß ich aber erst noch weichglühen lassen), und dann noch ne kleine Schraube aus reinem Cu. Hört sich gut an, mal sehen, wie gut ich das hinkriege. Aber die klinge ist Klasse!

didi
01.03.02, 14:00
Also ich habe meinen zweiten Rohling am Mittwoch angefeilt und über Nacht in Essigessenz gelegt. Am Donnerstagmorgen dann herausgeholt und siehe da, es ist auch ein Damastrohling. Super, ein schöner Wellendamast soweit das bis jetzt ersichtlich ist. Wenn der Markus für alle seine Kohlenstoffdamaste 2842 verwendet wäre ja alles klar.
Ursprünglich sollte es ein Tantoo werden, aber bei Damast ist das, finde ich, ein Stilbruch. Ich habe also eine Flasche 2000er Portugieser, trocken, Maischegärung, am Ort gewachsen (Rheinhessen), aufgemacht und überlegt welche Form die Klinge denn nun bekommen soll. Bin aber zu keinem Ergebnis gekommen, werde heute abend wohl einen Bordeaux Chateau Lafitte zu Rate ziehen müssen ;)

herbert
01.03.02, 22:24
@didi, hört sich gut an, ich mein die sache mit dem Lafitte. Ein Schlückchen Rotwein hat ein paar Vorteile: man kommt ins Reine, und überhastet nix, da kann man auch keine Klinge versauen, hähähähähäh
Aber klar. Immer mit der Ruhe.

herbert
06.03.02, 20:27
Ach, nochwas, die Wärmebehandlung kannst Du fahren wie für 2842. Das klappt. Kannst Dich wegen der genauen Daten gern an mich oder auch Markus wenden. Kein Thema. Wie unsere Selbstgeschmiedeten vom 11.1.02.

herbert
06.03.02, 20:32
So, ich hab den Stahl des Nickers mal an mein altes Hochschulinstitut zur Untersuchung gegeben. Ich habe ja ein Stück als Zeugen mitlaufen lassen beim Härten.
Die machen Härtemessung nach dem Vickersverfahren und Gefügeaufnahmen im geätzten und ungeätzten Zustand. Wie roman immer sagt, es kommt nicht nur auf die Härte an, sondern auch auf das Gefüge durch das sie bereitgestellt wird. Also dann.
Erste Ergebnisse der Härtemessungen: aus 5 Messungen an unterschiedlichen Stellen:
702 HV 10. Das deckt sich UNHEIMLICH GUT mit den ermittelten 61 HRC. Und die Vickers Messung ist die wesentlich genauere.
Wenn die Gefügebilder kommen, poste ich die auch hier, klar doch. Und dann ist schluß mit der Nickerei, vielleicht, denn dann kommt noch der Nicker aus dem Vascowear von Günter......
Nicker rulz

herbert
08.05.02, 22:06
so, es ist soweit, die Gefügebilder des gehärteten Zustands sind fertig. Weiter oben ist noch der Ausgangszustand.
Hier die Ansicht auf die Flachseite der Klinge. Sehr feines Gefüge mit der vom Herstellungsprozess herrührenden Zeiligkeit. Wenn man will, und das wäre empfehlenswert für Klingen, die schlagend beansprucht werden (Haumesser, Schwerter), kann man das noch mit Diffusionsglühen beseitigen. Is aber für Nicker nich nötig.

herbert
08.05.02, 22:12
Und hier das ganze noch in 1000 facher Vergrößerung. Wenig Karbide, wenig Restaustenit, ganz wenig Bainit.
Scheint alles geklappt zu haben. Selbst roman wars zufrieden.

herbert
08.05.02, 22:17
Und jetzt in entsprechender Vergrößerung der Blick in Längsrichtung. (Kann man eigentlich mehrere Bilder anhängen mit je kleiner als 60 kB?)

herbert
08.05.02, 22:23
und in 1000fach.

Ich hatte ja die ganze Aktion mit dem Messer auch nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Gefügeentwicklung betrieben.
Das Ergebnis ist voll ok.
Bei einem größeren Messer würde ich wirklich romans tipp befolgen und Diffusionsglühen machen.
Aber für Schneidemesser ist das ein super Ergebnis. Der HÄrter meines Vertrauens bleibt genau das.

Und die Härtemessungen nach der Vickers-Methode bestätigen das nach Rockwell C ermittelte. Auch da bin ich voll zufrieden.
Ich habe genau das, was man als Werkstoffheini so schätzt: ein Bauteil und die begleitende qualifizierende Prüfung vor dem Härten und danach. Na bitte, und vielen Dank vor allem an meine Freunde an der Hochschule in Aachen. Habt ihr super hingekriegt.

cearbhallain
08.05.02, 22:47
Hallo herbert, da habe ich ja fast etwas verpaßt, daß ich den Werdegang Deines Nickers noch nicht kannte!
Respekt, das ist wirklich eine schöne Leistung. Und ein sehr schönes Ergebnis. (Obwohl ich Nicker eigentlich... ;))