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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Beruf Messermacher , Traumjob oder…..



heiko häß
08.10.11, 14:35
….Drecksjob?

Das wird jetzt kein Jammerthread da Messermacher mein Traumjob ist den ich mir selbst ausgesucht habe aber es gibt Momente wo man sich doch überlegt warum man das macht.
Momente in denen ich beneidet werde , Momente in denen versucht wird der Preis eines Messers zu drücken oder Momente wo ich jemandem für einen Job 48 Euro/Std. bezahlen soll.
Dieser Thread soll zum Nachdenken anregen , aber vielleicht schildern auch andere Messermacher oder auch Nichtmessermacher Ihre Sicht der Dinge.

Was muß ein Messermacher können ?
Er braucht viel Feingefühl und Erfahrung beim Schleifen der Klingen
Er muß Materialien kennen und verarbeiten können von denen viele Menschen nicht einmal Wissen das es sie gibt.
Er braucht ein gutes Wissen in Metallurgie
Er muß Leder verarbeiten können
Mann muß die Wünsche und die Vorstellungen des Kunden verstehen , erahnen und umsetzen können.
Er braucht ein Gefühl für Design und muß das auch auf Papier bringen können und auch Marketing und Umgang mit Kunden ist sehr wichtig
Also schon eine recht umfangreiche und anspruchsvolle Tätigkeit :)

Wie sind die Arbeitsbedingungen:
Staubig , laut und sehr schmutzig. Man arbeitet mit Materialien die nicht wirklich gesund sind .Außerdem muß man ständig mit kleineren Verletzungen rechnen. Verbrennungen und kleine Schnittwunden sind an der Tagesordnung , größere Sachen zum Glück recht selten.

Verdienstmöglichkeiten?
Nun ja , ich kenne persönlich keinen hauptberuflichen Messermacher der reich geworden wäre .
Ich glaube auch das es für die meisten kaum möglich ist mit diesem Job einen einigermaßen vernünftigen Lebensstandart zu halten. Tatsache ist das man (zumindest ich) oft für einen Stundenlohn arbeitet der unter dem einer osteuropäischen Toilettenfrau liegt ;)

Und trotzdem ist es mein Traumjob. Warum?
Ich darf kreativ sein , ich habe alle Arbeitsschritte selbst in der Hand , von der ersten Idee bis zum fertigen Messer .
Ich darf das machen wo mein Herz dran hängt
Durch das Messermachen habe ich sehr viele nette Menschen kennen gelernt und mancher Kunde wurde zum Freund .

Und , wie seht Ihr die Sache ? Trifft diese Schilderung das was Ihr Euch unter diesem Job vorstellt?
Gruß Heiko

Furlan
08.10.11, 15:56
Hallo - so in der Art hatte ich es mir vorgestellt.
Ohne eine ordentliche Portion Begeisterung (und einer noch grösseren Bereitschaft zur Selbstausbeutung...) sollte man sich wohl kaum an diesen Traumjob wagen.
Ich habe hobbymässig ein paar Messer zusammengebaut bzw. umgearbeitet, da merkt man schon wieviel mehr an Arbeit in einem wirklich handgefertigten Stück stecken muss...Ich habe einen höllischen Respekt vor den echten Fachleuten.

AchimW
08.10.11, 16:49
Die Schilderung stimmt genau. Allerdings macht die Arbeit, wenn auch manchmal schlecht bezahlt und dreckig, deutlich mehr Spaß als die der Klofrau. :D

Nur das mit den 48 Euro pro Stunde habe ich nicht verstanden. Denn wenn's ums Bezahlen einer Arbeitsstunde geht und nicht ums bezahlt bekommen, dann erhält man zumindest hier in D für 48 Stunden in den meisten Handwerken gerade mal eine Gesellenstunde ohne Anfahrt. Ganz normal halt. Auch normal: den Löwenanteil davon erhält derjenige, dem Du das zahlst, natürlich nicht.

heiko häß
08.10.11, 16:59
Die Schilderung stimmt genau. Allerdings macht die Arbeit, wenn auch manchmal schlecht bezahlt und dreckig, deutlich mehr Spaß als die der Klofrau. :D

Kommt drauf an ob man vor der Damen oder Herrentoilette sitzt :irre:

Nur das mit den 48 Euro pro Stunde habe ich nicht verstanden.
Es gehts um den Stundensatz eines Selbständigen (wie ich auch ;)) aber es sei ihm gegönnt. Ich hatte bei dem Betrag nur mal überlegt wieviele Stunden ich dafür arbeiten muß und da wurde ich doch sehr nachdenklich

Feldmaus
08.10.11, 17:53
Hallo Heiko
Ich bewundere dich und alle die Messermacher die den Schritt wagen mit diesem Hobby Geld zu verdienen. Mann muss gar nicht rechnen wieviele Messer gemacht werden müssen damit man davon leben kann.
Es sind viele.
Ich denke deine Aussagen treffen die Warheit.
Am Donnerstag war ich in der Stiftbibliothek St. Gallen und war überwältigt von denn wahnsinnig aufwendigen Holzschnitzereien und ich frage mich wer das heute noch kann. Ich weiss es nicht aber ich weiss das es in 500 Jahren vielleicht heisst "diese Messer wurden um das Jahr 2010 gemacht, es gab damals noch Leute die das beherschten".

Wäre doch toll wenn's ein Messer von uns hier wäre, wer weiss vielleicht eins von Heiko :)


Gruess René

heiko häß
08.10.11, 18:07
Vieleicht ist es das was uns antreibt. Etwas hier lassen , Zeichen setzen das wir da waren . Etwas zu bauen das uns überdauern kann.
Keine Ahnung
Aber die Messermacherei hat einen so großen Platz in meinem Leben eingenommen das ich es mir ohne nicht mehr vorstellen kann.

Ookami
08.10.11, 18:16
Die Fluglotsen bekommen 100.000€ pro Jahr und sind immer noch unzufrieden, da ist es doch schön, wenn man auch trotz weniger Einkommen Spaß an der Arbeit hat.

Es gibt ja auch nicht wenige Künstler, die sich Gelegenheitsjobs über Wasser halten müssen, also kannst du doch froh sein, wenn du von deiner Arbeit leben kannst.


Ookami

heiko häß
08.10.11, 18:35
Es gibt ja auch nicht wenige Künstler, die sich Gelegenheitsjobs über Wasser halten müssen, also kannst du doch froh sein, wenn du von deiner Arbeit leben kannst.


Ookami
Ich bin Handwerker , kein Künstler :)
Ich bin wirklich glücklich darüber das ich mit diesem Job mein Lebensunterhalt bestreiten kann , in mein altes Leben wollte ich auf keinen Fall mehr zurück.

felix49
08.10.11, 19:24
Hallo Heiko
Ich finde es gut, dass Du das Thema ansprichst und nicht tabuisierst.
Alte Berufe wie Sattler, Stellmacher,Schmied, Kutscher, Postreiter, Schneider usw, ausser z.B. Bäcker und Schlachter, existieren heute, wenn überhaupt meist nur noch als Liebhaberei und Hobby.
Ein Schmied z.B. findet sein Auskommen als Hauptberuf heutzutage hauptsächlich nur noch als Hufschmied in Reitställen mit gut betuchten Mitgliedern. Dass er nebenher noch ein paar Geländer oder Gartentore anfertigen kann, oder anstatt zu chillen ein paar Schneidwerkzeuge schmiedet, stellt ihn etwas besser auf, als jemand, der sich nur einem Metier verschrieben hat.
Das gleiche gilt für den Sattler.
Unser Hauptproblem ist, dass wir uns in gnadenloser Konkurrenz mit Maschinen befinden und es nicht mehr schaffen, dagegen zu bestehen.
Ein paar Beispiele sollen dies verdeutlichen:
Im Jahre 1994 kaufte ich eine 1 Gigabyte Festplatte für meinen Computer, welche bereits 50% günstiger zu bekommen war, für 800.- DM. Heute bekomme ich beim Discounter um die Ecke
einen 8 Gigabyte USB-Stick für 8.-€
Ein MP3 Player,halb so gross wie eine EC-Karte von dem man 1994 noch keine Ahnung hatte, dass es ihn mal geben würde, wurde beim gleichen Discounter anstatt für 30.-€ gestern für 19,99 €, mit 2 Jahren Garantie abgegeben! Dafür kann z.B. ein Messermacher sein Endprodukt heute gerademal verpacken und verschicken.
Diese Hightec Waren sind nur mit Hilfe von Hightec Maschinen herzustellen und kein noch so versierter menschlicher Spezialist, wäre in der Lage, dies mit seiner Hände Arbeit zu schaffen.
Inzwischen besiegt ein Schachprogramm den besten menschlichen Schachspieler
Beim Allgemeinwissen hat sich diese Siegserie der Maschine auch schon durchgesetzt.
Das wird sich auf sämtlichen Wissensgebieten und Wissenschaften fortsetzen und mit dem richtigen Algorythmus, werden wir in Zukunft noch deutlicher als heute erkennen, wer der "Herr" und wer der "Sklave" ist.
Ich jedenfalls hoffe auf eine Welt, die die Vielfalt menschlicher Fähigkeiten und Kreativität wie in einem Orchester zum Klingen bringt und in der jeder Mensch entsprechend seinen Fähigkeiten und Wünschen, Erfüllung und Wertschätzung erfahren kann.
Auch wenn die länger werdenden Nächte im Norden nicht unbedingt für jeden stimmungsaufhellend sind, wünsche ich Dir trotzdem Erfolg, Gesundheit und Freude mit Deiner Familie, Freunden und Deinem Beruf.
Liebe Grüsse nach Schweden
Felix

bitbabel
08.10.11, 20:04
Im 19. Jahrhundert hätte wohl niemand darüber nachdenken müssen, ob Schmied/Messermacher eine gute Arbeit ist, mit der man Geld verdienen kann.
So wie man sich heute als Informatiker oder Investmentbanker (:lach:) kaum Sorgen machen müsste. Oder unsere Kindeskinder vielleicht als Nanitendesigner.

Das einige wenige Begabte es schaffen, mit diesem Beruf im Informationszeitalter tatsächlich genug Geld zu verdienen und ihren Lebensunterhalt damit bestreiten können, nötigt mir hohen Respekt ab.

Aber wer weiss das schon, vielleicht ist der "Beruf von gestern" der gefragte Beruf von morgen. Dafür müssen wir oder eben unsere Kindeskinder es nur so richtig gründlich vermasseln, die Wahrscheinlichkeit steht dafür doch gar nicht so schlecht. :argw:


Ich bin Handwerker , kein Künstler :)


...aber ohne eine künstlerische Ader wären Deine ausgezeichneten Erzeugnisse oder auch die der anderen Messermacher hier im Forum sicher nicht möglich.

Metalltid
08.10.11, 20:16
Hallo !

Nun ja ,das Thema Nr.1,was manchen der selbständig arbeitet im Kopf
herumgeht:as mache ich da eigentlich ?
Und immer der Blick auf die Uhr.
Als Handwerker muss einem klar werden,das man mit einem kaufmännischen Beruf nicht konkurieren kann.(Und ist der Handel noch so klein,er bringt doch mehr als Arbeit ein).
Etwas gibt es allerdings ,was Du nicht kaufen kannst:
Die innere Befriedigung,etwas mit eigener Kraft geschaffen zu haben.
Kultur ist eben doch mehr als Gewinnoptimierung.
Gruss
Wolfgang.

raban
08.10.11, 20:28
"Wer Ideen hat, ist stark. Doch wer Ideale hat, ist unbezwingbar."

In diesem Sinne.....:hmpf:

Schön, dass Du Deine Gedanken gepostet hast, Heiko!:super:

p'itti
08.10.11, 20:33
glücklich der, der von sich sagen kann er hätte seinen traumjob gefunden.
ich möchte aber bei allen vergleichen insbes. hinsichtlich der vorzüge anderer jobs (lehrer, die eigentlich nur freizeit haben, fluglotsen, die mit 100000 € jährlich (durschnittsverdienst wohlgemerkt) beamte, die ja sowieso nur auf den feierabend warten, ärzte, überbezahlt, die liste liesse sich beliebig fortsetzen. . . ) darauf hinweisen, das die wahl i.d.r. auf eigenen antrieb erfolgte und man meistens keine ahnung hat worin die ärgernisse des jeweiligen anderen ach so einfachen oder überbezahlten jobs liegen.

ich bin der festen überzeugung, dass es den meisten an der anerkennung der tätigkeit des jeweils anderen mangelt.
letztlich sind wir in der heute so spezialisierten welt alle auf andere angwiesen und täten gut daran unser möglichstes zu tun um dem vertrauen in uns und unsere profession, dass uns die jeweiligen laien entgegenbringen gerecht zu werden bzw. dies zumindest mit passion zu versuchen, dann würde sich so mancher wundern, wie zufrieden seine tätigkeit machen kann, wenn man sich nur mühe gibt.

Spieler74
08.10.11, 20:35
...Lieber Heiko,
der leider gerade verstorbene Steve Jobs hat einmal gefragt:
Wenn heute der letzte Tag wäre den Du auf dieser Welt hättest, würdest Du tun wollen was Du tust???..
Ich glaube ja und deshalb bist Du sehr viel reicher als die meisten Menschen.
Lg
Tino

luftauge
08.10.11, 20:38
Die Fluglotsen bekommen 100.000€ pro Jahr und sind immer noch unzufrieden,
Unsere hier, ja - ich bin zum Glück keiner. Ist allerdings ein völlig unpassender Vergleich.

Die spanischen Fluglotsen bekommen für dieselbe Tätigkeit fast das doppelte und sind noch unzufriedener ;)
Konnte ich mir jetzt nicht verkneifen...


beamte, die ja sowieso nur auf den feierabend warten
Absoluter Blödsinn, das sind schon lang keine "nur" Beamten mehr, seit die DFS teilprivatisiert ist. Populistisches Vorurteil pur, allein wenn man sowas ohne Kenntnis der Arbeitsbedingungen behauptet. Es ist immer noch so, dass man mit geschönten Berufsbildern und "Chancen" angeködert wird. Wie wohl fast in jedem Beruf, für den man Personal benötigt. Ist man dann "am Haken", ist es meist zu spät.
e:
OK, war nicht so einfach zu erkennen, aber Du hattest ja schon relativiert... ;)

Gruß Andreas

Rage
08.10.11, 21:19
Aber die Messermacherei hat einen so großen Platz in meinem Leben eingenommen das ich es mir ohne nicht mehr vorstellen kann.

Vielleicht ist das der Fluch des einen oder anderen Messermachers, dass man zu emotional an seinen "Job" gebunden ist und manchmal Wege geht die man eigentlich garnicht einschlagen möchte.

Auf jeden Fall ist es ein Segen dass es euch Messermacher gibt, ohne
Individualisten wäre das Leben doch grau und langweilig.

Ein Messer ist ein sehr persönlicher Gegenstand welchen ihr in der Lage seid herzustellen, der Preis für so ein wunderbares Werkzeug, den der Messermacher bestimmt, ist meiner Meinung nach nicht verhandelbar.

WalterH
08.10.11, 22:57
Heiko, du weisst ja: Ein Selbständiger ist jemand, der jeden Tag 16 Stunden arbeitet, nur um nicht 8 Stunden für jemand anderen arbeiten zu müssen. :D

Und zu den Stammtischparolen über Fluglotsen, Lehrer, etc. Ich habe mit Fluglotsen zusammen gearbeitet. Der Job ist knochenhart - nach ein paar Jahren ist man da seelisch durch. Ich kenne auch sehr viele Lehrer. Und von denen kenne ich auch genügend, die von ihren Schülern so fertig gemacht wurden, dass sie in der Klapse geendet sind oder sich jeden Morgen erst mal ein paar Stimmungsmacher einwerfen müssen, damit sie sich noch in die Schule trauen. Also haltet mal die Füsse still. Traumjobs sind das beides nicht. Die Kohle sei ihnen gegönnt. Bei den Investmentbanken ist das wieder ein anderes Thema... :haemisch:

Heiko, ich bin kein Messermacher. Aber zumindest habe ich mich auch mal selbständig gemacht, arbeite jetzt deutlich mehr als vorher, verdiene aber immer noch viel weniger als vor 8 Jahren als Angestellter. Würde ich wieder tauschen wollen? Auf keinen Fall! :D

Geht also nicht nur euch Messermachern so. So lange du wirklich das tust, was du willst, bist du vielleicht unzufrieden mit dem Einkommen, aber du wirst nie zum seelischen Wrack, weil du 45 Jahre bis zur Rente immer dieselbe Tretmühle mitmachen musst.

Schau einfach aus dem Fenster zu den Elchen rüber und frage dich, ob das nicht ein paar Euros aufwiegt.

-Walter

PS: Ausserdem glaube ich immer noch, dass alle Messermacher heimlich Ferraris fahren. Bei den Preisen, die ihr uns Käufern immer für die Messer aus der Tasche zieht... ;) :p (Spässle...)

cugar
09.10.11, 06:07
...... aber es gibt Momente wo man sich doch überlegt warum man das macht.

Es dürfte nur wenige Menschen und Berufe geben die immer und zu 100% zufrieden sind.
Scheisstage gibt es in jedem Beruf, selbst Paris Hilton hat nicht nur Sonnentage. :p

Alex

Ookami
09.10.11, 07:33
Ich bin Handwerker , kein Künstler :)

Ist mir schon aufgefallen. :p

War auch nur ein Beispiel von Leuten, denen es finanziell wesentlich schlechter geht, die aber trotzdem an ihrem Traum festhalten.


Ookami

heiko häß
09.10.11, 09:45
War auch nur ein Beispiel von Leuten, denen es finanziell wesentlich schlechter geht, die aber trotzdem an ihrem Traum festhalten.

Da gibt es viele denen es sehr viel schlechter geht und die sich ihren Job nicht selbst ausgesucht haben weil es ihr Traumjob ist. Wenn ich nur an die Stützen der Zivilisation denke wie z.B Reinigungspersonal , Müllmänner oder Kanalarbeiter. Die müßen für wenig Geld die übelsten Jobs verrichten und ernten dafür noch Verachtung :(
Ich bin auch nicht unbedingt neidisch auf Menschen die mehr Geld verdienen als ich zumal ich Ihren Job wahrscheinlich nie gemacht habe und nicht weiß was er wirklich beinhaltet. Ärgerlich macht es mich nur wenn z.B Banker Mist bauen , Anleger schädigen und dafür auch noch Bonnis bekommen. :mad:
Was man aber immer bedenken sollte ist das eine Summe die für einen selbst Peanuts ist ein anderer dafür vieleicht lange arbeiten muß.

Ich glaube ja und deshalb bist Du sehr viel reicher als die meisten Menschen
Das ist richtig , das Leben das ich jetzt führen darf ist unbezahlbar.
Wenn es mal nicht so läuft wie ich es gerne hätte spaziere ich zum See runter , setze mich für ein paar Minuten hin und schon weiß ich wieder warum ich diesen Schritt gemacht habe :)

Spieler74
09.10.11, 10:49
...das Leben das ich jetzt führen darf ist unbezahlbar.
Wenn es mal nicht so läuft wie ich es gerne hätte spaziere ich zum See runter , setze mich für ein paar Minuten hin und schon weiß ich wieder warum ich diesen Schritt gemacht habe :)

...so ist es richtig:super:...
herzliche Grüsse
Tino

Rostige Klinge
09.10.11, 15:02
Hallo Heiko!
Ich finde Deine Einstellung zum Beruf sehr positiv,
Geld allein ist nützlich, macht aber sicherlich nicht glücklich, wichtig ist das man im Beruf u. mit seinem Umfeld in Einklang lebt und zufrieden ist.
Wenn ich z.B. eine Negativphase habe geh ich in meine kleine Kellerwerkstatt, mach irgendwas mit Messer, vergesse Zeit u. Raum;
und bin .......GLÜCKLICH:super:
Gruß aus Niederbayern!
Ewald.

painless potter
09.10.11, 16:57
Hier mal meine Gedanken zum Thema:

Zuerst, auch wenn in meinem Benutzerprofil „gewerbliches Mitglied“ steht, sehe ich mich selbst natürlich nicht als beruflicher Messermacher, sondern als stark motivierter Hobbymessermacher. Ich verkaufe halt Messer und versteuere die Gewinne brav wie es sich gehört. Mein Hauptjob als (wie weiter oben im Nebensatz schon beschrieben) überbezahlter Mediziner lässt leider nicht zu, mich soviel mit dem Messermachen zu beschäftigen wie ich gern würde. Das Messermachen macht mir höllischen Spaß, aber mein Hauptberuf eben manchmal auch.

Alle Messermacher die ich kenne kommen aus anderen Berufen, die sie entweder parallel noch ausüben oder die sie eben aufgegeben haben, um sich ihren berufliche Traum zu erfüllen. So wie du ja auch, Heiko. Diese Leute haben oft aber noch ein zweites oder sogar drittes Standbein, jobben irgendwo anders noch, oder verkaufen zusätzlich Messermacherbedarf, geben Kurse etc. Ganz wenige zumindest soweit ich weiß leben ausschließlich vom Messermachen und haben Auftragsbücher, die für die nächsten Jahre voll sind. Das sind die o.g. Künstler, wo nicht gefragt wird was das Messer kostest sondern ob man denn mal irgendwann eines kaufen könne. Und selbst diese Leute glaube ich haben aus ihrem alten Leben ein ausreichendes Polster und dieses Leben entspannt führen zu können.

Und dann gibt’s noch den Surf / Ski / Tauchlehrertyp, den „Ich-hab-die-Nase-voll-von-dem-ganzen-Kram-Mensch, der aus seinem alten Leben flüchtet, alles hinter sich lässt und eine neue Chance sucht. Diese Leute scheitern allerdings sehr oft im neuen Leben genau wie im alten, und das hat IMHO nicht mit ihrem Können zu tun sondern mit ihren ganz individuellen Problemen. Hiermit meine ich niemanden konkret hier im Forum oder aus meinem Bekanntenkreis! Aber diese Leute sind mir schon oft begegnet und sie tun mir meist einfach nur leid.

Sicher sind nicht alle Jobs toll, und nicht jeder ist mit dem Silberlöffel im Mund geboren. Aber ich z.B. beurteile niemanden danach, was er macht sondern eher wie er es macht. Und für mich ist der Müllwerker, der meinen Dreck wegholt, damit er mir nicht aus den Fenstern quillt genauso viel wert wie der Gehirnchirurg, der mir mein Blutgerinsel aus der Birne popelt. Wenn beide ihren Job gut machen…

Und dann kann ich mir natürlich nicht verkneifen noch mal was zu meinem Lieblingsthema zu schreiben: Es gibt Leute, die finden prinzipiell das Geld, das andere verdienen zu viel und das was sie selbst bekommen zu wenig. Das ist so was von leidig, das glaubt man kaum. Wir leben nun mal im Kapitalismus, da nimmt jeder soviel man bereit ist ihm zu zahlen. Mich nervt es auch, das der Beulendoktor 5 Minuten auf dem Dach meines Polos (!!!) rumrubbelt, weil mir da ne Kastanie draufgefallen ist und dann der Spaß 100 Euro kostet. Aber ICH kann das nicht, darum muss ich es ihm zahlen. Ob das vom Preis/Leitungsverhältnis gerechtfertigt ist oder nicht. Und wenn jemand zu mir kommt und eine Keramikkrone habe will und die kostet 700 Euro, das ist das eben so. Der Kunde sieht nie, was an so einem Endpreis alles dranhängt, Miete, Energiekosten, Material, Löhne für Mitarbeiter, Steuern etc. Und letztlich die Fertigkeiten und die Sachkenntnis des Dienstleisters. Und das betrifft alle beruflichen Bereiche.

Ich finde es jedenfalls toll, dass es Messer, Messermacher und Messerliebhaber gibt!

Love it or leave it! Hugh, ich habe gesprochen...

Messerboll
09.10.11, 17:46
kastanienbeule?

Drinlassen!:super:

GEGROOVTES DACH,MANN!

Schanz Juergen
09.10.11, 19:07
drecksjob?

natürlich ist das ein drecksjob! - aber der schönste unter allen dreckigen jobs die es gibt !!
und genau darum mache ich das. weils spass macht, total abwechslungsreich ist, es eine menge liebe idioten als kunden gibt welche genau so bescheuert denken wie man selbst und weil man mit ein bisschen glück und einsatz auch halbwegs davon leben kann.

klar, gibts auch noch volldeppen, welche neidisch darauf sind das man auch was verkauft, nachdem man nächtelang sehr wenig geschlafen, 2 samstage im jahr zu hause war und jede freie minute darüber nachdenkt was man als nächstes macht.
dafür bin ich nicht neidisch wenn andere samstags im bett oder auf der couch liegen und sich nett erholen :D

gnilreh
09.10.11, 19:22
Moin!


Da gibt es viele denen es sehr viel schlechter geht und die sich ihren Job nicht selbst ausgesucht haben weil es ihr Traumjob ist. Wenn ich nur an die Stützen der Zivilisation denke wie z.B Reinigungspersonal , Müllmänner oder Kanalarbeiter. Die müßen für wenig Geld die übelsten Jobs verrichten und ernten dafür noch Verachtung :(


Dazu fällt mir spontan DIESER (http://www.youtube.com/watch?v=AQfGTDyjVSE)Song ein...

Grüße,
Dom

teamaster
09.10.11, 19:29
Dann schreibe ich auch mal meine Gedanken dazu auf...

nachdem ich doch schon das eine oder das andere Messer selbst geschmiedet/gebaut habe, und Bekannte mich schon desöfteren gefragt haben, ob ich das nicht (haupt(neben/wasweissichwie)-beruflich machen will...

Meine Antwort lautete jedesmal aus 2 Gründen Nein...

Grund eins, ich bin und werde garantiert niemals so perfekt sein, um den Standards oberhalb eines Hobbybastlers zu genügen.

Grund zwei für mich war schlicht und einfach, dass es für mich ein Hobby ist und ich es als Hobby behalten will. Sollte ich das versuchen beruflich machen zu wollen, würde für mich das Hobby verloren gehen, und das will ich für mich um jeden Preis erhalten.

Andererseits habe ich für mich einen Beruf gefunden, der mir vieles gibt, was ich will, und so das Messermachen "nur" ein Hobby ist, egal wie viel Geld und Zeit ich darauf verwende.

Andererseits ziehe ich meinen Hut vor jedem, der dieses Handwerk so perfekt beherrscht, dass er/sie seine Messer verkaufen kann, oder gar davon Leben kann. Und auch vor jedem, der sich so einen Traum verwirklicht hat.

Gruß

Christian

Dizzy
09.10.11, 19:29
Hallo Heiko,
Ich stelle mir gerade meinen Freund und Messermacher Daniel Boll vor , wie Er 5-6 x die Woche für 48 Euro brutto die Stunde jeden Tag mindestens 8 Stunden hier in Deutschland robotten geht...ich glaube , das Wort " Ausgebrannt" würde sehr schnell an Bedeutung gewinnen.Er hat seinen Lebensmittelpunkt nun mal in Thailand gefunden,gerade dort sein Haus gebaut ,ist ein zufriedener Mensch,hat Sonne und Meer und ruht in sich. Das wiederum spiegelt sich meiner Meinung nach auch in seinen Arbeiten wieder.Er war noch nie so gut wie heute.
Du hast es doch auch nicht viel anders gemacht. Lebst nun in einem der schönsten Ländern dieser Erde und hast Dein Hobby zum Beruf gemacht.Wer kann das schon von sich behaupten? Viele wollen das, die wenigsten schaffen es. Zusätzlich machst Du noch ein wenig dies und das im Bereich von Outdoor und Fischen.Ich könnte mir vorstellen auch auf den einen oder den anderen Euro zu verzichten, wenn ich dafür ein wenig im Bereich Freizeit dazu gewinnen könnte.
Ich kann Dich nur zu Deinem eingeschlagenen Weg gratulieren,denn Du machst:

http://www.youtube.com/watch?v=TuWQgUB9qH0

Dein Ding;-)

Dizzy

heiko häß
10.10.11, 16:22
Mich nervt es auch, das der Beulendoktor 5 Minuten auf dem Dach meines Polos (!!!) rumrubbelt, weil mir da ne Kastanie draufgefallen ist und dann der Spaß 100 Euro kostet.
Nicht böse sein Nils aber über diesen Satz mußte ich schmunzeln;)
Eigentlich mußte ich über mich schmunzeln da mein erster Gedanke war : In wie weit schränkt das die Funktion des Autos ein?
Aber ich erinnere mich , ich hatte früher ähnliche Probleme :D
Heute bin ich froh wenn mein Radio noch lauter spielt als mein Pick up klappert :D
Kosmetische Dinge am Fahrzeug sind mir inzwischen so unwichtig das ich sogar die jährliche Autowäsche vergesse ;)
Das ist vieleicht wieder ein Argument das für einen solchen Schritt spricht. Wenn man zufrieden ist mit dem was man macht und wie man lebt werden die Wünsche weniger und man unterliegt nicht mehr diesem Konsumzwang und Mode-Wettbewerb und kann sich auf die wichtige Dinge im Leben konzentrieren

GeHaWe
10.10.11, 20:17
Tja Heiko - da hast Du jetzt jede Menge Philosophen an den Tisch gebeten.

Also ich bin glücklich und verdiene nicht schlecht. Aber abends beim Einschlafen träume ich fast immer entweder vom Messermachen oder vom nächsten Schweden-Aufenthalt - Da bist Du beiden Träumen näher! Das gönne ich Dir, denn Du hast durch einen mutigen Entschluss versucht, Dein Glück zu finden.

Ansonsten kann ich mich Christian (Teamaster) nur anschließen, als Hobby ist Messermachen toll, aber als Beruf würde ich persönlich es nicht machen wollen. Das können andere besser.

Grüße in den Norden ... und geh' mal wieder Angeln!

Gerhard

Goderich
15.10.11, 21:41
Inwiefern das Messermachen ein Traumjob ist, kann ich nicht ansatzweise sagen. Aber in einem muss ich mich Dir vorbehaltlos anschließen: Entscheident ist, ob man den Job will. Ich verdiene hier in D in meinem Job als Nichtselbstständiger ausreichend, liebe in 50 Prozent der Fälle was ich mache und vergesse den Rest offenbar schnell genug...

Letzten Endes freue ich mich über jeden Menschen der egal welchen Beruf mit der gleichen Überzeugung und Hingabe ausübt, wie eben jene Messermacher, zu denen zu zählst. Denn nur diese Menschen beherrschen ihren Beruf wirklich gut und VERDIENEN ihr Geld.

In diesen Fällen bekommen sie nur meist weniger als sie verdienen!