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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Japanische Schwerter und ihre Schmiedeweise



Charon
21.02.01, 00:54
Hallo an alle!

Japanische Schwerter werden ja mehrmals beim Schmieden gefaltet um eine höhere Flexibilität der Klinge zu gewährleisten. Meine Frage: wieso funktioniert das, da doch bei den hohen Temperaturen und dem Hämmern die Stahl Moleküle sich doch wieder vermengen...oder ist das Hämmern nicht stark genug und die Temperatur nicht so hoch?

Danke schon im Voraus,

Alan

Schmiede Markus Balbach
21.02.01, 13:17
Hallo Alan,
der Stahl wird nicht mehrmals gefaltet um eine hohe Flexibilität zu bekommen.
Die Flexibilität kommt durch den Klingenaufbau mit Kern und Mantel und durch die Härtung nur der Schneide zustande.
Die Faltungen haben einen anderen Zweck.
Gruß Markus

Claymore
21.02.01, 13:32
Hallo Charon,

Der Faltvorgang dient hauptsäclich dazu das Material zu homogenisieren.
Früher, (heute z.t. auch noch ) war das klassische Ausgangsmaterial Schwarzer Eisenhaltiger Sand, der im Rennofen zu Luppen erschmolzen wurde.
Dieses Material, das in seiner Strukur ungleichmäßig und voller Einschlüsse vom Schmelzvorhang war wird in Kleine Stücke zerschlagen und nach qualität sortiert, um je nach ihrem C-Gehalt als Klingenkern, Schneide etc verwendung zu finden.
Diese Stücke werden nun mehr weiter geschmiedet und immer wieder gefaltet um eine Möglichst homogene Strukur zu bekommen.
Die Flexibilität stand hier nicht primär im vordergrund.
Beim Schmiedevorgang vebinden sich die einzelnen Schichten durch die Schweishitze und den Druck duch den Hammerschlag miteinander (Diffusion der Moleküle in den Randschichten ).
Wenn das Rohmaterial solnage umgeschmiedet wird, bis ein ausreichend homogener Stahl entstanden ist kommt das natürlich auch der Flexibilität zu gute.
Das Verfahren lässt sich auf die modernen Monostähle nicht unbedingt mit einer Qualitätsverbesserung anwenden, eher das gegenteil ist der Fall.
Schau mal in der Datenbank, das solltest du einiges zu dem thema finden.


gruß

Peter

Charon
21.02.01, 18:02
Ach so. Ich hatte wohl eine Sendung in National Geographic Television über die lebenden Schätze Japans (ein Schertschmied war auch dabei, deswegen die Frage) falsch in Errinnerung.

Danke nochmals!

roman
03.03.01, 23:50
super erklärt clay

Blade Polisher
29.03.01, 03:39
Hallo Jungs!

Seit ich als Kind ein Japanisches Schwert(Beutestück meines Großonkels aus dem Krieg) schwestens mißhandelt habe (Klinge ausgebrochen durch verschiedene Tests), hat mich die Japanische Schwertschmiedekunst brennend interessiert. Mit dem Ding konnte man einen 4 mm starken Nagel auf einer Kupferplatte teilen, ohne daß irgend ein Makel auf der Schneide war! Dabei war es so scharf, daß man sich damit rasieren konnte. Die Schneide brach erst aus (1-2 Millimeter) als ich die Klinge in eine Kupferwalze schlug! (Ich Wurm, elender)

Dann habe ich mich (leider zu spät) in die nähere Betrachtung der Materie vertieft.....

In erster Linie interessierte es mich, wie die alten Japaner (damals waren sie ja noch jung) es geschafft haben, ohne hochtechnische Methoden und Legierungen eine solche Härte (ca 64 HRC) und gleichzeitig diese Elastizität zu erreichen. Im Gegensatz zum Damaststahl, wo Lagen verschiedener Stahlqualität nach Art des Blätterteiges zusammengeklopft werden, wurde in Japan Monostahl mit relativ viel Kohlenstoff vielfach gefaltet und immer wieder ausgeschmiedet. Dies diente nicht der Homogenisierung (würde einen glasharten und bruchempfindlichen Stahl ergeben) sondern nütze den Effekt der "Entkohlung" aus, der bewirkt, daß bei glühendem Stahl der Kohlenstoff immer ins Material hineinwandert und durch gezieltes glühen und falten somit ein Laminat aus kohlenstoffarmen- u. reichen Schichten entsteht, die beim Härten dann unterschiedliche Eigenschaften erbringen. Das macht das eigentliche Geheimnis der japanischen Schwerter aus. Darum ist es auch nicht sinnvoll, den Stahl zuoft zu falten (ergibt theoretisch Millionen Schichten), da sich die Moleküle dabei wieder so vermischen, daß wieder ein homogener Stahl entsteht, mit allen seinen Nachteilen!

Das Geheimnis daran war nun die Auswahl der Stahlstücke, die Kunstfertigkeit des Schmiedes, die Temperatur den Glühens, die Zusammensetzung des Schlicks, mit dem die Klinge vor dem Härten behandelt wurde (verbesserte Wärmeableitung im Wasser) die Härtetemperatur als solches und die Wassertemperatur (Schwerter wurden meistens im Winter gehärtet, sonst hätte man die enorme Härte nicht erzielen können) und vieles andere auch daß ich nicht weiß, weil ich nicht dabei war! Daß nun viele Geheimnisse dieser Kunst im Laufe der Jahrhunderte verlorengegangen sind, ist zwar bedauerlich, aber nährt den Mytos und erhöht den Wert der verbliebenen Schwerter ungemein.


mit schneidigem Gruß

BP

Charon
29.03.01, 03:52
Blade Polisher, vielen Dank für den Beitrag! Er war wirklich sehr interessant und hat meine Frage wunderbar beantwortet!
So ein Erlebnis als Kind (naja, bin eigentlich noch einer : ) habe ich auch. Nicht so faszinierend wie bei dir, aber genauso doof. Ich habe eine Klinge, die mit Silber verziert war, mit einem Waffen-Putzmittel gereinigt, so dass die Verzierungen auch mit weggeputz wurden. Doof, doof, doof. : )

Übrigens, willkommen beim MesserForum : )

Alan

Blade Polisher
29.03.01, 04:00
Original erstellt von Charon:
Ich habe eine Klinge, die mit Silber verziert war, mit einem Waffen-Putzmittel gereinigt, so dass die Verzierungen auch mit weggeputz wurden. Doof, doof, doof. : )

Übrigens, willkommen beim MesserForum : )



Hallo Alan!

Waren deine "Verzierungen" auch einige zehntausend Mark wert?

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Gruß BP

Charon
29.03.01, 04:55
Ouch <IMG SRC="smilies/cwm36.gif" border="0"> Nein, so viel denke ich nicht, aber das Schwert muss ich mal schätzen lassen. Mein Mitgefühl <IMG SRC="smilies/cwm1.gif" border="0">

Alan

Claymore
29.03.01, 16:19
Eine hohe härte erreicht man ganz einfach durch einen entsprechend hohen Kohlenstoffgehalt.
Bein einem eutektischen Stahl, bzw. der um diesen Bereich liegt erreicht man beim Härten sehr hohe HRC Werte ( HRC 65 und mehr )

Das aus dem Rennofen (Tartara) gewonnene Rohmaterial muß !! durch schmieden und immer wieder falten homogenisert werden, da es in seiner Rohform aufgrund von einschlüssen und ungleichmäßiger Verteilung der Legierungsbestandteile ( Kohlenstoff )für
Klingen nicht geeignet war /ist.
Das ist eine Tatsache, der sich weder die Japanischen, noch die europäischen Schmiede verschließen konnten.
Man ging in Europa und japan aber andere Wege in der Weiterverarbeitung.
z.b.
Die europäischen Verbundstahlklingen Klingen
hatten einen aufbau aus relativ wenigen Lagen
tortierte Bahnen mit aufgesohlten schneidleisten, auch als Wurmbunte Klingen bekannt (wegen der Musterbildung der Torsionsbahnen) nur eine der Möglichkeiten.
im vergleich zu japanischen Klingen, welche im Klingenkärper in verschiedene Bereiche untergliedert wurden je nach komplexität des Aufbaus.
So kann z.b. die Schneide aus stark kohlenstoffhaltigem Stahl bestehen, sie 'Seiten der Klinge aus einem mäßig kohlenstoffhaltigem Material, und der Klingen kern aus gering kohlenstoffhaltigem Material.
Ich nenne bewusst keine % Zahlen, da diese Werte in einem gewisen Gereich schwanken können.
Für eine Härte von 64 HRC, denke ich braucht es aber einen C gehalt von min. 0,6/0,7 % C aufwärts !!
Je nach dem grad des anlassens.
Die verschiedenen bereiche wurden durch Schmieden und immer wieder falten des Materials erziehlt, aufkohlen/abkohlen.
Oder durch vorauswahl des Materials, die gewonnenen Luppen bestanden aus stark unterschiedlichen Bereichen.
Bei den sehr vielen Lagen hat man wohl einen laminierten stahl, der aber einem Monostahl quasi gleichkommt in der Struktur.
Verschieden starke C-gehalte wird man in der Schneide, dem Klingenkörper/Kern nicht mehr vorfinden aufgrund der Faltung/Kohlenstoffdifussion.
=&gt; HOMOGENISIERUNG
Lediglich die bewusst angeordneten Klingenbereiche unterscheiden sich bewusst gesteuert im C-Gehalt.

Das beschichten der Klinge mit einem Lehmmantel in unterschiedlichen zonen.
Dicke Schichten um Klingenrückenbereich dünne bis keine beschichtung an der Schniede evtl. mit feinen 'veästelungen' in die Schneide.
dienten der Steuerung des Härteverlaufs in der Klinge und auch der Mustersteuerung der Härtelinie.
Die beschichtete Klinge hat wohl eine bessere Wärmeableitung als der blanke stahl (größere Oberfläche / geringere Dampfblasenbildung ? )
aber nur in dünn beschichteten bereichen (schneide) der Klingenrücken mit einer dickeren schicht wird quasi in einem wärmedämmenden Mantel gehüllt und reagiert deshalb beim härten mit einem langsameren Temperaturabfall, so das die Martensitbildung gehemmt, bzw. bei ausreichend dickem schichten unterbunden wird. ( weicher klingen Rücken )
Dadurch können Belastungsspitzen besser aufgefangen werden ohne das die Klinge bricht/reißt.
Das Lehmmantelverfahren funktioniert aber auch mit handelsüblichen Matrialien uas dem Baumarkt. Man erzielt den gleichen effekt.
Zum härten eines Kohlenstoffstahles, mit ausreichend C-Gehalt, ist Wasser mit Zimmertemperatur oft ausreichend.
gerade bei kleinen querschnitten wie klingen kann selbst ein Härtebad Wasser auf zimmertemperatur in der Abschreckgeschwindigkeit schon zu hart sein.
Man möge mal verscuhen einen CK60 Ck 70 in eiskaltem Wasser nahe dem Gefierpunkt abzuschrecken und sich dann den Auscschuss an gerissenen Klingen betrachten.

genug der Worte

gruß

Blade Polisher
29.03.01, 19:38
Hallo Peter!

Da in diesem Forum offensichtlich einige Spezialisten mit hervorragenden Fachkenntnissen referieren, muß ich lernen, meine Aussagen feiner zu differenzieren!

Wenn ich sage, daß das Falten des Stahls nicht der Homogenisierung dient, meine ich damit das Endergebnis! Das der damals unreine Stahl durch mehrfaches Falten und ausschmieden gereinigt und homogenisiert wurde war nur eine absolute Notwendigkeit der damaligen Zeit um überhaupt geeignetes Klingenmaterial herzustellen. Ich glaube, daß sich die Japaner der dabei ablaufenden metalurgischen Prozesse nicht direkt bewußt waren sondern einfach durch jahrhundertelanges probieren zu diesem Ergebnis gekommen sind. Wenn die damals vakuumentgasten Bandstahl erster Güte gehabt hätten, wäre diese Schmiedetechnik wohl nie entwickelt worden (sag niemals nie!).

Doch ich bleibe dabei, daß die japanischen Klingen nur durch ihre Schichten so perfekt waren. Es ist nämlich absolut unmöglich, einen reinen Kohlenstoffstahl bis 67 HRC zu härten, ohne daß er bei der kleinsten Belastung in tausen Stücke zerspringen würde!!! (Der würde nicht einmal das härten überstehen!) Das habe ich bei der von mir mißhandelten Klinge eindeutig feststellen können. Die Ausbrüche deuteten eindeutig auf eine laminare Struktur hin und waren eigentlich sehr flach. Warum ist die Klinge dabei nicht weiter ausgebrochen? (die Bruchstellen sind auch glashart, mindestens 64 HRC) Bei einem Monostahl dieser Härte wäre der Ausbruch (Abbruch) eher in einem größeren Stück erfolgt. Alles deutet darauf hin, das die extrem harten Martensitschichten durch weichere (kohlenstoffarme) Zwischenlagen gedämpft waren und sich die mikroskopisch kleinen Risse, die ja in fast jedem Stahl dieser Härte entstehen sich nicht weiter ausbreiten können. (siehe Verbundglas im Vergleich zu Sekuritglas) Da sich dieser Effekt teilweise im Nanobereich bewegt, kann man das ohne REM Aufnahmen wohl nicht nachweisen aber dein Vergleich mit dem Härten von CK 70 bestätigt eigentlich, daß es so sein muß! (und um Kohlenstoffstahl auf über 65 HRC zu härten benötigt man deutlich mehr C als 0,7% und kaltes Wasser)

Damit es nicht heißt, daß ich meine Kenntnisse (Vermutungen) aus Büchern oder meinen Fingern gesaugt habe, gebe ich zu bedenken, daß ich selbst einen metallverarbeitenden Betrieb führe und mit dem Härten vertraut bin und irgendwann einmal auch Zuckerbäcker gelernt habe! (Spezialkenntnisse über Blätterteig.....homogenisieren u.falten) Eigentlich die besten Voraussetzungen für einen Schwertschmied, oder? <IMG SRC="smilies/biggrin.gif" border="0"> <IMG SRC="smilies/biggrin.gif" border="0"> <IMG SRC="smilies/biggrin.gif" border="0">

Gruß (auch Peter)

Charon
29.03.01, 20:03
Interessante Beiträge von Peter und Peter : )
Eine Frage hätte ich noch: Kann man sagen, dass die japanische Schmiedekunst irgendwann einen absoluten Höhepunkt hatte, und von wann stammen die ältesten noch erhaltenen Schwerter nach der 'traditionellen' Technik? wie sahen davor die Schwerter aus?

MfG,

Alan

Claymore
29.03.01, 23:09
Hallo Peter


In erster Linie interessierte es mich, wie die alten Japaner (damals waren sie ja noch jung) es geschafft haben, ohne hochtechnische Methoden und Legierungen eine solche Härte (ca 64 HRC) und gleichzeitig diese Elastizität zu erreichen.

&gt;&gt;durch die Die unterschiedlich c-haltigen und differentiell gehärteten bereiche der Klinge.
Den praktisch gleichen Effekt hat man heute wenn man eine 'harte'schneidleiste auf einen zähen schneidenkörper aufbringt


Im Gegensatz zum Damaststahl, wo Lagen verschiedener Stahlqualität nach Art des Blätterteiges zusammengeklopft werden, wurde in Japan Monostahl mit relativ viel Kohlenstoff vielfach gefaltet und immer wieder ausgeschmiedet.

&gt;&gt;Einen 'Monostahl' der weiterverarbeitet werden konnte hatte man früher nicht.
der musste quasi erzeugt werden durch immer wieder falten des rohkörpers.
Die zerstoßene Luppe wurde meines wissens vorab nach c-gehalt sortiert und dann geschmiedet und immer wieder gefaltet
anfangs hatten diese dann wohl noch eine ungeleiche verteilung des Kohlenstoffs, der aber durch immer wieder falten ausgeglichen wurde es wurde eine möglichst homogene struktur hergestellt, welche dann von der verteilung der Leg.bestandteile einem Monostahl den du erwähnst entspricht.
Das Ist doch eine Homogenisierung der Struktur(bezogen auf die einzelnen Klingenbereiche.

Dies diente nicht der Homogenisierung (würde einen glasharten und bruchempfindlichen Stahl ergeben) sondern nütze den Effekt der "Entkohlung" aus,

Es wurde, und wird sowohl aufgekohlt als auch Entkohlt durch schmieden und falten, bzw. durch glühvorgänge.

der bewirkt, daß bei glühendem Stahl der Kohlenstoff immer ins Material hineinwandert und durch gezieltes glühen und falten somit ein Laminat aus kohlenstoffarmen- u. reichen Schichten entsteht, die beim Härten dann unterschiedliche Eigenschaften erbringen.

Selbst bei nur einigen wenigen hundert bis tausend lagen hat man wohl nocch einen optischen effekt der Lamiation, bedingt durch die Kohlenstoffdiffusion quasi schon einen Stahl mit 'fast' gleichmäßiger c-verteilung
Bei den japanischen Klingen wurden aber wesntlich höherlagige klingen erzeugt &gt;100000 lagen

Das macht das eigentliche Geheimnis der japanischen Schwerter aus. Darum ist es auch nicht sinnvoll, den Stahl zuoft zu falten (ergibt theoretisch Millionen Schichten), da sich die Moleküle dabei wieder so vermischen, daß wieder ein homogener Stahl entsteht, mit allen seinen Nachteilen!

genau das wurde aber mit dem anfänglichen schmieden des Rohmaterials in einen klingenfähigen stahl erreicht, einen nachteil sehe ich hier nicht

die unterschiedlichen bereiche schneide, klingenkern, evtl. seitenlagen sind in der Verteilung der Legbestnadteile in sich eher homogen, differenzieren aber stark zum nachbarklingenbestandteil.


Das Geheimnis daran war nun die Auswahl der Stahlstücke, die Kunstfertigkeit des Schmiedes, die Temperatur den Glühens, die Zusammensetzung des Schlicks, mit dem die Klinge vor dem Härten behandelt wurde

Das ist richtig, die Wärmebehandlung IST der entscheidende SChlüssel für eine gelungene Klinge.
die zusammensetzung des 'Schlicks' spilet keine so große Rolle.

(verbesserte Wärmeableitung im Wasser) die Härtetemperatur als solches und die Wassertemperatur (Schwerter wurden meistens im Winter gehärtet, sonst hätte man die enorme Härte nicht erzielen können) und vieles andere auch daß ich nicht weiß, weil ich nicht dabei war! Daß nun viele Geheimnisse dieser Kunst im Laufe der Jahrhunderte verlorengegangen sind, ist zwar bedauerlich, aber nährt den Mytos und erhöht den Wert der verbliebenen Schwerter ungemein.


Die metallurgischen Hintergründe waren mit sicherheit nicht, bzw. nicht in der weise bakannt wie sie es heute sind.
Die Entwicklung beruhte inder tat wohl eher auf try and error verfahren.

Doch ich bleibe dabei, daß die japanischen Klingen nur durch ihre Schichten so perfekt waren.

ja durch die bewusste trennung der Klingenbereiche schneide, kern etc.
nein in bezug auf die lamination der einzelnen bereiche.


Es ist nämlich absolut unmöglich, einen reinen Kohlenstoffstahl bis 67 HRC zu härten, ohne daß er bei der kleinsten Belastung in tausen Stücke zerspringen würde!!! (Der würde nicht einmal das härten überstehen!) Das habe ich bei der von mir mißhandelten Klinge eindeutig
feststellen können.
Die Ausbrüche deuteten eindeutig auf eine laminare Struktur hin und
waren eigentlich sehr flach. Warum ist die Klinge dabei nicht weiter ausgebrochen? (die
Bruchstellen sind auch glashart, mindestens 64 HRC) Bei einem Monostahl dieser Härte wäre
der Ausbruch (Abbruch) eher in einem größeren Stück erfolgt. Alles deutet darauf hin, das die extrem harten Martensitschichten durch weichere (kohlenstoffarme) Zwischenlagen gedämpft
waren und sich die mikroskopisch kleinen Risse, die ja in fast jedem Stahl dieser Härte
entstehen sich nicht weiter ausbreiten können. (siehe Verbundglas im Vergleich zu
Sekuritglas) Da sich dieser Effekt teilweise im Nanobereich bewegt, kann man das ohne REM
Aufnahmen wohl nicht nachweisen aber dein Vergleich mit dem Härten von CK 70 bestätigt
eigentlich, daß es so sein muß!

Bei derart hohen lagenzahlen kann mit bloßem auge eine Lamiantion wohl nicht mehr festgestellt werden.
durech die C-Diffusion hat mann keine nennenswert weicheren bereiche siehe oben.
großformatige Ausbrüche wurden auch durch die anordnung der lehmbeschichtung bis in den Schniedenbereich hinein minimiert.
und um Kohlenstoffstahl auf über 65 HRC zu härten benötigt
man deutlich mehr C als 0,7% und kaltes Wasser)
bei 0,7 % C erreicht man härtewerte deutlich über 60 HRC,
Bei C-Gehalten über 1 % bekommt man auch keine große Steigerung der Härte durch Martensitbildung.
Sthähle oberhalb 0,8% C bilden durch den überschüssigen C Gehalt fe3C Karbide, die für eine bessere Standzeit stehen, aber nicht primär die Härte steigern.
Man muß ebenfalls bedenken, das es bei Klingen um sehr feindimensionierte querschnitte geht, die im Schneidenbereich eine sehr rasche Abkühlung erfahren.

Damit es nicht heißt, daß ich meine Kenntnisse (Vermutungen) aus Büchern oder meinen
Fingern gesaugt habe, gebe ich zu bedenken, daß ich selbst einen metallverarbeitenden
Betrieb führe und mit dem Härten vertraut bin und irgendwann einmal auch Zuckerbäcker
gelernt habe! (Spezialkenntnisse über Blätterteig.....homogenisieren u.falten) Eigentlich die
besten Voraussetzungen für einen Schwertschmied, oder?

woher du dein wissen hast spielt ja eigentlich keine Rolle.
Das aus den Fingern saugen, wäre wenn es auch noch stimmt, wohl die Genialste Quelle
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Der Bäcker hat einen riesengroßen vorteil vor dem Schmied.
.....
Er Kann seine misserfolge einfach aufessen.
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nix für ungut
interessantes Wortgefecht nicht wahr

gruß
( auch wieder ein Peter )


Mist irgendwie haut das mit den Zitaten nicht so hin.




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[ 29-03-2001: Nachricht editiert von: Claymore ]

Blade Polisher
29.03.01, 23:29
Verd.....! Ein Fachmann und Witzbold....

Da werde ich zu einem fulminanten und fachlich unantastbaren Rundschlag ausholen müssen! Die Japanische Schwertschmiedekunst neigt im wahrsten Sinne zur Haarspalterei....

Dazu muß ich mich aber zu näheren Betrachtungen in meine Medidationskammern (Werkstatt) zurückziehen müssen...eine Flasche Marillenlikör wird mir dabei helfen!

Prost Peter

PS: Die Ruhe sei dem Meister heilig,
denn nur Verrückte schmieden eilig!

Wolfgang Dell
30.03.01, 02:18
HI, sehr interessant!
Aber sollte man interessierten nicht einfach die lektüre:

The Craft of the Japanese Sword von
Leon & Hiroko Kapp und Yoshindo Yoshihara

empfehlen???

Gruß
Wolfgang

Blade Polisher
30.03.01, 03:28
Super!!!

Bei welchem Verlag ist der Schinken erschienen? Genau das brauch ich für meine näheren Betrachungen! (Um zu sehen, was Außenstehende zu meinen Theorien sagen <IMG SRC="smilies/biggrin.gif" border="0"> )


Gruß Peter

Claymore
30.03.01, 04:50
Ordonanz Verlag
B.Rolff GmbH
Eschershausen
ISBN 3-931 425-01 0

steht jedenfalls auf der Rückseite.

Sehr interessantes Buch.
Manche teile, gerade was das Schmieden und die Japanischen Klingen betrifft werden ab und an ein bischen verklärt dargestellt und die Japanische Klinge an sich ein wenig sehr auf einen Sockel gehoben.
Manchmal wird auch fließt auch ein bischen halbwissen und mythologie mit ein.
Wenn man das ausfiltert auf jeden fall sehr lesenswert.

Ich werd jetzt gleich mal Mr Daniels oder Mr Dimple fragen was die Meditation betrifft.

gruß

Peter

herbert
30.03.01, 04:57
Hi,
zu dem buch gibt es eine Übersetzung ins Deutsche,
Japanische Schwertschmiedekunst,
Ordonnanz-Verlag B. Rolff GmbH Eschershausen
ISBN 3-931 425 01 0
Aber Vorsicht, bei der Metallurgie geht man auch in den Bereich der Fabel, teilweise zumindest.
Interessant sind auch noch
Cyril Smith, A History of Metallography
und vor allem die Arbeit
Tanimura, Hiromu: Development of the Japanese Sword
Journal of Metals, Feb 1980, (1980/32) S 62 bis 73.

Alfred Dobrée, The Archaeological Journal, Hrs. Royal Archaeological Institute, London (ISSN 0066-5983), 1905, Jhrg. 62, 2. Serie, Band 12, Seiten 1-18 und 218-255
Japanese Sword Blades

Das räumt mit vielem auf. Und, Clay, Du findest Dich mit Deinen Argumenten da wieder.

Claymore
30.03.01, 05:02
Hallo Herbert,

wo find ich mich wieder ? bei Alfred Dobree ?

Welche Argumente meinst du ich hab da so viel gefaselt <IMG SRC="smilies/biggrin.gif" border="0">

Hm ich sollt mir das buch evtl. bestellen

gruß

herbert
30.03.01, 05:07
Hallo, Claymore, da bist Du mir ja zuvorgekommen. Aber Du hast das sehr schön formuliert. Schließe mich dem voll an. Sowohl der Kritik als auch dem Lob daß es ansonsten insgesamt lesenswert ist.
Herbert

herbert
30.03.01, 05:25
Hallo, Claymore, in den wissenschaftlichen Aufsätzen findest Du Dich wieder. Du hast nämlich in Deinen metallurgischen Erläuterungen die Sache glasklar auf den Kopf getroffen. Und super erklärt.
Die Artikel sind sicher lesenswert, kannst Du über die TIB Hannover bestellen,
Das Problem ist wohl, daß alle wesentlichen Arbeiten sehr alt sind, und das liegt wohl daran, daß heute keiner mehr ein Originalschwert zerschnippelt, um Proben draus zu machen. Sonst müßte er sich das Rauchen abgewöhnen, um das finanzieren zu können. Und die alten Arbeiten hatten halt experimentell nicht die vollen Möglichkeiten.
Das Buch von Smith ist echt klasse. Es beschäftigt sich nicht nur mit der japanischen Klinge, sondern generell mit metallographischen Methoden und deren Geschichte. Aber höchst kompetent. Man muß nicht alles lesen, aber das Buch ist ein Hammer.

Also nochmal:
Cyril Stanley Smith, A History of Metallography, the Development of Ideas on the Structure of Metals before 1890
The MIT Press
ISBN 0-62-69120-5, paperback, 1988
Ist von 1988, vielleicht nur noch antiquarisch zu bekommen.

Tja, und die Untersuchungne von Tanimura zeigen Härteverläufe und Gefügebilder an nachgeschmiedeten Schwertern. Ist aber hoch interessant.
Ich wollte mal einen Vortrag an der TH Aachen machen zum Thema Japanische Schwerter, aber man bekommt so gut wie keine Literatur, die sich mit dem "Innenleben" beschäftigt, und vielfach stammt der Rest aus dem Bereich der Fabel. Ich hab den Vortrag aufgeschoben, und ich sammle weiter.

Noch empfehlenswert ist das Buch

Das Samuraischwert - ein Handbuch
von
John M. Yumoto
ISBN 3-931 425-00-2
Ordonnanz-Verlag B. rolff GmbH

Deine Ausführungen zum Thema Falten sind auch korrekt, wie ich meine. Sie entsprechen im Wesentlichen der in Deutschland praktizierten Methode des Gerbens, wo auch ausgesuchte Qualitäten durch Ausschmieden und Falten hinsichtlich Homogenität und eigenschaften optimiert wurden. Siehe dazu in der Datenbank des Forums meinen Beitrag "Böhne, Vom Scharsachstahl zum ....".
Da steht eine Menge zu diesem Thema drin, und vor allem bar jeder Mystik.
Gruß
Herbert

herbert
30.03.01, 05:34
Ach ja, und das Gerben (Gärben) war eine Methoder der Raffination und hatte mit Damaszieren nichts (absichtlich) zu tun. Es waren keine unterschiedlichen Stähle, um Zeichnung oder Verbundwerkstoffe zu erzeugen, sondern wirklich ein Raffinationsprozeß. Die KOmbination von harten und weichen Stählen wurde mit den raffinierten und gefalteten Stählen im Verbund mit Klingenschneiden- und Mantelstählen sowie mit differentieller Härtung erledigt. Und die Japaner haben es halt etwas gründlicher und sorgfältiger betrieben. Selbst wenn man die Mystik abzieht, bleibt immer noch viel übrig an toller empirischer Metallurgie.

herbert
30.03.01, 05:35
Ach ja, und das Gerben (Gärben) war eine Methoder der Raffination und hatte mit Damaszieren nichts (absichtlich) zu tun. Es waren keine unterschiedlichen Stähle, um Zeichnung oder Verbundwerkstoffe zu erzeugen, sondern wirklich ein Raffinationsprozeß. Die KOmbination von harten und weichen Stählen wurde mit den raffinierten und gefalteten Stählen im Verbund mit Klingenschneiden- und Mantelstählen sowie mit differentieller Härtung erledigt. Und die Japaner haben es halt etwas gründlicher und sorgfältiger betrieben. Selbst wenn man die Mystik abzieht, bleibt immer noch viel übrig an toller empirischer Metallurgie.

Claymore
30.03.01, 05:42
Hallo Herbert,

danke für die Blumen <IMG SRC="smilies/smile.gif" border="0">
Das geht runter wie Öl / respektive whiskey bei dem ich grad bin.
Ich werde morgen in der firma mal die beiträge rauskopieren unn mal sehen ob ich antiquarisch was bekomme.

jetzt mach ich aber mal schluss sondt ist die nacht rum, die Flasche leer und ich voll.

bis dann

gruß

herbert
30.03.01, 05:46
HALT, noch ne sekunde, Clay, schau doch mal unter "Thema Schwert-Stahl" nach, da habe ich in groben Zügen die Härteverteilungen von einem Jap. Schwert nach Tanimura und einem europäischen Schwert aus Smith gegenübergestellt. Ich such mal meine Originaldateien raus und maile sie Dir rüber. Ich nehme an, Du kannst xls und doc lesen. Herbert

Claymore
30.03.01, 05:52
bin noch da herbert,

bei dem regen wortwechsel sollten wir uns eigentlich im chat treffen,

wie wärs ich geh schon mal rein

Claymore
30.03.01, 05:53
bin eh noch da herbert,

bei dem regen wortwechsel sollten wir uns eigentlich im chat treffen.

wie wärs
ich geh schon mal rein

Blade Polisher
02.04.01, 00:58
Original erstellt von Claymore:

ja durch die bewusste trennung der Klingenbereiche schneide, kern etc.
nein in bezug auf die lamination der einzelnen bereiche.



Hallo Peter!

Ausgiebige Nachforschungen im Internet und anderswo haben ergeben, daß meine Theorien so falsch nicht sein können.....

Die maximale Anzahl der Faltungen wird fast einheitlich mit 15 angegeben, das wären dann 32768 Lagen, die man bei richtiger Politur der Klinge auch sehen kann und mit ein entscheidendes Kriterium für deren Güte ist. Und daß man die "Hada" oder Grain, wie die Amys sagen mit einem speziellen weichen Naturstein auch herausarbeiten kann beweist, das es zwischen den harten Schichten auch weiche geben muß! Und da man aber diese schichten nicht different härten kann (nur Bereiche, die ja wiederum nur der flexibilität dienen), deutet auf einen unterschiedlichen Kohlenstoffgehalt hin.

Somit kann das Material nicht homogen im herkömmlichen Sinn sein. Daß verschiedene Klingenteile mit unterschiedlichem C-Gehalt zusammengeschmiedet sind, ändert aber nichts an dieser Tatsache, da diese Teile auch durch Falten geschmiedet wurden. Daß man diese Strukturen an der härtesten Stelle der Schneide nicht sehen kann, liegt daran, daß die Schichten zur Schneide hin ja immer feiner werden, da die gesamte Lagenzahl ja bestehen bleibt, und die Härteunterschiede zwischen den Schichten nicht mehr so groß sind als bei den weicheren Stellen und damit nicht mehr herausgearbeitet werden können (versuch mal, Fichtenholz mit einer Strukturbürste zu behandeln und dann feinmaseriges Hartholz!) Da müssen sie sein, sonst würde bei dieser enormen Härte bei kleinster Belastung sofort Ausbrüche entstehen!

Jetzt habe ich dir aber eine vor den Latz geknallt... <IMG SRC="smilies/biggrin.gif" border="0"> <IMG SRC="smilies/biggrin.gif" border="0"> <IMG SRC="smilies/biggrin.gif" border="0">

Ich erwarte deine Paradereposte, da ich noch einige feinstoffliche Argumente auf Lager habe.

Gruß Peter

PS: Oh großer Masamune, du der du alle Geheimnisse kennst (außer mir <IMG SRC="smilies/biggrin.gif" border="0"> ), gib den Ungläubigen ein Zeichen.....

Claymore
02.04.01, 13:52
Hallo Peter,

jedem seine Meinung.....
und mir die meine, von der ich nach wievor überzeugt bin. <IMG SRC="smilies/cool.gif" border="0">

Vor den Latz geknallt hast du mir keine.
aber wir können uns gerne weiter mit Backsteinen Bewerfen <IMG SRC="smilies/biggrin.gif" border="0"> <IMG SRC="smilies/biggrin.gif" border="0">

15 Faltungen ergeben
32768 Lagen bei Ausgangssituation 1 Lage.
Nur die wirst du zu anfang nicht haben, die gibts ja nicht in der Form, sondern muss zuerst erschmiedet werden aus ....wievielen "Bruchstücken" ??
Nichtberücksichtigt das zusammenfügen mehrerer Pakete um den C-Gehalt zu regulieren, bzw. mehr Masse zu bekommen.
Die Lagenzahl bist also relativ.
Aber selbst bei einer absoluten Lagenzahl von 32768 hats du bei einer angenommenem Klingenstärke von ca. 6mm
eine Duchschnittliche dicke von 0,000183 mm
also knapp 2 Zehntausendstel mm.
Nicht berücksichtigt dasausschmieden der Schneide, bei dem die Lagen noch weiter komprimiert werden.
Ein Blatt Schhreibmaschinenpapier hat eine Dicke von ca. 0,1 mm und ist damit 500 mal so dick wie eine Lage im o.g. Paket.
Stell dir eine Blechfolie von 0,1 mm dicke vor die aus 500 Lagen besteht.
Für den Hausgebrauch denk ich mal genug Homogenität.
Auf die von dir propagierten nicht härtenden Lagen in so einem Paket hab ich nur ein Wort als Erwiederung:
KOHLENSTOFFDIFFUSSION
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bin jetzt schon mal auf deine Erwiederung gespannt
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gruß

[ 02-04-2001: Nachricht editiert von: Claymore ]

Guenter
02.04.01, 21:55
Hallo Peter,
was ich damit sagen will, ist: auch wenn noch so oft gefaltet wird (Markus hat schon Klingen mit über 2 Mio Lagen geschmiedet), es zeigt sich immer ein Muster. Bei den 2Mio konnte man abschätzen, daß noch die Grenzen der 65000-Lagen-Pakete zu sehen waren.
Gruß
Guenter

Guenter
03.04.01, 05:29
Denkt doch auch mal an die Inhomogenitäten der Schweissfugen, auch dadurch entsteht ein Muster. Je besser die Klinge in Form vorgeschmiedet ist, desto gröber fällt das Muster aus. Bei entsprechend flachem Anschliff sind auch Schichten im µ-Bereich deutlich sichtbar.
Gruß
Guenter

Claymore
03.04.01, 05:46
Hallo Guenther,

ja da gebe ich dir recht.
Aber was willst du damit sagen ?


gruß

Blade Polisher
03.04.01, 18:52
Guenther, mein Freund! <IMG SRC="smilies/biggrin.gif" border="0">

Ich gebe dir einen aus.....was willst du? Sake oder Marillenlikör??

Für Peter noch ein Gleichnis zur Homogenität:

Liegst du mit einer Frau im Bett, dann ist sie ein höchst willkommenes Individium mit 2 Quasteln und was sonst noch dazugehört und du kannst dir alle Details ansehen und ausprobieren.....

Liegst du aber mit 1 Million Frauen im Bett (du Schlimmer!), dann werden diese zu einer bedrohlichen Masse einer Lebensform auf Kohlenstoffbasis und du siehst zu, daß du wegkommst (wenn du nicht drunterliegst), obwohl jede für sich immer noch ein Individium ist.....nur erkennst du sie nicht mehr als solche!

Gruß Peter

PS: Mag sein, daß der Vergleich etwas hinkt; aber mit dem Restmarillenlikör im Blut fällt mir nichts besseres ein... <IMG SRC="smilies/biggrin.gif" border="0">

Claymore
03.04.01, 19:08
Ja und.........?

Blade Polisher
04.04.01, 03:18
Hallo Peter!

Indem du Guenther recht gibst, kommt mir schon langsam der Verdacht, daß wir uns gründlich mißverstehen! Ich stelle mir die Schichten in der Schneide nicht wie ein Ildefonso vor (mit Kohlenstoffreichen- u. armen Eisenschichten), da sich durch diese durch C-Diffusion tatsächlich zu einem annähernd homogenen Paket verbinden; aber eben nur annähernd! Durch vielfaches Falten kann man sicherlich nicht von einem gleichmäßigen Laminat sprechen, sondern es entstehen dabei mehrfache Überlappungen und verschiebungen einzelner Schichten bis in den Nanobereich (besonders bei ausgeschmiedeter Schneide), die einem Ildefonso nicht einmal annähernd ähnlich sehen. Aber doch kommt es zu einer unregelmäßigen Verteilung des Kohlenstoffs (auch beim Kohlen)in Lamellenform, sonst würde man bei richtig polierter Klinge die feinen Muster der Martensitbildung nicht erkennen können. Wenn du nun der Meinung bist, daß der Stahl nur deshalb gefaltet wird, damit er homogen wird, dann frage ich dich, warum man nicht aus zwei verschiedenen gewalzten Bandstählen moderner Fertigung, die ja wesentlich homogener sind als traditioneller Schwertstahl mit nur 3 Lagen (weicher Kern) eine Klinge gleicher oder höherer Güte herstellen kann? Du hast selber das Beispiel mit CK70 gebracht, der 0,7% C aufweist, bei einer Härte von bis zu 67 HRC benötigst du aber deutlich über 1%!! Wie solch eine Klinge nach dem Härten (different, partiell od. wie auch immer) aussieht, kannst du dir ja denken. Warum nur???? Vielleicht ist an meinen Fachspartenonanistischen Erkenntnissen doch was wahres dran..... <IMG SRC="smilies/biggrin.gif" border="0">

(Mit meinen Untersuchungen über die Auswirkung altrussischer Kirchenmusik auf das Liebesleben von Karbidbildnern verschone ich dich erstmal.....)

Gruß Peter

PS:

Es wird mit Recht die scharfe Klinge,
gerechnet zu der edlen Dinge;
und daß man sie gehörig mache,
ist japanische Charaktersache!
Ein braver Schmied der braucht dazu,
mal erstens reine Seelenruh,
daß bei Gebrauch der Stahlgewürze,
er sich nicht hastig überstürze!
Und zweitens braucht er Sinnigkeit,
ja sozusagen Innigkeit,
damit er alles bis es paßt,
bald so, bald so und ohne Hast,
beklopfen, glühn und wenden könne,
daß an der Schneide nichts verbrenne!

In Summa braucht er Herzensgüte,
ein sanftes Sorgen im Gemüte,
ja etwas Achtung insofern,
für all die reichen, edlen Herrn,
die diese Klinge kaufen sollen
und öfters mal was köpfen wollen.

Ich weiß daß hier ein jeder spricht:
„Ein böser Schmied, der kann das nicht!“
Drum hab ich mir auch stets gesagt
zuhaus und anderswärts:
„Wer edle Klingen schmieden kann,
hat auch ein reines Herz!“

(sehr frei nach W.Busch)

Claymore
04.04.01, 05:05
nimm das was aus dem rennofen rauskommt schmied es zusammen zu einem Barren läng es aus und scmiede eine Klinge.
Und du hast eine derart ungleichmäßige Verteilung des Kohlenstoffes, sonstiger Legeirungsbestandteile und eine Menge nichtznutziger einschlüsse, das dein schönes schwert nix taugt.
Kapp Seite 65 /Querschmitt durch rohluppe !!
Schau dir mal den Bildverbleich im Buch von leon und hiroko kapp an.
Frisch zusammengeschmiedet hast du eine grobe struktur ungeeignet für eine Klinge.
Kapp: Seite 74 Bildvergleich der stahlpakete.
kapp: Seite 70 Bild zum aufbau des paketes aus Tamahagane Rohstahlstücken.
Kapp Seite 30 unten:
Wenn ein stahl mit einem Kohlenstoffgehalt von ca. 0,7 %, der typische Stahl für Japanische Schwerter......
Seite 031 oben: Wenn aber der Kohlenstoffgehalt über 0,8 % hinausgeht, dann wird der Stahl nicht mehr härter, sondern Spröde.
Ds stimmt mit den heutigen Erkenntnissen überein C gehalt &gt;0,8% ergibt grob gesagt Fe3C im Stahl, der auch im Martensitischen zustand erhalten bleibt, nicht mehr oder nur wenig zur härtesteigerung führt aber die Verschleisfestigheit erhöht.
Durch das wiederholte falten wird eine gleichmäßige struktur angestrebt, eben eine homogenisierung.
Das man bei einem im Rennofen gewonnenen Rohstahl keine homogenität wie bei einem Industriestahl erreicht versteht sich von selbst.
Vergleiche auch herkömmlich erschmolzene Industriestahle mit pulvermetallurgische erzeugten Materialien.
Hier gibt es ebanfalls einen Unterschied in der Gleichförmigkeit des Materials.
Kapp seite 31 mitte
Es muss noch einmal deutlich herausgestellt werden, das die japanische Klinge kein Laminat ist sondern aus einem einzigen Stück Metall von unterschiedlicher kristalliner struktur besteht.
DEr bereich an der Klinge indem der harte stahl in das weichere Metall de Klingenkörpers übergeht ( das ist der bereich in dem die weislich schimmernden Martensitpartikel in perlit übergehen.....
Wer sagt, das aus modernen Bandstählen keine Klingen vergleicgbarer güte ( die leistungsfähigkeit) betreffend herstellen kann.
Dieser Meinung bin ich nicht.

Fazit:
solche traditionell hergestellten stähle müssen durch falten raffiniert werden um eine brauchbare (homogene ) struktur zu erhalten.
Diese homogenität ist nicht vergleichbar mit modernen stählen.
Eine Lamination aus weichen und harten schichten bei Lagenzahlen von mehreren Tausend zu erhalten halte ich die wissenschaftlichen erkenntnisse zugrundeliegend für nicht gangbar.
Natürlich gibt es selbst im gleichformigsten Stahl inhomogene zonen.
Die hat es auch im industriestahl.
Eine Überlegenheit in der Flexibilität, erreichbaren härte, schneidleistung etc. der traditionell hergestellten stähle gegenüber einem Qualitativ hochwertigen Normstahl, der zu einer mehrlagenklinge (weicher kern/ harte schneide) geformz wurde halte ich für nicht gegeben.
Den ästhetischen hintergrund lasse ich hier bewusst auser acht.


ciao

Gagstätter
06.04.01, 19:45
Hallo liebe Schwert und Wort-kämpfer, lasst mich auch noch meinen (Sempf) dazu geben, und der kommt aus der neutralen Schweiz.
Habt Ihr denn schon mal nach japanischer, und europäischer Technik geschmiedet?
Die gibt's im eigentlichen Sinne nämlich gar nicht. Um sog. Damast zu machen musste man auch in unserer Gegend erstmal die Luppe aus dem Rennofen weiter schmieden und durch falten und schweissen homogenisieren. Bis hier her ist das genau der gleiche Arbeitsablauf wie bei den Japanern. Nur hat bei uns die Mehrzahl der Schmiede angefangen,
daraus Stangenmaterial(Flacheisen/Flachstahl) zu schmieden und das ans Lager zu nehmen. Um dann bei Bedarf eine Axt,einen Nagel oder ein Schwert daraus zu machen. D.h. hier in unserer Gegend haben wir so angefangen aus raffiniertem Stahl und Eisen das ja schon gefaltet ist, Damast herzustellen.
In Japan dagegen hat man aus den Produkten des Rennofens direkt eine Schwertklinge oder Messer oder Werkzeug hergestellt. Da diese Art der Arbeit aber nicht besonders effizient ist und auch die Japaner viele Soldaten hatten die ein Schwert brauchten, kamen sie bald auf den Geschmack und importierten Rohstahl und Roheisen aus unseren Gefilden um die "gewöhnlichen "Schwerter herzustellen. Die es ja zu tausenden brauchte. Nur spezielle Schwerter für spezielle Leute die sich das auch leisten konnten, wurden und werden nach den alten überlieferten Reinheitsgeboten geschmiedet.
Denn ein Schmied der so ein Schwert schmiedet darf nur nach ganz bestimmten Regeln Leben ,beten, essen etc. Auch mussten immer wieder rituelle Waschungen durchgeführt werden, was übrigens auch in einigen westlichen Kulturen der Fall war. Nur, so kann man natürlich keine Armee ausrüsten.
Denn die Herstellung in dieser Art dauerte für ein(1) Schwert nicht selten Monate. Dann musste noch eine schöne, dazu passende Scheide und die Beschläge nach demselben Kodex angefertigt werden und schon sind wir bei einer Wartefrist von über einem Jahr angelangt, wohlgemerkt für ein(1 Stück) Schwert.Überdies muss man beachten, das die eigentliche Schwertschmiedekunst in Japan erst um 900 ihre richtig Verbreitung gefunden hat, bis dahin hat man fast alles aus China und Indien importiert und kopiert.

Falls Ihr mal Interesse habt, bei der Entstehung eines Schwertes von Anfang an dabei zu sein mailt mir doch einfach eure Adressen. Vor zwei Tagen erst habe ich das letzte mal in meinem kleinen Rennofen eine
Luppe (12 KG) hergestellt, das ergibt meist etwa 2- 3 Kg weiches Eisen und etwa 1-2 Kg harten Stahl und jede Menge Schweiss. <IMG SRC="smilies/smile.gif" border="0">

Mit freundlichen Grüssen die Nibelungenschmiede Peter Gagstätter
www.nibelungenschmiede.ch (http://www.nibelungenschmiede.ch)
nibelungen@bluewin.ch

Claymore
06.04.01, 21:42
Hallo Peter (Gagstätter),

du hast mail von mir.

Lassen wir mit diesem Schlusswort von Peter, dem III in dieser Runde....
... so lasst mich sein in eurem bunde der Dritte... da gab's doch mal was <IMG SRC="smilies/biggrin.gif" border="0"> <IMG SRC="smilies/biggrin.gif" border="0">

den Vorhang dieser Aufführung fallen.
gefochten wurde mit spitzer Zunge Respektive Feder/Tastatur.
So unterschiedlich sind die Meinungen gar nicht.
Aber wie bei allem:
Der Teufel steckt im detail.
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Weitere Posts zu dem Thema will ich nicht mehr schreiben, mir tun die Finger so langsam weh davon
obwohl .......
Das eine oder andere würd mir noch einfallen

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ciao

[ 06-04-2001: Nachricht editiert von: Claymore ]

[ 06-04-2001: Nachricht editiert von: Claymore ]

Blade Polisher
07.04.01, 02:13
Zum Ausklang ein Gleichnis.....

Ein Schwertschmied sucht einen Gehilfen und gibt in der Zeitung eine Anounce auf. Darauf hin melden sich 3 Bewerber und der Schmied macht einen Vorstellungstermin mit ihnen aus. Er ruft den Ersten herein und fragt ihn:
"Können sie zählen? Ich brauche nähmlich einen Gehilfen, der mitzählt wie oft ich den Stahl schon gefaltet habe, da ich sehr vergeßlich bin!"
Der antwortet:
"Natürlich kann ich zählen.....zehn, neun, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins, null!"
"Was soll denn daß?" fragt der Schmied.
"Naja, ich habe vorher in einer Raketenbasis gearbeitet und...."
"Das genügt!" antwortet der Schmied, "der nächste bitte!"
Er stellt dem zweiten Bewerber die gleiche Frage, der bejaht und fängt an zu zählen:
"eins, drei, fünf, sieben, neun, zwei, vier, sechs, acht, zehn!"
"Und was soll daß bedeuten?"
"Naja, ich habe vorher als Briefträger gearbeitet und da habe ich immer erst die eine, und dann die andere Straßenseite erledigt!"
"Der Nächste bitte!" ruft der Schmied entnervt. Dem stellt er die gleiche Frage und der zählt sogleich:
"eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn!"
"Gratuliere, sie haben den Job!" ruft der Schmied erfreut. "Aber eine Frage: können sie noch weiterzählen?"
"Aber natürlich", antwortet der Angesprochene "Bube, Dame, König, As.....!"

In diesem Sinne

Peter (2)

xlomx
14.08.02, 11:35
habt ihr eigentlich mal daran gedacht das das schwert wärend des schmiedens im holzfeuer heis gemacht wird?

ach peter der bäcker
die japanischen schmiedemeister haben das schwert als es vollständig geschmiedet und noch nicht gehärtet war am rand aufgekohlt dazu haben die das ding in schilf eingewickelt.

nur mal so zum bedenken.