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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erste Härteversuche



hobbit
16.11.11, 09:59
Hallo,

Ich möchte euch hier eine meiner ersten erfolgreich gehärteten Klingen präsentieren.

Sie ist eine von drei erfolgreich gehärteten Klingen. Die anderen beiden sind nicht der Rede wert, auf diese Klinge bin ich aber schon ein bisschen stolz.
Ich habe sie dreimal normalisiert - hoffe ich zumindest: Am Freitag unternahm ich meinen ersten Härteversuch, war zu vorsichtig und die Klingen wurden nicht hart. Diese Klinge habe ich zu diesem Zeitpunkt nur normalisiert; jetzt hoffe ich, dass zumindest das einigermaflen geklappt hat.
Eingepackt habe ich sie danach in einen Lehmmantel, bestehend aus etwa 1-2 Teilen Ton, einem Teil Asche und einem Teil Sand. Ich habe eine ganz dünne Schicht auf die ganze Klinge aufgetragen und an den Seiten eine Dickere. Das Wellenmuster, das ich modelliert habe, ist in Richtung Ricaso ganz gut zu sehen. Ich vermute, dass das daran liegt, dass die Klinge dort beim Härten mit dem Rücken nicht im Öl war.
Die Klinge habe ich zweimal jeweils eine Stunde bei etwa 200 Grad im Backofen angelassen. Mit etwas Druck kann ich - zumindest mit der Spitze - auch jetzt noch Glas ritzen.
Ich habe sie poliert, in Eisen-III-Chlorid geätzt, kräftig mit Bürste und Seife abgeschrubbt und danach erneut poliert.
Wie gut die Härtung gelaufen, ist, kann ich (noch) nicht sagen, dazu fehlt mir ja die Erfahrung. Ich habe sie noch nicht geschärft und bin gerade am überlegen, ob ich das lieber vor der Griffmontur mache. Nicht, dass diese Mühe nachher auch vergeblich war.

Hier sind die Bilder:

http://up.picr.de/8770917zsj.jpg

http://up.picr.de/8770918yck.jpg


... Ach ja: Die Gesamtlänge der Klinge beträgt 22,5 cm, 10 cm davon sind Erl und 11,5 cm sind scharf. Ich bin am überlegen, ob ich den Erl noch etwas anspitze, ich würde ihn nämlich gern einbrennen und so kommt er mir dafür zu stumpf vor.

Gruß,
hobbit

dinscheder
16.11.11, 10:08
Tag!(

Sieht doch für den ersten Versuch schon mal echt gut aus:super:! Der Hamon ist schön zu sehen, auch wenn er im vorderen Bereich leider etwas unklar ist!

Mich würde interessieren welcher Stahl das ist und wie du gehärtet hast und bei welcher Temperatur? (Esse oder E-Ofen?)

Grüße Dinscheder

hobbit
17.11.11, 13:06
Hallo,

Danke für die netten Worte. Der Stahl ist eine alte Feile gewesen, auf dem ersten Bild ist der Hieb im oberen Bereich sogar noch etwas zu erkennen (wohl gemerkt nur durch das Ätzen).
Gehärtet habe ich Mithilfe meiner Holzkohlenesse bei (hoffentlich, siehe erster Post) um die 800 Grad, abgeschreckt in lauwarmem Rapsöl.

Gruß,
hobbit

hbdc
17.11.11, 19:30
Hallo, das sieht auf jeden Fall gut aus. Das mit dem gleich anschärfen kannst Du ja machen und wickelst dann bei der weiteren Verarbeitung etwas um die Klinge als Schutz. Wie hast Du die Temperatur überprüft und wie lange hast Du die Klinge etwa auf Temperatur gehalten.

hobbit
18.11.11, 09:22
Wie hast Du die Temperatur überprüft und wie lange hast Du die Klinge etwa auf Temperatur gehalten.

Tja, da liegt der Hund begraben. Temperaturkontrolle erfolgte visuell und per Magnet. Haltezeit… Pfff, keine Ahnung. dreißig Sekunden, oder so?

U. Gerfin
18.11.11, 10:58
Da liegt allenfalls ein Chihuahua begraben.

Bei Feilenstahl, vorausgesetzt es handelt sich um eine Markenfeile, kannst Du ohne weiteres nach der "Magnetmethode" härten.
Da dabei noch reichlich Karbide ungelöst sind, ist ein Kornwachstum noch nicht zu befürchten.

Eine Haltezeit auf Temperatur braucht es bei dem nur leicht legierten C-Stahl auch nicht.
Beim Arbeiten mit der Magnetmethode wird AC 1 ja schon um 40-50 Grad überschritten, sodaß genug Karbide gelöst sind, um eine vollständige Härtung zu gewährleisten- bei dem hoch kohlenstoffhaltigen Stahl aber auch noch genug da sind, um- siehe oben- Kornwachstum zu verhindern.

Wenn die Wärmebehandlung vor dem Härten richtig ausgeführt wurde: kräftiges Überschmieden bis zur Schmiedeendtemperatur, zur Sicherheit Normalisieren- hast Du alles richtig gemacht.

Das exakte Festlegen der Härtelinie ist dann Erfahrungssache.

Mir gefällt die Klinge auch so.

Freundliche Grüße

U. Gerfin

hbdc
19.11.11, 18:21
Hallo hobbit, danke für Deine Antwort. Ich härte in etwa auch so und besser als U. Gerfin kann ich das sicher nicht erklären, ich kann Dir eben nur gut zureden und sagen: bei mir klappt das so immer mit der Härtung.

Torsten Pohl
19.11.11, 20:33
schließe mich U.Gerfin an bei der Stahlwahl und so wie du deine Härtung

beschrieben hast kann da gar nichts großartig schief gelaufen sein.

Also soweit erst mal alles richtig gemacht!
Mir gfällt sie auf jeden Fall:super:

Tschau Torsten

hobbit
21.11.11, 08:54
Hallo allerseits,

vielen Dank für die Beiträge. Schön, dass sie euch gefällt.
Am Wochenende wollte ich einen Griff für die Klinge bauen, stellte mich bei der Erlbohrung aber selten dämlich an – vier Versuche endeten in der Tonne, weil ich nicht in der Lage war, die Löcher parallel zueinander zu bohren. Entsprechend schlecht gelaunt war ich den Sonntag über. Nun ja, neue Woche, neues Glück.

Noch eine kleine Frage am Rande: Was hat es eurer Meinung nach mit dem nur durchs Ätzen erkennbaren Feilenhieb auf dem ersten Bild auf sich?

Dank und gruß,
hobbit

knifefaan
21.11.11, 14:02
Klasse Klingenform - das fertige Messer würde mich aber auch interessieren !

Grüße Knifefaan

U. Gerfin
21.11.11, 17:20
Zum Beitrag 9:
Der Feilenhieb ist durch mechanische Verformung entstanden. Das führt auch zu Gefügeänderungen, die durch Anätzen sichtbar gemacht werden können.
Bei gestohlenen Fahrzeugen wird gerne die eingeschlagene Fahrgestellnummer weggeschliffen, kann aber von einem Fachmann durch Anätzen wieder einigermaßen sichtbar gemacht werden.

Freundliche Grüße

U. Gerfin