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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Säbel-Kampf



zorro_43
06.09.01, 21:52
Hallo,

weiß eigentlich jemand bis wann Kavallerie-Säbel wirklich eingesetzt
wurden ?
Ab wann waren sie nur noch Status-Symbol ?

Andreas

Hammer
06.09.01, 22:29
gute frage,
hab mal nachgeschaut und.........nix gefunden
auf die schnelle.
säbel gehörten aber fast das ganze 19.jhdt noch zur standartausrüstung vieler armeen
selbst im 20. waren sie noch zu finden.
ich mein brauchbare nicht nur zur zierde
im verlauf des 19. sind sie wohl immer seltener benutzt worden, schätze wenn man das ende auf den
70/71er krieg legt, ist in europa schluss
lass mich gerne korrigiern ;-)
bei den japanern war die katana (kein sägel ich weiss) noch bis mitte des 20. durchaus in gebrauch
(nicht nur als zierde für offiziere)
ich denk, da werden andere, die sich eher der neueren geschichte verschrieben haben noch ein wörtchen mitreden wollen
ich hoff das hilft mal fürn anfang
bis denne
Hammer

spyderbug
07.09.01, 07:37
soweit ich mich erinnern kann wurde die letzte kavallerie-attacke im 2. weltkrieg geritten. bin mir allerdings nicht mehr so ganz sicher von wem. entweder warn's die ungarn, die polen oder die tschechen. wie gesagt, ist schon lange her das ich mich damit befasst habe. auf jeden fall wurde die attacke auf ein deutsches panzerbataillon geritten.

ich werde da mal recherchieren wers nun genau war und wann. da ein ordentlicher kavallerist aber einen säbel trägt, denke ich mal, daß dieses gefecht eines der letzten war wo ein säbel mitgeführt wurde.

grüße, robert

Armin II
07.09.01, 08:12
Die Russen waren das, die so wahnsinnig waren mit gezogenem Säbel loszureiten.

spyderbug
07.09.01, 08:23
die russen!? na gut, aber mit dem ehemaligen ostblock lag ich wenigstens nicht ganz daneben. ist halt schon lane her, das ichs gelesen habe...

würde mich jetzt aber auch interessieren. weiß jemand eine reiter-attacke nach dem 2. weltkrieg?

grüße, robert

Tom B
07.09.01, 14:55
Hallo,

ich meine das es polnische Kavallerie war die das deutsche PzBtl angegriffen hatte.
Neulich war im TV ein Bericht vom Angriff auf Polen, da wurde von besagten Fall gesprochen.

Gruss

Tom

Nidan
07.09.01, 15:27
Ich schließ mich Tom B. an, ich bin mir auch ziemlich sicher daß es Polen waren.

Armin II
07.09.01, 15:35
Die Polen kamen ja gar nicht mehr dazu den Säbel zu ziehen...

Schaut euch mal das Buch "Unternehmen Barbarossa" an, da sind dann auch Fotos der russischen Kav. mit gezogenem Säbel drin.

Nidan
07.09.01, 17:00
@ Armin II :Aber gerade das war ja meines Wissens der Grund für die Säbelattacken, die Polen hatten keine Zeit erst groß aufzurüsten und wurden durch den Überfall der Nazis überrascht.

Deswegen ja auch die verdammt mutigen aber unsinnigen Kavallerie-Attacken.

spyderbug
10.09.01, 07:32
soweit ichs bis jetzt rauskriegen konnte warns die polen.
ganz falsch lag ich also eh nicht...

bin mir aber mittlerweile nicht mehr sicher ob das definitiv der letzte einsatz einer berittenen einheit war. heute kam ich bei einer buchhandlung vorbei und habe dort ein buch gesehen, daß den einsatz der deutschen (!) kavallerie im 2. weltkrieg beschreibt. hab das nur kurz durchgeblättert. dort wird erwähnt, daß zu jeder infanterie einheit auch ein berittener zug gehörte. weiters wurde erwähnt, daß der letzte kavallerist erst 1945 mit ende des krieges außer dienst gestellt wurde.

wieder was dazugelernt - wusste ich echt nicht!:hmpf:

ob sie damals säbel benutzt haben, wage ich zu bezweifeln. so wahnsinnig waren scheinbar wirklich nur die polen...

grüße, robert

zorro_43
12.09.01, 20:57
Hi,
vielen dank für die zahlreichen Antworten.
Aber, war der Säbel in der zweite Hälfte des 19.Jahrhunderts noch eine ernstzunehmende Waffe oder schon Dekoration?

Andreas

bigbore
12.09.01, 22:02
Hi zorro_43
ist das nicht irgendwie "Ansichtssache"?
z.B. könnte man behaupten daß eine "Offizierspistole"
spätestens nach dem 1.WK nur noch Dekoration war -
andererseits, würdest Du, z.B. als Einbrecher bei mir, einen
Säbel in meiner Faust nicht als "ernstzunehmende Waffe" betrachten?
Hättest Du den Säbel und ich meine .45er, .....usw.....usw...

:glgl: :staun: :ack:

wie gesagt: "Ansichtssache"

:cool: :rolleyes: :hmpf:

zorro_43
12.09.01, 22:37
Hi bigbore,

stimmt natürlich.
Was ich meine, ist der Zeitpunkt wo eine Waffe nicht mehr dem Stand der Technik entspricht. Natürlich kannst du auch heute jemanden mit einer Keule erschlagen. Du kannst auch heute noch Kavallerieattacken gegen Zivilisten reiten. Z.B. Polizei !
Aber die Attacken der Polen waren reine Verzweiflung ohne Aussicht auf Erfolg.
Waren 1870/71 Kavallerieattacken noch erfolgreich?
Wurden dabei noch Säbel als Kampfentscheidende Waffen Eingesetzt?

Andreas

spyderbug
21.09.01, 10:47
hi zorro_43!

weiß nicht, ob du das schon kennst, aber falls nicht, könnte es interessant für dich sein.

auf der seite von "visier" bin ich über folgenden artikel gestolpert:

VISIER Artikel (http://www.visier.de/artikelbeitrag/artikelbeitrag_1653.html)

grüße, Robert

micknives
21.09.01, 11:34
hi rfruehauf
das waren polnische ulan (berittene kav.)die mit lanzen
gegen deutsche panzer geritten sind. Wurden von ihren
befehlshabern teils in dem irrglauben gebracht, die
deutschen panzer seien pappatrappen.

micknives

micknives
21.09.01, 11:42
im 1.wk sind russische kosakken auch noch mit säbel in frontlinie
geritten. im 2.wk aber nicht mehr.
zwischen russen u. polen gab es vor dem 1.wk noch einige grenzscharmützel wobei noch oft Säbel geführt wurden.

micknives

spyderbug
21.09.01, 11:52
hallo micknives!

pappatrappen?!? :staun: wer um alles in der welt glaubt denn sowas?!
ich wußte nur, daß sich die dt. panzerbesatzungen den "spass" gemacht haben und per kanone ein zielschießen auf die, wirklich zu bemittleidenden, ulanen veranstaltet haben.

ist nicht wirklich leicht nachzuvollziehen, was die soldaten damals dazu bewegt hat so zu handeln wie sie es getan haben. jede zeit hat halt ihren eigenen "wahnsinn"....

woher hast du denn die info, wenn ich fragen darf. speziell zu diesem vorfall ist es nämlich ziemlich schwer infos zu finden... :ack:

grüße aus wien, robert

micknives
21.09.01, 12:18
hi rfruehauf,

das klingt fast unglaubwürdigt, war aber tatsache. vielleicht spielte
dabei auch etwas patriotismus mit.
meine vorfahren sind sogenannte "beutedeutsch o. heimatvertriebe"
die aus dem östlichen polen stammen. da erfährt man sehr viel
über die 2 kriege. ich kann dir wenn du interesse hast natürlich
genauere infos zu dieser reiteraktion geben. musst dich aber bis
morgen gedulden.
ich glaube im netz findest du dazu auch einiges.

micknives

spyderbug
21.09.01, 13:14
hi, micknives!

wäre toll wenn du mir etwas genauere daten darüber geben könntest. eilig hab ich damit allerdings nicht, also hetz dich nicht. :hmpf:

habe auch schon im netz gesucht, allerdings bin ich nicht wirklich fündig geworden. die info, daß diese attacke überhaupt jemals geritten wurde, habe ich eigentlich auch nur aus dritter hand. schriftliches darüber habe ich überhaupt noch nie gesehen.

wenn man es genau betrachtet ist das ganze zwar tragisch, aber dennoch nicht uninteressant.

danke schon mal im voraus für die info! :)

grüße, robert

neo
31.05.02, 14:09
Hallo!
Wer lernen will, wie man u.a. mit dem Säbel kämpft, der hat hier die Möglichkeit dazu:
RUSSIAN MARTIAL ART
Akademie Augsburg
20/21. Juli
Kampf mit dem Stock,
Schwert und Säbel
- Grundlagen des Stockkampfes;
- Grundlagen der Schwert- bzw. Säbelführung;
- Bewegungsprinzipien im Schwertkampf;
weitere Infos >>> http://www.rma-augsburg.narod.ru/de/haupt.html

Hier bekommt ihr im übrigen natürlich auch Info's über russische kosakken etc..

Gruß neo

Tierlieb
31.05.02, 14:37
Ach jeh, den Thread habe ich ja ganz übersehen, so alt ist der...

>>>>Wurden dabei noch Säbel als Kampfentscheidende Waffen Eingesetzt?

Sagen wir so: Das wurden sie nie lange - schon das Schwert hat sich sehr schnell als Hauptwaffe eines Kampfes abgesetzt und spätestens nach dem Untergang der spanische Rondtarschiere im 16ten Jhd. sind solche Waffen nicht mehr kriegsentscheidend gewesen... erst die Hellebarde, dann der Langspieß und schließlich die Muskete haben die Kriege gewonnen...

Für mich persönlich gehört der Säbel in den Bereich der persönlichen Waffen, nicht zu den Kriegswaffen, obwohl er als Reiterwaffe erstaunlich lange -eben bis 1945- benutzt wurde - nur bleibt die Frage, wie lange Kavallerie wirklich sinnvoll war.

Hierbei würde ich sagen: Mit dem Untergang der Ritterheere (Sempach gilt als das große Datum, wenn ich mich recht entsinne - aber das ist nicht mein Fachgebiet) hatte sich die Kavallerie als Angriffsmacht quasi selbst beerdigt. Danach kommen nur kurze Ausbrüche (Ulanen etc.), als Infanterie gänzlich auf Fernwaffen umsattelte wurde sie kurze Zeit durch stark gepanzerte Angreifer verwundbar, aber ansonsten: Niente.
Ist aber eine schöne persönliche Waffe, muß ich sagen... und zu den Säbeln gehört für mich auch das Katana.

MfG, Tierlieb

filosofem
01.06.02, 14:54
soweit ich weiß waren es die polen die zu pferd auf dt. panzer losritten. darüber habe ich mal einen sehr interessanten bericht gelesen. aber ich weiß leider nicht mehr genau wo das war. von den deutschen wurden säbel im 2. wk rein zur zierde eingesetzt, ebenso die meisten dolche. viele offiziere mussten sich die teile auch selber kaufen. preis war damals ca. 16 RM! die teile gab es auch als geschenk mit geätzen klingen. wirklich sehr schöne teile! heute müsste man für so ein teil schon ein kleines bischen mehr hinlegen :hmpf: hier ein bild. dies ist ein offizierssäbel der wehrmacht. hersteller ist siegfried solingen. sehr schön finde ich die roten steine als augen! kommt auf diesem scan leider nicht so gut raus.

http://people.freenet.de/filosofem/Saebel01.jpg

http://people.freenet.de/filosofem/Saebel02.jpg

http://people.freenet.de/filosofem/Saebel03.jpg

zorro_43
02.06.02, 19:56
Hi Tierlieb!
Endlich mal wieder eine Antwort auf meine Frage!
So ähnlich habe ich mir das auch gedacht, aber irgendwie verwischt die Traditionspflege und der Standesdünkel wohl oft die Erinnerung.
Danke!

Zorro

WalterH
02.06.02, 20:09
Original geschrieben von neo
RUSSIAN MARTIAL ART
Akademie Augsburg

Was es bei uns nicht alles gibt ... *kopfschuettel*

;)

-Walter

lorbas
03.06.02, 00:09
Mahlzeit,

meines Wissens nach ist diese Geschichte der polnischen Kavallerie, welche einen Angriff aus eine deutsche Panzereinheit geritten hat wahr. Den Jungs wurde erzählt daß es in der Tat Pappmascheeatrappen seien. War ja auch zu verstehen wenn man sich vor Augen hält, das die deutsche Wehrmacht zum Ende des erststen Weltkrieges keine funktionierende Panzertruppe hatte, sondern lediglich einige unbewegliche Kampfwagen vom Typ A7V und Beutefahrzeuge der Franzosen (Renaults) und Engländer (Mark III oder IV (?)). Nach Ende des Ersten Weltkrieges verbot der Versailler Vertrag dann Deutschland den Besitz einer realen Panzertruppe, so daß die Mannöver tatsächlich mit Panzeratrappen aus Sperrholz und Pappmaschee durchgeführt wurden. Vielleicht waren die Polen bzgl. der Ausrüstung der deutschen Wehrmacht einfach nicht richtig informiert worden ? Davon abgesehen gab es zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges hin auch noch gar keine richtigen Waffen zur Panzerabwehr, wenn man mal von Handgranaten (Lucke auf und rein damit...!), wenig durchschlagskräftigen Panzerbüchsen, evtl. Flammenwerfern und zweckentfremdeter Artillerie man absah.

Gruß

lorbas

Tierlieb
03.06.02, 01:00
Was es bei uns nicht alles gibt ... *kopfschuettel*
Hey, die Truppe hat einen guten Ruf und die Messerseminare besonders. Allerdings gebe ich zu, ich bin ein wenig voreingenommen, ich hatte versprochen, denen eine vernünftige Seit ezu designen... naja, sobald ich wieder zu hause bin...

MfG, Tierlieb

cearbhallain
03.06.02, 05:15
Original geschrieben von Hammer
bei den japanern war die katana (kein sägel ich weiss) noch bis mitte des 20. durchaus in gebrauch

Warum nicht? Von der Physiognomie her erfüllen die japanichen Klingen die Voraussetzungen eines Säbels: Gebogene Rückenklinge und gegenständiger Griff.

Tierlieb
03.06.02, 09:32
Hallo cearbhallain!
Was bedeutet denn "gegenständiger Griff"?
Aber was die Gleichsetzung Säbel und Katana angeht, stimme ich Dir völlig zu, allerdings würde ich es an der Fokussierung auf schneidende Hiebe im Kampf mit der Waffe festmachen.
MfG, Tierlieb

Andreas Weitzel
11.06.02, 17:41
Hallo an alle,

ich möchte hier ein paar Worte zum Einsatz von Säbel und zu Kosaken sagen. Die letzten waren sowohl im 1. wie auch im 2. Weltkrieg sehr aktiv und effektiv. Dabei setzten sie auch die Säbel (Schaschka) ein. Und zwar sehr erfolgreich, besonders im 1. Weltkrieg und dann im russischen Bürgerkrieg 1917-1922. In den späteren 20-er Jahren gehörten die Säbel z.B. in Einsätzen der russischen Kavallerie in Asien zu den gebrauchsten Waffen. Im 2. Weltkrieg benutzten die russischen Kosaken ihre Säbel meistens im Partisanenkrieg bis 1945. Es gibt Berichte der ehemaligen Soldaten der Wehrmacht, die die Angriffe der Kosaken mit gezogenen Säbel als ihre schlimmsten Kriegserlebnisse beschreiben.

Gruss
Andreas

Rolf Roessing
11.06.02, 18:09
Hmmm, es gibt ja einige Hersteller, die so tun, als ob ihre "Schwerter" noch heute von Spezialeinheiten genutzt würden.

Die lieben Gurkhas waren ja auch noch sehr aktiv mit ihren Blankwaffen unterwegs und sind das wohl sogar noch heute.
Zwar ist ein Kukri kein Säbel, es gibt aber durchaus grosse Ausführungen, die wohl kaum mehr die Betrachtung als Messer verdienen.
Wer mag, kann sich ja mal die Seite von Himalayan Imports http://www.himalayan-imports.com ansehen und über die grossen Kukris staunen.

Diverse Gemetzel mit Macheten gibt es wohl auch bis heute (Columbien?).

Da es an andere Stelle ja schon häufiger den Hinweis gab, welche Strecke man zurücklegen kann, bevor der Gegner eine Pistole gezogen hat, macht der Einsatz einer solchen Blankwaffe in der Nahdistanz sogar Sinn.
Von Munitionsmangel mal ganz zu schweigen.

Wie war das eigentlich mit der Legion, die ja öfters Scharmützel mit Arabern hatte, die dabei sicherlich auch ihre Säbel benutzten?

Wie auch immer, ich freu mich auf das Säbel/Stock Seminar beim Andreas in Augsburg!!

Tierlieb
11.06.02, 22:19
Hallo Andreas:
Jepp. Blankwaffen waren im WK I sehr erfolgreich.
Hierzu möchte ich auf einen alten Bekannten in der Messerszene hinweisen, und zwar E.W Fairbairn, dessen Erkenntnisse (Zusammen mit Applegate? Sykes?) ja dann erst die Benutzung von Kurzfeuerwaffen (oder wie heißt das heute) effizient gemacht haben (Stichworte wie "geduckte Stellung", "intuitives Schießen" und "Pressen, nicht Ziehen").
Seit diesem Zeitpunkt ist wohl die Blankwaffe entgültig aus der Kriegstaktik verbannt (Sonderaufgaben fallen in eine andere Sparte).

MfG, Tierlieb

P.S.: Sobald in wieder in Deutschland bin, kümmere ich mich um Eure Seite, okay?

sabiji
12.06.02, 22:08
Hoihoi Tierlieb,
war die letzte echte Ritterschlacht nicht bei Azincourt, als Heinrich v. die Franzosen verhaute, und Jeanne D´Arc einige Järchen später die Engländer wieder auf die Insel scheuchte???:D
Ansonsten richtig, waren Schwert oder Säbel keine kriegstaktische Waffen, aber der psychologische Moment war enorm für den Gegner, wenn ein berittener Angriff auf ihre Stellungen unternommen wurde. Ich erinnere mich an zeitgenössische Aussagen von Soldaten des amerikanischen Bürgerkrieges. Denen ging die Muffe auf Grundeis, als ein Angriff von Lanzenreitern auf ihre Stellung geritten wurde, schon damals eher etwas exotisches! Auch 1870/71 kamen Kavallerieattacken noch vor, aber selbst im Meiji Japan hatte der Schießprügel schnellstens das SCHWERT verdrängt.
Gruß,
sabiji.:)

Andreas Weitzel
13.06.02, 09:07
Hallo, sabiji,

es mag sein, dass die Kavallerieangriffe etwas exotisches für Amerikaner während ihres Bürgerkriegs waren. Und es könnte durchaus sein, dass auch Japaner am Ende des 19.Jh. nichts damit anfangen konnten. Aber...

Es gab ja noch Europa und den Rest des Asiens. Und hier sah die Sache etwas anders aus. Da ich nicht zu viel auf mich nehmen will, werde ich nur von Rußland sprechen. Dort war die Kavallerie noch die ersten 25-30 Jahre des 20.Jh. ein wichtiger Faktor in allen kriegerischen Auseinandersetzungen, weil sie wußten, wie man die Kavallerie am besten einsetzen kann. Da die Hauptwaffe der Kavallerie der Säbel war (Kosaken hatten auch noch Piken), war es auch kein Wunder, dass diese Waffe zu jener Zeit noch sehr verbreitet war, und man den Umgang damit gut kannte. Trotz der Entwicklung der Handfeuerwaffen.

Gruss
Andreas

DeadlyEdge
13.06.02, 13:10
Eine Frage an Andreas Weitzel: Ist eine Schaschka wirklich dasselbe wie ein Säbel ("Sablja" oder wie heist es auf Russisch?) Ich hab mal gelesen, daß die Schaschka eine gleichmässigere und insgesamt leichtere Krümmung der Klinge hatte (sehr ähnliche Geometrie wie bei einer Katanaklinge), während beim Säbel eher der vordere Teil der Klinge krumm war.
Gruß,
Martin

Andreas Weitzel
13.06.02, 19:47
Hallo, DeadlyEdge,

Säbel heißt tatsächlich "Sablja" auf russisch (wobei der Begriff selbst kommt aus dem Ungarischen). Darunter versteht man jeden Säbel oder den Säbel überhaupt.

Der Begriff "Schaschka" kommt aus dem Kaukasus, und bei Tscherkessen und Kabardinen heißt es "langes Messer". Also ist Schaschka urprünglich ein Säbel des kaukasischen Typen, der wirklich nur eine leichte Krümmung hat. Außerdem hat der Griff eines Schaschka keinen Handschutz (wie bei einem Messer), und ein Schaschka wird mit der schneidenden Seite nach oben und mit dem Klingenrücken nach unten getragen. Die Scheide hat nur einen Ring. Durch diesen Ring geht der Riemen, der quer über die Schulter geht, und an dem der Schaschka getragen wird.

Die russischen Kosaken haben Schaschka seit dem Anfang des 19.Jh. als Standardwaffe (vorher haben sie stärker gekrümmte Säbel gehabt). Seit dieser Zeit hat sich das Äußere dieser Waffe etwas geändert, so daß wir heute vom kaukasischen und russischen Schaschka sprechen. Außerdem unterscheidet man zwischen Kosakenschaschka und Dragunenschaschka. Schaschka hat sich in der ganzen russischen Armee durchgesetzt. Deswegen, wenn man in Rußland von Säbel spricht, meint man Schaschka.

Gruss
Andreas

DeadlyEdge
13.06.02, 21:02
Danke für die ausführliche Antwort!
Sieht ja so aus, daß es auch in der Evolution der Blankwaffen ganz eindeutige Konvergenz gibt / gegeben hat ;) !
Gruß
DE

sabiji
13.06.02, 21:28
Hallo Andreas,
vergiss bitte nicht, das sehr sehr viele Amerikaner in diesem Krieg gerade erst aus Europa eingewandert waren. Viele aus Reaktion der fehlgeschlagenen Revolutionen, wie z.B. ´48 in Deutschland. Auch diese Einwanderungswellen brachten viel Militär "Knowhow" mit.
Aber es war ja nur als Beispiel gedacht.
Gruß,
Sabiji.

Andreas Weitzel
13.06.02, 21:35
Ja, ich weiß, daß sehr viele Militär-Experten nach 1917 in die USA ausgewandert sind und dort zur Entwicklung des Militärs beigetragen haben. Die Nahkampf-Lehrbücher der "Green Barets" wurden ja auch von ehemaligen russischen Offizieren geschrieben. Aber ich habe jetzt leider nicht verstanden, wofür Dein Beispiel ist. Könntest Du es bitte erklären?

Gruss
Andreas

PS: Wieso "fehlgeschlagene Revolutionen"? Sie sind doch (leider) gelungen.

zorro_43
14.06.02, 07:50
Hi Andreas!

Ich denke es geht um den amerikanischen Bürgerkrieg 1861-65 und die Einwanderung deutscher Soldaten nach der leider misslungenen Revolution von 1848.
Dadurch müßte das europäische Kavallerie-Know-How doch auch nach Amerika gelangt sein.

Zorro

sabiji
14.06.02, 09:15
Genau! Da war ich mit Andreas ein bisschen aneinander vorbei. Es war nur als Beispiel für die sich stark entwickelnde militärische Strategie und Technik im ausgehenden 19. Jhdt. gedacht, die nicht zuletzt seine Ursache in der enormen Industrialisierung seiner Zeit hatte.
Mein angesprochener Blankwaffen Angriff machte zwar einen enormen Eindruck auf die gegnerischen Soldaten, endete jedoch in einem Kugelhagel-Fiasko. Es ging auch damals fast ums gleiche Thema vor Jahren im DWJ oder Visier, als sich die taktischen Aufgaben der Kavallerie etwas änderten, und der Karabiner neben dem klassische Säbel zur wichtigsten Waffe dieser Einheiten zählte.
Im Osteuropäischen Bereich ist die Stellung der Kosaken in der wurzelung als Reitervolk eher eine gesellschaftliche und über hunderte von Jahren gewachsen. Auch durch ihren geografische und politische Randlage kann man vielleicht die militärische Bedeutung bis weit ins 20. Jhdt. erklären. Insbesondere deren Mut, Geschklichkeit und Kampfeswillen wurde in viele Armeen als Beispielhaft übernommen.
Aber da bin ich jetzt alles andere als ein Experte.
Interessant ist in der Zeit des späten 19. Jhdt. die Entwicklung der jap. Armee, von einer Mittelalterlichen zu einer sehr Modernen innerhalb kürzester Zeit. Nur einige Jahrzehnte, nach dem Verbot Schwerter zu tragen, vernichteten jap. Schlachtschiffe die russische Flotte unter dem Komando eines Admirals, welcher früher mal Samurai war.
Gruß,
Sabiji

Andreas Weitzel
14.06.02, 22:01
Hallo, sabiji,

wir waren wirklich etwas an einander vorbei. Aber ich denke, dass wir jetzt zu einem gemeinsamen Nenner gekommen sind. Und Deine Überlegungen bezüglich Kosaken sind richtig.

Das Dialog mit Dir ist auf jeden Fall interessant.

Gruss
Andreas

gast
05.05.04, 09:32
Schöne alte Threads, auf die ich unbedingt was schreiben muß :D

Blankwaffen (Säbel und Degen) sind eigendlich schon in der Zeit des 30-jährigen Krieges (Mitte des 17. Jh.) nicht mehr Schlachtenscheidend gewesen. Artillerie und mit Gewehren ausgerüstete Infanterie waren die entscheidenen Faktoren.

Aber ab der Mitte des 18. Jh. wurden die damals "neumodischen" Husareneinheiten in Europa eingeführt (in Ungarn natürlich schon viel älter) und so erlebte der Säbel eine neue Renaissance. Zwar waren Infanterie und Artillerie auf ihren Höhepunkt angelangt (schiefe Schlachtordnung Friedrich II ), aber eine ordentliche Kavallerieattacke mit gezogener Blankwaffe hat die Linien wieder in's Wanken gebracht.
Erwähnenswert hierbei, Hans Joachim von Zieten und seine Husaren.

Denken wir auch mal an die Zeit der Befreiungskriege und erinnern wir uns an Gebhard Leberecht Blücher, Seydlitz und und und. Alles Kavalleristen, die zur Entscheidung eines Schlachtverlaufes erheblich beitrugen.

Nach den Befreiungskriegen hat die Blankwaffe keinen nennenswerten Beitrag mehr gehabt. Hin und wieder zur Selbstverteidigung und im Nahkampf... aber sonst waren die Seitenwaffen eher hinderlich als nützlich. Ständig hatte man die rumschlenkernen langen Teile zwischen den Beinen. Daher sind die Seitengewehre auch immer mehr gekürzt worden (Infanteriefaschinenmesser etc.) .

Bei der Kavallerie legte man noch bis in den I.WK Wert auf Funktion. Allerdings sind die Kavallerieeinheiten auch nicht mehr in den regulären Kampf gezogen. Maximal zu Aufklärungs- und Botenritten waren sie gut. Auf bombenzerschossenem Gelände völlig unwarscheinlich, eine Kavallerieattacke weiter als 20 Meter auszuführen, bei gegnerischem MG-Feuer.

Polnische Ulanen und russische Kosaken waren die letzen Einheiten, die noch mit Säbel kämpften. Manchmal ist ein Säbel doch noch effektiver als ein MG, das hängt von den gegebenen Umständen ab.

In Anlehnung der militärischen Traditionen wurden und werden Blankwaffen noch zu Paraden getragen. In Deutschland wurde das zuletzt nur noch in der NVA getan. Frankreich und England haben heute noch Paradesäbel und -Degen in ihren Ausrüstungen.

Gruß,
Thomas

widhalmt
19.05.04, 02:54
Nochmal zurück zum Thema Panzerattrappen:

Meines Wissens verwendeten beide Seiten im zweiten Weltkrieg Attrappen. Die Amerikaner bauten künstliche Städte auf Ihre Fabriken und die Deutschen hatten Kübelwagen, die von oben wie Panzer aussahen. Beides um die Luftaufklärung zu täuschen.

Ich denke nicht, dass dieser Umstand zur Fehlinformation für diese Ulanen führte, aber es wäre vielleicht noch interessant zu erwähnen.

neo
06.07.04, 13:29
also Leuts, wer denn nun mal die Art der Kosaken mit dem Schwert/ Säbel zu kämpfenkennenlernen will, ist herzlich zu folgendem lehrgang eingeladen:
Russian Martial Art -SYSTEMA
"Schwert- & Säbelkampf Lehrgang"

Am 17-18. Juli 2004 findet unser traditionelles Schwert- und Säbelkampfseminar nach der altrussischen Kampfkunst SYSTEMA am Gablinger See bei Augsburg statt.
Themenschwerpunkte des Seminars sind diesmal:
- Führen der Klinge;
- Kampf gegen einen und mehrere Gegner;
- Kampf gegen Klingen- und Stangenwaffen;
- Führen von zwei Schwertern;
und mehr.

Am Samstag Abend findet eine Grillfete mit leckerem, hausgemachtem Schaschlik, einer Salat- und Getränkebar.

Die Teilnahme kostet 60,- Euro (inkl. Grillfete) für Mitglieder der Systema-Schulen/Gruppen und 70,- Euro (inkl. Grillfete) für Nichtmitglieder.

Bitte eigene Trainingswaffen nach Möglichkeit mitbringen!
Bei Interesse bitte hier anmelden:
www.rma-systema.de


Gruß neo