PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unterschied Kalt-/Warmarbeitsstahl [aus: Wo gibt es Panzerstahl?]



michael s.
03.01.06, 18:57
Also, um ein Beispiel zu nennen, der von Markus zur Damastherstellung verwendete Leo-Kanonenrohrstahl ist nicht frei käuflich. Was man wohl sagen darf, ist, dass es sich um einen nickellegierten Stahl mit mittlerem Kohlenstoffgehalt handelt. So eine Kanone wird ja unter Umständen richtig heiß und dann schnell abgekühlt (z.B. Wasserdurchfahrt nach Schuss). Die Eigenschaften müssen daher ähnlich denen vieler Warmarbeitsstähle sein. Wer einen kommerziellen Stahl mit Eigenschaften nahe am Leo-I-Kanonenrohrstahl verwenden möchte, sollte es mal mit 1.2714 versuchen.

Achim
kann mir vieleicht jemand sagen, was der unterschied zwischen warmarbeitsstahl und kaltarbeitsstahl ist. welcher ist besser für den messerbau. vielen dank schon mal

gast31082009
03.01.06, 19:14
Hallo

Zuerst sei Dir der Stahlschlüssel empfohlen, da wird schon viel erklärt.
Anschließend sollte die Suchfunktion hier im Forum alles nötige erklären.
Die Sache ist zu komplex, um Stahleigenschaften mit zwei, drei Sätzen zu erklären.
Da muß man sich was erarbeiten, und bekommt wenig geschenkt.

Ach so, die Beiträge von Herbert, U.Gerfin und Roman leisten den hilfreichsten Beitrag.

Stefan

Blacky
05.01.06, 15:37
ich glaub der kaltarbeitsstahl wird gehärtet, und nur für arbeiten verwendet die ihn nicht erhitzen, da er sonst an härte verliert
dann muss warmarbeitsstahl entweder sowieso hart sein oder eine sehr hohe härtetemperatur (bzw. anlasstemperatur) haben damit die härte auch bei wärme bzw. hitze nicht nachlässt
falls falsch, bitte korrigieren
sebastian

edit: dann wäre der kaltarbeitsstahl besser für messer (ein reim, ein reim), weil gut zu verarbeiten (im vergleich eher kalt) und messer werden ja so warm nicht

luftauge
05.01.06, 16:54
... dann wäre der kaltarbeitsstahl besser für messer, weil gut zu verarbeiten (im vergleich eher kalt) und messer werden ja so warm nicht

Das hat mit der Verarbeitbarkeit gar nichts zu tun, da alle Werkzeugstähle fast ausnahmslos weichgeglüht ausgeliefert werden, und somit relativ gleich gut oder schlecht zu verarbeiten sind. Unterschiede sind zwar vorhanden, aber nicht der Grund für die Aufteilung, die Legierung selbst ist der Grund für leichte oder schwere Zerspanbarkeit.
Es geht ursächlich nur um die Verwendung der Stähle im späteren Einsatz.

Wie Diesel schon schrieb, Herberts, Romans und Uli Gerfins Beiträge lesen, und den Stahlschlüssel mal zur Hand nehmen, Kalt- und Warmarbeitstähle sind nicht ohne Grund schon namentlich getrennt worden.
Im Stahlschlüssel ist auch ein sehr großes Tabellarium, in dem die Erhöhung, bzw. Herabsetzung der Stahleigensschaften durch bestimmte Legierungsmetalle in der Übersicht dargestellt ist.

Gruß Andreas

herbert
05.01.06, 17:21
Also: beim Warmarbeitsstahl darf die Festigkeit nicht infolge der beim Einsatz auftretenden Erwärmung durch eine Art Anlassen (unfreiwillig) beeinflußt werden. Entweder wird ein Stahl genommen, der so angelassen ist, dass die Einsatztemperaturen ihn nicht mehr beeinflussen, oder man mit der "Erweichung" noch leben kann, oder man greift in die Legierungskiste und sorgt mit z.B. wolfram für karbide, die schwerlöslich sind und als fein dispers verteilte Teilchen die Warmfestigkeit gewährleisten.
Im Wesentlichen wars das, die Kaltarbeitsstähle werden so eingesetzt, dass die bei Verwendung auftretenden Kemperaturen nicht erhöht sind.
Manchmal kann man Kaltarbeitsstähle auch als Warmarbeitsstähle verwenden.

Ich persönlich finde die Unterteilung (fast) überflüssig. Ich sehe immer die gesamte Palette der Werkzeugstähle vor mir, und kann dann, wenn die Temperaturen hoch sind, einen passenden anlassbeständigen Stahl aussuchen.

Man versteht viel, wenn man die Nummern- und Gruppensystematik der Stähle versteht.

ich verweise - nicht ohne Eigennutz - auf den thread mit dem Fernlehrgang Kleiner Stahlschlüssel. Hier ist das (http://www.messerforum.net/showthread.php?t=30160)

Dort wird das erklärt werden. Etwas zu der Frage wurde dort auch schon von mir gepostet.


Und ja, Kaltabeitsstähle bilden das Reservoir für unserer Messer.
Und die KAS (Kaltarbeitsstähle) unterscheidet man in zähe, zähharte bis harte und karbidreiche. zu den ersten zählen die Cxx-Sorten, zu den zweiten die leicht legierten bzw. die sorten mit sehr viel C, und die karbidreichen sind auf Verschleißwiderstand getrimmt, z.B. der allseits beliebte 1.2379, der fälschlicherweise oft als "D2 rostfrei" bekannt ist.

Wie gesagt, dazu im anderen Thread mehr.